Perry Rhodan Neo 234: Die Himalaya-Bombe. Rüdiger Schäfer

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Perry Rhodan Neo 234: Die Himalaya-Bombe - Rüdiger Schäfer Perry Rhodan Neo

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      Die Nacht verschwand binnen weniger Minuten und machte dem Licht des Tages Platz. Es war, als liefe ein Film im Zeitraffer ab. Die Space-Disk schien in freiem Fall auf die Planetenoberfläche zuzustürzen, während die Sonne von einem verwaschenen Fleck zur grell lodernden Scheibe wurde.

      Rupuk Khaan zog das Diskusboot in eine enge Kurve und reduzierte die Geschwindigkeit, bis das Raumfahrzeug mit gut fünfhundert Stundenkilometer und in rund tausend Metern Höhe über die karge Landschaft der Gobi raste. In diesem Teil Zentralasiens wurde die Wüste nicht von Sanddünen geprägt, sondern war von eher steppenähnlicher Beschaffenheit. Der harte und trockene Boden war da und dort von genügsamen Sträuchern und Gräsern bewachsen. Hin und wieder erhoben sich spitze Felskämme über die rotbraune Ebene.

      »Sehen Sie nach vorn, Ma'am«, forderte Ayaz Polat seine Passagierin auf, als sie eine Art Senke überflogen.

      Für einen Moment glaubte Hannah Stein, dort eine Bewegung auszumachen. Doch sie waren zu schnell vorbei, als dass sie hätte mehr erkennen können. Nun hob sie den Kopf und richtete ihre Aufmerksamkeit in Flugrichtung.

      »Terrania«, sagte der Oberleutnant. Es klang beinahe andächtig.

      Zunächst sah Hannah nur eine Kuppel aus gleißendem Licht. Doch mit jeder weiteren Sekunde, die sich die Space-Disk der Riesenstadt näherte, wurden mehr Einzelheiten sichtbar.

      Jedes Kind lernte bereits in den ersten Schuljahren, dass die Weltmetropole im Jahr 2036 von Perry Rhodan gegründet worden und nach Plänen des arkonidischen Wissenschaftlers Crest entstanden war. Die ersten Gebäude hatten arkonidische Roboter errichtet; mittlerweile dienten die Bauten als Museum zur Stadtgeschichte. Weiß wie frisch gefallener Schnee, wirkten sie auf Menschen wie von der Sonne angeschmolzene Eisblöcke ohne Ecken und Kanten. Wenn es in Trividbeiträgen um Terrania ging, tauchten fast immer die entsprechenden Bilder auf. Ein halbes Jahrhundert später waren diese sogenannten Crest Structures allerdings nur noch ein Anachronismus, denn das Stadtbild hatte sich längst massiv gewandelt.

      Die Space-Disk flog inzwischen über die Vororte, die sich teilweise bis zu 150 Kilometer vom Zentrum Terranias entfernt in die Gobi hinein erstreckten. Ursprünglich hatte der Stadtkern auf dem Staatsgebiet der Volksrepublik China gelegen. Die frisch gegründete Terranische Union hatte der Regierung in Peking das entsprechende Wüstenareal später jedoch abgekauft. Seitdem hatte es vier weitere Gebietsabtretungen gegeben – allerdings nicht mehr durch China, sondern seitens der Mongolei, die sich später als eins der ersten Länder der Welt der Terranischen Union angeschlossen hatte. Seit damals wuchs Terrania in beachtlichem Tempo und tat das noch immer.

      Solche und ähnliche Informationen wurden während des Anflugs ständig über Holos eingespielt. Vieles davon wusste Hannah aber schon. Obwohl sie eher still und zurückgezogen lebte und sich als Historikerin lieber mit der Vergangenheit als mit der Gegenwart beschäftigte, blendete sie die Welt um sie herum nicht aus und interessierte sich sehr wohl für aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Außerdem galt die Evolution der Terranischen Union rein historisch gesehen als eine der wichtigsten und prägendsten Epochen der Menschheitsgeschichte.

      Weitere dreißig Sekunden später war die Wüste vollständig verschwunden. Die Space-Disk war erneut langsamer geworden und schwebte über ausgedehnte Wohnviertel, Parkanlagen, künstlich geschaffene Seen und Flüsse, geschwungene Brücken und futuristisch anmutende Gebäude hinweg, deren Fassaden in allen denkbaren Farben leuchteten. In der Ferne war bereits die imposante Nadel des Stardust Tower zu sehen, dem Wahrzeichen der Stadt, das über zwei Kilometer hoch in den wolkenlosen Himmel ragte.

      »Es wird heute heiß, Ma'am«, informierte sie Oberleutnant Polat. »Im Moment haben wir im Zentrum noch knapp über zwanzig Grad Celsius, aber gegen Mittag werden es sicher vierzig sein. Es gibt inzwischen zwar erste Versuche für eine satellitengestützte Wetterkontrolle, aber noch herrscht in Terrania Wüstenklima.«

      Um den Stardust Tower herum gruppierten sich eine Reihe weiterer Türme, nicht ganz so hoch, aber nicht weniger imposant. Da war zum Beispiel die gläserne Verwaltungszentrale der General Cosmic Company, des größten Wirtschaftsunternehmens der Welt. Oder der Firmensitz der Whistler Corporation, die in den zurückliegenden dreißig Jahren zum Marktführer in Sachen Robotik und Künstliche Intelligenz geworden war. Die gewundene Doppelstruktur sah aus, als wäre der Architekt bei der Erstellung seines Entwurfs betrunken gewesen. Man hatte den Eindruck, dass die Konstruktion jeden Moment umkippen musste.

      »Fähnrich Khaan«, erklang die befehlsgewohnte Stimme von Polat. »Fliegen Sie eine kleine Kurve über die Stadtmitte. Wir wollen Miss Stein schließlich etwas bieten ...«

      »Verstanden, Sir«, bestätigte der Pilot. Das Raumboot neigte sich leicht zur Seite, und der Stardust Tower wanderte langsam nach rechts.

      »Sehen Sie die verwinkelten Gebäude dort vorn?« Polat deutete mit dem Finger in die entsprechende Richtung. »Die aussehen, als hätte sie jemand aus Legosteinen zusammengebaut?«

      Hannah bejahte. Sie hatten den berühmten Goshun-Salzsee erreicht. Dort war Perry Rhodan am 27. Juni 2036 gelandet, weil er die auf dem Mond entdeckte arkonidische Supertechnik nicht einer einzelnen Nation hatte überantworten wollen. Das damals teilweise ausgetrocknete Gewässer war seither mehrfach erweitert und mit Wasser aufgefüllt worden. An seinen Ufern waren Naherholungsgebiete und teure Wohnviertel entstanden. Die von Polat erwähnten Bauten lagen in der Nähe einer künstlichen Bucht und waren – wie so viele Gebäudekomplexe Terranias – in einen Park eingebettet.

      »Das ist das Lakeside Institute«, sagte der Oberleutnant. »Oder genauer: das Lakeside Institute of Mental and Physical Health. Die Stadtbewohner sagen auch einfach Mutantenschule dazu.«

      Die Eindrücke folgten nun immer schneller aufeinander und drohten Hannah zu überwältigen. Sie flogen am Terrania Medical Center vorbei, das an drei gigantische Eishockey-Pucks erinnerte und neben den Einrichtungen auf dem Saturnmond Mimas als größte und modernste Klinik des Sonnensystems galt. Sie überquerten das Gelände der Akademia Terrania – mit rund fünf Millionen Studenten die größte Universität der Welt. Sie passierten Government Garden, die Union Hall, das Solar Administration Building und die Inselgruppe des Tosoma Islands Archipels, auf dem die Reichen und Berühmten in abgeschirmten Villen lebten.

      Nach einer Weile kam es Hannah vor, als gäbe es in dieser Stadt buchstäblich nichts, was nicht in irgendeiner Weise das Beste, Größte oder Modernste seiner Art war. Polat merkte schnell, dass seine Passagierin von der schieren Menge dessen, was da in kürzester Zeit auf sie einstürmte, überfordert war.

      Dazu kam der herrschende Verkehr, gegen den selbst ein Bienenstock im Hochsommer wie ausgestorben wirkte. Die Luft war von dichten Strömen aus Gleitern, Transportbussen, Lastenplattformen und anderen Fluggeräten erfüllt. In den Straßen und Parks waren unzählige Menschen unterwegs. Sie bevölkerten die Brücken und Plätze, tummelten sich in den Einkaufszentren und Vergnügungsvierteln oder ballten sich als Touristen an den vielen Orten der Stadt, an denen es etwas zu sehen und zu erleben gab.

      »Verzeihen Sie mir, Ma'am«, bat Polat um Entschuldigung. »Ich vergesse jedes Mal, wie diese Stadt auf jemanden wirkt, der sie nur aus Hologramme und Bildberichten kennt.«

      »Einschüchternd«, gab Hannah zu. »Und anstrengend.«

      »Da haben Sie recht. Vergessen Sie außerdem nicht komplett verrückt, verlockend, stimulierend und einfach unvergleichlich, Ma'am. Terrania kann Sie auffressen und verschlucken, aber auch umarmen und liebkosen – wenn Sie es zulassen.«

      »Ich werde mir Mühe geben.« Hannah lächelte. »Sie sind hier geboren, nicht wahr, Mister Polat?«

      »Allerdings«,

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