Die Propeller-Insel. Jules Verne

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Die Propeller-Insel - Jules Verne Jules Verne bei Null Papier

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durch das Ver­spre­chen ei­nes reich­li­chen Trink­gel­des be­sto­chen und wa­ren nur mit den In­stru­men­ten, ohne das üb­ri­ge Rei­se­ge­päck, wohl­ge­mut da­von­ge­rollt. Das war ge­gen zwei Uhr nach­mit­tags, und bis sie­ben Uhr ging die Fahrt auch ohne große Schwie­rig­keit und An­stren­gung von­stat­ten. Dann soll­ten sie aber zum zwei­ten Male »aus dem Tem­po kom­men«, in­dem die alte Kut­sche um­stürz­te, und zwar so un­glück­lich, dass sich eine Weiter­be­nüt­zung der­sel­ben ganz von selbst ver­bot.

      Jetzt be­fand sich das Quar­tett noch reich­lich zwan­zig Mei­len von San Die­go ent­fernt.

      Ja, warum hat­ten sich denn die vier Mu­si­ker – von Na­ti­on Fran­zo­sen und, was noch mehr sa­gen will, von Ge­burt Pa­ri­ser – in die­se un­wirt­li­chen Ge­bie­te Nie­der-Ka­li­for­ni­ens ver­irrt?

      Wa­rum?… Das wer­den wir so­fort kurz mit­tei­len und wer­den da­bei mit ei­ni­gen Zü­gen die vier Vir­tuo­sen ab­ma­len, die der Zu­fall, der fan­tas­ti­sche Rol­len­ver­tei­ler, den Per­sön­lich­kei­ten der nach­fol­gen­den merk­wür­di­gen Ge­schich­te zu­ge­sel­len soll­te.

      Im Lau­fe des be­tref­fen­den Jah­res – wir kön­nen es nur auf etwa drei­ßig Jah­re ge­nau be­stim­men – hat­ten die Ve­rei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka die Zahl der Ster­ne in ih­rer Bun­des­flag­ge ver­dop­pelt. Sie ste­hen in der vol­len Ent­fal­tung ih­rer in­dus­tri­el­len und kom­mer­zi­el­len Macht, nach­dem sie das Do­mi­ni­um von Ka­na­da bis zur äu­ßers­ten Gren­ze am Po­lar­mee­re, doch auch die Ge­bie­te von Me­xi­ko, Gua­te­ma­la, Hon­du­ras, Ni­ca­ra­gua und Co­s­ta­ri­ca bis zum Pa­na­ma­ka­na­le ih­rem Bun­des­staa­te ein­ver­leibt hat­ten. Gleich­zei­tig hat­te sich bei den län­der­rau­ben­den Yan­kees die Nei­gung für die Kunst ent­wi­ckelt, und wenn auch ihr ei­ge­nes Schaf­fen im Ge­bie­te des Schö­nen noch recht be­schränkt blieb, wenn der Na­tio­nal­geist sich ge­gen die Ma­le­rei, die Bild­hau­er­kunst und die Mu­sik noch et­was wi­der­stre­bend er­wies, so hat­te sich der Ge­schmack an den Wer­ken der schö­nen Küns­te bei ih­nen doch all­ge­mein ver­brei­tet. Da­durch, dass sie die Ge­mäl­de al­ter und neu­er Meis­ter mit Gold auf­wo­gen, um pri­va­te oder öf­fent­li­che Samm­lun­gen zu fül­len, und dass sie be­rühm­te ly­ri­sche oder dra­ma­ti­sche Künst­ler, eben­so wie die bes­ten In­stru­men­ta­lis­ten oft für un­er­hör­te Prei­se her­an­zo­gen, hat­ten sie sich end­lich den ih­nen so lan­ge man­geln­den Sinn für schö­ne und edle Din­ge all­mäh­lich ein­ge­impft.

      Was die Mu­sik be­trifft, be­geis­ter­ten sich die Di­let­tan­ten der Neu­en Welt an­fäng­lich an den Wer­ken ei­nes Meyer­beer, Halévy, Gou­nod, Ber­lioz, Wa­gner, Ver­di, Massé, Saint-Saëns, Rey­er, Mas­se­net und De­li­bes, der be­rühm­ten Ton­set­zer der zwei­ten Hälf­te des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts. Dann ge­lang­ten sie nach und nach zum Ver­ständ­nis der tief­sin­ni­ge­ren Ar­bei­ten ei­nes Mo­zart, Beetho­ven und Haydn und streb­ten den Quel­len je­ner höchs­ten Kunst ent­ge­gen, die im Lau­fe des acht­zehn­ten Jahr­hun­derts so reich­lich flos­sen. Da folg­ten den Opern die ly­ri­schen Dra­men, den ly­ri­schen Dra­men die Sym­pho­ni­en, So­na­ten und die Or­che­s­ter­sui­ten. Zur­zeit, von der wir spre­chen, mach­ten ge­ra­de die So­na­ten in den ver­schie­de­nen Staa­ten der Uni­on ge­wal­ti­ges Auf­se­hen. Man be­zahl­te sie wil­lig Note für Note, die hal­be mit zwan­zig, die vier­tel mit zehn, die ach­tel Note mit fünf Dol­lar.

      Von die­ser Mo­de­toll­heit un­ter­rich­tet, un­ter­nah­men es vier hoch­an­ge­se­he­ne In­stru­men­ta­lis­ten, sich in den Ve­rei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka Ruhm und Schät­ze zu er­rin­gen. Es wa­ren vier gute Ka­me­ra­den, frü­he­re Schü­ler des Pa­ri­ser Kon­ser­va­to­ri­ums, und in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt sehr be­kann­te Leu­te, die vor­züg­lich von den Lieb­ha­bern der in Ame­ri­ka noch we­nig ver­brei­te­ten so­ge­nann­ten »Kam­mer­mu­sik« be­son­ders ge­schätzt wur­den. Mit welch sel­te­ner Vollen­dung, welch herr­li­chem Zu­sam­men­spiel und tie­fem Ver­ständ­nis brach­ten sie aber auch die Wer­ke ei­nes Mo­zart, Beetho­ven, Men­dels­sohn, Haydn und Cho­pin zu Ge­hör, die­se un­s­terb­li­chen Kom­po­si­tio­nen, die für vier Streich­in­stru­men­te, eine ers­te und eine zwei­te Gei­ge, eine Brat­sche und ein Vio­lon­cell ge­schrie­ben sind! Da gab es kei­nen Lärm, nichts Ge­schäfts­mä­ßi­ges, wohl aber eine ta­del­lo­se Aus­füh­rung, eine un­ver­gleich­li­che Vir­tuo­si­tät! Die Er­fol­ge des Quar­tetts er­schei­nen umso be­greif­li­cher, als man zu je­ner Zeit ge­ra­de an­fing, der un­ge­heu­ern har­mo­ni­schen und sym­pho­ni­schen Or­che­s­ter müde zu wer­den. Ist die Mu­sik auch im­mer eine aus kunst­voll kom­bi­nier­ten so­no­ren Wel­len er­zeug­te See­le­n­er­schüt­te­rung, so braucht man die­se Wel­len doch nicht zu be­täu­ben­den Sturm­flu­ten zu ent­fes­seln.

      Kurz un­se­re vier Mu­si­ker be­schlos­sen, die Ame­ri­ka­ner in die sanf­ten und un­aus­sprech­li­chen Genüs­se der Kam­mer­mu­sik ein­zu­füh­ren. Sie reis­ten zu­sam­men nach der Neu­en Welt, und seit zwei Jah­ren spar­ten ih­nen ge­gen­über die Yan­kee-Di­let­tan­ten auch in kei­ner Wei­se, we­der mit Hur­ras, noch mit eben­so er­he­bend klin­gen­den Dol­lar. Ihre mu­si­ka­li­schen Ma­tinéen oder Soiréen wa­ren au­ßer­or­dent­lich be­gehrt. Das »Kon­zert-Quar­tett« – so lau­te­te die üb­li­che Be­zeich­nung – war kaum im­stan­de, den Ein­la­dun­gen der rei­chen Leu­te nach­zu­kom­men. Ohne je­nes gab es kein Fest, kei­ne Réu­ni­on, kei­nen Raout, kei­nen Five o’Clock Tea, ja kei­ne Gar­den­par­ties, die der öf­fent­li­chen Auf­merk­sam­keit emp­foh­len zu wer­den ver­dient hät­ten. Bei die­ser all­ge­mei­nen Be­geis­te­rung hat­te ge­nann­tes Quar­tett schon ganz ge­wal­ti­ge Sum­men ein­ge­heimst, die, wenn sie sich in den Pan­zer­schrän­ken der Bank von New York auf­ge­sam­melt hät­ten, schon ein recht hüb­sches Ka­pi­tal dar­ge­stellt ha­ben wür­den. Doch, warum soll­ten wir es ver­heim­li­chen? … Un­se­re ame­ri­ka­ni­schen Pa­ri­ser streu­ten das Geld auch mit vol­len Hän­den wie­der aus. Die Fürs­ten des Bo­gens, die Kö­ni­ge von vier Sai­ten, dach­ten gar nicht ans Auf­spei­chern von Schät­zen. Sie hat­ten an ih­rem et­was aben­teu­er­li­chen Le­ben Ge­schmack ge­fun­den in der Ge­wiss­heit, über­all gute Auf­nah­me und reich­li­chen Ver­dienst zu fin­den, und so flat­ter­ten sie von New York nach San Fran­zis­ko, von Que­bec nach Neu-Or­léans, von Neu-Schott­land nach Texas – viel­leicht et­was à la Bohè­me, aber in der Bohè­me der Ju­gend, die ja die äl­tes­te, lie­bens­wür­digs­te und be­nei­dens­wer­tes­te über­all auf Er­den ist.

      Wenn wir uns nicht arg täu­schen, ist jetzt der Zeit­punkt ge­kom­men, die Leut­chen per­sön­lich und mit Na­men de­nen un­se­rer freund­li­chen Le­ser vor­zu­stel­len, die das Ver­gnü­gen, jene zu hö­ren, we­der ge­habt ha­ben, noch je ha­ben wer­den.

      Y­ver­nes – die ers­te Vio­li­ne – zwei­und­drei­ßig Jah­re alt, von et­was über­mitt­ler­er Sta­tur, be­strebt ma­ger zu blei­ben, hat blon­des, un­ten et­was ge­lock­tes Haar, glat­tes Ge­sicht, große dunkle Au­gen, lan­ge Hän­de, die dazu ge­schaf­fen schei­nen, auf sei­ner Guar­ne­rio al­les mög­li­che zu grei­fen, zeigt ele­gan­tes Auf­tre­ten, liebt es, sich in einen dun­kel­far­bi­gen Man­tel zu hül­len, trägt gern einen hoch­köp­fi­gen

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