Verborgen. Dieter Aurass
Чтение книги онлайн.
Читать онлайн книгу Verborgen - Dieter Aurass страница 3

Bis zu dem Tag, an dem diese eine Patientin bei ihm aufgetaucht war. Sie war der Grund, warum er nun in einem Schrank im Schlafzimmer dieses Hauses saß und darauf wartete, ungestört in der Villa nach dem zu suchen, was sein Leben wieder in die richtige Bahn bringen würde.
Sein Plan, in die Villa einzudringen, war gleichermaßen einfach und genial gewesen. Er hatte das Haus unauffällig beobachtet und dabei sowohl die Reisevorbereitung der Bewohner mitbekommen, als auch die Rhythmen des Personals, das sich um die Reinigung und Instandhaltung des Anwesens kümmerte. Immer freitags kam eine Reinigungskraft und montags erschienen sowohl der Gärtner als auch der Poolreiniger. Der Montag war ihm als der ideale Tag erschienen, da es leichter war, zwei Personen von einem Haus wegzulocken als eine Einzelne. Um die beiden vom Haus zu entfernen, hatte es lediglich ein paar wenige Utensilien gebraucht: Ein Smartphone, das er fernsteuern konnte, eine Audiodatei, die er aus einem Actionfilm extrahiert hatte und einen batteriebetriebenen Lautsprecher, der in der Lage war, eine gewisse Leistung zu erbringen. Alle Teile hatte er in einer Hecke am Rand des Gartens versteckt, als der ältere Gärtner und der junge Poolreiniger noch nicht erschienen waren. Die Abreise der Bewohner hatte er am Samstag aus der Ferne beobachtet. Bei der Menge an Gepäck, das ein schwitzender Taxifahrer in seinen Kleinbus lud, waren die Medienberichte, sie würden für zwei Wochen ihre Tochter in den USA besuchen, sicherlich nicht übertrieben gewesen. Dann hatte er gesehen, wie zuerst der Gärtner erschienen war, die Alarmanlage mit einem Code ausgeschaltet hatte und begonnen hatte aus einem Schuppen an der riesigen Doppelgarage sein Gartengerät zu holen. Dann war der Poolreiniger erschienen, der ebenfalls seine Utensilien aus dem Schuppen zusammensuchte und an den Pool brachte. Die beiden hatten gerade mit ihrer Arbeit begonnen, als er von seinem Smartphone das Signal gab, welches die Audiodatei auf dem versteckten Gerät startete.
Wenige Sekunden später erscholl aus Richtung der Hecke ein infernalisches Kreischen von Gummireifen auf Asphalt und kurz darauf ein noch viel lauteres metallisches Krachen, Scheppern und zum Abschluss eine donnernde Explosion. Er erschrak nur deshalb nicht, weil er die Audiodatei kannte und genau wusste, was da ertönte.
Die beiden Männer im Haus waren hingegen total geschockt.
»Leck mich fett«, schrie der Poolreiniger, »wassen da passiert? Da is aber ordentlich was in die Luft geflogen!« Der Gärtner starrte ihn mit offenem Mund an und nickte heftig.
Da die Hecke an der Stelle, von der das Geräusch gekommen war, dicht geschlossen und zwei Meter hoch war, verschwendeten beide keinen Gedanken daran, dorthin zu laufen und zu versuchen, hindurchzusehen. Stattdessen eilten sie, so schnell sie konnten zum Gartentor, stürmten hindurch und bogen um die nächste Ecke, um den vermeintlichen Unfall zu sehen.
Die ihm zur Verfügung stehende Zeit war ausreichend gewesen, um ungesehen durch die offene Gartenpforte zu schlüpfen und danach durch die Innentür der Garage in das Haus zu gelangen. Nach einigem Suchen hatte er im Obergeschoss das Schlafzimmer der Ehefrau gefunden, was er an dem Schminkspiegel und dem Schränkchen davor unschwer erkannt hatte. Die vielen Fläschchen, Tiegel, Cremes, Bürsten, Pinzetten und Gerätschaften, deren Bedeutung ihm größtenteils unbekannt waren, hätten einer Parfümerie gut zu Gesicht gestanden.
In dem riesigen begehbaren Kleiderschrank hatte er es sich auf dem Teppichboden bequem gemacht. Er war davon ausgegangen, dass weder der Poolreiniger noch der Gärtner hier etwas verloren hatten, und hatte sich deshalb ausreichend sicher gefühlt. Das hatte allerdings dazu geführt, dass er mangels Beschäftigung immer müder geworden und schließlich eingeschlafen war.
Als er vor wenigen Augenblicken wach geworden war, war es stockdunkel. Einen kurzen Moment lang war er so verwirrt, dass er nicht wusste, wo er war. Als ihm das ganze Geschehen um sein Eindringen in dieses Haus wieder einfiel, schaltete er sein Smartphone ein und sah die Uhrzeit: 03:40 Uhr!
Du meine Güte! Ich habe ja die meiste Zeit verschlafen. In anderthalb Stunden setzt schon die Dämmerung ein.
Er überlegte gerade, wie er nun am besten vorgehen sollte, als er das Geräusch hörte. Es war nicht laut, aber das scheppernde Klirren erinnerte ihn an das Zerspringen einer Vase oder Glasschüssel auf einem harten Steinboden.
Verdammt, ich bin nicht allein!
Kapitel 3 - die Angestellte
Es gelang ihr einfach nicht, ihre zitternden Hände unter Kontrolle zu bringen.
Warum muss ich mein großes Schandmaul aber auch immer so weit aufreißen.
Vor ihrer besten Freundin Sylvia hatte sie geprahlt, dass sie sich das nicht bieten lassen würde, dass sie sich rächen würde und das ihr angetane Unrecht gebüßt werden würde. Jetzt gab es keinen Weg mehr zurück.
Verdammt. Scheißegal, da muss ich jetzt durch.
Sie blickte durch die dichte Hecke über die große Wiese genau auf die Terrasse und die dort befindliche Terrassentür. Links von der Tür befand sich das Tastenfeld, in dem der Code für die Entsperrung der Alarmanlage eingegeben werden musste, wenn man von außen die Tür öffnen wollte. Sie hoffte, dass die Familie diese Nummer nicht geändert hatte, seit sie nicht mehr im Dienst der Helmholtz´ stand. Obwohl sie öfter als einmal die Alarmanlage ausgeschaltet hatte, wusste sie nicht mehr, ob es einen Bewegungsmelder im Garten gab, oder ob vielleicht beim Überqueren des Rasens plötzlich Scheinwerfer angehen würden. Vor einer Minute war die Straßenbeleuchtung rund um das Anwesen der Helmholtz ausgegangen, was ihr Eindringen in das Grundstück durch die nun vorherrschende Dunkelheit wesentlich erleichterte. Sie betete, dass es nicht gerade dann wieder anging, wenn sie über den Zaun vor der Hecke stieg.
Na ja, selbst wenn, um diese Uhrzeit ist doch keine Sau mehr auf der Straße und Schichtarbeiter, die mitten in der Nacht aufstehen müssen, wird es in dieser Gegend auch nicht allzu viele geben, oder?
Zumindest was ihre Kleidung anging, hatte sie ein wenig überlegt, bevor sie den Plan gefasst hatte, heute Nacht in die Villa einzubrechen. Sie hatte einen bequemen Jogginganzug und Laufschuhe angezogen - den dunkelsten Anzug, den sie hatte. Ihren Haarschopf hatte sie unter einer dunkelblauen Skimütze versteckt.
Als ob mir einer abkaufen würde, dass ich um halb vier Uhr morgens am Rhein jogge - lächerlich.
Mühsam überstieg sie den Zaun und musste sich wieder einmal eingestehen, dass es einen Fehler darstellte, in ihrem Alter von gerade mal achtundzwanzig Jahren keinerlei Sport zu treiben. Die Zeit dazu hätte sie gehabt, denn seit ihrem Hinauswurf bei der Familie Helmholtz hatte sie keinen Job mehr bekommen können. Sie hatte sogar schon in Erwägung gezogen, den Großraum Koblenz zu verlassen, aber dank ihres ehemaligen Arbeitgebers hatte sie leider eine nationale Berühmtheit erlangt - wenn man die vernichtenden Artikel über sie in der Klatschpresse als ›Berühmtheit‹ bezeichnen durfte.
Ihre Kiefer mahlten fast schmerzhaft aufeinander, als sie sich an die Ungerechtigkeit erinnerte, die ihr widerfahren war. Sie hasste die Familie Helmholtz mit einer Inbrunst, die ihr die notwendige Kraft gab, sich über den Zaun zu schwingen und den Mut, von oben in den schmalen Spalt zwischen Zaun und Hecke zu springen. Als Nächstes suchte sie eine Lücke, durch die sie in den Garten gelangen konnte, was sich schwieriger gestaltete, als sie gedacht hatte. Erst nach einigen Metern gelangte sie an eine Stelle, die den Eindruck machte, als könne man sich durch sie durch die Hecke schlängeln.
Wieder war es ihre Wut und die Aussicht auf Rache, die sie befähigten, sich durch die bei weitem nicht ausreichend