Joseph Balsamo Denkwürdigkeiten eines Arztes 1. Александр Дюма
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»Es war ein Pferd hinten am Wagen angebunden?«
»Ja, Madame.«
»Ist es noch dort?«
»Nein, Madame: die Person, welche in das Innere des Kastens gestiegen ist, hat es losgebunden und dann wieder an das Wagenrad angebunden.«
»Dem Pferde ist auch nichts geschehen?«
»Ich glaube nicht.«
»Es ist ein werthvolles Thier, das ich ungemein liebe; ich möchte mich gern selbst überzeugen, daß es unversehrt ist; aber wie soll ich bei diesem Kothe zu ihm gelangen?«
»Ich kann das Pferd hierher führen,« sprach der junge Mann.
»Oh ja!« rief die Frau, »thun Sie das, ich bitte Sie und werde Ihnen sehr dankbar dafür sein.«
Der junge Mann näherte sich dem Pferde, das den Kopf erhob und wieherte.
»Fürchten Sie sich nicht,« sagte die Frau im Cabriolet, »es ist sanft wie ein Lamm.«
Dann die Stimme dämpfend, flüsterte sie:
»Dscherid! Dscherid!«
Das Thier erkannte ohne Zweifel diese Stimme als die seiner Gebieterin, denn es streckte seinen gescheiten Kopf und seine rauchenden Nüstern gegen das Cabriolet aus.
Während dieser Zeit band der junge Mann das Pferd los.
Doch kaum fühlte es seine Leine in den ungeschickten Händen, welche dieselbe hielten, als es sich mit einem heftigen Riffe frei machte und mit einem einzigen Sprunge zwanzig Schritte von dem Wagen entfernte.
»Dscherid!« wiederholte die Frau mit ihrem einschmeichelnden Tone, »hier, Dscherid, hier!«
Der Araber schüttelte seinen schönen Kopf, athmete geräuschvoll die Luft ein und näherte sich, beständig tänzelnd, als ob er einem musikalischen Takte folgte, dem Cabriolet.
Die Frau kam mit dem halben Leibe aus den ledernen Vorhängen hervor und flüsterte: »Komm hierher, Dscherid, komm!«
Und gehorsam bot das Thier seinen Kopf der Hand, die sich ausstreckte, um es zu liebkosen.
Da ergriff die junge Frau mit dieser zarten Hand die Mähne des Pferdes, stützte sich mit der andern auf das Spritzleder des Cabriolets und sprang in den Sattel, mit der Leichtigkeit der Gespenster in den deutschen Balladen, die sich auf das Kreuz der Pferde schwingen und an den Gürteln der Reisenden anklammern.
Der junge Mann eilte auf sie zu; doch mit einer gebieterischen Geberde der Hand hielt sie ihn zurück und sprach:
»Hören Sie, obgleich jung, oder vielmehr, weil Sie jung sind, müssen Sie menschenfreundliche Gefühle haben. Widersetzen Sie sich meinem Abgang nicht. Ich fliehe einen Mann, den ich liebe, doch ich bin vor Allem Römerin und gute Katholikin. Dieser Mann aber würde meine Seele zu Grunde richten, wenn ich länger bei ihm bliebe, denn er ist ein Atheist und ein Nekromant, den Gott so eben durch die Stimme seines Donners gewarnt hat. Möchte er auf diese Warnung hören! Sagen Sie ihm, was ich Ihnen hier gesagt habe, und seien Sie gesegnet für die Hülfe, die Sie mir geleistet. Gott befohlen!«
Und leicht wie jene Dünste, die über den Sümpfen schweben, entfernte sie sich und verschwand von dem luftigen Galopp von Dscherid fortgetragen.
Als der junge Mann sie fliehen sah, konnte er sich eines Schrei’s der Ueberraschung und des Erstaunens nicht erwehren.
Es war dies der Schrei, der bis in das Innere des Wagens drang und die Aufmerksamkeit des Reisenden erregte. —
IV.
Gilbert
Es war dies der Schrei, sagten wir, der die Aufmerksamkeit des Reisenden erregte.
Er sprang hastig aus dem Kasten, schloß diesen sorgfältig, und schaute sodann unruhig umher.
Das Erste, was er erblickte, war der junge Mann, der erschrocken auf der Straße stand. Ein zu gleicher Zeit erscheinender Blitz erlaubte ihm denselben vom Kopf bis zu den Füßen prüfend zu betrachten, eine Prüfung, welche Gewohnheit des Reisenden zu sein schien, so oft sein Blick einer neuen Person oder einer neuen Sache begegnete.
Es war ein Jüngling von kaum sechzehn bis siebenzehn Jahren, klein, mager und nervig; seinen schwarzen Augen, die er kühn auf den Gegenstand heftete, welcher ihn in Anspruch nahm, mangelte es an Sanftheit, aber nicht an einem gewissen Reize; seine schmale, gebogene Nase, seine feinen Lippen und seine hervorspringenden Backenknochen deuteten Schlauheit und Behutsamkeit an, während sich die Entschlossenheit bei ihm durch das kräftige Hervorragen eines runden Kinnes enthüllte.
»Haben Sie so eben geschrieen?« fragte er ihn.
»Ja, mein Herr, ich,« antwortete der junge Mann.
»Und warum haben Sie geschrieen?«
»Weil . . .«
Der junge Mann hielt unentschlossen inne.
»Weil?« wiederholte der Reisende.
»Mein Herr,« sprach der junge Mann, »es war eine Dame im Cabriolet?«
»Ja.«
Und die Augen von Balsamo richteten sich auf den Kasten, als hätten sie die Dicke der Wände durchdringen wollen.
»Es war ein Pferd an den Federn des Wagens angebunden?«
»Ja, doch wo des Teufels ist es?«
»Mein Herr, die Dame vom Cabriolet ist auf dem Pferde, das an die Federn angebunden war, weggeritten.«
Der Reisende gab keinen Ausruf von sich, sprach kein Wort, sondern sprang nach dem Cabriolet und zog die ledernen Vorhänge aus einander: ein Blitz, der in diesem Augenblick den Himmel entzündete, zeigte ihm, daß das Cabriolet leer war.
»Heiliges Blut Christi!« rief er mit einem Gebrülle ähnlich dem Donner, der demselben als Begleitung diente.
Dann schaute er umher, als wollte er ein Mittel suchen, um nachzusetzen; doch er erkannte bald die Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel, und sprach den Kopf schüttelnd:
»Es versuchen, mit einem dieser Pferde Dscherid einzuholen, wäre gerade so gut, als wenn man eine Schildkröte zur Verfolgung einer Gazelle abschicken würde. Doch ich werde immerhin erfahren, wo sie ist, insofern nicht . . .«
Und er fuhr rasch und voll Angst mit der Hand nach seiner Westentasche, zog ein kleines Portefeuille hervor und öffnete dasselbe. In einer von den Taschen dieses Portefeuille war ein zusammengefaltetes Papier und in dem Papier fand sich eine schwarze Haarlocke.
Bei dem Anblick dieser Haare erheiterte sich das Gesicht des Reisenden und sein ganzes Wesen wurde, wenigstens scheinbar, wieder ruhig.
»Vorwärts,« sagte er, mit einer Hand, die alsbald von Schweiß troff, über die Stirne fahrend, »es ist gut; und sie hat Ihnen bei ihrem Abgang nichts gesagt?«
»Doch, mein Herr.«
»Was