Nach Amerika! Bd. 1. Gerstäcker Friedrich

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Nach Amerika! Bd. 1 - Gerstäcker Friedrich

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Bequemlichkeiten versehen, und einem Kapitän, ich sage Ihnen, ein wahrer Schentelmann, wie er sich gerade nicht immer auf den Schiffen findet.»

       «Ich danke Ihnen für jetzt noch bestens, lieber Herr Weigel», sagte der junge Mann. «Ich muß doch nun erst mit meiner Frau Rücksprache über dies nehmen, denn erst seit gestern ist mir die Idee überhaupt gekommen, auszuwandern. Aber – noch eine Bitte hätte ich an Sie», und er drehte dabei den Hut, den er in der Hand hielt, fast wie verlegen zwischen den Fingern.

       «Ja», womit könnte ich Ihnen dienen? » frug Herr Weigel.

       «Könnten sie mir wohl sagen, ob die Kapitäne der Segelschiffe – ich habe einmal irgendwo gelesen, daß das manchmal geschehe – auch Leute – Passagiere mitnähmen, die unterwegs ihre Passage – abarbeiten dürften und also – auch keine Überfahrt zu bezahlen brauchten?»

       «Keine Passage zahlen?» sagte Herr Weigel, die Lippen vordrückend und die Augenbrauen in die Höhe ziehend, während er langsam und halb lächelnd mit dem Kopf schüttelte. «Keine Passage bezahlen? – Ne, lieber Herr – ja so, wie heißen Sie denn gleich?»

       «Eltrich», sagte der junge Mann etwas zögernd.

       «So? – Ne, mein lieber Herr Eltrich, davon steht nichts in unseren Verzeichnissen und Kontrakten; im Gegenteil, da kommen wir zusammen; d a s ist der Hauptpunkt, der Nervum Rehrum, der die ganze Geschichte zusammenhält, Amerika und Europa und die umliegenden Dorfschaften, hehehe!»

       «Aber wenn nun irgendein armer Teufel», fuhr der Fremde etwas lauter, fast wie ängstlich, fort, «irgendein armer Teufel sein ganzes Hoffen eben auf eine Reise nach Amerika gesetzt hätte, und bestimmt wüßte, daß er dort, wenn auch nicht gerade sein G l ü c k machen, doch sein Auskommen finden würde?»

       «Nun, dann soll er gehen – um Gottes Willen gehen, und am 15. dieses wird wieder das neue, kupferfeste – ja so, aber er muß bezahlen», unterbrach er sich rasch, als ihm einfiel, von was sie erst vor wenigen Sekunden gesprochen, «er muß bezahlen, sonst nimmt ihn kein Kapitän der Welt mit über See.»

       «Und Sie glauben nicht, daß da jemals eine Ausnahme stattfinden dürfte?» sagte Herr Eltrich. «Es werden doch Leute auf See gebraucht zu den notwendigsten sowohl wie den geringeren Arbeiten, und die Kapitäne müssen gewiß dafür b e z a h l e n. Wenn sich also nun jemand erböte, alle diese Verrichtungen ganz u m s o n s t, nur um Passage und die einfachste Matrosenkost zu machen, sollte das nicht möglich sein zu erlangen?»

       «Lieber Herr», sagte Herr Weigel, dem es jetzt so vorkommen mochte, als ob er mit dem Fremden kein besonders großes Geschäft machen würde, und der anfing, ungeduldig zu werden, «zu den Arbeiten an Bord eines Schiffes werden M a t r o s e n gebraucht, und wer kein Matrose ist, kann die auch nicht verrichten. Das ist keine kleine Kunst, lieber Herr Schelbig, in den Tauen den ganzen Tag herumzuklettern und zwischen den Segeln, wenn das Schiff bald so herüberschlenkert und bald so», und er begleitete dabei seine Erklärung mit einer entsprechenden Bewegung er vor sich gerade aufgehaltenen Hand, «da müssen die Leute feststehen können wie die Mauern, sonst kann man sie nicht gebrauchen.»

       «Aber glauben Sie nicht, wenn man einmal an einen Kapitän schriebe, ob er sich doch nicht am Ende bewegen ließ, oder», setzte er rasch hinzu, wie von einem plötzlichen Gedanken ergriffen, «wenn man sich nun verbindlich machte, die Passage nach einer bestimmten Zeit in Amerika nachzuzahlen – sie dort abzuverdienen?»

       «Ja, da könnte jeder kommen», sagte Herr Weigel kopfschüttelnd. «Wenn die Leute erst einmal drüben sind, tun sie, was sie wollen. Das ist ein freies Land da drüben, Herr Wellrich, und da könnte man nachher jedem einzelnen nachlaufen und sehen, daß man sein Geld wiederkriegte. Ne, damit ist’s faul, und ich nun einmal vor allen Dingen möchte mich nicht auf solch’ eine Quengelei einlassen. Daran hat man keine Freude, und das ist auch kein rundes Geschäft.»

       «Es ist nur ein armer Verwandter, der sich auf solche Weise gern forthelfen würde», sagte Herr Eltrich errötend, «er ist sehr fleißig und würde arbeiten wie ein Sklave, die Zeit über.»

       «Ja, das glaub’ ich», meinte Herr Weigel gleichgültig. «Versprechen tun die Art Herren gewöhnlich alles, was man von ihnen haben will.»

       «Könnten Sie mir denn vielleicht die Adresse irgendeines Schiffes oder Reeders geben, der bald ein Schiff hinüberschickt?» sagte der junge Fremde, sich schon wieder zum Gehen rüstend. «Wenn ich vielleicht selber einmal dorthin schriebe, um Sie nicht weiter mit der Sache zu belästigen.»

       «Ja, schreiben können Sie», sagte Herr Weigel. «Hehehe! Aber Sie werden keine Antwort bekommen; darauf können Sie sich verlassen. Die Leute haben mehr zu tun, als sich eines Passagieres wegen, für den sie noch umsonst die Kost hergeben müßten, in eine Korrespondenz einzulassen. Kann ich ihnen auch gar nicht so sehr verdenken.»

       «Und die Adresse?»

       «Die Adresse? – Da, hier liegt die neueste Auswanderer-Zeitung; wenn Sie wollen, können Sie sich da ein oder zwei Adressen herausschreiben. Da hinten, auf der letzten Seite stehen sie.»

       Herr Weigel sah nach der Uhr, drehte sich wieder auf seinem Drehstuhl, der beim Aufschrauben etwas quietschte, herum, schob das Tageblatt zur Seite und rückte sich einen Bogen Papier zurecht, als ob er irgendeinen notwendigen Brief zu schreiben hätte.

       Wieder klopfte es da an die Tür, und diesmal, ohne ein ermunterndes ,Herein’ zu erwarten, öffnete sie sich und drei Bauern, die Hüte erst unter der Tür und schon im Zimmer abziehend, traten herein und grüßten die beiden Leute, die sie hier beisammen fanden, mit einem herzlichen ,Guten Morgen miteinander’. – Die Leute sahen aber selbstständig und entschlossen aus; die großen silbernen Knöpfe auf den Westen und etwas weiten Röcken gaben ihnen etwas Solides, und d a s waren die Leute, die Herr Weigel gern kommen sah. D i e wußten, weshalb sie die eine Hand immer in der Tasche trugen, denn sie hatten dort etwas zu verlieren, und waren nicht selten dabei die Vorboten eines größeren Trupps, oft einer ganzen ,Schiffsladung voll’, die aus ein und derselben Gegend auswandern wollte, und ein paar der Angesehensten indes vorausgeschickt hatte, Platz für sie zu bestellen. Wie der Blitz war er denn auch von seinem Stuhl herunter, schüttelte ihnen nacheinander die Hand und frug sie, wie es ihnen ginge und was sie hier zu ihm geführt.

       «Seid Ihr der Mensch, der die Leute nach Amerika schickt?» sagte der eine von ihnen, eine breitkräftige, sonngebräunte Gestalt mit vollkommen lichtblonden Haaren und Augenbrauen, aber dabei gutmütigen, vollen und frischen Zügen, dem das Ganze übrigens etwas fremd und unheimlich vorkommen mochte, denn er warf den Blick, während er sprach, wie scheu von einer der Schiffszeichnungen zur andern, und schien sich ordentlich dazu zwingen zu müssen, das zu sagen, was er eben hier zu sagen hatte.

       «Nun, nach Amerika s c h i c k e n tu ich sie gerade nicht», lächelte Herr Weigel, die anderen dabei ansehend und etwas verlegen über die vielleicht ein wenig plumpe Anrede.

       «Nicht?» sagte der Bauer rasch und erstaunt. «Aber hier hängen doch all’ die vielen Schiffe!»

       «Nun ja, ich besorge den Leuten Schiffsgelegenheit, die hinüber w o l l e n », sagte Herr Weigel, jetzt geradezu herauslachend, weil er glaubte, daß sich der Mann mit ihm einen Scherz gemacht, auf den er natürlich einzugehen wünschte.

       «Ja, aber wir w o l l e n eigentlich noch nicht hinüber», sagte der zweite von den Bauern, seinen Hut auf seinen langen Stock stellend und sich dabei verlegen hinter den Ohren kratzend. «Wir wollen uns nur erst einmal hier erkundigen, ob denn das auch wirklich da drüben so ist, wie es jetzt immer in den Auswanderungs-Zeitungen steht, und ob man bloß hinüberzugehen und zuzulangen braucht, wenn man eine

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