MATTHEW CORBETT und die Jagd nach Mister Slaughter. Robert Mccammon

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Читать онлайн книгу MATTHEW CORBETT und die Jagd nach Mister Slaughter - Robert Mccammon страница 11

MATTHEW CORBETT und die Jagd nach Mister Slaughter - Robert Mccammon Matthew Corbett

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Er schluckte den Wurstzipfel und griff nach seiner Teetasse. Als der Tee seinen Mund nicht beruhigte, nahm er Matthews Apfelmostbecher und trank ihn halb aus. »Euer Fall mit dem Jingo-Spiel, wo Ihr Euch als neureicher Spieler unter die Diebe gemischt habt. Dass Ihr neureich seid, stimmt ja, aber Ihr habt Euch dabei fürwahr in Gefahr gebracht, Matthew, und leugnet das nicht! Hätte ich gewusst, dass Ihr einen derartigen Auftrag angenommen habt, wäre ich mit Euch gegangen.«

      »Ihr hattet ja anderswo mehr als genug zu tun«, konterte Matthew in Anspielung auf die Komplikationen mit Dr. Coffin, wegen denen Greathouse sich auf der anderen Flussseite in New Jersey aufgehalten hatte. »Und so wie ich meine Arbeit sehe, ist es meine Entscheidung, welche Aufträge ich annehme oder nicht. Eure Billigung brauche ich nicht.«

      »Ganz genau. Und deshalb braucht Ihr jemanden, der auf Euch aufpasst. Ich habe McCaggers dafür bezahlt, Zed den Anzug anziehen und ins Cock’a’tail kommen zu lassen. Ich hatte ihm versichert, dass Zed nicht in Gefahr geraten würde – was ja auch stimmte, wenn Ihr überlegt, zu was er in der Lage ist.«

      »Aber Ihr wusstet nicht, ob das der Fall sein würde. Er hatte sich ja erst beweisen sollen.« Matthew kam wieder auf den Punkt zurück, der ihn seine Brezel hatte niederlegen lassen. »Jemanden, der auf mich aufpasst? Ihr meint, Zed soll mein Leibwächter werden?«

      »Jetzt regt Euch nicht auf. Ihr sollt zuhören. Wisst Ihr, welche Anweisungen ich Zed durch McCaggers gegeben hatte? Uns beide zu beschützen und sich selbst ebenso. Hätte es Probleme gegeben, war ich bereit, jederzeit einzugreifen.«

      »Klar«, sagte Matthew und nickte. »Euer Eingreifen hat Euch fast die Hand gekostet.«

      »Es weiß doch jeder, dass Skelly die Axt hinter der Theke hat! Ich bin nicht blöd, Matthew!«

      »Ich auch nicht«, kam die ruhige, aber vehemente Antwort. »Und ich brauche keinen Leibwächter. Habt Ihr keinen Gedanken daran verschwendet, dass es mehr Schwierigkeiten verursachen kann, wenn man einen Sklaven dabeihat, als sich zum Beispiel unter Diebe zu mischen und sich zum Lösen des Problems auf den eigenen Grips zu verlassen? Ich weiß es zu schätzen, dass Zed furchtlos ist. Das ist sicherlich eine bewundernswerte Eigenschaft. Aber manchmal gehen Furchtlosigkeit und Unachtsamkeit Hand in Hand.«

      »Ja, und manchmal gehen Köpfchen und Dickköpfigkeit Hand in Arsch«, erwiderte Greathouse. Es war schwer zu sagen, ob Wut oder die würzigen Würstchen für die Röte seiner Wangen verantwortlich war, aber einige Sekunden lang glühte tief in den Augen des Mannes ein Funke. Es war dieselbe Warnung, die Matthew von den Fechtstunden her kannte, wenn Greathouse vergaß, wo er war, und sich für einen Moment wieder auf den Schlachtfeldern und in den dunklen Gassen wähnte, die ihm sowohl seine Erfahrung als auch seine Narben beschert hatten. Dann fühlte Matthew sich glücklich, nicht aufgespießt zu werden, denn obwohl es ihm immer besser gelang, seine Haut zu verteidigen, würde aus ihm doch nie mehr als ein Amateurfechter werden. Matthew schwieg. Er wandte den Blick ab und trank von seinem Most, wartete darauf, dass der alte Kämpfer aus dem Land vergossenen Blutes zurückkehrte.

      Greathouse ließ seine Knöchel knacken.

      Seine Fäuste sind schon so groß genug, dachte Matthew.

      »Katherine setzt große Hoffnungen auf Euch«, sagte Greathouse mit ruhigerer, verträglicher Stimme. »Ich bin ganz auf Eurer Seite, dass nur Ihr entscheiden solltet, welche Aufträge Ihr annehmt und welche nicht. Es kann definitiv ein gefährlicher – potenziell tödlicher – Beruf sein, wie sie Euch gesagt hat.« Er verstummte, ließ immer noch seine Knöchel arbeiten. Es dauerte einen Moment, bis er sagte, worauf er wirklich hinauswollte. »Ich kann nicht immer an Eurer Seite sein, und es wäre mir zuwider, wenn auf Eurem Grabstein das Jahr 1702 stehen würde.«

      »Ich brauche keinen …« Matthew blieb das Wort im Halse stecken. Es wurde dunkel um ihn, als legte sich hier unter den nichtsahnenden Frühstücksgästen bei Sally Almond ein schwarzer Mantel um ihn. Er kannte diese Finsternis nur zu gut: Angst, die ihn ohne Vorwarnung überkam, die sein Herz zum Rasen brachte und ihm Schweißtropfen auf die Schläfen trieb. Die Angst hatte mit einer kleinen weißen Visitenkarte zu tun, auf der sich ein blutiger Fingerabdruck befand. Die Karte lag zuhause im ehemaligen Kühlhaus hinter Marmaduke Grigsbys Heim in seinem Schreibtisch. Matthew hatte diese Karte, die an seiner Tür nach seinen Abenteuern um die Königin der Verdammten von einem Unbekannten hinterlassen worden war, keinem Menschen gegenüber erwähnt. Er wollte nicht, dass Berry etwas davon wusste, und ganz sicher nicht ihr Großvater, der mit der gezückten Feder und den tintenfleckigen Fingern. Bei mehreren Gelegenheiten hätte Matthew Greathouse fast davon erzählt, sich dann aber stets dafür entschieden, den Mund zu halten und die Finsternis so gut wie möglich zu ignorieren. Was manchmal beinahe unmöglich war.

      Die Karte war eine Morddrohung – oder nein, keine Drohung. Ein Versprechen. Die gleiche Art von Karte war Richard Herrald zugestellt worden, Greathouses Halbbruder, und sieben Jahre nach dem Versprechen war es durch den schrecklichen Mord an ihm Wahrheit geworden. Die gleiche Art von Karte war Richter Nathaniel Powers zugestellt worden, für den Matthew gearbeitet hatte und der den Kontakt zu Katherine Herrald hergestellt hatte. Powers gegenüber war das Versprechen noch nicht eingelöst worden. Er hatte im Sommer mit seiner Familie New York verlassen und war in die Carolina-Kolonie gezogen, um seinem Bruder Durham bei der Verwaltung von Lord Kents Tabakplantage zu helfen.

      Es war ein Mordversprechen, ob für dieses Jahr oder das nächste, das übernächste oder das danach. Wenn diese Karte mit einem blutigen Fingerabdruck versehen war und an das Opfer geschickt wurde, gab es kein Entkommen vor Professor …

      »Habt Ihr vor, die Maissuppe zu essen?«, fragte Greathouse. »Kalt schmeckt die abscheulich.«

      Matthew schüttelte den Kopf und Greathouse zog den Suppenteller zu sich herüber.

      Während der große Mann die Maissuppe mit vier deftigen Löffelschlägen aufaß, wich Matthews Dunkelheit, wie sie es nach einer Weile immer tat. Sein Herz schlug wieder normal, die prickelnden Schweißtropfen trockneten und er saß ruhig mit einem nichtssagenden Gesichtsausdruck da. Niemand merkte je, dass man neben einem jungen Mann saßen, der spürte, wie ihm Schritt um Schritt ein grausamer Tod hinterherschlich, eine Verfolgungsjagd, die Jahre dauern mochte … oder bereits an diesem Abend mit einem Messer im Rücken auf dem Broad Way enden konnte.

      »Wo seid Ihr?«

      Matthew blinzelte. Greathouse schob den Suppenteller beiseite. »Ihr seid irgendwohin verschwunden«, sagte er. »Ein Irgendwohin, das ich kenne?«

      »Ich habe über Zed nachgedacht«, sagte Matthew und schaffte es, überzeugend zu klingen.

      »Denkt nach, soviel Ihr wollt«, kam die schnelle Antwort. »Aber ich habe die Entscheidung getroffen. Es ist absurd, dass ein Mann mit Zeds Talenten nichts anderes macht, als Leichen herumzutragen. Ich sage Euch, ich habe schon viele Sklaven gesehen – aber ein Ga ist mir dabei noch nie untergekommen, und wenn die Möglichkeit besteht, ihn McCaggers abzukaufen, könnt Ihr darauf wetten, dass ich ihm ein Angebot machen werde.«

      »Und dann kümmert Ihr Euch um seinen Freibrief?«

      »Genau. Wie gestern Abend schon jemand sagte, ist es für Sklaven gesetzlich verboten, ein Wirtshaus zu betreten. Was nützt uns Zed, wenn er die Orte nicht betreten darf, an denen er vielleicht gebraucht wird?« Greathouse suchte in seiner Tasche nach Geld. »Außerdem gefällt mir die Vorstellung nicht, einen Sklaven zu haben. Das verstößt gegen meine Religion. Und da es in New York mehrere freigesetzte Sklaven gibt, wie zum Beispiel den Barbier Micah Reynaud, haben wir bereits mehr als einen Präzedenzfall. Holt Euer Geld raus, ich rufe nach Evelyn.« Er hob die Hand, um der Bedienung zu signalisieren, dass sie zahlen wollten.

      »Ein

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