Arztroman Sammelband 8 Romane Februar 2020. A. F. Morland
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„Sprichst du oft mit ihm?“, fragte Ottilie, während sie ihre Handtasche aufnahm.
„Eigentlich immer, wenn ich allein bin, und er hört mir aufmerksam zu.“
„Und widerspricht dir nie“, sagte Ottilie schmunzelnd und verließ mit der Freundin das enge Wohnzimmer. Nicht einmal die Tür konnte man ganz aufmachen, weil ein alter Schrank dahinterstand und dies verhinderte.
Frau Triebe seufzte. „Wenn ich doch nur das Herz hätte, mich von drei, vier Möbelstücken zu trennen, aber an jedem einzelnen hängen so viele Erinnerungen, dass ich einfach nichts rausschmeißen kann.“
„War wieder mal nett, mit dir zu plaudern“, sagte Ottilie.
„Wir sehen einander hoffentlich bald wieder.“
„Ich rufe dich an, wenn ich Zeit habe“, versprach Ottilie und ging.
Nur eine halbe Stunde später servierte sie der Familie Härtling das Abendessen. Es grenzte an Zauberei, und sie verriet nicht, wie sie es gemacht hatte.
3
Zur selben Zeit aß auch das Ehepaar Lassow zu Abend. Allerdings nicht zu Hause, sondern in einem netten kleinen Restaurant nahe dem Gärtnerplatz-Theater.
Trix und Axel Lassow hatten es ihren Kindern Sören und Michaela freigestellt, mitzukommen oder sich von Fastfood zu ernähren, und die beiden hatten sich für letzteres entschieden, was vor allem Axel Lassow, der bekannte Rechtsanwalt, nicht verstehen konnte.
Wenn er hungrig war und es sehr eilig hatte, kam es schon mal vor, dass er einen Hamburger aß. Er lehnte diese Art der Nahrungsaufnahme nicht grundsätzlich ab, aber wenn er Zeit hatte, setzte er sich schon lieber in ein gemütliches Restaurant und ließ sich mit delikaten Köstlichkeiten verwöhnen.
Sie hatten eine köstliche Forelle blau gegessen und trockenen Weißwein dazu getrunken. Als sie noch einmal die Karte verlangten, um sich für einen leckeren Nachtisch zu entscheiden, stand plötzlich Clemens Bennet, der Plattenproduzent und Rennstallbesitzer, ein Mann, der Gott und die Welt kannte, vor ihrem Tisch.
Er küsste Trix Lassow, Dr. Härtlings attraktiver Schwester, galant die Hand und begrüßte ihren Mann mit einem kräftigen Händedruck. Seine klugen Augen strahlten. Dr. Lassow lud ihn ein, sich zu ihnen zu setzen.
„Würde ich wahnsinnig gerne tun“, gab Clemens Bennet bedauernd zurück, „geht aber leider nicht.“
„Warum nicht?“
„Ich bin nicht allein hier“, erklärte der Produzent. „Wolf-Dietrich Bockmayer ist mein Gast.“
Trix Lassow hob überrascht die Augenbrauen. „Der Modeschöpfer?“
Bennet nickte. „Genau der. Er sitzt dort hinten.“ Er deutete mit dem Kopf in die entsprechende Richtung. „Ich wollte nur mal schnell Hallo! Sagen.“
Trix Lassow neigte sich etwas zur Seite, um an Clemens Bennet vorbeisehen zu können. Der Designer hielt im Moment ein Handy an sein Ohr und führte ein ernstes Gespräch. Wolf-Dietrich Bockmayer war todschick gekleidet und geschminkt und trug eine auffallende Rothaarperücke mit vielen Locken.
„Guten Hunger“, sagte Clemens Bennet.
„Wir sind schon beim Dessert“, gab Dr. Lassow schmunzelnd zurück. „Soll ich euch einen Tipp geben?“
Axel Lassow nickte. „Nur zu.“
„Das Erdbeersorbet ist hier ein Gedicht.“
„Erdbeersorbet“, sagte Trix Lassow. „Das nehme ich.“
„Ich auch“, sagte Dr. Lassow und legte die Karte beiseite.
4
Dr. Katja Arndt öffnete schwungvoll die Tür und betrat das Haus, in dem sie seit drei Jahren mit ihrem Mann wohnte. Sie hatte es von einem weitschichtigen Onkel geerbt und nach ihrem Geschmack eingerichtet.
Norbert hätte alles so gelassen, wie es war, doch das kam für sie nicht in Frage. Sie musste dem Haus erst ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken, um sich darin wohl zu fühlen. „Halloho!“, rief sie auf gekratzt. „Ist jemand daheim?“
Keine Antwort.
„Norbert?“
Stille im Haus.
Im Wohnzimmer lagen ein paar Zeitungen unordentlich auf dem Tisch. Katja Arndt faltete sie zusammen und schob sie in den Zeitschriftenständer.
Ihr fiel auf, dass der Anrufbeantworter blinkte, sie drückte auf den Wiedergabeknopf und hörte die Stimme ihres Bruders.
„Alle ausgeflogen?“, sagte Jürgen. Er war zehn Jahre jünger als seine Schwester. „Keiner da? Okay, ich nehm’s zur Kenntnis, aber ich möchte nicht wieder zu hören kriegen, ich würde mich zu selten bei euch melden.“
Sie rief ihn zurück. „Hallo, Bruderherz“, sagte sie, als er sich meldete. „Schön, dass du dich mal wieder an uns erinnert hast. Wie geht es dir?“
„Ich kann nicht klagen“, antwortete Jürgen Möhner.
„Das hört man gern.“
„Und wie geht es euch?“, wollte Katjas Bruder wissen.
„Oh, ganz gut. Ich bekomme morgen meinen Anstellungsvertrag.“
„Dann bist du also jetzt Ärztin an der Paracelsus-Klinik?“
„Ja.“
„Gratuliere.“
„Danke“, sagte die Ärztin.
„Und Norbert?“, fragte ihr Bruder.
„Norbert?“
„Lässt er endlich die Finger von den Karten?“, fragte Jürgen Möhner.
Katja Arndts Blick verdüsterte sich. „Er hat es mir ganz fest versprochen.“
Jürgen seufzte. „Ich mag ihn, ich mag ihn wirklich. Er ist ein furchtbar netter Typ, mein Schwager, aber seine Spiel- und Wettleidenschaft ist eine echte Katastrophe.“
Katja runzelte die Stirn. „Es ist eine Krankheit, Jürgen“, sagte sie sehr ernst, „und ich werde alles tun, um ihm zu helfen, sie zu besiegen.“
„Du bist ein Schatz, Katja. Ich hoffe, dein Mann weiß das.“
„Er weiß es. Und er weiß es zu schätzen.“
„Da fällt mir ein … ich soll dich von Mama grüßen“, sagte Jürgen Möhner. Seine und Katjas Mutter weilte zur Zeit zur Kur im Schwarzwald. Katja