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Doch ich war ohnehin nur wegen eines einzigen Raumes zum Agra Fort gekommen. Auf der Flussseite des Forts hatte Shahjahan einen kleinen Turm errichten lassen, durch den es möglich war, über eine enge Treppe eine Terrasse zu erreichen, von der aus sich nicht nur ein Ausblick auf die Yamuna, sondern auch auf die Umrisse des Taj Mahal im Südwesten bot. Und genau in diesen Turm, den Burj Saman, wurde Shahjahan nach dem Staatsstreich seines Sohnes Aurangazeb im Jahre 1658 gefangen gesetzt. Acht Jahre lang hatte der alte Kaiser während dieser Haft tagtäglich Gelegenheit, auf sein größtes Werk zu blicken, während das Reich unter dem Regiment seines Sohnes in die Phase seiner imperialen Überdehnung und Ausblutung eintrat. 1666 war er in diesem Turm gestorben, kurz darauf wurde er in der Krypta des Taj Mahal an der Seite der Mumtaz Mahal begraben.
Inzwischen neigte sich das Jahr dem Ende entgegen, und das Wetter wurde immer schlechter. Morgens lag ein dichter Nebel über der Stadt, von dem man gar nicht glauben mochte, dass er sich im Laufe des Tages auflösen würde. Sogar die Umrisse des Taj Mahal waren von der Dachterrasse des Kara Guesthouses nicht mehr zu sehen. Mitten in diese trübe Stimmung platzte am Silvestermorgen ein Skandal, mit dem niemand gerechnet hatte. Der Morgentee war noch gar nicht gekocht, als der Boss wütend durch das Guesthouse lief und seine Angestellten zusammen schrie. Wie sich herausstellte, war Rajiv mit der Kasse durchgebrannt, und auch die hübsche Schweizerin war verschwunden. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Als die Polizei Rajivs Zimmer durchsuchte, fand sie Spuren von Drogengebrauch und schloss kurzerhand das Guesthouse.
Mir war es recht, dann konnte ich mir zur Feier des Jahreswechsels noch ein schöneres Zimmer gönnen. Ich buchte eine Nacht in einem Mittelklassehotel mit Marmorverkleidung und großer Eingangshalle. Der Rezeptionist hatte ein hochnäsiges Gehabe, und ehe ich mich versah, zerrte mir der Boy meinen Rucksack von den Schultern, um ihn hochzutragen. Ich zahlte für mein neues Zimmer den dreifachen Preis wie im Kara Gusthouse und besaß dafür eine eigene Dusche, ein relativ großes Bett und eine Nachttischlampe.
Leider tropfte das Wasser in meinem neuen Bad noch spärlicher aus dem Duschkopf als in meiner letzten Bleibe, die Mücken stachen hier ebenso zu wie in Taj Ganj, und kaum war es dunkel geworden, brach der Strom zusammen. Im Essraum des Hotels wurden am Silvesterabend immerhin Kerzen aufgestellt, doch ich war der einzige Gast. Ein Kellner saß desinteressiert und Betelnuss kauend in einer Restaurantecke, und als ich etwas bestellen wollte, hieß es nur: Sorry, no energy.
So landete ich schon lange vor Mitternacht in meinem großen Bett, zog mir in der Dunkelheit die Kopfhörer über die Ohren, um den Jahreswechsel mit mir selbst und Rimsky-Korsakows „Scheherazade“zu begehen. Aber auch das blieb mir an diesem Abend versagt. Wie sich zeigte, waren die Batterien meines MP3-Players leer. So lag ich zum Jahreswechsel in Agra allein im Dunkeln und hörte nichts weiter als das Surren der Moskitos.
X ZWEITER TEIL - DER OSTEN
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