Perry Rhodan Neo 85: Das Licht von Terrania. Oliver Plaschka

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Perry Rhodan Neo 85: Das Licht von Terrania - Oliver Plaschka Perry Rhodan Neo

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jetzt?

      Heute war ein ganz besonderer Tag – vielleicht der wichtigste in der Geschichte des Protektorats.

      Liebevoll strich Satrak über eine junge Wergese. Die Blätter zogen sich zusammen und formten eine Art Hand, als wollten sie die Geste erwidern. Fast im selben Atemzug spürte er, wie sich sein Herzschlag beruhigte, seine Muskeln entspannten. Locker ringelte er seinen Greifschwanz um eine Wurzel. Manchmal meinte er, die Blätter wispern zu hören, doch nicht nur als Rauschen im Hauch der Ventilation, sondern in vernehmbaren Worten, leisen Liedern, die die Flechten und Ranken und Blüten ihm sangen, eine vielfarbige Symphonie.

      Tatsächlich existierte eine subtile, biochemische Interaktion zwischen den pflanzlichen und nichtpflanzlichen Bewohnern von Istrahir, gesteuert von Botenstoffen in Sporen und Harzen, die direkt auf den Organismus einwirkten und ihren Widerhall in neuronalen Mustern und der Ausschüttung spezieller Hormone fanden. Es war beinahe eine Symbiose, die sich im Laufe der Jahrmillionen auf Istrahir entwickelt hatte. Jeder Istrahir war ein Teil davon, genau wie die Keskeren, die Panjier oder die anderen einheimischen Spezies. Die Aras, denen Satraks Vorfahren ihre Existenz verdankten, hatten dafür gesorgt, dass sie sich nahtlos in das Ökosystem des Großen Waldes einfügten.

      Der Wald spendete ihm Ruhe und Zuversicht. Er schenkte ihm Kraft. Deshalb hatte er ihn pflanzen lassen, hier, in seinem Palast in Terrania. Natürlich war es nur eine Ahnung des Großen Waldes, ein von architektonischen und holografischen Tricks unterstütztes Abbild in den Hallen des Khasurn, der seinerseits dem arkonidischen Riesenlotos nachempfunden war. Die oberste Etage des Stiels, auf der der Blütenkelch thronte, durchmaß hundertfünfzig Meter und war großzügige fünfzehn Meter hoch, was den Bäumen zumindest für die ersten Monate genug Raum bot, ehe man sie umsiedeln musste. Und sie wuchsen stetig. Nicht mehr lange, und die ersten Wergesen und Aranash würden sich aus eigener Kraft auf die Suche nach einem weniger beengten Habitat machen. Besser, das geschah in geregelten Bahnen, denn so eine Baumwanderung konnte sonst leicht für ziemlich viel Unordnung sorgen.

      »Fürsorger«, meldete sich Aito. Das semitransparente Abbild seiner persönlichen Assistentin erschien vor ihm im Wald. Es wurde ihm von seinem Komplantat direkt auf die Netzhaut projiziert. Für Satrak sah Aito aus wie eine Istrahir, großäugig, langschwänzig und braun bepelzt. In Wahrheit aber war sie eine Künstliche Intelligenz und ebenso wie der Wald nur ein Abbild des Originals, das in seiner Erinnerung fortlebte.

      »Ja, Aito?« Das Komplantat hätte seine Befehle auch stumm interpretiert, aber solange niemand in der Nähe war, gestattete er sich manchmal zu vergessen, dass Aito nur ein Geist in der Positronik war. Aito seinerseits gestattete sich zu Gelegenheiten wie diesen den Luxus, ihre Projektion mit den Bewegungen seines Kopfs und seiner Augen abzugleichen. Der Effekt war, dass sie nicht bloß statisch sein Gesichtsfeld überlagerte, sondern tatsächlich an Ort und Stelle zu stehen schien und sogar hinter einem Baum verschwand, wenn der sie verdeckte. Das Einzige, was sie verriet, war ihre eigene leichte Lichtdurchlässigkeit. Satrak schätzte es nicht, wenn seine Assistentin zu echt wurde.

      »Die Gefangenen sind nun bereit für das Verhör.«

      »Ausgezeichnet.« Satraks Herz klopfte wieder schneller. Endlich war es so weit – der Augenblick, dem er so lange entgegengefiebert hatte, war da.

      »Bring mir Perry Rhodan!«

      »Sehr wohl, Fürsorger.«

      Erwartungsvoll positionierte er sich auf dem zentralen Pfad, der durch seinen Wald führte. Automatisch zog er seinen Greifschwanz wieder an sich und nahm Haltung an. Dann hörte er unter dem Trommeln der Gushmantur und dem Quaken der Flugfrösche, wie sich in der Ferne eine Tür öffnete. Die positronisch gesteuerten Geräusche des Waldes verebbten, als ob seine Bewohner misstrauisch den Eindringling beäugten.

      Aito breitete lächelnd die Arme aus.

      Zwei junge Wergesen wichen ein paar Zentimeter beiseite, und eine mattgraue Medoeinheit, wie sie für den Transport von Schwerverletzten verwendet wurde, kam den Pfad entlanggeglitten. Darauf, von unsichtbaren Energiefeldern gefesselt, lag der Mann, der Satrak seit Wochen keine Ruhe mehr ließ. Den er erst für einen Mythos gehalten hatte, ehe er ihm in Vesogh, dem großen Aufforstungsprojekt des nordamerikanischen Kontinents, persönlich begegnet war ... und Rhodan ihm dort das Leben gerettet hatte. Rhodan hätte die Chance gehabt, den Fürsorger gefangen zu nehmen oder gar zu töten, doch er hatte ihn unversehrt ziehen lassen.

      Spätestens seit dieser Begegnung war Satrak fasziniert von dem Mann, über den sich die Menschen so viele unglaubliche Geschichten erzählten. Der Fürsorger hatte sich an Rhodans Fersen geheftet, war seiner Spur über halb Larsaf III gefolgt, bis es ihm schließlich gelungen war, seiner habhaft zu werden. In der Eiswüste der sibirischen Tunguska-Region hatte er ihn gestellt – und nicht nur ihn, sondern auch seinen Vertrauten Reginald Bull und die tot geglaubte Kommandantin des arkonidischen Forschungskreuzers AETRON, die das Imperium verraten und sich auf ihre Seite geschlagen hatte: Thora da Zoltral. Sie alle waren nun in seiner Gewalt.

      Der Hilfskreuzer NAS'TUR VII hatte die Gefangenen nach Terrania und in den Palast gebracht – selbstverständlich in aller Heimlichkeit. Seitdem waren vier Tage vergangen, während derer Satrak sich in Geduld geübt und die Gefangenen im künstlichen Koma in den Tiefen des Palasts versteckt hatte. Niemand durfte ahnen, was für eine wertvolle Fracht die NAS'TUR VII transportiert hatte, schon gar nicht Reekha Chetzkel und Koordinator Jemmico, seine beiden mächtigsten Rivalen auf Larsaf III.

      Satrak war klar, dass er ein großes Risiko damit einging, die Imperatrice nicht umgehend von seinem Fang zu unterrichten, doch seine Neugierde war einfach zu groß. Zu häufig war er die letzten Wochen mit den immer gleichen Fragen konfrontiert worden: Was stand hinter der Eroberung des Systems durch das Große Imperium? Wollte die Imperatrice wirklich bloß eine weitere, unbedeutende Welt die Vorzüge der arkonidischen Kultur lehren? War es wirklich ein Zufall, dass das Imperium die letzten zehntausend Jahre immer wieder über dieses System gestolpert war? Und welche Rolle spielte Perry Rhodan dabei, der vor anderthalb Jahren als Erster den Kontakt zur Besatzung der AETRON hergestellt hatte und seitdem in den Geschichten, die die Menschen erzählten, vom Verräter zu ihrem Beschützer und Befreier avanciert war?

      Der Zeitpunkt war da, Antwort auf diese Fragen zu erhalten. Wenn es nach ihm ging, dann gerne im Rahmen eines höflichen Gesprächs. Satrak fand keinen Gefallen an Gewalt, so wie Chetzkel das tat. Er wusste aber, wie man sie einsetzen musste, um wenn nötig seine Ziele zu erreichen – sonst hätte er es nicht so weit gebracht. Und wenn Rhodan ihm keine andere Wahl ließ ... würde er sie auch gegen ihn einsetzen.

      Doch es gab vielfältige Wege, an Antworten zu kommen. Wege, von denen selbst Chetzkel, Jemmico oder Rhodan nichts ahnten.

      »Weck ihn auf!«, befahl er Aito.

      Die Medoeinheit injizierte Rhodan ein anregendes Mittel, das ihn aus seiner Betäubung weckte. Binnen weniger Sekunden flatterten die Lider des Gefangenen, dann zuckten seine Mundwinkel. Die Selbstbeherrschung des Menschen beeindruckte Satrak. Weder geriet er in Panik, noch versuchte er, um sich zu schlagen. Stattdessen spannte er nur kurz die Muskeln und spreizte überrascht die Finger, als er feststellte, dass er gefesselt war und nur einen leichten Overall trug. Dann runzelte er die Stirn, suchte nach der passenden Erinnerung, der Erklärung für seine Lage. Schließlich schlug er die graublauen Augen auf und schaute ihn unverwandt an. Den Wald um sie herum beachtete er gar nicht weiter.

      »Satrak«, presste er über die noch tauben Lippen. In seiner Stimme lag keinerlei Überraschung.

      »Ich bedaure, dass wir uns unter solchen Umständen wieder begegnen«, entschuldigte sich der Fürsorger. »Doch ich habe lange darauf gewartet, dass Sie mir einige Fragen beantworten – und darum sind Sie nun hier.«

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