Porträt-Rezepte mit natürlichem Licht. Scott Kelby
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Stellt die Optik während einer Porträtaufnahme nicht scharf, befinden Sie sich womöglich zu nah am Motiv. Jedes Objektiv verfügt über eine sogenannte Naheinstellgrenze – wird diese unterschritten, kann die Optik nicht scharf stellen. Gehen Sie in diesem Fall ein paar Schritte zurück und nutzen Sie den Zoom, um die Original-Komposition wiederherzustellen (ein Grund für meine Vorliebe für Zoom-Objektive). Doch wie finden Sie heraus, welche Naheinstellgrenze Ihr Objektiv hat? Oft ist dieser Wert auf dem Objektivgehäuse selbst zu finden (siehe oben) oder versteckt sich an der Objektivfront (dort, wo sich das Filtergewinde befindet) – ein Wert wie »1.5 ft«oder »45 cm«. Interessanter Fakt am Rande: Sicher nehmen Sie an, dass der Abstand vom vorderen Ende des Objektivs aus gemessen wird, nicht wahr? Weit gefehlt – das wäre viel zu einfach und offensichtlich. Der Referenzpunkt für die Messung ist die Fokusebene des Objektivs. Die wird in der Regel mit einem von einer Linie durchschnittenen Kreis auf dem Kameragehäuse markiert. Diese Linie dient als Ausgangspunkt für alle Entfernungsmessungen, die mit der Optik der Kamera zu tun haben. Nehmen Sie einfach mal Ihr Kameragehäuse zur Hand und schauen Sie selbst nach – nun sind Sie schlauer!
Wie die Wahl des Objektivs die Wirkung des Hintergrunds beeinflusst
Die Objektivkompression wirkt sich nicht nur positiv auf die Gesichtszüge Ihres Motivs aus, sondern entscheidet auch darüber, wie der Hintergrund abgebildet wird. Verwenden Sie beispielsweise ein Weitwinkel-Objektiv – etwa mit einer Brennweite von 24 mm wie im linken Bild –, so wird der Hintergrund optisch in die Ferne gerückt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund viel größer ist, als es tatsächlich der Fall ist. Dieser Effekt ermöglicht das Fotografieren von Szenen, die weitläufig, groß und episch wirken sollen. Wechseln Sie nun bei identischen Kameraeinstellungen zu einem Zoom-Objektiv (im Beispiel rechts ein 70–200 mm) und holen Sie das Motiv nah heran, dann wird der Hintergrund nicht nur unscharf, sondern scheint auch näher an das Motiv heranzurücken. Deshalb treffen Sie bereits beim Griff nach einem Objektiv in Ihrer Kameratasche eine weitreichende Entscheidung für die Bildkomposition. Denn Sie legen damit bereits im Vorfeld fest, ob der Hintergrund scharf abgebildet und in weite Ferne gerückt wird oder ob die Szenerie unscharf und ganz nah am Motiv erscheint. Mit Bedacht du wählen musst, junger Padawan!
Nutzen Sie den Blendenbereich voll aus
Wie Sie schon früher in diesem Kapitel erfahren haben, sind schnelle Objektive mit sehr niedrigen Blendenwerten wie f/2.8, f/2, f/1.8 oder darunter nicht gerade billig. Wenn Sie so viel in ein Objektiv investieren, sollten Sie die entsprechenden Blendenbereiche auch nutzen – alles andere wäre reine Geldverschwendung. Wenn Sie beispielsweise ein 85 mm f/1.8 erwerben, jedoch nur die Blenden f/4, f/5.6 oder f/11 nutzen, nehmen Sie dem Objektiv seine Existenzberechtigung. Jedes andere Ihrer Objektive deckt die genannten Blendenbereiche ab – nutzen Sie also Ihr neues Objektiv hauptsächlich mit jener Blende, für die Sie es erworben haben. Nur auf diese Weise liefert die Optik das gewünschte Ergebnis in bestmöglicher Qualität.
Sollten Sie zu einem Objektiv mit Bildstabilisator greifen? Kommt darauf an …
Ein Blick auf Ihre Objektive verrät Ihnen, dass die meisten Modelle entweder mit IS (»Image Stabilization«, Bildstabilisator) oder VR (»Vibration Reduction«, Vibrationsreduzierung) ausgestattet sind. Da sich diese Ausstattungsmerkmale auf den Preis auswirken, sollten Sie vor dem Kauf darüber nachdenken, ob Sie IS oder VR wirklich brauchen. Wenn Sie viel in der Dämmerung oder unter schlechten Lichtbedingungen fotografieren, sind Bildstabilisatoren in der Tat sehr hilfreich. Wenn Sie allerdings tagsüber draußen mit schnellen Verschlusszeiten unter 1/500 s arbeiten, brauchen Sie so etwas nicht. Sie benötigen einen Stabilisator, wenn Sie bei schlechtem Licht mit sehr langsamen Verschlusszeiten von 1/30 s, 1/8 s oder länger arbeiten. IS oder VR stabilisiert das Objektiv, sodass bei geringen Bewegungen während der Verschlussöffnung keine verwackelten, unscharfen Bilder entstehen. Auf den Punkt gebracht: Fotografieren Sie unter schlechten Lichtbedingungen, schalten Sie IS oder VR ein, während Sie diese Features bei guter Ausleuchtung des Motivs ausgeschaltet lassen können. Fotografieren Sie ausschließlich mit schnellen Verschlusszeiten bei gutem Licht, können Sie das gesparte Geld eventuell in ein besseres Objektiv ohne Stabilisator stecken.
Kapitel 2
Einstellungssache
Blende, Verschlusszeit & ISO
Sie verzweifeln beim Fotografieren an der ganzen Technik? Sie sind nicht allein. Der rein künstlerische Vorgang des Fotografierens setzt ungerechterweise ein hohes Maß an technischem Fachwissen voraus – von der Blende über die Verschlusszeit und ISO bis hin zur thermischen Geschwindigkeit. Das ist wieder so eine Sache mit linker und rechter Hirnhälfte, und mit Fotografie hängt das alles wie folgt zusammen: Nutzen Sie hauptsächlich die rechte Hälfte Ihres Gehirns, sind Sie ein eher kreativer Mensch mit ausgeprägter emotionaler Intelligenz. Sie können sich auf viele Arten ausdrücken und verfügen über ein großartiges Vorstellungsvermögen. Nutzen Sie eher Ihre linke Hirnhälfte, sind Sie womöglich dehydriert und stehlen oft Dinge, die Sie gar nicht brauchen. Sie sind anspruchsvoll, aber erschreckend ungepflegt und quälen kleine Tiere. Das Fehlen Ihrer inneren Stimme versuchen Sie durch Wildschweinzucht zu kompensieren. Sie sind ein Anfänger und ein Dilettant, dem es an Anstand mangelt. Aber was wirklich am schlimmsten ist: Ihre Unfähigkeit, den gesamten Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs hindurch still zu sitzen. Ist es dann ein Wunder, dass Sie nicht in der Lage sind, die thermische Geschwindigkeit Ihrer Kamera einzustellen? (Spoiler-Alarm: Halten Sie die Taste mit dem Blitz-Symbol drei Sekunden lang gedrückt, bis ein Blitz durch den Sucher zuckt. Drehen Sie dann den C30-Relaisknopf um 30°, bis Sie ein lautes Klicken hören. Geben Sie acht beim Füllen des Brühgefäßes, um die interne Rührvorrichtung nicht zu blockieren. Zuletzt justieren Sie den Zufluss in die Filterhalterung so, dass der Film in der Spindel einrastet.) Nun denken Sie wie jemand, der die rechte Hirnhälfte nutzt! Verzeihung, worüber haben wir gesprochen?
Fotografieren Sie im RAW-Format
Aller Wahrscheinlichkeit nach haben Sie die folgende Einstellung bereits vorgenommen – doch wenn nicht, ist es höchste Zeit für den Umstieg vom JPEG- auf das RAW-Format. Bilddateien im RAW-Format zeichnen sich durch bessere Qualität und einen größeren Tonwertumfang aus (soll heißen: sie enthalten zwischen absolutem Weiß und Schwarz mehr Helligkeitsabstufungen). Darüber hinaus lassen sich in RAW viele Aufnahmefehler nachträglich korrigieren – beispielsweise falsch eingestellte Belichtungswerte oder ein fehlerhafter Weißabgleich. Auch die Lichterbeschneidung bei Überbelichtung (sogenanntes »Clipping«) fällt wesentlich geringer aus. Und weil Bildbearbeitungsprogramme kein RAW schreiben können, werden Sie Ihre Originaldatei im RAW-Format niemals aus Versehen









