Festspiel-Kurier #15. Nordbayerischer Kurier

Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу Festspiel-Kurier #15 - Nordbayerischer Kurier страница 3

Festspiel-Kurier #15 - Nordbayerischer Kurier

Скачать книгу

Schwingen Ihres Genius ungestört entfalten können“, beruhigt ihn Ludwig II. nach der ersten persönlichen Begegnung am 4. Mai 1864. Kaum der väterlichen Kontrolle ledig, erfüllt sich der Bayernkönig seinen Lebenstraum in einer großzügigen, hoheitsvollen Geste. Wagner, um es kurz zu machen, wird in München keine Not leiden. Und auch Wagners Gläubiger hat der König schon zufriedengestellt. Der wichtigste Plan der beiden taugt dennoch nur für ein Luftschloss. Ludwig will nach der Uraufführung von „Tristan und Isolde“ für Wagners Werk in München einen Tempel errichten, mit Wagners Dresdner Barrikadenkameraden

      Gottfried Semper als Architekten. Einen Theaterbau am Hochufer der Isar, nicht weit vom Maximilianeum. Der Plan scheitert. Wagner hat sich – anonym, aber erkennbar – unklug in Zeitungen geäußert. Fordert die Entlassung von Gegenspielern. Ludwig lehnt das ab, folgt aber seinem Komponistenfreund in anderen Bereichen so eng, dass er dessen Denkschriften abschreiben und im Kabinett verteilen lässt.

      Den Münchnern stößt die enge Verbindung zwischen Ludwig und Richard auf. Den Großvater, Ludwig I., hatte die Liaison zur Tänzerin Lola Montez den Thron gekostet. Nun spottet man in der Residenzstadt über „Lolus“. Und gemeint ist Richard Wagner. Mit dem Geld sieht es auch nicht mehr so günstig aus: Der Landtag will keine Mittel bewilligen. Und da ist die Angelegenheit zwischen Cosima von Bülow und Richard Wagner. Die beiden haben ihn beschwindelt, der König geht also lediglich von einer platonischen Beziehung aus und legt seine Ehre darein, die Reinheit der Beziehung öffentlich zu bezeugen. Im Dezember 1865 ist Schluss, Wagner muss München verlassen. Und geht nach Tribschen in der Schweiz. Nicht lange danach erfährt Ludwig II. die Wahrheit über Cosima und Richard. Er ist getroffen und verärgert, besucht aber 1868 Wagner überraschend in Tribschen. Wenige Wochen darauf sehen die beiden gemeinsam die Uraufführung der „Meistersinger“ in München. Ein Triumph. Wieder versichert man einander der unverbrüchlichen Freundschaft. Dann geht man wieder auseinander. Was die beiden sich aber auch immer wieder rausnehmen. Ludwig selber stößt Wagner vor den Kopf, indem er „Rheingold“ und „Walküre“ gegen Wagners Willen in München uraufführen lässt.

      Ludwig baut sich eigene Traumschlösser, mit einer Hundinghütte, einer Venusgrotte und einer Gurnemanz-Klause in Linderhof nahe Ettal, mit einem „Tristan“-Schlafzimmer und vielen anderen sagenhaften Gemächern in Neuschwanstein.

      Richard Wagner wird sein Theater endlich bekommen, und zwar in Bayreuth. Weit genug entfernt von München, aber immer noch in Ludwigs Königreich. Erneut hilft ihm der König. 1876 begegnen sich die beiden beim „Ring“ in Oberfranken. Hörig ist der König seinem Meister nicht mehr, vielleicht war er’s überhaupt nur in Fragen der Sehnsucht. 1881 überlegt Wagner, seinen „Parsifal“ mit dem Orchester des Königs aufzuführen, aber ohne dessen Dirigenten – den Juden Hermann Levi. Ludwig ist verärgert über den Judenfeind Wagner, macht seinen Einfluss geltend, stimmt (oder zwingt) Wagner um und schreibt ihm schließlich, nach Levis Bestätigung: „Dass Sie, geliebter Freund, keinen Unterschied zwischen Christen und Juden bei der Aufführung ihres großen heiligen Werkes machen, ist sehr gut. Nichts ist widerlicher, unerquicklicher als solche Streitigkeiten. Die Menschen sind ja im Grunde genommen doch alle Brüder, trotz der konfessionellen Unterschiede.“

      1883, im Februar, stirbt Richard Wagner. Und Ludwig klagt: „Entsetzlich, fürchterlich!“ Etwas mehr als drei Jahre später wird der entmündigte König seine letzten Schritte tun, hinein in den Würmsee. Und kein Dampfboot „Tristan“ wird kommen, ihn zu retten.

      Nachsatz: München wurde durch die Uraufführungen von „Tristan und Isolde“ (1865), „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1868), „Das Rheingold“ (1869) und „Die Walküre“ (1870) zur Wagnerstadt und für einige Zeit zur Musikhauptstadt Europas. 1888 folgten die „Feen“.

      An ihren Händen sollt ihr sie erkennen

       „Unstreitig kann es den Tonsetzern nicht gleichgültig sein, in welcher Weise vorgetragen ihre Arbeiten dem Publikum zu Gehör kommen“, stellt Richard Wagner in seiner Schrift über das Dirigieren fest. Und fordert für seine Werke, dass sie eben ganz anders dirigiert würden als Mozart, Beethoven oder Schumann. Andernfalls werde sein Werk verstümmelt. Und die Musik ertöne nur noch, „den Schmerzensschrei des Gemarterten zu übertäuben“.

       Den hier abgebildeten Dirigenten ist gemeinsam, dass sie Wagner nicht nur anders dirigieren, sondern vermutlich irgendwie sogar richtig. Jeder auf seine Art. Wer ist hier wer? An ihren Händen sollt ihr sie erkennen...

      Von Michael Weiser

      „Das Äußerste minus fünf Prozent.“

      Das Äußerste geben minus fünf Prozent – vielleicht ist das die richtige Formel. So äußerte sich Christian Thielemann einmal über das Dirigieren von Wagners Musik. Damit meinte er die Lautstärke. Ein Dirigent muss aber natürlich noch mehr; den Ausdruck vorgeben, das Tempo, hier die Farbe eines Klanges hervorholen, da eine Gruppe von Instrumenten dämpfen. Besonders schwierig ist das in der Orchester-Schlucht von Bayreuth, wo das Orchester von den Sängern „allenfalls ein Piepsen oder fernes Rufen“ vernimmt (auch das schrieb Thielemann), wo der Dirigent zwar fast alle und alles sieht, sich aber auf nichts so wenig verlassen kann „wie auf seine Ohren“. Insgesamt scheint es also ganz einfach: das Beste geben plus fünf Prozent. Und dann noch so zaubern, dass aus Noten wirklich Musik wird. Wer das schafft, entwickelt eine eigene Handschrift. Und braucht viel Kondition. „Am nächsten Morgen tun einfach alle Muskeln weh“, sagte Kirill Petrenko über das Dirigieren von Wagner-Opern. Und Andris Nelsons: „Bei Wagner fühlt man sich wie ein Marathonläufer. Entweder du stirbst nach den ersten 20 Kilometern, oder du überwindest den toten Punkt und hast das Gefühl, ewig weiterrennen zu können.“ Der Dirigenten-Job: Knochenarbeit mit Fingerspitzengefühl. Wir zeigen einige der Großen. Und Sie können testen, ob Sie deren Handschrift erkennen.

      „Man fühlt sich wie ein Marathonläufer.“

      Andris Nelsons

      „Morgens tun alle

       Muskeln weh.“

      Auflösung:

      Kirill Petrenko

      Daniel Barenboim

      [no image in epub file]

      Marek Janowski

      Herbert von Karajan

      Pierre

Скачать книгу