Perry Rhodan 1633: Eine Falle für die MAGENTA. Arndt Ellmer

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Perry Rhodan 1633: Eine Falle für die MAGENTA - Arndt Ellmer Perry Rhodan-Erstauflage

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      »He, du! Was faulenzt du da herum?«, rief eine Stimme hinter seinem Rücken. Sie sprach Interkosmo, und der Blue ahnte augenblicklich, wer ihn da auf ungewöhnliche Weise besuchte. Es war also so weit, dass sie ihn auch in seinem privaten Bereich nicht mehr in Ruhe ließen.

      »Du bist doch Zynok, der tolle Redner, der die meisten seiner Artgenossen und auch viele der anderen galaktischen Quasselstrippen glatt in den Schatten stellt«, fuhr der Ennox fort. »Das finde ich ungeheuer floppig.«

      Yeni Zynok unterließ es, die Bedeutung des Wortes zu erfragen. Er stellte fest, dass sich die Wände des Raumes leicht kräuselten, ein Phänomen, das in den Wohnbereichen der einzelnen Delegationen höchst selten auftrat. Es musste an der durchdringenden Stimme des Ennox liegen.

      Langsam drehte der Gataser sich um und maß den Aufdringlichen von oben bis unten. Der Ennox besaß eine Glatze und hatte sie bunt bemalt. Seine Gestalt übertraf an Dürre und Klapprigkeit die des Blues bei weitem, und er hob sie durch eine eng anliegende Kombination hervor. In der linken Hand hielt er einen kleinen Koffer, einen dieser Transportbehälter, wie auch andere Ennox sie manchmal mit sich führten und deren Inhalt aus einem Computer bestand.

      »Du kannst mich Keskidi nennen. So haben mich ein paar verrückte Terraner auf einem Kolonialplaneten getauft«, fuhr der Ennox fort. »In einer Beziehung sind euch diese Leute um Klassen überlegen. Sie halten nichts von dem Quatsch, den das Galaktikum fabriziert. Sie sind froh, dass sie nicht direkt etwas damit zu tun haben, sondern von der Galaktischen Rätin Terras vertreten werden, dieser Koka, Koko oder wie auch immer. Eine Szari ist auch dabei, wenn ich mich recht erinnere.«

      »Koka Szari Misonan«, sagte er Blue. Keskidi verzog das Gesicht und rückte Yeni Zynok zwei Schritte näher.

      »Was hast du gesagt?«

      »Koka Szari Misonan! Das ist der Name der terranischen Rätin.«

      Die Augen des Ennox fixierten die Sprechöffnung des Blues am oberen Ende des langen Halses, dann nickte er hastig.

      »Meine ich doch«, bestätigte er. »Und ich will ein Hanswurst sein, wenn es nicht zutrifft.«

      »Du hast schon intensive Kontakte mit Terranern gehabt«, erkannte Yeni Zynok. »Dein Wortschatz lässt es vermuten.«

      »Was meinst du? Ach so. Seit Monaten schon. Eigentlich bin ich ja aus dem Grund in diese komische Galaxis gekommen, weil mir der Witz so gut gefallen hat. Du kennst ihn sicher. Philip hat den ersten Teil damals auf Wanderer erfahren. Stehen zwei Pilze im Wald. Kommt ein Hase vorbei, und die ...«

      »Ich habe davon gehört, Keskidi. Aber es waren nicht zwei Pilze, sondern zwei Terraner. Und es kam auch kein Hase drin vor, sondern ein Ennox. Ich will es dir erzählen: Stehen zwei Terraner im Wald und unterhalten sich. Kommt ein Ennox vorbei, der keinen Hut aufhat. Sagt einer der Terraner zum anderen: Pass auf, wir rufen jetzt den Ennox, und ich frage ihn, ob er einen Hut aufhat. Er sagt nein, und wumm, haust du ihm eine in die Schnauze ...«

      »Was hast du gesagt?«

      Der Blue hielt verwirrt inne. Die merkwürdige Frage brachte ihn völlig durcheinander. Der Ennox stand jetzt dicht vor ihm, und seine Augen hingen förmlich an dem Halsmund, als müssten sie die Worte dort ablesen.

      »Du bist taub!«, rief Yeni Zynok verwundert. Seine Stimme verstieg sich dabei in eine schrille und hohe Tonlage. »Ein tauber, lippenlesender Ennox. Seit wann gibt es denn so etwas?«

      Diesmal schien Keskidi ihn verstanden zu haben, denn er nickte in menschlicher Manier.

      »Warum soll es das nicht geben? Wie ich hörte, gibt es Blues, die sich nicht mit Hilfe des Ultraschall-Organs verständigen können.«

      »Du bist gut informiert«, staunte Yeni. »Aber das ist kein Wunder, wenn du dich schon längere Zeit in der Milchstraße aufhältst.«

      »Was hast du gesagt?«, rief der Ennox mit leichtem Zorn in der Stimme. »Kannst du nicht laut und deutlich sprechen? Wozu hast du einen so langen Hals und diese wulstigen Lippen? Außerdem, wenn ich das richtig interpretiere, dass du von zwei Terranern und einem Ennox gesprochen hast: Das stimmt so nicht.«

      »Doch, doch«, beeilte sich Yeni Zynok zu versichern. »Ich habe den Witz von einem der terranischen Köche hier im Humanidrom gehört. Als der Ennox eines Tages wieder auftauchte, fragten die beiden Terraner ihn nach einer Zigarette. Und weil der Ennox noch immer keinen Hut aufhatte, haute ihm der eine ...«

      »Hör auf, hör auf!«, tobte Keskidi. »Kein Wort ist wahr, und ich verstehe sowieso nur die Hälfte davon. Bisher hielt ich dich für einen guten Redner, aber jetzt weiß ich, dass du zu dieser üblen Sorte von Demagogen gehörst, die den anderen das Wort im Mund herumdrehen. Mit dir vertrödle ich nur meine Zeit.«

      Sagte es und verschwand.

      Der Syntron der kleinen Wohnung meldete fast gleichzeitig, dass draußen einer der Vertigo-Roboter wartete, um ihn zu einem abgeschirmten Konferenzraum in unmittelbarer Nähe des Schwingungstempels zu bringen, in dem das Galaktikum tagte.

      *

      Wie ein Fels in der Brandung eines stürmischen Ozeans stand sie da, und ihre Körperhaltung drückte Selbstbewusstsein aus. Gleichzeitig übte sie sich in Gesten des Entgegenkommens und des Einverständnisses. Gyi Ziü gehörte zu den politischen Vertretern aus der Eastside, die ein einmal geschlossenes Abkommen so lange mit Leben zu erfüllen bereit waren, wie es einen Sinn machte. Dass ausgerechnet sie als Galaktischer Rat aller Bluesvölker agierte, konnte den Akonen alles andere als recht sein. Sie besaß eine Vision, und wenn sie im Kreis ihrer engsten Mitarbeiter ab und zu Feste feierte und ein wenig Methylalkohol zu viel zu sich nahm, dann trat diese Vision deutlich zu Tage. Sie bestand in der Vorstellung, dass es in der Zukunft der Galaxis eine echte und globale politische Vertretung aller Völker unter dem Namen Galaktikum und mit einer gemeinsamen Regierung geben würde. So gesehen stellte Gyi Ziü eine der glühendsten Verfechterinnen der galaktischen Idee dar, und sie hatte sich schon seit ihrer Amtsübernahme vor über sechs Jahren dafür stark gemacht. Stellte ihr jemand zu vorgerückter Stunde dann die Frage, wann die Einheit der Milchstraße denn kommen solle, wurde sie sehr schnell realistisch: ungefähr in zehntausend Jahren.

      Evolution ließ sich nur in kleinen Schritten sinnvoll bewerkstelligen, und es galt, Rückschläge ebenso zu verkraften wie negative Entwicklungen. Der Gedanke, dass die Versuche der Akonen, ein entstandenes Machtvakuum zu füllen, nur eine vorübergehende Erscheinung darstellten, beruhigte sie und ließ sie so handeln, wie sie es tat.

      Und Tephar Alropis wusste das. Der Akone ließ sich auf einer Antigravsänfte hereinschweben, die von oben bis unten mit kostbarem Samt ausgestattet war. Er selbst trug ein goldenes Brokatgewand, das sich in seinem samtbraunen Gesicht spiegelte. Die großen und dunklen Augen des Akonen nahmen alles auf einmal wahr und schienen alles zu verschlingen, was sich in ihrem Blickfeld befand. Die großen Ohren bedeckte er mit langen Haaren auf den Seiten des Kopfes. Für gewöhnlich waren seine Lippen kaum sichtbar, aber jetzt hielt er den Mund geschürzt. Auf der Brust seines Gewandes prangte das rautenförmige Schmuckstück, das in stilisierter Form den Planeten Sphinx und einen akonischen Trichterbau zeigte.

      Alles in allem stellte der Akone selbst für einen Blue eine ausgesprochen unsympathische, um nicht zu sagen hässliche Erscheinung dar. Das Einzige, was als sicher galt, war die Tatsache, dass der Akone es den Blues nicht ansehen konnte, welche Meinung sie von ihm hatten.

      »Willkommen, Tephar Alropis«, empfing Gyi Ziü ihn. Sie trat der Sänfte entgegen und streckte die Hand aus.

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