Der Fall des Staatsministers. Bo Balderson

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Der Fall des Staatsministers - Bo Balderson

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Verwaltung in allen Details zu kennen, möchte dennoch die Behauptung wagen, daß keine Person in dem Raum während der vergangenen Minuten damit beschäftigt gewesen war, letzte Hand an ihrer Königlichen Majestät Regierungsvorlage über radikal erweiterten Rechtsbeistand für Minderbemittelte zu legen.

      »Ähäm«, sagte der Staatsminister. »Ich wußte nicht ...«

      Staatssekretär Svanberg hatte begonnen sich zu befreien, ohne besondere Eile an den Tag zu legen. Er schien mehr amüsiert als verlegen.

      »Hallo«, sagte er, nachdem er sich in aufrecht sitzende Stellung gebracht hatte. »Schrecklich, wie schnell Sie zurück sind! Hoffe, Sie entschuldigen, daß ich mich auf Ihrem schönen Kanapee ein wenig entspannt habe. Und wer sind Sie?« fuhr er mir zugewandt fort, frei und volksnah.

      »Studienrat Persson«, antwortete ich mit Betonung auf den Titel. Die Schwierigkeit unserer Tage besteht nicht darin, mit führenden Politikern bekannt zu werden. Das Problem ist, es zu vermeiden.

      Der Staatsminister hüstelte und vollführte eine unbestimmbare Geste zum Kanapee hin.

      »Darf ich Staatssekretär Svanberg vorstellen. Und die Dame unter Staatssekretär ... ähäm, die Dame, die ... ähäm ... die Dame ist seine Assistentin, Frau Anita Johansson.«

      Die beiden hatten sich mittlerweile vollends voneinander gelöst, und ich konnte Frau Johansson in Gänze betrachten. Sie war es wohl wert, in voller Größe studiert zu werden. Das flammend rote, wenn auch leicht zerknitterte Kleid umschloß einen äußerst gut geformten Körper kleineren Formats, das Haar, eine Ponyfrisur und grellrot, umrahmte ein sonnengebräuntes und stupsnasiges Gesicht, in dem die Augen eine funkelnde Hauptrolle spielten.

      Ohne ein Wort strich sie das Kleid glatt, verpaßte ihrem Partner eine schallende Ohrfeige und stöckelte auf bestimmten und laut klappernden Absätzen aus dem Raum.

      Seltsamerweise dachte ich in dem Augenblick nur, daß es ein verdammter Geiz des Staatsministers war, nicht auch den Fußboden im Arbeitszimmer der Mitarbeiter mit Teppich auszulegen.

      Staatssekretär Svanberg rieb sich die Wange.

      Da gab es allerdings nicht allzuviel Wange zu reiben. Dafür, daß er einigermaßen jung an Jahren war, bestimmt nicht mehr als fünfundvierzig, sah er ungewöhnlich abgezehrt und hohlwangig aus. Die Gesichtshaut spannte sich um Knorpel und Knochen wie der Handschuh um die Hand eines Chirurgen. Diesen Kopf in einen Totenschädel zu verwandeln würde der Natur nicht viel Mühe abverlangen, dachte ich bei mir, und nur den Nahestehendsten würde ein Unterschied auffallen.

      »Oh, sie hat aber mächtig zugelangt!« murmelte er. »Und das mir, der ich ein wenig die trübe Stimmung vertreiben wollte. Aber so ist das eben mit diesen perfekten Sekretärinnen: gute Arbeitsmoral, alles zu seiner Zeit. Und jeder Mensch kann überreizt reagieren, wenn Sie einfach so hereinplatzen. Sieht man’s? Sie haben für uns doch bestimmt keinen Spiegel, oder? Aber Anita hat bestimmt irgendwo einen ...«

      Er holte aus einem der Schreibtische eine Handtasche hervor und begann darin zu wühlen. Schließlich fand er, wonach er suchte, und begutachtete kritisch sein Gesicht.

      »Wird wohl eine ordentliche Beule geben ... apropos gewalttätige Menschen, jemand sollte sich um Dååbh kümmern. Eine einfache Hirnoperation würde bestimmt ausreichen. In der gegenwärtigen Verfassung ist er doch lebensgefährlich, in den nächsten Tagen erwürgt er jemanden. Ich habe ihn eben gewiß etwas provoziert, wollte mit Anita allein sein, um mich auf einen komplizierten Passus konzentrieren zu können ... ähm ja. Sagte nur etwas davon, daß ich Aktien hätte und setzte einen kleinen Scherz über die Bewegung obendrauf. Und statt zu grunzen und abzuziehen, wie er es sonst immer tut, ging er direkt auf mich los. Und dann stand er da, hat die Hände ausgebreitet und gerungen. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie unnatürlich lang seine Arme sind? Muß in seiner Kindheit in der Bewegung viel Wasser getragen haben ...«

      Der kleine Staatssekretär strich sich über das schwarze, nach hinten gekämmte Haar und drückte mit der Handinnenfläche ein Büschel nach hinten, bestimmt mehr aus Gewohnheit denn in der Hoffnung auf Erfolg.

      »Und wie läuft es mit der Pädagogik, Herr Studienrat Nilsson?« fuhr er in seinem Monolog fort. »Man sagt doch, ein guter Lehrer wird nicht älter als 50 Jahre. Aber Sie sehen mir so aus, als hätten Sie das kritische Alter überschritten ...«

      An dieser Stelle steckte Justizchef Rydlander den Kopf zur Tür herein – nach dem Anklopfen – und teilte dem Staatsminister mit, daß der Ministerpräsident am Telefon sei, und ich ergriff die willkommene Gelegenheit, um Raum und Staatssekretär zu verlassen.

      3

      »Es geht mich zwar nichts an«, sagte ich zum Staatsminister, als wir kurz darauf in dem großzügig angelegten Garten flanierten, »aber die Wahl deiner Mitarbeiter kommt mir ein wenig seltsam vor. Ein Gorilla als Ministerialrat, eine Ratte, alternativ ein Vogel, als Staatssekretär, ein Schuppentier als Justizchef ...«

      »Halt, stop!« entgegnete der Staatsminister. »Sowohl Staatsminister Svanberg als auch Justizchef Rydlander saßen schon auf ihren Posten, als ich zum Justizminister ernannt wurde. Und für Ministerialrat Dååbh bin ich nicht verantwortlich, er gehört schließlich zum Finanzministerium. Er ist nur zufällig hier. Im übrigen gibt es an den anderen beiden nicht viel auszusetzen. Rydlander ist ein außergewöhnlicher Jurist und Administrator, und Svanberg besitzt einen messerscharfen Verstand. Man darf sich einfach nicht allzusehr an seinem Zynismus und dem allgemeinen Geplapper stören. Uns im Justizministerium, die daran gewöhnt sind, fällt es kaum noch auf. Aber du hast ja gesehen, wie Dååbh es aufgenommen hat. Nein,« fuhr der Staatsminister fort und kickte einen von den Kindern liegengelassenen Fußball aus dem Weg, »Rydlander und Svanberg sind schon jeder für sich in Ordnung. Ein echtes Problem ist, daß die beiden nicht so gut Zusammenarbeiten. Svanberg delegiert unaufhörlich eine Menge langweiliger Vorgänge an Rydlander, der freundlich und geduldig ist und im stillen leidet. Ich muß Svanberg auf die eine oder andere Weise loswerden. Entweder wird er Regierungspräsident oder aber ...«

      Ich bekam das alternative Schicksal des Staatssekretärs nie zu hören, denn noch ehe der Staatsminister mit seiner Rede geendet hatte, stand er im Gebüsch und bohrte seinen Kopf wie ein Neuntöter hinein.

      »Verflucht!« zischte er zwischen den Ästen. »Kommt er jetzt etwa hierher? In vollem Ornat und allem Drum und Dran. Dååbh wird ihn auf der Stelle umbringen!«

      Etwas an der Wahl seiner Worte, wahrscheinlich der Ausdruck »Ornat«, verleitete mich dazu, ihm ins Buschwerk zu folgen. Mir fiel ein, daß der Bischof höchstpersönlich, in voller Amtstracht und mit Krummstab, auf dem Weg war, um einen unerwarteten Familienzuwachs zu taufen. Wenn ein Bischof von einem Ministerialrat angefallen und womöglich sogar erwürgt wird, so ist das ein Ereignis, das eine Person mit allgemeinem Interesse an Geschichte nicht versäumen durfte.

      Was ich zwischen den Tannennadeln erblickte, war für mich eine Erleichterung und Enttäuschung zugleich.

      Ein langes, weißes Auto hatte auf dem Asphalt vor der Gartenpforte des Staatsministers Halt gemacht.

      Daneben stand schon der livrierte Chauffeur und machte seine Honneurs, während ein Herr in gutgeschneidertem, blaugrauem Anzug und dazu passendem Brillengestell dem Rücksitz entstieg.

      »Danke«, sagte er beiläufig. »Bengtsson, Sie können den Wagen nach Djursholm fahren. Ich nehme ein Taxi.«

      »Aber ist das nicht der Bergbauchef Karl Karling?« flüsterte ich meinem Schwager in der Hecke zu.

      »Klar.

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