Blutregen. Amy Blankenship
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Es war mitten in der Nacht gewesen, als Kriss die Geräusche von fallenden Steinen gehört hatte, die über ihm erklangen. Er hatte sich gegen einen Felsbrocken gelehnt und auf die Felswand hochgesehen, die durch den Halbmond kaum erhellt wurde… nur um schattenhafte Finger zu erkennen, von Dämonen, die über die Wand zu ihm hinunterkletterten.
Seine Aufmerksamkeit wurde von ihren blutroten Augen in ihren Bann gezogen, als sie zusahen, wie er sie beobachtete, und von der Art, wie ihre fast menschlich aussehenden Körper sich gespenstisch verrenkten, als sie kletterten. Seine Augen wurden schärfer, sodass er erkennen konnte, wie ihre nackte Haut verbrannt und mit Narben übersät schien, als wären sie gerade aus einem unsichtbaren Feuer gekrochen. Kriss konnte sogar riechen, wie ihr Fleisch verbrannt und verwesend stank, als sie näherkamen.
Er fürchtete sich so sehr, dass er rückwärts über den hohen Felsbrocken kletterte und auf der anderen Seite herunterfiel, wobei er auf einer Ansammlung von kleinen, scharfen Steinen landete, die wie Stacheln aus dem Boden ragten. Als er erkannte, dass seine Haut an mehreren Stellen zerschnitten worden war, bemühte er sich, sich von den Steinen zu entfernen, ohne sich noch mehr zu verletzen.
In dem Moment, als der Geruch seines unbefleckten Blutes durch den Wind zu den Dämonen getragen wurde, konnte er hören, wie ihre Klauen sich schneller über den Fels bewegten, als sie mit mehr Eile zu ihm kletterten, und einige dumpfe Geräusche zeigten, dass einige von ihnen einfach gesprungen waren, um als erste bei ihm anzukommen.
Die Stille war nun weg… ihre verstörenden Schreie hallten von den Felsen wieder, sodass es klang, als wären da noch viel mehr, als sie tatsächlich waren.
Als er über die Felsbrocken kletterte um zu entkommen, schaffte er es nur, seine Kleidung und seine Haut noch weiter zu zerreißen, ehe er endlich auf festem Boden ankam und sicher stehen konnte.
Kriss drehte sich einmal im Kreis und erkannte, dass es zu spät war um wegzulaufen… er war umzingelt von Dämonen und sie waren so viel größer als seine kindliche Größe. Er stand wie angewurzelt da, als lange Finger mit langen Klauen sich von hinten um sein Gesicht schlossen. Die scharfen Klauen zerschnitten seine Nase und seine weichen Wangen, als der Dämon ihn rückwärts zog und dann plötzlich in die Luft riss, als würde er den anderen Dämonen eine Trophäe präsentieren.
Er hatte in seiner Welt nie kämpfen müssen und Dean hatte es ihm in dieser Welt nicht erlaubt zu kämpfen. Einen kurzen Moment lang fragte er sich, ob es nicht besser wäre, sich von ihnen umbringen zu lassen, als an diesem furchterregenden Ort alleine zu sein. Der Gedanke verschwand sofort, als der Schmerz ihn plötzlich aus seinem Schock erwachen ließ und sein Überlebensinstinkt in Aktion trat.
Mit tränenverschwommenem Blick gewann Kriss mit Mühe seinen ersten Kampf auf Leben und Tod. Stille herrschte wieder über dem Land und er schielte gerade rechtzeitig hinunter auf seine Hand, um zu sehen, wie sein leuchtendes Schwert aus seinen blutigen Fingern verschwand.
Nachdem er fühlte, wie etwas seine andere Hand schwer machte, drehte er langsam seinen Blick dorthin und sah dämonische Augen, die ihn starr anstarrten. Seine Hand war im Maul des Dings… seine Finger um sein Kiefer geschlungen… er wusste nicht, wo der Rest des Körpers war. Unabsichtlich zerkratzte er sich seine Fingerknöchel an den scharfen Zähnen, als er seine Hand wild schüttelte, um sie aus dem Maul des Dämons zu befreien, dann sah er zu, wie der Kopf zu Boden fiel.
Kriss fühlte nichts, als der Schädel von ihm wegrollte, bis er an einem Felsen hängenblieb, der ihm sein hässliches Auge zerstach. Er hörte jemanden lachen, aber entschied dann, dass es von irgendwo in ihm gekommen sein musste, denn alles um ihn herum war tot.
Nachdem er den Gestank und den Anblick ihrer verstümmelten Körper nicht länger ertragen konnte, drehte er sich um und wankte benommen in die Richtung davon, in der das Licht gerade über den Hügeln in der Ferne erschien.
Kriss wusste nicht, wie lange er gelaufen war… oder wie viele Tage vergangen waren, bis er ein merkwürdiges Geräusch hörte, wie rhythmisches Stampfen, das irgendwo vor ihm ertönte. Er war dort gestanden, taumelnd, hatte versucht, nicht zu weinen, als er darauf wartete, zu sehen ob er wieder kämpfen würde müssen. Dämonenblut… er konnte es riechen.
Es dauerte nicht lange, bis er einen Menschen sah, der auf einem Tier in seine Richtung ritt. Teile des Körpers des Mannes waren von einer Art gewebtem Metall bedeckt und Kriss konnte ein langes Schwert sehen, das er am Rücken trug… der Griff davon ragte über seine Schulter, damit er es schnell ziehen konnte. Nachdem er auf dem Mann kein Blut sehen konnte, erkannte er, dass er selbst über und über bedeckt war von Dämonenblut… schon die ganze Zeit.
Das war sein erstes Treffen mit Vincent gewesen. Sie hatten einander angestarrt, als der Mann sich genähert hatte und Kriss schnell ein paar Schritte rückwärts gegangen war. Vincent war von dem großen Tier gestiegen aber Kriss‘ ängstlicher Blick hing an dem gefährlich aussehenden Schwert fest.
„Vertraue niemandem außer mir.“ Die Erinnerung an Deans Stimme hallte warnend durch seinen Kopf und Kriss drehte sich um, um wegzulaufen.
„Warte… lauf nicht weg“, hatte Vincent gerufen.
Der Klang seiner Stimme hatte Kriss an Dean erinnert, sodass er nicht mehr wusste, was er tun sollte. Er hatte es satt, nichts zu verstehen und auf sich selbst gestellt zu sein. Er schielte zurück, um sicherzugehen, dass der Mann nicht sein Schwert gezogen hatte.
Vincent seufzte erleichtert, als das Kind stehenblieb und mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis zu ihm zurücksah. Die letzten Dörfer, an denen er vorbeigekommen war, waren nur blutiges Chaos gewesen und er hatte bisher keine Überlebenden gefunden. Obwohl er dreckig und mit Blut beschmiert war… schien der Junge gesund und sehr verängstigt zu sein, woraus er schloss, dass er wirklich ein Überlebender aus einem der Dörfer sein musste.
„Wo sind deine Eltern?“, fragte er mit besorgter Stimme, in der Hoffnung, dass er damit das Vertrauen des Kindes gewinnen können würde.
Wo waren seine Eltern? Die Frage hatte Kriss sehr traurig gemacht. Sein Vater war nicht einmal in dieser Dimension und hatte ihn inzwischen wahrscheinlich schon völlig vergessen… Dean hatte ihn verlassen und war nicht zurückgekehrt. Kriss fühlte die Wärme von Tränen über seine Wangen kriechen. Die einzige Antwort, die er geben konnte, war ein schwaches Kopfschütteln, als er sich zu dem Mann umdrehte.
„Bist du verletzt?“, fragte Vincent, als er sich vor Kriss hinkniete, um den Jungen durch seine Größe nicht zu verängstigen… er konnte nicht älter als neun oder zehn sein. Langsam hob er seine Hand und legte sie auf die schmutzige Wange des Kindes, wischte mit seinem Daumen die Tränen weg.
Kriss erinnerte sich daran, was der Mensch von ihm denken musste, wenn er ihn ansah… dass er blutverschmiert war und seine Kleider zerfetzt. Nachdem die meisten seiner Verletzungen mittlerweile verheilt waren, und er wusste, dass er dem Menschen nicht erzählen durfte, was wirklich geschehen war, antwortete er mit der einzigen Wahrheit, die er teilen konnte.
„Ich bin jetzt ganz alleine.“ Dann hatte er wirklich zu weinen begonnen… lautes Schluchzen vermischt mit Schluckauf, sodass Vincent seine Arme um ihn geschlungen hatte… geflüstert hatte, dass jetzt alles wieder gut war… dass er ihn beschützen und für ihn sorgen würde.
Und Vincent hatte ihn beschützt… war so weit gegangen, sein eigenes Leben für ihn zu opfern.
Der Schmerz einer Glasscherbe, die durch seine Hand schnitt, brachte Kriss zurück in die Gegenwart. Er öffnete seine Faust und sah das Glas, das in seiner Hand steckte.
Das