Plötzlich ist alles anders - 25 Traueransprachen. Hilmar Dutine
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Die Wirren des Krieges waren zu Ende, da gaben Sie sich 1949 das Ja-Wort. Und – ich war zum zweiten Mal beeindruckt bei unserem Gespräch – dieses Ja-Wort hielt 65 Jahre. Im Februar diesen Jahres konnten Sie das seltene Fest der Eisernen Hochzeit miteinander begehen.
Ihr Leben blieb nicht in Zweisamkeit. Gott, der Herr, schenkte Ihnen Kinder, Enkel und Ur-Enkel.
Doch nicht nur Freude begleitete Sie durch Ihr Leben. Sie mussten sich auch von Ihrer Tochter am Grab verabschieden.
Dieser Schicksalsschlag prägte Ihr weiteres Leben. Doch sie gaben die Hoffnung und Zuversicht nicht auf.
Eiserne Hochzeit und 90. Geburtstag, zwei Ereignisse, auf die der Verstorbene sich lange freute und auf die er mit viel Kraft hinlebte.
Nach den Feierlichkeiten begannen seine Kräfte zu schwinden. Er wurde gebrechlicher, seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten nahmen ab.
Doch er hatte das Glück, nicht in ein Seniorenheim umziehen zu müssen. Mit viel Liebe und Kraft pflegten Sie ihn zu Hause. Die vertraute Umgebung, die vertrauten Stimmen, die vertrauten Gerüche – er konnte sie bis zum letzten Atemzug am Todestag wahrnehmen. Im Kreise der Familie ging er aus dieser Welt ins Paradies.
Wenn die Kraft zu Ende geht, ist die Erlösung eine Gnade
Betrachten wir das zweite Wort:
Erlösung
Wir tragen schwere Lasten auf unseren Schultern. Manchen sieht man dies förmlich an, wenn er oder sie gebeugt durch den Alltag geht. Die Last des Tages drückt nach unten.
Dies kann die schwere Last in Schule und Beruf sein, aber auch die Verantwortung zuhause für die Kinder und Enkel.
Wie gut tut es da, diese Last einmal ablegen zu können. Nicht für alles verantwortlich sein – sondern auch mal die Verantwortung abgeben können, einem anderen etwas zutrauen. Dies kann unser Leben leichter machen.
Und nach einem langen Lebensweg, so wie ihn der Verstorbene gegangen ist, kann auch das Leben selbst zu schwer werden. Der Körper ist schwach, der Geist lässt nach. Wie hoffnungsvoll klingen da die Worte, die Jesus sterbend am Kreuz spricht:
Vortragen der Bibelstelle Lk 23,46.
Die ganze Last, die ganze Mühsal wird in Gottes Hand gegeben. Er nimmt sie uns ab, er trägt sie.
Dies ist das hoffnungsvolle an unserem christlichen Glauben. Jesus Christus ist für uns alle ans Kreuz gegangen. Er hat unsere Sünden und unsere Schuld auf sich genommen. Er ist für uns gestorben und auferstanden. Wäre er im Tode geblieben, dann würde sich heute niemand mehr an ihn erinnern. Erst durch die Auferstehung, durch die Überwindung des Todes, bekommt sein Leben und Wirken eine besondere Bedeutung, die auch 2000 Jahre danach noch erzählt wird und nach der sich viele Menschen ihr Leben ausrichten.
Im Vater Unser beten wir: „erlöse uns von den Bösen“. Und, ja, Gott erlöst uns. Er hat den Verstorbenen von seinem Leiden und seinen Gebrechen erlöst und er hat ihm Leben in Fülle, Leben in seinem Reich geschenkt.
Und da sind wir auch schon bei dem dritten Wort angekommen:
Gnade
In Psalm 103 beten wir:
Vortragen der Bibelstelle Psalm 103, 8 . 13. 17
Liebe Angehörige,
der Tod hat Ihnen den Mann, den Vater, den Großvater, Freund und Nachbarn genommen.
Doch etwas konnte der Tod nicht nehmen. Die Dankbarkeit, den Verstorbenen gekannt zu haben. Sie können froh und dankbar sein von ihm ein großes Stück Ihres Lebensweges begleitet worden zu sein. Und ebenso dankbar dürfen sie auf die Zeit schauen, in der sie ihn begleiten durften.
Amen
Ansprache 2
Thema:
Demenz
Joh 10, 7 - 9
Ich bin die Tür zu den Schafen
Liebe Trauergemeinde!
Wenn eine Krankheit das Wesen eines Menschen verändert, dann ist nichts mehr so, wie es mal war. Wenn der Geist des Menschen nach lässt, dann wird er wieder wie ein Kind, das Schutz und Hilfe benötigt.
Wenn der Mensch in seiner eigenen kleinen Demenzwelt lebt, dann bekommen andere Dinge eine Bedeutung. Das große Weltgeschehen oder auch das Leben im Dorf oder im Seniorenheim spielt dann keine Rolle mehr. Vieles von dem, womit wir uns tagtäglich beschäftigen und auseinander setzen, wird vergessen und gar nicht mehr wahrgenommen.
Die Demenz, sie macht aus einer Ehefrau und Mutter wieder einen schutzbedürftigen Menschen. Wir können ihr helfen, sich in seiner Welt zurecht zu finden. Wir können die Türen verschieden farbig gestalten und wir können einen regelmäßigen Tagesablauf ohne größere Veränderungen anbieten.
Die grüne Gruppe im Seniorenheim war für die letzten Jahre das Zuhause von der Verstorbenen. Hier hatte sie ihren Platz in der Gemeinschaft der anderen Bewohner. Behütet und umsorgt vom Pflegepersonal und von Ihnen, der Familie.
Gerne hätte sie bestimmt auch ihr weiterer Sohn sie besucht. Dieser verstarb jedoch 2011.
Wie Sie mir erzählten, hat Ihre Mutter diesen Tod nie verwunden. Es konnte doch nicht sein, dass der Sohn vor der Mutter geht. Der „normale“ Lauf der Welt ist doch, dass erst die Großeltern, dann die Eltern und dann die Kinder sterben. Der Tod des Sohnes ist für eine Mutter die schlimmste Erfahrung, die sie im Leben machen kann.
Und hier wird sich gleich der Kreis schließen.
Vereint im Leben, werden nun auch im Tode Vater, Mutter und Sohn einen gemeinsamen Ruheplatz finden. Die Verstorbene wird in der Familiengrabkammer beigesetzt. Ganz dicht bei ihrem Sohn, ganz dicht bei ihrem Mann. So, wie sie es sich gewünscht haben.
Die Demenz, sie verändert einen Menschen. Sie macht aus einem selbständigen Erwachsenen wieder ein kleines Kind, das auf Schutz und Hilfe angewiesen ist.
Doch braucht nur ein alter, gebrechlicher Mensch Schutz und Geborgenheit? Ist dies nicht auch ein Grundbedürfnis, welches jeder von uns hat. Das Gefühl, sicher und behütet leben zu können?
Doch wenn ich in die Welt schaue, dann sehe ich oft nur Hass, Terror und Kriege. Menschen auf der Flucht. Und auch in meinem Alltag gibt es immer wieder Anfeindungen.
Da hilft mir mein christlicher Glaube. Ich spüre, dass ich als Gottes geliebtes Kind nie wirklich alleine und verlassen bin. Er bietet mir an, dass ich mich in seine Hand fallen lassen kann. Er ist immer für mich da. Er kennt mich bereits vor meiner Geburt, er begleitet mich mein Leben lang hier auf Erden und er ist auch über die Grenze des Todes hinaus für mich da. Ich weiß mich geborgen in der Liebe Gottes.
Und