Perry Rhodan 3087: Lausche der Stille!. Oliver Fröhlich

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Perry Rhodan 3087: Lausche der Stille! - Oliver Fröhlich Perry Rhodan-Erstauflage

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inzwischen gut 40 Jahre der bewussten Gefangenschaft im Prototyp eines Kampfroboters.

      Der fleischliche Leib ist vergangen.

      Die Erinnerungen sind geblieben.

      Wer, der nicht selbst über diese Erfahrung verfügt, könnte mich verstehen? Könnte begreifen, wie es sich anfühlt, wenn man denkt, man würde gehen, während man in Wirklichkeit schwebt? Welche Abscheu man empfindet, wenn man im Spiegel statt des Menschen, als den man sich betrachtet, einen schmalen, hohen Kegelstumpf mit gemasertem, grünlich schillerndem Ortungskopf erblickt?

      Vielleicht ist das der wahre Grund für diese Aufzeichnungen. Sie gehen zwar kaum über die Daten hinaus, die in meinem Hauptspeicher abgelegt werden. Zugleich sind sie für mich aber sehr viel mehr: mein verborgenes Innerstes, meine Menschlichkeit. In ihnen kann ich mir alles von der Seele reden und zu jemandem sprechen, der mich wirklich versteht. Zu mir selbst.

      Die Welt sieht in mir einen Prototypen.

      Ich sehe in mir einen Einzelgänger, einen Sonderling.

      Vermutlich deshalb hat dieser Cairaner-Junge etwas in mir geweckt, das ich selbst nur schwer benennen kann. Mitleid? Empathie?

      Oder gar Vatergefühle?

      Und das von mir? Wie gerne hätte ich mit Aura Kinder gehabt. Mit der Liebe meines vergangenen und gegenwärtigen Lebens, selbst Jahrhunderte nach unser beider Tod. So oft hatte ich von einer großen Familie geträumt, es aber stets hinausgeschoben. Nach meiner TLD-Dienstzeit, hatte ich mir immer wieder gesagt.

      Ein wunderbarer Vorsatz. Vielleicht hätte ich ihn verwirklicht, wäre mein zeugungsfähiger Leib nicht bei einem Angriff der Ladhonen in die Tiefe gestürzt und gestorben.

      Ja, womöglich sind es väterliche Gefühle, die ich Aipu entgegenbringe.

      Während ich hier stehe – nein: schwebe – und mich, umgeben von den Wassermassen des Meers von Ghibona, in Gedanken verliere, kauert der Junge an der durchsichtigen Bootshülle und starrt mich an.

      Ein Einzelgänger wie ich.

      Fühlt auch er die Verbindung? Oder rede ich mir das nur ein?

      Gerne würde ich mich ihm offenbaren, ihm mein Geheimnis erzählen. Aber das darf ich nicht. Und so tue ich, was ich während der vergangenen Jahrzehnte so oft getan habe. Ich schweige, lausche und spiele den Roboter.

      Doch genug der Grübelei!

      Um die Aufzeichnungen lückenlos zu halten, muss ich zunächst berichten, was nach Aipus Befreiung und der Flucht geschah.

      *

      Nach seinem rätselhaften Satz verfiel der junge Cairaner in Schweigen.

      »Was meinst du damit? Das letzte Ereignis vor dem Horizont? Die Neige?« Chione McCatheys Tonfall erinnerte mich an den von Aura, wenn ich mich von meiner Begeisterung für Hyperkristalle hatte hinreißen lassen und ihr in blumigen, für sie jedoch unverständlichen Worten deren Schönheit vermitteln wollte. Liebevoll, mit aufrichtigem Interesse, zugleich aber ein wenig besorgt. »Wie kannst du die Neige einer Superintelligenz sein?«

      Aipu antwortete nicht. Ein Zucken um den verhornten, lippenlosen Mund, ein trauriges Lächeln womöglich, aber ansonsten: nur Stille.

      Er wirkte verloren und einsam.

      Schutzbedürftig.

      Ich merke, dass ich wieder Gefahr laufe, mich in Gefühlsduselei zu verlieren. Deshalb schildere ich die nächsten Stunden im Schnelldurchlauf:

      Wir gingen davon aus, dass die Cairaner es nicht einfach hinnehmen würden, dass wir ihnen Aipu unter den zahlreichen Fingern weggeschnappt hatten. Vermutlich suchten sie längst nach uns, deshalb beschlossen wir, so viel Distanz wie möglich, aber nicht mehr als nötig zwischen uns und sie zu bringen. Und trotzdem sollte seine Mutter uns finden können. Ich persönlich hätte ihn eher als Druckmittel behalten, aber McCathey und Haad gaben da die Richtung vor.

      Lionel Obioma schlug vor, dass wir einen Unterschlupf bei dem gut bewachten Raumhafen Brushain suchen sollten oder zumindest in Mezzedaik, einer Mischung aus Stadt und Kaserne in der Nähe. Niemand, so argumentierte er, würde uns ausgerechnet dort vermuten.

      »Oder vielleicht gerade deshalb«, wandte Chione McCathey ein. »Weil sie uns diese Denkweise unterstellen.« Sie nannte es umgekehrte Psychologie.

      Ich war geneigt, ihr in dieser Einschätzung zuzustimmen, behielt es aber für mich.

      So verschlug es uns schließlich ans Ufer des Flusses, der Mezzedaik querte.

      Etwa 50 Kilometer südlich der Stadt fanden wir eine Stelle, wo ein dichter Wald aus Bäumen mit silbrigen spiralförmigen Nadeln bis ans Wasser reichte. Meine Sensoren identifizierten Duftstoffe, die Galbanum und Labdanum ähnelten, gemischt mit einem Hauch von Zeder. Wie gerne hätte ich es tatsächlich gerochen.

      Das Wasser rauschte vorbei, der stete Fluss gebrochen von unzähligen Stromschnellen. Er brodelte und versprühte seine Gischt.

      Unterwegs hatte Schlafner immer wieder vergeblich versucht, über den Multikom – oder besser: über den damit gekoppelten Psailer – Dupa Emuladsu zu erreichen, Aipus Mutter, um sie auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen.

      Sie hatte uns diesen Kommunikator unter anderem deshalb übergeben, um uns einen so gut wie nicht anmessbaren Funkkontakt mit ihr zu ermöglichen.

      Eine gute Sache. Allerdings beunruhigten mich drei Wörter.

      So.

      Gut.

      Wie.

      Schließlich bedeuteten sie nichts anderes, als dass eine Anmessung möglich war.

      Antwortete Dupa Emuladsu deshalb nicht auf Schlafners Anrufe? Oder steckte etwas anderes dahinter? Etwas weitaus Beunruhigenderes?

      Uns blieb vorerst nichts übrig, als abzuwarten.

      Während die beiden Haluter Bouner Haad und Kro Ganren das Gelände sondierten, einige Steine und Bruchholz verspeisten und hin und wieder kleine pelzige Vierbeiner mit spitzer Nase und Tellerohren aufscheuchten, steckten Dancer und Schlafner die Köpfe zusammen. Die beiden Mutanten diskutierten, was wir tun sollten, falls wir keinen Kontakt zu Dupa bekamen.

      Chione McCathey kümmerte sich nach besten Kräften um Aipu, wich ihm nicht von der Seite, beteuerte, dass alles gut werden würde, ließ ihn zusehen, wie sie auf einem flachen Stein ein Mosaik aus ihren Wyrrdsteinen legte, sprach mit ihm. Nein: Sie sprach zu ihm, denn der Junge schien ihr zwar zu lauschen, blieb aber weiterhin still und teilnahmslos.

      Lionel Obioma stand am Fluss und starrte auf das tosende Wasser.

      Und endlich, nach Stunden des Wartens, meldete sich der Psailer.

      »Das wurde aber auch Zeit!«, sagte Schlafner. »Warum hast du nicht auf meine Anrufe reagiert?« Er weitete das Akustikfeld so weit aus, dass alle dem Gespräch folgen konnten.

      »Wie geht es ihm?«, erklang Dupa Emuladsus Stimme.

      Aipus Kopf ruckte hoch, als er seine Mutter sprechen hörte.

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