Seligenstädter Einladung. Группа авторов

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Seligenstädter Einladung - Группа авторов

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zersicheln möwen wolken und wellen

      touristisches klanggekitzel tritt über die ufer

      eisschlangen kühlen nicht ab

      brennen scherenschnitte in den boden

      barfüßiges stuhlbeingestreichel vor den cafés

      taubenfedriges gurrt um süßgekrümeltes

      die stadt schnurrt wie ein milchhungriges kätzchen

      bäume schattenfingern auf der promenade

      und sonne entgleist im sekundentakt

      der klostergarten streut düfte und farben

      basilikum hinter der basilika

      glockenblumiges und glockenhöriges

      löffelkrautiges und löffeltrinkendes

      wachsweiche zeit am nachmittag

      verfängt sich spät im ausglühenden abend

      letzter schmetterling

      nektartrunken sonnenwarm

      ein seliges heimgaukeln durch die schläfrige stadt

      Zielgerade, krumm genommen

      Natalie Himmelsbach

      S

      eligenstadt beginnt für mich gewöhnlich am frühen Abend hinter den Autohäusern und Discountern, bevor ich zur Buchhandlung gehe. Supermarkt sagt übrigens keiner mehr, eine Folge des verlorenen Glaubens, so wenig wie Wondergirl und Supermann, an die glaubt auch keiner.

      Kurz vor der evangelischen Kirche kann man umsonst parken. Am Parkdeck gegenüber ist eine vollautomatische Toilette mit der erstaunlichen Kraft zur sanitären Selbsteinsaugung dessen, der sie betritt.

      Auf dem Friedhof vorne rechts hängt der goldene Mann von seinem Ausguck und schaut, wo ich nur wieder bleibe. Dahinter hohe Basiliskentürme. Wer zu lang auf Engel schaut, wird zu Stein oder blind.

      Jetzt das steile Ufer die Mauer lang. Im Fluss kann man die Augen baden. Wo die Angler stehen, schaukelt im Wasser vor ihnen die angebundene Barke. Bei Tag ruhen sich hier die Enten aus, wenn ihnen vom Paddeln die grellen Füße weh tun. Abends hocken Krähen auf dem Boot herum und lärmen. Sie finden immer etwas schreiend komisch, ehe sie schlafen gehen.

      Wenn sie genug haben, kreisen sie um den Turm und picken nach dem Engel auf der Spitze, aber er rückt nicht zur Seite. Sollen sie doch zu ihrem Schlafbaum fliegen: er braucht den Platz für sich und solch laute Gesellschaft schon gar nicht. Die Kirche ist nur ein paar Schritte nahe, gleich hinter dem offenen Tor in der Gartenmauer.

      Heute nicht, heut wendet der Weg, entfernt mich. Keine Birne fällt vom Spalier, kein grünes Artischockenherz blüht in der Mitte des Gartens, kein Kaffee wird auf die Terrasse getragen, kein Eis auf die Hand für mich. Stattdessen wetteifern Schaufenster und Speisekarten, mich einzufangen. Niedrigpreise für Textilien, höhere für Kunsthandwerk. Sitzbuddhas verfetten für 12,99 €, dazu winzige Zenrechen und Kiesharken. Keine glückliche Katze wedelt mit der Pfote, nur der Pennerhund am Markt wittert mit sehr langer Schnauze die Streunerin. Die Bäckerei schließt. Der stille große Flötenmann verstaut das Instrument im Rucksack und trägt seine Haut vom Markte. Der Mann geht schnell. Ich folge ihm, ich möchte pünktlich sein.

      Wir biegen in die Bahnhofstraße ein.

      In zwei Minuten bin ich da.

      Verbindungen

      Reinhard Franz

      Lange Zeit eine Bahnstation

      an einer Strecke, die ich selten befuhr,

      ein Nachrichtenpunkt in der Verkehrsdurchsage,

      die mich niemals betraf,

      ein Name auf einem Richtungsschild

      in eine Richtung, in die ich nicht kam.

      Gebunden in die schöne Scheinwelt des Berufs,

      Leben in innersten Kreisen

      in geschriebenen Worten,

      nur für mich.

      Richtungswechsel,

      das Schild wird bedeutsam,

      Scheinwelten in Scherben,

      funktionieren nicht mehr.

      Geschriebenes wird gelesen,

      vorgelesen,

      ich gebe kund mit meinen Worten,

      die Bahnstation wird zum Ziel,

      Unbekanntes bekommt Bestand,

      wird Thema eines Tages.

      Aus der äußeren Hülle der Stadt

      geht es zum Leben darin,

      zur Geschichte, zu Vierteln, zu Teilen,

      die nur der Innerste kennt

      verbindend

      gemeinsame Kreise.

      Selig sei die Stadt genannt

      Ingrid Walter

      Mit dem roten Flitzer

      in die nahe Märchenstadt,

      wo die Glocken läuten

      und man Pfannekuchen backt

      »Selig sei die Stadt genannt«

      so sprach mein Opapa,

      sonntags, als ich klein war.

      In den roten Flitzer

      passt mit Ach und Krach

      ein güldner Spiegel

      ins Gepäckfach

      vorne die zwei Lausemädchen

      schwarz und blond

      aus der Offenbacher Bronx.

      Am Steinheimer Tor

      wird scharf gebremst und schief geparkt

      der Spiegel rausgezerrt

      Tor aufgesperrt,

      die Treppe hoch

      und zack, die Türe auf

      zu einem lichten Storchennest.

      Wir trinken Wein

      und

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