Dalmacija Grill. Meri Blume

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Dalmacija Grill - Meri Blume

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Und der Magen. Aber mein Geschäft läuft gut!

      Und gleich kommen die ersten Hungrigen, sie wollen um halb zwölf scharfe Zwiebel essen. Wer hat sich bloß scharfe Zwiebel ausgedacht? Und wo zum Teufel isst man in Jugoslawien scharfe Zwiebel? Aber die Gästen lieben sie. Sie versauen sich sogar das ganze Esssen mit scharfen Zwiebeln. Solange es umsonst ist, lieben es die Deutschen. Ich geben ihnen ihre Zwiebel, hauptsache sie kommen und lassen ihr Geld hier bei mir.

      Wie es wohl heute laufen wird? Die letzten Sonntage waren wirklich gut. Wie viel hatten wir letzte Woche? Fünftausend? Fünftausend ist ´ne Menge Bier.

      Wenn nur jeder Tag wie ein Sonntag liefe, dann würde es nicht mehr lange dauern, und ich könnte endlich nach Split!

      „Ane, ist der Schank voll? Schau mal genau hin, mein Herz. Nicht, dass wir später dauernd runter rennen müssen.“

      „Ist alles da.“

      Gut. Gut.

      „Meri, wie viele hast du schon? Schätzchen, fang langsam an, die Servietten aufzustellen. Ist schon kurz vor elf.

      Frau, ist der Grill an?“

      „Du hältst mich wohl für bescheuert. Geh und kümmere dich um deine Arbeit.“

      „Frane, wie gehts? Du hast gestern Abend wieder gefeiert? Mein lieber Mann, als ich in deinem Alter war, war kein Nachtclub vor mir sicher. Wo gesungen und gefeiert wurde, da war auch ich. Und, wie war´s?“

      „Was soll ich dir erzählen! Ein Irrenhaus. Wie immer. Sobald Mandrilo auftaucht, gibt´s kein Halten mehr. Der Mann kann feiern.“

      „Mandrilo. Ja, der kann feiern. Der kann feiern! Nur an seine Frau und seine Kinder kann er nicht denken.“

      Wir haben früher auch die Nächte durchgetanzt und durchgesoffen und sind wieder um zehn, elf im Geschäft gewesen. Heute geht das nicht mehr. Das würde ich nicht aushalten. Und so wie Mandrilo jede Nacht feiern, das Geld aus dem Fenster werfen, nicht nach morgen fragen. Keine Sorgen, keine Ängste, keine Ziele! Aber die arme Frau. Meine würde mir sofort die Hölle heiß machen. Wenn ich zwei Nächte nicht nach Hause käme und dabei die Einnahmen der letzten Woche verzockte, sie würde mir die Kehle durchschneiden. Wie einem müden Hahn. Mir ein Messer ins Herz rammen. Ohne zu Zögern. Sie würde es tun. Sie würde mich umbringen.

      Nein, so wie Madrilo, das könnte ich nicht. Das hier ist kein leicht verdientes Geld, das weiß jeder, der es einmal versucht hat. Jeden Tag zwölf, vierzehn Stunden lang auf den Beinen sein. Stehen, rennen, stehen. Nur an den Gast denken. Keine Zeit zum Essen, keine freie Minute. Bitteschön, Dankeschön, Auf Wiedersehen.

      Nein, das ist keine leichte Arbeit.

      Und dann alles verprassen?

      Das ist auch kein Leben!

      Wir haben gut verdient in den letzten Jahren, wir haben einiges gespart. Nur noch ein, zwei Jahre und wir können nach Split!

      Wenn das Geschäft weiter so gut läuft, sind wir in ein, zwei Jahren auf der sicheren Seite. Wir machen das Haus fertig, kaufen noch eine Wohnung in Split, eröffnen ein kleines Café, am besten an der riva. Cafés laufen dort immer gut. Ich schau für ein paar Stunden am Tag rein, kontrolliere die Kasse und gehe wieder.

      Leben wie ein echter Herr!

      Ich hab genug in meinem Leben gearbeitet.

      Als Kind habe ich die Felder bestellt, den reicheren Bauern geholfen. Geschuftet, um einen Pott Mehl oder zwei Tassen Milch zu verdienen, damit die Mutter den kleineren Geschwistern etwas zu essen geben konnte. Mit dreizehn hat mich mein Vater nach Slowenien mitgenommen. Kanäle ausgraben, Straßen bauen. Im Winter. Bei jedem Wetter. Der Regen prasselte mir ins Gesicht, ich konnte nichts sehen, ich fror und hatte Hunger, aber ich musste weiterschaufeln. Er hat mich nicht gefragt, ob ich mitkommen will. Er sagte nur, zieh dich an, wir gehen arbeiten. Du bist alt genug.

      Fünf Kinder, alle hungrig. Ich, der älteste.

      Verfluchte Armut.

      „Sehr schön, mein Schatz. Die Tische sehen fabelhaft aus. Geh jetzt zur Mama und hilf ihr. Ane, mein Herz. Wie geht´s dir? Das wird ein guter Sonntag, du wirst sehen. Wenn du heute gut arbeitest, kriegst du zwanzig Mark von mir!“

      Es wird ihr nicht schaden, ein wenig zu arbeiten. Wir müssen alle arbeiten. Sie soll nicht denken, dass es im Leben irgendetwas umsonst gibt. Erst recht nicht in Deutschland.

      Ich hatte mit vierzehn nicht einmal ein eigenes Bett. Mit meinem kleinen Bruder musste ich auf der Strohmatratze schlafen. Sie haben heute alles. Eine warme Wohnung, sie können zur Schule gehen, sie haben genug zu essen, genug anzuziehen. Sie muss wissen, dass so etwas nur durchs Arbeiten kommt. Fran und ich schaffen den Saal und den Schank nicht alleine. Wenn sie uns die Getränke vorbereitet, sind wir schneller. Am Tresen arbeiten ist nicht schwer. Sie sollen lernen, wie diese Arbeit gemacht wird. Vielleicht können sie den Laden übernehmen, wenn wir gehen? Nein, sie sind zu jung. In ein, zwei Jahren sind sie noch zu jung.

      Und wenn wir läger bleiben? Ein echter Familienbetrieb. Balkan Grill arbeitet so. Marko, seine Frau, seine beiden Söhne und die Schwiegertochter, sie arbeiten zusammen, das Geld bleibt in der Familie und allen geht´s gut. Sein eigener Chef sein, in seinem eigenen Haus arbeiten, das ist goldwert. Der Geldbeutel immer in deiner Hand!

      Ich möchte ihnen so gerne all das ersparen, was wir am Anfang durchmachen mussten. Arme, ungebildete Bauernkinder. Wie sie uns nur rumgescheucht haben! Wir hatten ja gar keine Ahnung, auf was wir uns eingelassen haben. Wir waren dumm, ahnungslos, roh. Kein Wort Deutsch. Und von der Gastronomie verstanden wir nichts. Und sie schubsten uns, brüllten uns an, nannten uns ´Idiot, Dummkopf, Bauernsohn

      Und sieh mich jetzt an! Der Bauernsohn hat ein eigenes Restaurant, trägt ein gebügeltes Hemd, ist parfümiert, macht Tausende von Mark Umsatz in der Woche, fährt einen Mercedes und hat ein Haus in Split.

      Der Bauernsohn hat seine Familie und die seiner Frau gerettet. Deren Häuser ausgebessert, vor dem Hunger und der Schande bewahrt. Die Geschwister ausgebildet. Meine Schwester ist heute stellvertretende Hoteldirektorin in Opatija. Das hat sie mir zu verdanken. Ich habe ihre Schule bezahlt, ihre Buskarte, ihre Schuhe und die Arbeitsuniform. Als ob mein Bruder es geschafft hätte, auf den größten Schiffen der Welt zu arbeiten, wenn ich nicht die Agentur geschmiert, ihm die Fahrkarte gekauft und noch ein paar Hundert Mark in die Tasche gestopft hätte. Nein, er würde noch immer ein ganz gewöhnlicher Bauernsohn sein und die Felder beackern. Und mit den beiden anderen war es genauso.

      Ich, Ivan, habe sie alle aus der Armut befreit.

      Dafür hat Ivan von 1972 bis 1985 ohne einen einzigen freien Tag durchgearbeitet.

      Danach fragt keiner.

      Dreizehn Jahre lang ohne einen einzigen freien Tag!

      Gut, die paar Tage im Sommer. Aber was sind schon ein paar Tage. Du fährst los, kommst an, verteilst Geschenke und fährst wieder zurück. Nein, Urlaub war das nicht.

      Und als ich später in Balkan Grill oder in Split Grill einen freien Tag hatte, dann bin ich zu Manda und habe bei ihr gearbeitet.

      Heute ist alles anders. Heute haben wir montags Ruhetag. Der Mensch braucht einen freien Tag.

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