Deutsches Märchenbuch + Neues Deutsches Märchenbuch. Ludwig Bechstein
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volles Weinfaß, und dann scharten sie sich um ihn
her, und zumeist hinter ihm wie die Philister hinter
ihrem Goliath.
Dabei war der runde Mehlsack von großer Stärke
und Unerschrockenheit und es ging von ihm die Rede,
daß er einst in einem Schimpfspiel, wo ein Kämpfer
einen Apfel, der andre eine Birne an der Spitze seiner
Klinge geführt, und sich ein großer Lärm erhob, dermaßen
in den Haufen mitten hinein geschlagen, wie
ein Hagelschauer in das Getreide, so daß er vielen
Bauern viel Leids gebracht. Aber da war ihm ein
Gegner entgegengetreten, stark und kräftig, der führte
einen Hauptstreich nach dem Müller, daß seine
Blechhaube gleich zu Boden fiel, und meinten alle,
die das sahen, der Kopf wäre mit vom Rumpfe geflogen;
der kugelrunde Kämpe hatte aber, wie sein Gegner
ausholte, seinen Kopf aus der Haube schnell heraus
und unter die hohe Halsberge gezogen, und jetzt
tat er einen Streich nach dem Gegner, der ihm so tief
in den Hals schnitt, wie die Sense des Mähers in das
Gras. Da fürchteten sich alle vor dem gewaltigen
Mann, dem die Taten, die man von Recken las, nur
ein Spaß schienen.
Nun war aber ein andrer Müller in der Nachbarschaft,
der war ebenso stark und groß, ebenso kugelrund
und trug auch so ein wohlausgefüttertes und ge-
blechtes Wams, und keiner mochte den andern leiden,
weil keiner dem andern nachstand. Und haßten und
bekriegten einander schon zehn Jahre. Auf jedem
Kirchweihtag, wo sie hinkamen, gerieten sie aneinander,
und fochten gegeneinander mit Worten und Waffen;
es konnte aber ihrer keiner dem andern etwas anhaben,
und waren zwei gar sehr gefürchtete Kampfhelden.
Der eine Müller hatte einen Sohn, der andre
eine Tochter, welche beide einander so sehr liebten,
als die Väter einander haßten, darüber wurde der
Zwiespalt noch größer, bis endlich gute und einsichtsvolle
Freunde sich ins Mittel schlugen und beiden
Müllern rieten, gute Freunde zu werden und ihre Kinder
miteinander zu verheiraten.
Wie das Gerücht vom Bündnis der beiden Müller
ins Land erscholl, und daß sie sogar ihre Kinder miteinander
verheiraten wollten, da erhob sich große Unruhe
und Besorgnis, denn jedermänniglich konnte sich
nun an den Fingern abzählen, daß die beiden Kugelrunden
sein würden wie zwei Mühlsteine, zwischen
denen alles, was ihnen zu nahe käme, würde aufgerieben
werden. Und wer jetzt dem einen Müller zu nahe
trat, der hatte es gleich mit beiden zu tun, und konnte
kein Fürst beide Wämser überwinden, denn die Müller
glichen runden Burgen, waren auch nicht auszuhungern
durch eine Belagerung, denn sie hatten auch
in ihren Wämsern manche Metze gefaßt, von der sie
zehren konnten lange Zeit. Da aber nun die beiden unüberwindlichen
Helden also mannhaft waren, daß
selbst der Kaiser große Mühe gehabt haben würde,
sie zu überwältigen, so mußte man nur froh sein, daß
sie ihre große Macht gegen die Feinde des Reiches
kehrten, und begehrten gar keinen Sold und Lohn,
sondern nur die Ehre fechten und streiten zu dürfen.
Und war das nur ihre einzige Klage, daß so mancher
Tag verging, an dem sie keines Gegners ansichtig
wurden, weil ihr Ruf so weit und breit genannt war,
daß sich alles vor ihnen fürchtete.
Viele tapfre Taten vollführten die beiden kugelrunden
Müller, seit sie miteinander verbunden waren,
und wenn man diese Taten und die Abenteuer, welche
durch sie bestanden wurden, niedergeschrieben hätte,
so wäre das ein Buch geworden, zweimal so stark wie
die Bibel und die Weltchronik. Auch taten sie mehr
Wundertaten, als alle die Recken, von denen die alten
Lieder und Geschichten sagen. Endlich schlugen sie
ihre Wohnung in einer Wüste hinten an der Welt
Ende auf, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben
sie heute noch.
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