Covid-19 – neuartig, gefährlich, besiegbar!. Dr. Günther Bittel

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Covid-19 – neuartig, gefährlich, besiegbar! - Dr. Günther Bittel

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und ein gigantisches „Konjunkturprogramm“, auch auf europäischer Ebene, sollen einen wirtschaftlichen Kollaps verhindern. Viele Konzerne nutzen diese Situation, um vorbestehende Überkapazitäten abzubauen, die aus der schon zuvor ausgebrochenen Weltwirtschafts- und Finanzkrise resultierten. Die Meinungsmanipulation diente auch dazu, Zehntausende Entlassungen propagandistisch vorzubereiten oder unmittelbar zu planen, wie bei Daimler, VW, Airbus etc.

      Im Gegensatz zu ostasiatischen Staaten findet bis heute – Ende Juli 2020 – keine konsequente Massentestung statt. Eine systematische Massentestung ist aber erforderlich, um nach Lockerung des „Shutdowns“ frühzeitig ein Wiederaufflackern von „Hotspots“ und Infektionsketten zu erfassen und zu kontrollieren.

      Noch bis Ende Juli blieben – abgesehen von der Regeltestung bei der stationären Aufnahme im Krankenhaus – die Abstrich-Untersuchungen konkreten Verdachtsfällen und der Anordnung von Gesundheitsämtern vorbehalten. Dann wurde Ende Juli bei deutlicher Steigerung der Fallzahlen in ganz Europa die Testung aller Rückreisenden aus inzwischen über 130 „Risikogebieten“ angeordnet, alternativ zu zwei Wochen Quarantäne. Durchführungsrichtlinien und Organisation: erst einmal Chaos. Am Frankfurter Flughafen berichtete das durchführende Labor, dass 80 Prozent der positiven Tests von Reisenden aus „Nicht-Risikogebieten“ stammten.12 Dann musste das Auswärtige Amt am 7. August bekannt geben, dass inzwischen 2,5 Prozent der Reisenden aus den Risikogebieten positiv getestet wurden.13 Hier entwickelte sich eine regelrechte Konfusion und der Versuch, Auslandsurlauber zu Sündenböcken zu machen. Die kurzfristig beschlossene regelmäßige Testung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrer geriet zum Desaster – es war gar nicht organisiert, wer die Abstriche durchführt.14 Tests auf IgG-Antikörper (siehe Kasten „Antikörper und Antikörper-Tests“) zu Lasten der Krankenkassen sind nur in der zweiten Woche nach Auftreten typischer Symptome möglich. Mit dieser restriktiven Test-Strategie werden weiteren Hotspots und letztendlich einer „zweiten Welle“ der Infektion mit flächenhafter Ausbreitung Tür und Tor geöffnet. Anfang Juli 2020 entwickelte sich genau dieser Prozess in Israel und einigen Balkanländern mit erneutem Übergang in ein unkontrolliertes Infektionsgeschehen, Ende Juli wurden Luxemburg und Nordspanien mit der Costa Brava zum Risikogebiet und in ganz Europa stiegen die täglichen Neuinfektionen wieder deutlich an – und zwar nicht mehr in identifizierbaren Hotspots, sondern auf breiter Fläche.15 Auch die Entwicklung in Deutschland zeigte ab Ende Juli das drohende Potenzial einer „zweiten Welle“.

      Unser Immunsystem bildet spezifische Antikörper gegen Krankheitserreger, sobald spezielle Zellen des Immunsystems mit ihnen Kontakt aufgenommen haben. Antikörper sind dann eine gezielte Waffe, um diese Erreger zu zerstören. Sie gehören zur Klasse der Immunglobuline (Ig), die von bestimmten Immunzellen produziert werden.

      Antikörper-Tests weisen verschiedene Immunglobulin-Klassen nach – IgA, IgG, IgM –, die zeitlich versetzt auftreten. In der Frühphase einer Infektion tauchen zunächst IgM, dann IgA auf und verschwinden relativ rasch wieder. IgG erscheint später, bleibt aber länger bestehen – als Ausdruck einer länger anhaltenden Immunität nach Überstehen der Infektion. Auffällig und besorgniserregend ist bei Covid-19, dass auch IgG-Antikörper in den meisten Studien nur zeitlich begrenzt nachzuweisen sind.

      Gegen SARS-CoV-2 wurden in einem Wettlauf von Herstellern Dutzende verschiedener Antikörper-Tests entwickelt. Sie sind aber bisher ungenügend validiert und es ist bis heute nicht endgültig geklärt, wie spezifisch diese Tests eine Infektion mit CoV-2 anzeigen und wie häufig auch die Infektion mit früheren Corona-Viren zu „falsch positiven“ Ergebnissen führt. Optimierung und dann breite Anwendung der Antikörpertests sind deshalb dringend nötig.

      Eine im Juli 2020 als Preprint veröffentlichte Untersuchung des Lübecker Gesundheitsamts fand bei 30 Prozent von 110 Corona-Infizierten mit allenfalls mäßigen Covid-19-Symptomen keine Antikörper. Und im Fachblatt „Nature Medicine“ berichten Forscher aus China Anfang Juli, dass bei Infizierten ohne Symptome die Antikörperkonzentration im Blut bereits nach kurzer Zeit deutlich sank.16 Das weist gleich auf eine doppelte Problematik hin: Nicht jeder Infizierte kann im Nachhinein durch Antikörper-Tests erfasst werden. Und: Die anfängliche Hoffnung auf anhaltende Immunität nach einer Covid-19-Infektion ist trügerisch – es ist fraglich, ob nach einmaliger Infektion IgG-Antikörper bei erneutem Kontakt wieder in ausreichender Höhe nachgebildet werden. Unverständlich und inakzeptabel ist deswegen auch, dass es hierzulande von offizieller Seite aus wenig Interesse gibt, die örtliche und zeitliche Ausbreitung der Pandemie und die Immunitätslage durch breit angelegte und optimierte Antikörpertests exakt zu erfassen. So gibt es bis heute (Juli 2020) keine verlässlichen Zahlen über die wirkliche Verbreitung der Virusinfektion – die „Dunkelziffer“ der unerkannt Infizierten bleibt weiter im Dunkeln! Ebenso der Antikörperverlauf bei den CoV-2-Infizierten über eine längere Zeit. Die Aufklärung der Dunkelziffer wäre aber Voraussetzung, um den Anteil von schweren und auch tödlichen Verläufen richtig einzuschätzen und um die Gefahr der Infektion durch symptomlose Virusträger zu erfassen. Auch die zentrale Frage, welche Antikörper effektiv vor einer Zweitinfektion schützen, ist bis heute nicht geklärt.

      Das fragwürdige Krisenmanagement der Regierungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern, erst recht in den USA steht im Gegensatz zu durchgreifenden Maßnahmen in einigen asiatischen Ländern wie Südkorea, Taiwan, Singapur, Japan, Vietnam, Malaysia und China. Dort wurde die Pandemie wesentlich früher, konsequenter und effektiver bekämpft. So wurden Ende Mai in Wuhan zehn Millionen Bürger per Rachenabstrich getestet. Nach Aussagen von Prof. Lu Zuxun zeigten sich nur 300 virus-positiv und gehörten zur Gruppe der symptomlosen Virusüberträger. All diese Maßnahmen hatten allerdings einen hohen Preis: rigorose Ausgangssperren wie in China mit schwerwiegenden sozialen und politischen Folgen – digitale Totalkontrolle, sprunghafter Anstieg von Gewalt an Frauen usw. Oder die Massenüberwachung mit verpflichtenden Corona-Apps ohne Datenschutz in Südkorea.

      Nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) zunächst die Gefahr der Covid-19-Pandemie heruntergespielt hatte, wurden ab Mitte März in den täglichen Bulletins fragwürdige statistische Zahlen präsentiert. Diese erweckten den Eindruck, als werde Deutschland von einer unberechenbaren „Corona-Lawine“ überrollt mit möglicherweise Hunderttausenden von Opfern und als stehe das Gesundheitswesen vor einem Zusammenbruch.

      Dieser Eindruck wurde gezielt erweckt. Ein vom Innenministerium herausgegebenes Papier setzte bewusst auf die Strategie, die Bevölkerung in Angst und Panik zu versetzen: „Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden … Der Worst Case ist mit allen Folgen für die Bevölkerung in Deutschland unmissverständlich, entschlossen und transparent zu verdeutlichen.“17 Umgesetzt wurde dies in der Form, dass über Wochen hinweg nur die absolute Zahl der positiv Getesteten bekannt gegeben wurde, nicht aber der prozentuale Anteil zur Bevölkerung (Bezug auf 100 000 Einwohner) und sein Zuwachs. Gravierende Fehler gab es vereinzelt auch bei den Angaben über die Zahl der Testungen: Bei der Meldung von 467 137 Testungen am 29. 4. 2020 habe man sich um 110 000 Tests und um 7000 positive Proben verrechnet, musste das RKI eine Woche später in seinem Bulletin einräumen.18

      Anhand dieser blamablen Bilanz muss man statt von einem geglückten Krisenmanagement des RKI von gezielter Desinformation und Meinungsmanipulation, bestenfalls von dokumentierter Unfähigkeit sprechen. Hunderte von Pressekonferenzen, Sondersendungen, Podcasts, ein Wettstreit der Virologen überschwemmte die Medienwelt.

      Trotz ihres fragwürdigen Krisenmanagements konnte sich die Bundesregierung über Monate hinweg über hohe Zustimmungswerte freuen. Das lag auch daran, dass die Masse der Bevölkerung die tatsächlich notwendigen gesundheitspolitischen Maßnahmen verstand und von Anfang an relativ diszipliniert verwirklichte. Dadurch verlief die Pandemie in Deutschland – im Vergleich mit anderen westlichen Ländern – relativ glimpflich. Insbesondere

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