Maria-Magdalena. Gerd Bock

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Maria-Magdalena - Gerd Bock

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kann sich leicht vorstellen, bald hatte auch ich inoffiziell den höheren Verpflegungssatz, gehörte ich doch nun quasi gleichsam zum Verpflegungsbodenpersonal der Regierungs-Staffel.

      Wie war es nur dazu gekommen, ich meine, ich in Wernher von Brauns ehemaliger Fabrik? Das muß irgendwie mit der NVA zusammen hängen:

      Am 24. Juli 1956 sind 22 Stück frisch gebackene Abiturienten aus der ganzen Republik im damals ersten und einzigen Nachrichtenregiment in der brandenburgischen Sand- und Kiefernwüste nahe Königswusterhausen angekommen (worden).

      Kam doch die Nationale Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik in Form eines Oberleutnants des Wehrkreiskommandos Saalfeld zu uns beiden Abiturienten, Bock und R.K. in die Freie Schulgemeinde Wickersdorf, wo wir beide gerade einen bezahlten Ferienjob als Nachtwächter für das Ferienlager ausführten und hat uns am 24.7.1956 höchstselbst ins Nachrichtenregiment des Ministeriums für Nationale Verteidigung, nach Niederlehme / Brandenburg gebracht, wo wir denn die beiden schönsten Jahre unseres bisherigen Lebens verbringen durften.

      In memoriam: 13 Jahre vorher, am gleichen Tage, war mein Vater in Rußland gefallen. „Für Führer, Volk und Vaterland“, schrieb man damals Millionen von Kriegerwitwen, auch meiner Mutter. Ich habe den Brief heute noch.

      Und neulich stand doch in der SZ, der oberste Landesrichter des Freistaates Sachsen hat einen Prozeß gegen den Neonazi Steffen Hupka niedergeschlagen, mit der Begründung, dessen Parole „Ruhm und Ehre der Waffen SS“ stehe nicht im Widerspruch zum Strafgesetz. Der Mann muß doch die Übersicht verloren haben!

      Wehret den Anfängen zu sagen, ist vielleicht schon viel zu spät. In der Weimarer Republik hat es genauso angefangen, wie es in der Berliner Republik angefangen hat. Es scheint, kaum jemand hat etwas aus der Geschichte gelernt.

      Dieser bedeutungsvolle Tag war wohl das Ende meiner Kindheit und Jugend, obwohl ich noch keine 18 war und meine Mutter ihre Einwilligung zu meinem „Waffengang“ geben mußte. Jetzt begann der Ernst des Lebens.

      Raus aus der behüteten Kindheit und Schulzeit, rein in das blödeste System der Verknechtung, das sich die Menschheit jemals ausgedacht hat: Armee!

      Doch halt, an meine Armeezeit habe ich fast nur noch angenehme Erinnerungen. So schlimm war es wirklich nicht. Damals schon gar nicht. Die NVA war ja noch so jung, erst 4 Monate alt und noch eine Spielarmee, wie z. B. heute wieder die Bundeswehr, wo fast jeder Soldat und Uffz. abends nachhause, oder doch zumindest zur Freundin gehen kann.

       Episode zwischendurch:

      Unser Nachrichtenregiment Niederlehme lag ja nur ca. 150 m von der damaligen Stadtgrenze Berlin entfernt, Flußmitte der Dahme, gegenüber Berlin-Wildau. Später hatten dann R. K. und ich ein Faltboot für 30,- Mark gekauft und sind darin in Badehosen über die Stadtgrenze gepaddelt, den Grenzern freundlich winkend und die zurück. Ei, wie lustig ging es damals noch im Kalten Krieg zu. Alles war zwar äußerst kurios, aber man konnte noch damit leben und darüber lachen. 10 Jahre später ging das schon nicht mehr und es war blutig geworden.

      Na gut, Episode, Ausbildungskompanie, so im September 1956, Entlassungskandidaten mit in der Kompanie. Aaaach, wenn wir nur auch schon in dieser Position wären!

      Alter Hase hatte sich abends junge Kirsche mit auf Bude genommen, Doppelzimmer einfach belegt, in der Kaserne natürlich.

      Früh das Wecken und rechtzeitige Ausbüchsen des Mädels verpennt und der OVD (Offizier vom Dienst) stand plötzlich vor den beiden:

      Was geht hier vor? Gesülze von Meldung, Bestrafung, das nahm kein Ende.

      Der EK (Entlassungskandidat) ganz locker: „Genosse Oberleutnant, wenn Sie ein Faß aufmachen wollen, bitte gern. Aber nach verbüßtem Knast bin ich, haste nicht gesehen, im Westen (Berlins) und dann haben Sie die Brille auf, ha, ha.“

      Dem Knaben ist reineweg gar nichts passiert. Er wurde kurz danach in Ehren entlassen.

      8 Wochen Ausbildungskompanie, dann Funkkompanie, dann ein Befehl zur Uffz-Schule zu gehen, Befehl verweigert, 5 Tage in strengen Knast gegangen. War aber halb so schlimm, hatte gute Kumpels im Med-Punkt, die mich als fiebernd deklariert haben – erinnere mich genau an Sanitätssoldat Conrad Hund (Name leicht modifiziert), etwas später dann Ordentlicher Professor für deutsche Geschichte und Institutsdirektor an der Humboldt Uni Berlin, Spezialgebiet Zweites Deutsches Kaiserreich von 1871 bis 1918. Im Jahre 2002 emeritiert. Aus dem Jungen ist etwas geworden.

      Danach durch das wohlwollende Verständnis eines Offiziers der Regimentsleitung (Oberleutnant Gr., Leiter für Versorgung) für den Studienwunsch eines Abiturienten ins Verpflegungsmagazin des Regiments delegiert worden und nach 4 Monaten dort zum „Chef“ avanciert. Bekam als Freiwilliger sogar ein Gehalt von 420,- DDR-Mark auf die Hand, ohne Abzug von Lohnsteuer und Krankenversicherung. Das war damals ein Schweinegeld. Ein 3-Pfund-Brot kostete 92 Pfennig. Mein erstes Ingenieurgehalt war 565,- Mark brutto!

      Mußte zwar körperlich ziemlich hart arbeiten, brauchte aber, außer Schießübungen und Sommerlager keinen weiteren soldatischen Dienst zu tun und konnte alle 4 Wochen in Urlaub nach Saalfeld fahren, mit einem Reisetag Gutschrift. Damals fuhren die D-Züge noch mit der legendären Schnellzug-Dampflock BR 01, 2300 PS und Triebraddurchmesser 2 m, Tempo streckenweise 130 km/h. Aber halt auch nur mit einem Wirkungsgrad von 8% an der Schiene. 92% der kostbaren Steinkohle aus Ölsnitz gingen durch den Schornstein.

      Das war eine Zäsur in meinem Leben, nicht nur im Soldatenleben. Vielleicht ist damals schon meine Lust am Kaufen und Verkaufen geweckt worden. Jahre später konnte man diese Lust dann mit dem Begriff Vertriebsingenieur umschreiben. Und das waren auch mein Job und mein Lebensinhalt für einige Jahrzehnte.

      Und ich bin recht zufrieden damit gewesen. Nur meine Ehe und die Erziehung meiner Kinder haben darunter gelitten – nicht noch einmal dieses Spiel. Ich sagte es schon.

      Wir hatten im Wirtschaftszug anfangs als persönliche Waffen das „Deutsche Sturmgewehr 44“ (d.h. MPi 44) von Adolf Hitler, später die sowjetische MPi 42 mit Trommelmagazin von Josef Stalin. Die MPi 44 war wohl doch zu schade für uns und vor allem zu hochkarätig. Sie durchschlug mit ihrer verkürzten Karabinermunition auf 150 m Schußentfernung noch 20 cm Fichtenholz – wir haben es ausprobiert.

      Übrigens, außer der todbringenden Wirkung beider, ein technischer Unterschied wie Tag und Nacht. Die Stalin’sche zog beim Schießen, wegen des Masseschlosses, immer so fürchterlich nach oben. Treffen war Glückssache, aber schnell schoß sie schon. Die 44 Patronen waren flink rausgeballert. Die vielgepriesene „Kalaschnikow“ von Nikita Chruschtschow, dem kleinen Schuhschläger, kam erst 1960 zur NVA, da war ich schon Student.

      5. 1. Ehe – 1. Job

      Student, wie stolz das klingt. War auch stolz, nur die Weiber, oder besser gesagt, ein Weib und alles was damit im Zusammenhang stand, hat im Juni 1961 für meine selbst beantragte Exmatrikulation den Grundstein gelegt. Natürlich trifft nicht das Mädchen die Schuld, sondern mich allein, das ist klar wie Kloßbrühe, nur wahrhaben wollt’ ich´s damals nicht.

      Was weiß man schon vom Leben, wenn man mit 21 heiratet, man weiß nicht mal wo man steht!

      Ehe- und Familienpflichten, Kind in Auftrag gegeben, Geldbeschaffung stand im Vordergrund, Studium fand nur noch manchmal statt. Aussteigen war schon programmiert.

      Im Januar 1961 kam Sohnemann zur Welt. Alles war neu und gar nicht

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