The Who - Maximum Rock I. Christoph Geisselhart

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The Who - Maximum Rock I - Christoph Geisselhart The Who Triologie

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Bürschlein in seinem kurzen braunen Anzug. Der Junge sah nicht gerade wie ein Drummer seines Kalibers aus. „Ich bin kein Lehrer“, meinte Carlo. „Ich habe mir alles autodidaktisch beigebracht und könnte wahrscheinlich selbst ein paar Stunden Unterricht gut gebrauchen.“

      Keith antwortete umgehend: „Nein, nein. Du bist fantastisch, wirklich. Ich und mein Freund, wir sind nur wegen dir gekommen. Wie du auf der Basstrommel spielst …“ Carlo dachte nach. „Wo wohnst du?“

      „Chaplin Road.“

      Little wohnte ganz in der Nähe, am Ende der Harrow Road. „Ich kann dir nur zeigen, was ich weiß. Zehn Schilling für dreißig Minuten. Mittwoch um sieben. Hier ist die Adresse.“

      Lord Sutch erzählte in einer abweichenden Version, dass es nicht Keith selbst war, sondern dessen Vater, der nach dem vierten Konzert in der Wembley Town Hall plötzlich vor Carlo aufkreuzte und fragte: „Mr. Little, wir wissen, dass Sie in Wembley wohnen. Wir wohnen auch in Wembley, und ich würde gern ­wissen,­ ob Sie meinen Sohn unterrichten, wenn ich Sie dafür bezahle? Er ist ­verrückt nach Ihnen.“

      Es spricht einiges dafür, dass die gequälten Eltern sich in Keiths Fortschrittsbemühungen auf dem Schlagzeug einschalteten, hatten sie doch unter dem Krach über ihren Köpfen am meisten zu leiden. Keith absolvierte seine beharrlichen Übungseinheiten auf dem glitzernden Premier-Kit inzwischen in seinem Zimmer und brachte das Familienleben der Moons damit praktisch zum Erliegen.

      Wie auch immer: Keith erschien pünktlich bei seinem neuen Lehrer, und drückte ihm auch sogleich seinen Lohn in die Hand. Carlo hatte ein schlechtes Gewissen, weil er einem Fünfzehnjährigen soviel Geld abknöpfte – aber das war unnötig. Keith, der seine vier Pfund Wochenlohn sowieso nicht zusammenhalten­ konnte, hatte mit Gerry ein kleines Nebengeschäft abgeschlossen: Der Freund wartete vor Littles Haus, wo er alles gut mithören konnte, und beteiligte sich dafür an den Unterrichtskosten, die vermutlich Keiths Vater genauso still­schweigend übernommen hatte wie die monatlichen Raten für das silberblaue Premier-­Schlagzeug.

      Carlo musste lachen, als sein milchgesichtiger Schüler hinter seinem Schlagzeug verschwand. Carlos Drumkit war in jeder Hinsicht überdimensioniert, und Keith war mit Abstand der kleinste Schlagzeuger, der je dahinter Platz genommen hatte. Carlo spielte mit einer Vierundzwanzig-Inch-Fußtrommel statt auf der damals üblichen Zwanzig-Inch; seine Snare maß vierzehn Inch statt zwölf, und die beiden Hängetoms waren ebenfalls entsprechend größer. (Ein Inch entspricht ungefähr zweieinhalb Zentimetern.)

      Keith führte vor, was er konnte, und Carlo war alles andere als beeindruckt: „Er fummelte bloß ein bisschen herum, versuchte zu spielen.“

      Carlo erklärte ihm die grundlegenden Schlagtechniken und zeigte, wie ein guter Drummer seine Gliedmaßen unabhängig voneinander bewegt. Keith war ­begeistert.­ Als er nach gut einer Stunde aus Carlos Haus kam, rief er dem wartenden Gerry etwas voreilig, aber siegesgewiss zu: „Ich hab’s kapiert!“

      Die beiden Jungs flitzten zur Chaplin Road, bauten Keiths Schlagzeug auf, das sich im Vergleich zu Carlos Set fast armselig ausnahm, und Keith führte Gerry vor, was er bei Carlo gesehen hatte. Entscheidend war, dass Carlo die Fuß­trommel­ nicht nur einmal kurz auf die erste Note antippte, sondern mit größter Wucht und höchster Geschwindigkeit zweimal oder öfter hintereinander fest anschlug und auf diese Weise den Beat hielt, statt mit den Blechschüsseln des Hi-Hats oder mit Hilfe des Ride-Beckens den Takt vorzugeben.

      Keith benötigte viele und anfangs frustrierende Übungsstunden, bis er diese Technik sicher beherrschte; aber damit war schließlich die Grundlage für seine eigene Spielweise gelegt, die auf einem durchgängigen und sehr kraftvollen Bassdrum-Beat beruhte. Auch Carlo bemerkte die Fortschritte seines Schülers: „Er war flink und eifrig, und wenn er nach einer Woche wiederkam, hatte er gelernt, was ich ihm gezeigt hatte.“ Gemessen an Carlos eigenen Ansprüchen erschien das allerdings nicht als sonderlich viel: „Ich dachte mir nichts weiter, als dass da eben dieser Bengel­ namens Keith war.“

      Ende Juli 1962 ergab sich dann Moons große Chance. Gerry fuhr für zwei Wochen in den Sommerurlaub, und The Escorts waren für einige Auftritte in einem katholischen Jugendklub gebucht, die sie nicht sausen lassen wollten. Alle kamen überein, dass Keith, mit Littles Unterricht im Rücken und dem eigenen Drumkit, der geeignete Ersatz für seinen Freund sei. Er kannte alle Songs – „Rock’n’Roll in kontrollierter Fassung“ laut Bassist Colin Haines; er kannte die Jungs und hatte schon mit ihnen geübt.

      Der Auftritt, angeblich Keiths erster vor Publikum, begann mit „Lucille“, dem Auftaktsong der Savages. Keith kannte den Einstiegswirbel von Carlo. Er donnerte­ los, walzte mit Karacho über die Toms, die Band setzte ein, und Keith hörte nicht mehr auf, wie ein Buschkrieger über die Trommeln zu jagen, gleich ob es Balladen­ oder flottere Popsongs waren, die er zu begleiten hatte, lauthals über Breaks und Brücken hinweg, Gesang und Gitarren übertönend, donnernd, polternd, peitschend, grinsend, lachend, so tief beglückt, als habe er soeben die Erleuchtung empfangen.

      Die Reaktionen auf den neuen Drummer waren durchaus gemischt. Rob Lemon, der Gitarrist der Escorts, fand Keiths Einstieg grandios: „Er versuchte wie Carlo zu spielen, und er kriegte es fast hin. Nur mit dem Takt haperte es: Wenn er in ein Schlagzeugbreak rein ging, kam er selten im gleichen Tempo ­wieder­ heraus. Aber egal, wir liebten es.“

      Die Jugendlichen im Publikum hingegen, die weder Carlo Little noch The Savages kannten, sondern einfach nur moderate Shadows-Instrumentalstücke wie „Apache“ oder „FBI“ zum Tanzen und zum moderaten Körperkontakt mit dem Gegengeschlecht hören wollten, waren anderer Auffassung: „Sie fragten: ‚Der Typ ist schrecklich. Wann kommt Gerry zurück?‘“

      Vier Auftritte oder zwei Wochen später war Gerry wieder da. Aber die Band wollte die Erfahrung mit Moons vorantreibender Energie, mit seiner Begeisterung und der überbordenden Spielweise nicht mehr missen. Sie spürten, dass dieser unkontrollierbare, enthusiastische Witzbold hinter seiner silberblauen Schieß­bude trotz aller Probleme, den Takt zu halten und sich zu beherrschen, in eine neue Richtung strebte, die musikalisch außerordentlich interessant war.

      The Escorts behalfen sich mit einer Notlüge. Gerry wurde nach seiner Rückkehr von einem verärgert wirkenden Sänger Tony Marsh empfangen, man habe alle weiteren Auftritte wegen Moons chaotischer Trommelei verloren, „wegen deinem­ bekloppten Freund“, wie es hieß. Gerry fühlte sich daraufhin schuldig und beschwerte sich nicht, dass es künftig weniger Proben und Auftritte gab. Das Programm der Escorts war nicht sehr anspruchsvoll, und man hatte es oft genug geprobt. Und das Publikum im Jugendklub zeigte sich hoch zufrieden, als Gerry wieder hinter dem Schlagzeug saß.

      Hinter Gerrys Rücken jedoch spielten Moon und The Escorts weiter zusammen. Sie ließen sich von einem Vater, der einen Gemüsehandel betrieb, samt Ausrüstung in weit entfernte Auftrittsorte wie Walthamstow kutschieren, so dass Gerry nie davon erfuhr. Mit viel Glück verdiente jeder dabei ein Pfund – das allerdings von ihrem Chauffeur einbehalten wurde, nachdem Keith die kostspielige Neigung entwickelte, aus dem fahrenden Transporter Bananen oder Äpfel nach Passanten­ zu werfen. Das waren Späße, die fünfzehn- und sechzehnjährige Jungs gern treiben­ und auch schnell wieder verzeihen. Mit dem verrückten Burschen an ihrer Seite konnten The Escorts etwas erleben und sich musikalisch weiter entwickeln.

      Gerry indessen entwickelte sich vor allem beruflich weiter. In der Shaftes­bury Avenue hatte ein neuer Shop eröffnet, der ausschließlich Schlagzeugbedarf führte, und Gerry war dafür von seinem alten Arbeitgeber abgeworben worden. Bevor er siebzehn wurde, war er schon zum Manager von „Drum City“ ernannt, wie der neue Musikalienhandel hieß. Für seine Freundschaft mit Keith blieb da immer weniger Zeit.

      Irgendwie stimmte die Chemie auch nicht mehr zwischen den beiden. Gerry war fleißig und zielstrebig, Keith wollte nur Spaß

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