Gesammelte Werke: Historische Romane, Märchen, Abenteuerromane & Autobiografie. Georg Ebers

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Gesammelte Werke: Historische Romane, Märchen, Abenteuerromane & Autobiografie - Georg Ebers

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habe, das mag das Motto beweisen, welches ich über die Vorrede zur ersten Auflage setzte:

      »Man hat mehrfach bemerkt, daß in den Briefen Cicero’s und des jüngeren Plinius Anklänge moderner Sentimentalität nicht zu verkennen seien. Ich finde in denselben nur Anklänge tiefer Gemüthlichkeit, die in jedem Zeitalter, bei jedem Volksstamme aus dem schmerzlich beklommenen Busen emporsteigen.« A. v. Humboldt, Kosmos II. S. 19.

      »noch wie ich nach Hause gekommen,

      . . . Wußt’ ich, aber ein Fieber, ein hitziges setzte mir heftig

      Zu; zehen Tage nun lag ich zu Bett und zehen der Nächte.

      Merke, woher mir die Liebe gekommen ist, hohe Selene!«

      Und als Delphis endlich zum ersten Male über ihre Schwelle trat, da überzog sie Frost und Hitze:

      »Aber zu reden vermocht’ ich nicht, nicht auch nur so viel als

      Lallend reden im Schlaf aufwimmernde Kinder zur Mutter;

      Sondern starr wie die Puppe von Wachs war der blühende Leib mir.

      Merke, woher mir die Liebe gekommen ist, hohe Selene.«

      Woher sie gekommen ist? Daher, woher sie uns heute kommt! Die Liebe der Kreatur zu ihrem Schöpfer, der Menschheit zur Gottheit sind die erhabenen und doch holden Geschenke des Christenthums. Mit seinem Gebote, den Nächsten zu lieben, schuf es den Begriff der Menschenliebe und der Menschheit überhaupt, der den heidnischen Nationen fremd war, die als fernstes Lebensziel nur ihre Heimathstadt und ihr Vaterland kannten. Freilich hat das Christenthum auch auf die Liebe von Mann und Weib verklärend eingewirkt; aber es ist wohl denkbar, daß ein griechisches Herz ebenso zart empfunden und sehnsüchtig geschlagen habe, als ein christliches. Die tiefere Glut der Leidenschaft ist ohnehin den Alten nicht abzusprechen. Fand die Liebe bei den letzteren aber auch ähnlichen Ausdruck wie bei uns? Wer kennt nicht den schönen Rundgesang:

      »Liebe, scherze, trink’ und schwärme

       Und bekränze Dich mit mir,

       Härme Dich, wenn ich mich härme

       Und sei wieder froh mit mir!«

      Aber kein Dichter unserer Zeit hat ihn gesungen, er entstammt vielmehr der Dichterin Praxilla, die im fünften Jahrhunderte v. Chr. lebte. Hört man es dem folgenden Rückert’schen Liedchen an, daß es eine Nachbildung von Versen ist, die schon vor der Zeit unsrer Erzählung gesungen worden sind:

      »O süße Mutter

       Ich kann nicht spinnen,

       Ich kann nicht sitzen

       Im Stübchen innen

       Im engen Haus;

       Es stockt das Rädchen,

       Es reißt das Fädchen:

       O, süße Mutter

       Ich muß hinaus!«

      Ich könnte, wäre mir der Raum nicht so knapp zugemessen, vieles Aehnliche mittheilen. Nur Eins sei mir noch zu sagen gestattet. Bei den Alten wie bei uns gab sich das in sehnsüchtiger Liebe schlagende Herz zu gleicher Zeit wärmer und inniger der Natur hin. Der Mond war und ist der Vertraute der Liebenden, und ich möchte gern eine moderne Dichtung kennen lernen, in der der geheimnißvolle Reiz der Sommernacht und die Zauber, die den quellenerfüllten Garten in der Schlummerzeit umwehen, herrlicher geschildert würde, als in folgenden Versen, wiederum der Sappho, von denen Eichendorff gelernt zu haben scheint, und die uns zwingen langsamer zu athmen »kühl bis an’s Herz hinan«.

      »Vor der hellen Scheibe des Mondes bergen

      Wieder ihren leuchtenden Glanz die Sterne,

      Wenn er voll im silbernen Lichte strahlet

      Ueber den Erdenkreis.«

      und:

      »Es plätschert

      Durch die Quittenzweige das heil’ge kühle

      Wasser, und beim Beben der Blätter fließet

      Diese Worte glaubte ich denen schuldig zu sein, die eine Liebe wie die der Sappho und des Bartja im Alterthume für unmöglich erklärt halben. Daß so zarte Empfindungen in vorchristlicher Zeit noch weit entschiedener als heute zu den Ausnahmen gezählt werden müssen, ist selbstverständlich. Schließlich gesteh’ ich ein, daß ich doch wohl für das besprochene Paar zu warme Farben verwendet habe. Aber warum durfte ich nicht, als ich poetisch gestaltete, die Freiheit

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