Perry Rhodan 3076: Inmitten der Lichtfülle. Arndt Ellmer

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Perry Rhodan 3076: Inmitten der Lichtfülle - Arndt Ellmer Perry Rhodan-Erstauflage

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      Dupa lief los. Aipu erreichte eine der Rampen nach unten. Für endlos scheinende Augenblicke verschwand er aus dem Bereich des Spiegelsystems. Im Zentrum der Plantagen ließ der Pflanzenwuchs keine umfassende optische Überwachung zu.

      Die Kosmopsychologin blieb stehen und lehnte sich über den Rand des Wendelgangs. »Aipu, komm zu mir!«

      Es raschelte irgendwo im Pflanzengewirr.

      Er kam den Weg herab auf sie zu.

      Sie sah ihn immer wieder zwischen den Pflanzen und gewann den Eindruck, dass er sich ihr absichtlich zeigte. Dupa wartete vergeblich auf eine verbale Rückmeldung ihres Sohnes. Das war sie gewöhnt.

      Aipu bewegte sich lautlos und schweigend. Manche Cairaner in Orsaidd glaubten, dass er stumm wäre.

      Dupa Emuladsu wusste es besser.

      *

      Die Süßblätterstauden in den Hochbeeten standen in geometrischer Anordnung und in exakt gleich großen Abständen zueinander. Kein Roboter hätte es besser hinbekommen. Die Kinder hatten die Beete angelegt und die Setzlinge gesteckt. Angesichts der eigenen Leistung machten sie jedes Mal einen respektvollen Bogen um das Areal.

      Nur Aipu nicht. Er setzte sich über Gepflogenheiten und Rücksichten hinweg.

      Dupa fragte sich, ob er es in seinem Zustand nicht mehr wusste oder bewusst gegen Regeln verstieß. Die schwankenden Halme und die raschelnden Blätter verrieten ihr, wo er sich entlangbewegte. Sie beschloss, ihm den Weg abzuschneiden.

      Er änderte die Richtung. Sie wandte sich nach links, er kehrte um und wurde schneller.

      Dupa ging geradeaus. Für jeden Schritt, den sie machte, brauchte Aipu drei. Er merkte, dass sie näher kam und bog erneut ab.

      Als Kosmopsychologin forschte Dupa Emuladsu selten in der Genetik von Cairanern oder anderen Völkern. In diesem Fall erlaubte sie sich eine Ausnahme. Die Einflüsse von Korrektiv-Organoiden ließen sich ziemlich genau feststellen und vorhersagen. Störungen zählten zu den großen Geheimnissen des Weltenlaufs, und sie lagen in der Skala ganz unten. Grafisch konnte man sie kaum darstellen.

      Dupa wollte die Sensoren ihrer Geräte genau da ansetzen, wo die neuronalen Knoten im Körper ihres Sohnes steckten. Winzige, kaum wahrnehmbare Energieströme messen, Lichtblitze aufzeichnen, die von Entladungen kündeten und mit etwas Glück neue Nervenfunktionen entdecken, die bisher nicht bekannt gewesen waren oder keine Rolle spielten. All das beschäftigte ihre Gedanken auf der Suche nach einer Lösung. Wie konnte sie Aipu helfen?

      Von dem Korrektiv-Organoid hatte sie sich Erfolg versprochen. Zu ihrer Enttäuschung waren keine Verbesserungen in Aipus Zustand erfolgt. Es gab weitere Störungen. Die Sonnenphysiker hätten von Protuberanzen gesprochen, Ausbrüchen von Energie an Sonnenoberflächen. Bei Aipu diagnostizierten sie das Gegenteil: Einbrüche. Das Organoid wirkte in entgegengesetzter Richtung. Es half dem Jungen nicht, lebhafter und kommunikativer zu werden, um wenigstens annähernd mit seinen Geschwistern Schritt zu halten.

      Dupa kannte ihren Sohn. Er bog gerne ab, er wich aus. Nach einer Weile – manchmal sehr rasch, manchmal erst nach Stunden – wurde er des Spiels überdrüssig. Dann kam er auf sie zu. Auf sie allein. Er akzeptierte sie als einzige Kontaktperson, als Hafen, in den ein Schiff einlief, wenn sich ein Sturm ankündigte.

      Ganz in der Nähe bewegten sich die Stauden.

      Dupa suchte nach seiner Gestalt, dem glänzenden Fleckenkopf. In weiten Sprüngen jagte sie auf die Stelle zu und stieß ins Leere.

      Ein leichter Windhauch umwehte sie. Er trug seine Stimme zu ihr. »Mu...er!«

      »Aipu?«

      Er wartete auf sie. 20 Schritte entfernt stand er in der Schneise, die sie gerade entlanggekommen war. Sie hatte ihn nicht bemerkt, obwohl sie ihn an Körpergröße um das Dreifache überragte.

      Aipu hielt ein paar Blätter der süßen Stauden in der Hand und kaute genüsslich darauf.

      »Da bist du ja endlich!«, sagte sie sanft.

      Er schaute sie mit einem Blick an, als wollte er ihr etwas mitteilen. Fast gleichzeitig wanderten die schmalen Schlitze seiner Pupillen zur Seite.

      Sie kannte das. Er nahm sie in diesem Augenblick gar nicht wahr.

      »Komm!«, sagte sie. »Wir gehen spielen oder essen. Was möchtest du am liebsten?«

      »Dupa, ich ...«

      Die Kosmopsychologin hatte das Gefühl, als würde sie etwas Wichtiges erfahren. Sie blieb stehen und streckte die Arme nach ihm aus.

      Es sollte wohl nicht sein. Zwischen den Stauden rauschte und zischte es. Wie eine Horde Insekten brachen die Geschwister über Aipu herein. Dupa Emuladsu sah, wie er sich vor Schreck zu Boden warf und anfing, mit den Armen zu rudern. Dann verdeckten die Körper der Kinder ihr die Sicht.

      »Aufhören!« Sie arbeitete sich zu ihrem Jüngsten vor. »Loslassen!«

      Wie so oft, wenn sie sich in etwas hineingesteigert hatten, brauchten die Kleinen eine Weile, um ihre Mutter zu hören und zu reagieren. Dupa konnte nicht so lange warten. Sie grabschte nach Armen, Beinen und Körpern, riss die Jungen und Mädchen zur Seite und warf sie zu Boden. Dabei ging sie wenig sanft mit ihnen um.

      Sie beugte sich über Aipu, klopfte ihm das Erdreich aus dem Anzug und hob ihn hoch. Sie barg ihn zwischen den Armen und trug ihn davon.

      »Dupa ...«, begann er wieder, aber etwas in seinem Kopf schien zu verhindern, dass er den Satz vollendete. Wenn sie ihn später fragte, nachdem er sich beruhigt hatte, wusste er wahrscheinlich nicht einmal mehr, was er sagen wollte. Das Beste war, ihn nicht zu fragen.

      Sie brachte Aipu in Sicherheit. Der Vakuschacht im Stiel trug sie beide hinauf in die Wohnanlagen. Aipus gegenwärtiges Lieblingszimmer war der Schutzraum unter dem Boden der kleinen Robotküche. Dort verkroch er sich.

      Dupa Emuladsu sah ihm zu, wie er das Licht löschte, die Luke schloss und sie verriegelte.

      »Schlaf gut, Aipu!«

      *

      Die Wellenrutsche füllte den wichtigsten Raum der Wohnung komplett aus. Die Emuladsu-Kinder saßen rundherum auf dem obersten Rand.

      Dupa gesellte sich zu ihnen.

      »Zwei Dinge sollt ihr euch merken«, sagte sie. »Erstens: Aipu ist gerne für sich allein. Es gibt Zeiten in seinem Tagesablauf, da stört ihn die Nähe anderer, und sie macht ihn möglicherweise krank. Nehmt darauf Rücksicht!«

      Sie sah die Jungen und Mädchen der Reihe nach an und gab jedem einen Wink. Sie stießen sich von der Welle ab, auf der sie saßen, ließen sich in das Wellental rutschen und nahmen auf der nächsten Welle Platz.

      »Das Zweite ist genauso wichtig. Ecaitan wurde so wie alle Planeten des Sternenrads von Beben und Gravitationsstößen heimgesucht. Wir haben nichts davon mitbekommen, weil unsere Maschinen Katastrophen verhindern. Im Sternenrad sind wir vollkommen sicher.«

      Die Kinder hörten es nicht zum ersten Mal. Das Sternenrad war der einzige Ort im Universum, der ihnen Sicherheit

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