Im Südwesten Kretas. Ralph Schroff

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Im Südwesten Kretas - Ralph Schroff

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Basilikumzweig durch das offene Autofenster, worauf wir uns entschieden eine Rast einzulegen. Wir ließen das Auto an einem Parkplatz stehen, gingen zur Taverna zurück und gönnten uns eine Erfrischung. Ein sonniger Nachmittag im Oktober und die Liegen am Strand sahen zu einladend aus. Wir fragten, ob wir unsere Getränke mit an den Strand nehmen könnten, worauf sie uns sagten: This is Terza, you can do whatever you want. Wir folgten der Einladung und verbrachten einige erholsame Stunden an diesem warmen Nachmittag in der Nachmittagssonne.

      Am Ende unseres Urlaubs sind wir in einem weiten Bogen über Ierapetra, Kritsa, Lato und Agios Nilolaos zurück Richtung Heraklion gefahren, um von dort Kreta für diesen Urlaub hinter uns zu lassen. Karen kannte Kritsa und meinte, es wäre einen Abstecher wert, ein malerisches Dorf mit kleinen Läden und traditionell kretischem Handwerk. Wir wanderten durch das Dorf, hatten ein Frühstück in einem Kafeneio, das von einem Iren betrieben wurde und wollten schon weiter auf den Weg nach Heraklion, als wir ein Schild nach Lato sahen. Warum wir dorthin gefahren sind, nachdem wir bisher alle Schilder zu archäologischen Stätten ignoriert hatten, weiß niemand. Wir sind hinauf gefahren, haben auf einem leeren Parkplatz geparkt, zahlten ein paar Euro an einem Kassenhäuschen und waren überrascht und fasziniert. Ein liebevoll freigelegter Ort aus kretischer Vorzeit in malerischer Lage auf einem Grat gelegen, von dem man zu beiden Seiten einen herrlichen Blick über die Landschaft hatte. Untergegangene Welten, versunkene Zivilisationen. Außer uns zeigte an diesem Vormittag niemand Interesse dafür. Wir kletterten ungestört durch die freigelegten Gebäude, saßen auf den Rängen des Theaters und bewunderten die Landschaft, in die sich der Ort natürlich einfügt. Um uns herum frische klare Luft und nichts von dem Pomp von Knossos, weder Fremdenführer noch Touristenbusse – nur wir beide in der Stille des Berges. Es war ein zauberhaftes Dorf und die Vorstellung, dass einst vor Tausenden von Jahren Menschen hier ihr Leben verbracht hatten, hat etwas Faszinierendes, das mühelos jedes Wissen ersetzt.

      Kreta im Mai 2014

      Vier Jahre später kamen wir im späten kretischen Frühling für zweieinhalb Wochen zurück nach Kreta. Nachdem wir in Heraklion gelandet waren, sind wir mit dem Bus nach Chania gefahren, um dort die erste Woche zu verbringen und übernachteten abermals in asteli. Dieses Jahr war es der erste Urlaub, in dem ich auch gelaufen bin und Chania ist ein reizvoller Ort für entspannende Läufe am Morgen. Man kann zum Hafen hinunterlaufen, der Küste entlang in die eine oder andere Richtung, kann sich in den engen Gassen der Altstadt verirren oder zu dem botanischen Garten und dem Stadion hinauslaufen und eine Runde auf der Tartanbahn drehen. Im Unterschied zu unserem letzten Kreta-Urlaub sind wir jeden Abend in das Restaurant Tamam gegangen,welches ein altes Lieblingslokal von Karen ist, was dort durchaus für Erstaunen gesorgt hat, aber wir genossen die Atmosphäre, das gute Essen und die zunehmend herzlicher werdende Gastfreundschaft. Wir erkundeten die Altstadt, genossen die frühlingshafte Atmosphäre und hatten ein paar angenehme Stunden in dem archäologischen Museum Chanias. Unser Zimmer in der Pension ging auf einen Garten hinaus, der von einer alten Befestigungsmauer umgeben war, was mich vor das Rätsel stellte, welchen Sinn eine Befestigungsmauer inmitten der Stadt ergab. Es war auch faszinierend auf unseren Spaziergängen an modernen Gebäuden vorbeizugehen, die neben archäologischen Ausgrabungen, an alte Befestigungsmauern angelehnt waren oder neben zu Ruinen verfallenen Häusern standen. Chania ist voller alter Geschichte und hat nie aufgehört mich zu verzaubern. Früher oder später stößt man auf noch ältere Steine, was kann man wie freilegen und ausstellen und wie neue Häuser auf diesen alten Steinen bauen. Viele alte Häuser folgen einem uralten Plan, der sich längst nicht mehr jedem erschließt oder welcher verschieden interpretiert wird. Neue weite Straßen mit modernen Geschäften wechseln sich mit alten engen Gassen ab. Bausubstanz die Jahrhunderte überdauert hat und darüber etwas bröselig geworden ist, steht neben aufwändig renovierten Häusern. Chania wartet an jeder Ecke mit neuen Überraschungen auf und man weiß nie, was einen erwartet.

      Mit einem Leihauto machten wir wieder ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung. Der Erste führte uns auf die Halbinsel Akrotiri, die Chania von Souda trennt. Dort sahen wir uns zunächst den Strand von Stavros an. Eine weite Bucht, das Meer war ruhig und wir machten einen entspannenden Strandspaziergang in der Frühlingssonne, wobei nichts darauf hindeutete, dass wir uns an einem der beliebtesten Sommerausflugsziele Chanias befanden. An diesem Strand wurden einst Teile des Films Zorba gedreht mit dem markanten Berg im Hintergrund, der als Kulisse für den Tanz der beiden Hauptdarsteller in der Schlussszene diente. Wir schauten uns um, genossen die Weite der Landschaft und fuhren nach Agia Triada weiter, was ein entzückendes Kloster ist, das uns mit seiner Erhabenheit und Anmut verzauberte. Schon vom Parkplatz aus entfaltet es seine Magie. Man kommt durch die Tore und sieht seine Innenanlagen, die verschachtelten ineinander übergehenden Innenhöfe. Wir sahen es uns allen Blickwinkeln aus an, wandelten darin herum, stießen auf immer neue Überraschungen und nahmen uns alle Zeit der Welt hierfür. Die prächtige Kirche mit ihrem verschwenderischen Dekor, ihren Ikonen und den Deckenmalereien, der Weinkeller mit dem langen Tisch und der Blick von den Außenmauern über die Weite der umgebenden Landschaft hinweg mit ihren Olivenhainen darin. Es waren faszinierende Stunden als wären wir in eine andere Welt eingetaucht. Auf dem Weg zurück nach Chania sind wir zu dem Denkmal und Grabstätte von Eleftherios Venizelos auf dem Hügel Profitis Ilias abgebogen, haben aber vorrangig die grandiose Aussicht über Chania bewundert. Man hat einen einmaligen Blick auf die Küste vor Chania und sieht den prachtvollen venezianischen Hafen vor der eindrucksvollen Kulisse des Häusermeers der Altstadt Chanias. Ein fantastischer Blick für die Ewigkeit, der Hafen elegant wie anmutig, man sieht die östlichen Verteidigungsanlagen und kann die Arsenale erahnen, wenn man darum weiß. Wie ließen unsere Blicke schweifen und bewunderten die Aussicht auf die zauberhafte Stadt.

      Der nächste Ausflug war eine kurzweilige Rundfahrt in die andere Richtung, erst nach Westen, dann der Küste entlang nach Süden und wir haben uns das Nonnenkloster Moni Chrisoskalitissis sowie den bekannten Strand von Elafonisi angesehen. Auf der Heimfahrt sind wir in einer Taverna an einer Flussbiegung eingekehrt, wo wir einen höchst unterhaltsamen Nachmittag verbracht haben, mit einem guten Mittagessen in einem Garten an einem Fluss gelegen. Was die Taverna unvergessen werden ließ, war ihre Weinprobe. Karen wollte ein Glas Wein mit ihrem Mittagessen trinken, konnte sich aber nicht entscheiden, weshalb ihr drei verschiedene Rotweine zum Probieren angeboten wurden: von einem dunklen, fast schwarzen Rotwein über einen dunkelroten bis zu einem helleren Roten. Alle drei Gläser waren großzügig eingeschenkt, Karen hat gekostet, miteinander verglichen und sich am Ende erwartungsgemäß für den schwarzen Wein entschieden, der so gut war, dass ein weiteres Glas nicht genug war. Es wurde sich rührend um uns gekümmert, die Bedienung hatte viel Freude an Karens Weinprobe, sich über Karens Begeisterung für den schwarzen Wein gefreut und ihr zunehmend flüssigeres Kretisch bewundert. Wo sonst findet man solche Gastfreundschaft und Herzlichkeit?

      Anschließend sind wir für drei Nächte in die weißen Berge nach Chora Sfakion gefahren, haben im Hotel Alkyon gewohnt und in der Taverna Lefka Ori zu Abend gegessen, welches die erste Taverna auf der rechten Seite ist, wenn man die Treppe von unserem Hotelzimmer zur Promenade hinuntergeht. Dort ließen wir uns am ersten Abend nichtsahnend unwissend wie wir waren nieder. Mitte Mai war es noch nicht warm genug um außen zu sitzen, aber innen saßen wir bequem, das Essen war reichhaltig und der Wein gut. Mit dem Nachtisch kam eine Karafaki Raki, der Kellner hatte ein Glas für sich dabei und hat mit uns angestoßen. Wir waren begeistert ob dieser Geste der Gastfreundschaft und sahen keinen Grund in den nächsten beiden Tagen andere Tavernen aufzusuchen. Ansonsten haben wir von dem Ort nur wenig gesehen, waren mit Ausflügen nach Aradena und Frangokastello zu beschäftigt, um uns in die Idylle fallen zu lassen, von der wir nicht wussten, dass sie existierte.

      Wir sind weiter der Küste entlang nach Terza gefahren, dem winzigen Dorf mit zwei Tavernen und einem Apartmentgebäude, in dem wir drei wunderbare Tage verbrachten und einen weinseligen Nachmittag in Mithi. Nachdem Karen mir Mithi und die Schlucht bei dem Ort bereits vor vier Jahren gezeigt hatte, sind wir dieses Jahr in das Kafeneio gegangen, das sich in der Ortsmitte unter einem mächtigen Baum befindet. Karen hat den örtlichen Wein genossen und da das erste halbe Kilo so gut gemundet hat, gab es keinen Grund nicht auch ein zweites halbes Kilo zu trinken. In weiten Teilen

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