Nachhaltigkeit für Deutschland? Frag doch einfach!. Michael von Hauff
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Entsprechend der Prognose treten bis zum Jahr 2100 Krisenphänomene auf wie eine De-Industrialisierung und eine massive Einschränkung der bisher üblichen Lebensverhältnisse. Selbst unter Berücksichtigung einiger konzeptioneller und methodischer Unzulänglichkeiten des Berichts, die sich primär aus dem damaligen Stand der Forschungsmethoden erklären, kann man feststellen, dass dieser Bericht eine heftige Diskussion über den Zusammenhang von Produktionsformen und Lebensstilen, aber auch über das exponentielle →Wirtschaftswachstum und die nicht erneuerbaren Ressourcen auslöste, die sich teilweise bis in die Gegenwart fortsetzten.
Gibt es weitere wichtige Schritte zur nachhaltigen Entwicklung?
Ein weiterer Meilenstein zur nachhaltigen Entwicklung war die erste große Umweltkonferenz der UN 1972 in Stockholm auf der das United Nations Environment Programme (UNEP) gegründet wurde. Das war der Anstoß dafür, dass in der Folge in vielen Ländern erste UmweltprogrammeUmweltprogramme und später Umweltministerien gegründet bzw. aufgebaut wurden. In Deutschland wurde am 14. Oktober 1971 unter Federführung von Willi Brandt das erste Umweltprogramm vorgelegt und am 6. Juni 1986 wurde das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gegründet.
Die International Union for the Conservation of Nature (IUCN) hat 1980 in Kooperation mit verschiedenen UN-Organisationen die „World Conservation Strategy“ erarbeitet. (Grunwald, Kopfmüller 2012, S. 21) Dabei wurde der Begriff „Sustainable Development“ in einem größeren wissenschaftlichen und politischen Kreis verwendet. Inhaltlich zielte der Begriff noch wesentlich darauf ab, dass eine ökonomische Entwicklung ohne die Erhaltung und Funktionsweise der ÖkosystemeÖkosysteme nicht möglich ist.
Die soziale Dimension, die später in das Leitbild nachhaltiger Entwicklung als dritte Dimension mit einging, wurde zu diesem Zeitpunkt noch vernachlässigt. In dem Brundtland-Bericht wurde der Begriff „nachhaltige Entwicklung“ erstmals als globales Leitbild der Entwicklung einer breiten Öffentlichkeit nahegebracht. Das Ziel in dem Bericht ist, eine dauerhafte Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse unter Berücksichtigung der TragekapazitätTragekapazität der natürlichen Umwelt zu erfüllen.
Entsprechend geht es um das Bestreben, die Konfliktlinien zwischen Umwelt, Naturschutz, Armutsbekämpfung und →Wirtschaftswachstum zu überwinden. Es ging ganz konkret um die Verringerung bzw. Beseitigung der sich verschärfenden Krisenphänomene wie Dürren besonders in afrikanischen Ländern, die Vernichtung tropischer Wälder, die Verringerung der Ozonschicht, die Finanzkrisen und Verschuldungsprobleme vieler Entwicklungsländer und die Folgen schwacher und →korrupter Regierungen. Ein positiver Effekt des Reports ist, dass Wirtschafts- und Umweltpolitik nicht länger als getrennte Politikbereiche gesehen wurden, wobei eine kohärente Zusammenführung in vielen Ländern bis heute noch nicht stattgefunden hat. Damit kann zu dem nächsten Kapitel übergeleitet werden: Es geht um den Beitrag bzw. das Engagement der UNO zur nachhaltigen Entwicklung.
Literatur- und Videotipps:
Eine vertiefende Beantwortung der Fragen ist zu finden im Lehrbuch „Nachhaltige Entwicklung“ von Michael von Hauff, das in 2. Auflage im Jahr 2014 bei De Gruyter erschienen ist.
bei Schlaumal – Umwelt, Mensch und Tier,
bei Sustainability Illustrated,
bei Global Weirding with Katharine Hayhoe,
bei The Story of Stuff Project und
bei Hot Mess.
Die letzten vier Videos sind in englischer Sprache.
Wo können wir Nachhaltigkeit international finden?
Die UN-OrganisationenUN-Organisationen, aber auch einige Forschungseinrichtungen erkannten relativ früh die bereits genannten wirtschaftlichen und ökologischen Probleme, die sich besonders in EntwicklungsländernEntwicklungsländer verschärften. Hervorzuheben ist beispielsweise der Pearson-BerichtPearson-Bericht „Partners in Development“, der schon 1969 die Krise der Entwicklungsländer deutlich aufzeigte. Hervorzuheben ist auch die berühmte Rede des damaligen Weltbankpräsidenten Robert Mc Namara, die für die unbefriedigende Entwicklung ein bedeutender Beleg war (Mc Namara 1973):
„Die absolute Armut ist durch derart katastrophale Lebensumstände gekennzeichnet, dass die Entfaltung der Gene, mit denen die Menschen bei der Geburt ausgestattet sind, unmöglich gemacht und die menschliche Würde beleidigt wird. Und doch sind diese Bedingungen so weit verbreitet, dass sie das Los von etwa 40 Prozent der Menschen in den Entwicklungsländern bestimmen.“
Wie steht es um die Industrieländer?
Auch in Industrieländern haben sich ab den 1970er Jahren Umweltprobleme, Arbeitslosigkeit und auch eine wachsende Verschuldung in zunehmendem Maße verschärft. Die Versuche, die Probleme durch eine Stärkung marktwirtschaftlicher Strukturen im Sinne des Neoliberalismus zu verringern, führten vielfach nicht zu dem erwünschten Erfolg bzw. zur Lösung. Dadurch wurde die Lebenslage vieler Menschen teilweise noch mehr belastet. So kam es auf internationaler Ebene zu dem neuen Paradigma nachhaltiger Entwicklung. Es wurde bereits von der schon erwähnten international zusammen gesetzten Brundtland-KommissionBrundtland-Kommission in dem berühmt gewordenen Brundtland-Bericht inhaltlich konkretisiert. (V. Hauff 1987)
Was hat die UNO mit Nachhaltigkeit zu tun?
Auf der internationalen Konferenz 1992 in Rio de Janeiro (United Nations Conference on Environment and Development/UNCEDUNCED) verpflichteten sich 178 Nationen zu dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung. Besondere Beachtung verdient das Aktionsprogramm zur Umsetzung des Leitbildes: die →Agenda 21Agenda 21 als Agenda für das 21. Jahrhundert. Die Agenda 21 besteht aus einer Vielzahl politischer Bekenntnisse, Ziele und Vorhaben bzw. Maßnahmen. Sie umfasst über 350 Seiten und führt unterschiedliche Themen und Anspruchsgruppen auf. (UNCED 1992)
Wird die Agenda 21 „gelebt“?
Die →Agenda 21 bestimmt bis heute ganz wesentlich die inhaltliche Ausgestaltung und die erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung. Obwohl das Leitbild international eine große Popularität erfuhr, ist es bis heute in der Bevölkerung, wie einführend schon empirisch belegt wurde, nur in relativ geringem Maße bekannt. Dabei kann festgestellt werden, dass es auf internationaler Ebene seit 1992 zu einem kontinuierlichen Prozess kam, dem sogenannten Rio-ProzessRio-Prozess, durch den die nachhaltige Entwicklung global gefördert werden sollte.
Was hat es mit dem Rio-Prozess auf sich?
Auf der Rio-Konferenz wurden bereits eine Reihe von Beschlüssen wie die Rio-Deklaration zu Umwelt und Entwicklung, die zur Stabilisierung