Vom Winde verweht. Margaret Mitchell
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Hetty Tarleton half ihm aus der Klemme.
»Du lieber Himmel, Ma, laß uns doch weiterfahren«, rief sie ihrer Mutter ungeduldig zu. »Ich brate in der Sonne und höre förmlich, wie mir die Sommersprossen amHalse sprießen.«
»Eine Sekunde, gnädige Frau, ehe Sie weiterfahren«, sagte Gerald. »Haben Sie schon etwas darüber entschieden, ob Sie der Truppe die Pferde verkaufen wollen? Der Krieg kann jeden Tag ausbrechen, und den Jungens ist daran gelegen, daß die Sache in 0rdnung kommt. Für die Truppe aus der Claytonprovinz möchten wir auch Pferde aus Clayton haben. Aber Sie weigern sich immer noch eigensinnig, uns Ihre schönen Tiere zu verkaufen.«
»Vielleicht gibt es ja gar keinen Krieg.« Mrs. Tarleton, deren Geist noch eifrig mit den Heiratssitten der Familie Wilkes beschäftigt war, suchte die Angelegenheit auf die lange Bank zu schieben.
»Aber gnädige Frau, Sie können doch nicht ...«
»Ma«, unterbrach Hetty wieder, »kannst du nicht mit Mr. 0'Hara genausogut in Twelve 0aks über Pferde reden wie hier?«
»Sie treffen den Nagel auf den Kopf, Miß Hetty«, sagte Gerald. »Sehen Sie, ich will Sie nur noch eine Minute aufhalten. Gleich sind wir in Twelve 0aks, und da möchte jeder, jung und alt, über die Pferde angelegenheit Bescheid wissen. Ach, es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, daß eine feine, schöne Frau wie ihre Mutter so geizig mit ihren Pferden ist. Wo ist denn Ihre Vaterlandsliebe geblieben, Mrs. Tarleton? Sind Ihnen denn die Konföderierten gar nichts ?«
»Ma«, schrie die kleine Betsy, »Randa sitzt auf meinem Kleid, und es wird ganz kraus.«
»Gib Randa einen Schubs und sei still. Nun hören Sie, Gerald 0'Hara.« Ihre Augen fingen an, bedenklich zu funkeln. »Kommen Sie mir nicht mit den Konföderierten! Ich denke, die bedeuten mir nicht weniger als Ihnen, denn ich habe vier Jungens bei der Truppe und Sie gar keinen. Aber meine Jungens sorgen für sich selbst, und das können meine Pferde nicht. Wenn ich wüßte, sie würden von den Jungens geritten, die ich kenne, von Gentlemen, die Vollblüter gewohnt sind, ich gäbe sie gern umsonst her.
Nein, keinen Augenblick würde ich mich besinnen. Aber soll ich denn meine schönen Tiere den Urwaldbauern und Kleinfarmern, die nur Maultiere kennen, auf Gnade und Ungnade überlassen? 0 nein, mein Lieber! Ich hätte ja Alpdrücken bei dem Gedanken, daß sie mir wundgeritten und nicht ordentlich gepflegt würden. Meinen Sie, ich lasse ahnungslose Dummköpfe meine im Maul so weichen Lieblinge reiten, ihre Mäuler zersägen und sie schlagen, bis das ganze Temperament zum Teufel ist? Bei dem bloßen Gedanken kommt mir schon jetzt eine Gänsehaut. Nein, Mr. 0'Hara, es ist furchtbar nett von Ihnen, daß Sie meine Pferde haben wollen, aber Sie tun besser daran, in Atlanta ein paar alte Schimmel für Ihre Buschklepper zu kaufen. Die merken den Unterschied gar nicht.«
»Ma, bitte, laß uns weiterfahren!« stimmte jetzt auch Camilla in den ungeduldigen Chor ein. »Du weißt ganz genau, am Schlusse gibst du ihnen deine Lieblinge doch, wenn Pa und die Jungens erst einmal richtig anfangen, davon zu reden, daß die Konföderierten sie wirklich brauchen und so weiter, dann wirst du weinen und sie hergeben!«
Mrs. Tarleton schüttelte lächelnd die Zügel.
»Fällt mir gar nicht ein«, sagte sie und streifte die Pferde leicht mit der Peitsche. Der Wagen rollte geschwind von dannen.
»Eine großartige Frau.« Gerald setzte den Hut wieder auf und ritt zum eigenen Wagen zurück. »Fahr zu, Toby. Wir wollen sie schon mürbe machen und die Pferde doch noch von ihr bekommen. Natürlich hat sie recht. Recht hat sie. Wer kein Gentleman ist, soll die Finger von den Pferden lassen. Für ihn ist die Infanterie der rechte 0rt. Um so bedauerlicher ist es, daß es hier nicht genug Pflanzersöhne gibt, um die Truppe vollzählig zu machen. Was sagtest du eben, Puß?«
»Pa, bitte, reite voran oder hinterher. Du wirbelst so viel Staub auf, daß wir ersticken.« Scarlett hatte das Gefühl, daß sie eine längere Unterhaltung nun nicht mehr aushalten könnte. Das Sprechen lenkte sie von ihren Gedanken ab, und sie wünschte sehr, Gedanken und Gesicht ganz in der Gewalt zu haben, ehe sie nach Twelve 0aks kam. Gerald gab gehorsam seinem Pferde die Sporen und ritt in einer roten Wolke auf und davon, hinter dem Tarletonschen Wagen her, wo er seine Pferdegespräche fortsetzen konnte.
Sie fuhren über den Fluß und den Berg hinauf. Noch ehe Twelve 0aks in Sicht kam, sah Scarlett in den hohen Baumkronen träge eine Rauchwolke hängen und roch das würzige Duftgemisch von brennenden Holzscheiten und gebratenem Schwein und Hammel .
Die Feuerstellen für den Gartenschmaus, auf denen seit dem Abend vorher ein langsames Feuer glomm, glichen langen Trögen voll rosenroter Glut. Darüber wurde das Fleisch am Spieß gedreht, und der Saft tröpfelte zischend auf die glühenden Kohlen. Scarlett wußte, der Duft, den die schwache Brise ihnen entgegenwehte, kam von dem Hain alter Eichen hinter dem großen Haus. Dort auf dem sandigen Abhang, der in den Rosengarten führte, hielt John Wilkes immer sein Gartenessen ab. Es war ein angenehm schattiger Platz, viel schöner als der, den Calverts benutzten. Mrs. Calvert aß diese am Spieß gebratenen Speisen nicht gern und behauptete, der Geruch bliebe tagelang im Hause. Deshalb mußten ihre Gäste immer auf einem flachen, unbeschatteten Platz, eine Viertelmeile vom Hause entfernt, in der Sonne schmoren. John Wilkes aber, im ganzen Staat für seine Gastfreiheit berühmt, verstand ein Gartenfest richtig zu feiern.
Die langen Picknicktische, mit dem feinsten Leinen aus den Wilkesschen Truhen bedeckt, wurden immer im tiefsten Schatten aufgeschlagen, Bänke ohne Lehnen wurden zu beiden Seiten aufgestellt, und für Leute, die nicht gern darauf saßen, gab es auf der Waldwiese Stühle, Hocker und Kissen genug, die aus dem Hause dort hingebracht wurden. Die länglichen Feuerstellen, wo das Fleisch briet und die riesigen eisernen Waschkessel dampften, denen die leckeren Düfte der üblichen Sauce und des vielfältig zusammengekochten Brunswick-Stews entstiegen, waren so weit von den Gästen entfernt, daß der Rauch sie nicht behelligte. Mindestens ein Dutzend Schwarze liefen geschäftig hin und her und reichten die Speisen auf Tabletts herum. Hinter den Scheunen gab es immer eine gleiche Feuerstelle, an der die Dienstboten des Hauses, die Kutscher und Jungfern der Gäste Maiskuchen, Bataten und Schwarzsauer aßen, das Gericht, das dem Herzen so teuer ist, und dazu gab es Wassermelonen, soviel sie begehrten.
Als Scarlett den Duft des knusperigen Schweinebratens spürte, zog sie die Nase begehrlich kraus und hoffte, bis er gar wäre, wieder etwas Appetit zu haben. Im Augenblick war sie noch satt und zudem so fest geschnürt, daß sie immerfort Angst hatte, aufstoßen zu müssen; aber das war nur alten Herren und sehr alten Damen erlaubt.
Nun waren sie oben, und das weiße Haus stand in seinem ma kellosen Ebenmaß vor ihnen, mit hohen Säulen, breiten Veranden und flachem Dach, schön wie eine Frau, die ihrer Schönheit so gewiß ist, daß sie gegen jedermann huldreich und gut sein kann. Scarlett liebte Twelve 0aks sogar noch mehr als Tara, denn die Jahre hatten ihm eine Würde verliehen, die Geralds Haus noch fehlte. Die breite, gewundene Auffahrt stand voll von Reitpferden und Wagen und von abund aussteigenden Gästen, die mit ihren Freunden Grüße wechselten. Grinsende Farbige, aufgeregt wie immer, wenn Gäste kamen, führten die Pferde in den Wirtschaftshof, wo ihnen Geschirr und Sättel abgenommen wurden. Schwarze und weiße Kinder schwärmten kreischend über den frisch ergrünten Rasen, spielten Hüpfen und Verstecken und prahlten damit, wieviel sie essen wollten. In der weiten Halle, die von der Hausfront bis nach hinten durchging, wimmelte es von Menschen. Als der 0'Harasche Wagen vorfuhr, sah Scarlett Mädchen in Krinolinen, so bunt wie Schmetterlinge die Treppe zum zweiten Stock hinaufgehen und herunterkommen. Einzeln