Spielzeit. Dani Merati

Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу Spielzeit - Dani Merati страница 4

Автор:
Серия:
Издательство:
Spielzeit - Dani Merati

Скачать книгу

ihm egal zu sein schien - das tat weh!

      Du bist ja auch nicht gerade ein Vorbild an Ehrlichkeit, nicht wahr Andy? Denn der Grund, warum er so schnell eine neue Wohnung suchte, war nicht nur der Tatsache geschuldet, dass er von seiner Familie unabhängig sein wollte. Sein Magen schlug nach wie vor Purzelbäume, als er an das Einschreiben dachte, das ihm der Postbote vor einer Woche überreicht hatte. Räumungsbescheid hatte er noch gelesen, dann erst mal sein Frühstück zur Toilette befördert. Jo hatte er etwas von einer Magenverstimmung vorgeflunkert und den Brief in seinem Kleiderschrank versteckt.

      Nachmittags, als Jo in die ‚Spielzeit‘ unterwegs gewesen war, hatte er das Schreiben hervorgeholt und mehrfach ungläubig die Aufforderung zur Räumung durchgelesen. Bis zum Ende des nächsten Monats blieb ihm Zeit, aber er hatte nicht vor so lange hierzubleiben. Am Meisten aufgeregt hatte ihn die Klausel, dass die Wohnung wieder in ihren Originalzustand zu versetzen sei. Was glaubte sein Stiefvater denn, was er hier getrieben hatte?

      Andy seufzte. Oliver dachte sich nur eins: Er wollte ihm klarmachen, wer weiterhin das Sagen hatte, wer die Regeln bestimmte. Ihm war klar gewesen, dass sein Entschluss auf Widerstand stoßen würde, von seinem Stiefvater hatte er es nicht anders erwartet. Was ihm wehtat, war, dass seine Mutter sich nicht einmal bei ihm gemeldet hatte, weder um auf seinen Brief zu reagieren noch auf seine zahlreichen Anrufe. Er hatte zwar schon immer gewusst, dass er keine Priorität in ihrem Leben besaß, aber dass sie so gleichgültig schien, verletzte ihn mehr, als er sich eingestehen wollte. Und jetzt benahm sich Jo sehr merkwürdig und jagte ihm damit Angst ein.

      Seit dem ersten Abend in der 'Spielzeit' verbrachten sie jede freie Minute miteinander und Andy schwebte, wie auf Wolke sieben. Doch dann gab es Phasen, wenn Jo plötzlich verstummte, mit seinen Gedanken woanders schien. Auch sein Zuhause hatte er noch nicht gesehen, denn nach der Schicht in der Bar fuhren sie immer in seine Wohnung. Es war fast, als wolle Jo ihn nicht dort haben. Nun, in dem Haus hatte er jahrelang mit seinem Ehemann gelebt und nach dessen Tod war es wohl so etwas wie ein Refugium geworden.

      Andy wollte ihm diese Zuflucht bestimmt nicht wegnehmen, doch er wollte - und konnte - nicht mit einem Geist konkurrieren. Aber er sollte Jo zeigen, dass er es ernst meinte. Er durfte sich nicht so schnell entmutigen lassen. Er behauptete erwachsen zu sein, eigene, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Dazu gehörte auch, nicht sofort beleidigt zu sein, wenn sein Freund seiner Meinung nach falsch reagiert hatte.

      Sobald er beim ersten Anzeichen von Problemen gleich wegrannte, dann sprach das nicht gerade für ihn oder die Gefühle, die er behauptete zu haben. Aber wie sollte er die Sache jetzt angehen? Gar nicht darauf reagieren, dass Jo so gleichgültig gewesen war oder ihn zur Rede stellen? Er wollte nicht zu aufdringlich sein und ihn möglicherweise von sich wegstoßen, doch eine innere Stimme sagte ihm, dass er ein wenig forscher sein musste. Den anderen Mann dazu bringen, über seine Gefühle zu sprechen.

      Mit diesem Entschluss stand er auf und ging zu seinem Schlafzimmer. Er zögerte, dachte daran zu klopfen, aber verflucht, das war seine Wohnung. Andy drückte die Klinke runter und schob die Tür auf. Keine Ahnung, was er erwartet hatte, jedoch nicht den Anblick, der sich ihm bot.

      Er erstarrte mitten in der Bewegung und jeglicher Ärger verflog, als sein Herz in tausend Stücke zersplitterte. Jo saß halb angezogen auf dem Boden, Rücken ans Bett gelehnt, die Arme um seine gebeugten Knie geschlungen. Kurze, hastige Atemzüge entwichen seinen Lungen. Andy konnte die Angst in den dunklen Augen erkennen, sah den Kampf, den Jo focht, während er versuchte die Panikattacke zurückzudrängen. Seine Lippen liefen bläulich an, als sein Körper sich abmühte, den Mangel an Sauerstoff auszugleichen.

      Andy wurde ebenfalls von Panik ergriffen. Was sollte er tun? Wie vermochte er ihm zu helfen? Der Gedanke, dass es bestimmt nicht das erste Mal war, dass Jo mit solch einer Attacke kämpfte, machte ihn wütend und ließ gleichzeitig Tränen aus seinen Augen hervorquellen. Er eilte zu Jo hin, fiel praktisch auf seine Knie vor dem anderen Mann. Jo schien ihn weder zu sehen noch zu hören, war gefangen in seiner eigenen privaten Hölle.

      Sanft berührte er ihn an der Schulter. „Es ist okay, Jo. Konzentriere dich einfach auf ruhiges Atmen. Tiefe Atemzüge ein“, er machte es ihm vor, „und langsame Atemzüge aus.“

      Er wiederholte das wieder und wieder, versuchte verzweifelt zu Jo durchzudringen. Sein Herz splitterte weiter, als er die Tränen sah, die über Jos Wangen rollten. Verdammt, was konnte er noch tun? Sollte er einen Notarzt rufen? Andy hatte keine Ahnung, wie gefährlich so eine Situation werden konnte. Aber er schwor sich, dass dies das letzte Mal war, dass Jo das alleine durchstehen musste. So rasch wie möglich würde er über Panikattacken recherchieren und so viel lernen, wie es machbar war.

      Jos Atmung wurde immer hastiger und zittriger und Andy wischte ärgerlich über seine Wangen. Dumme Tränen. Die halfen Jo nicht. Verzweifelt schlang er schließlich, so gut er vermochte seine Arme um den großen Mann, wiegte ihn hin und her und murmelte irgendwelchen Unsinn, der ihm gerade einfiel.

      Es erschien ihm wie eine Ewigkeit, bis Jos Atemzüge ruhiger wurden. Die keuchenden Laute nahmen ab und die Blaufärbung der Lippen ging zurück. Jos Muskeln - eingefroren von der Panikattacke - lockerten sich allmählich. Andy streichelte über Jos Rücken, seine Arme, den Brustkorb, überall wo er ihn erreichen konnte.

      Als Jo endlich wieder vollständig normal zu atmen schien, war er unfähig sich weiter zurückhalten. Er legte sanft eine Hand unter Jos Kinn und zwang seinen Kopf hoch, obwohl der ihn zwischen seinen Knien verbergen wollte. Diesem großen starken Mann war die Sache natürlich peinlich und Andy musste ihm klarmachen, dass es keinen Grund gab, sich zu schämen - ohne ihm jedoch das Gefühl zu geben, er wäre schwach.

      „Nein“, murmelte er, küsste Jo sanft. „Versteck dich nicht vor mir. Erlaube mir, für dich da zu sein. Ich will ... ich möchte, dass das mit uns funktioniert und das ... das kann es nicht, wenn du mich ausschließt.“

      Jo versuchte sich ihm zu entziehen, aber die Attacke hatte ihn offensichtlich ausgelaugt und er hatte keine Mühe, ihn festzuhalten. Jos Kehle arbeitete, als er ansetzte zu sprechen, doch es kam kein Ton heraus. „Es ist schon okay, du musst nichts sagen.“

      Andy stand auf und mit etwas größerer Kraftanstrengung zog er den zitternden Jo auf seine Füße, einen Arm um dessen Taille, um ihn zu stützen. Er dirigierte ihn zum Bett und öffnete seine Jeans. „Leg dich einfach noch eine Runde hin, du brauchst jetzt Schlaf. Der Papierkram kann warten. Auf den Rücken mit dir.“

      Er bereitete sich darauf vor Jo einen kleinen Schubs zu geben, als sein Freund sich rückwärts fallen ließ und sein Becken anhob, damit Andy ihm die Hose ausziehen konnte. Er war ein wenig überrascht, dessen Erektion halbhart vorzufinden, aber vielleicht gehörte das als Begleiterscheinung dazu. Er hatte keinen Schimmer und das war inakzeptabel. Sobald er die Zeit fand, würde er alles heraus finden, was er wissen musste.

      Jos kratzige Stimme riss ihn aus seinen Überlegungen. „Du hättest das nicht sehen sollen. Ich ... ich wollte nicht ...“ Andy schluckte und zog die Bettdecke über seinen Freund.

      „Nicht reden. Ich hol dir etwas zu trinken und dann ruhst du dich aus.“ Erneute Tränen brannten hinter seinen Augenlidern und er huschte rasch ins Bad, um ein Zahnputzglas mit Wasser zu füllen. Als er zurückkam, fand er sich von Jos dunklen Augen verfolgt, als er mit dem Glas in der Hand auf ihn zukam.

      Jo setzte sich auf, nahm das Wasser entgegen und stürzte es in einem Zug hinunter. „Danke.“ Andy wollte ihm das Glas abnehmen, doch Jo stellte es auf den Nachttisch. Dann streckte er eine Hand aus. „Komm her. Leg dich ein bisschen zu mir.“

      Das

Скачать книгу