Eine unglaubliche Welt. Sabine von der Wellen

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Eine unglaubliche Welt - Sabine von der Wellen

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dem nächsten Felsen begegnet.

      Langsam wird es wieder nachtschwarz um ihn herum und er ist sich nicht sicher, ob er wirklich weiter seinem Rucksack nachlaufen soll. Das Licht in der hinter ihm liegenden Höhle zieht ihn magisch an. Aber Licht gibt nur Hoffnung, macht aber nicht satt.

      Ein paar Mal spürt er Wasser durch seine Turnschuhe dringen, wo er wohl in einen etwas größeren Rinnsal mit Quellwasser tritt. Mittlerweile ist es wieder so dunkel um ihn herum, dass er sich fast nur noch auf das schleifende Geräusch vor sich verlassen kann. Immer wieder blickt er sich um, damit er den Weg in die helle Höhle zurückfinden kann. Doch er ist sich gar nicht mehr sicher, ob ihm das noch möglich ist. So folgt er dem seltsamen Geschöpf vor sich, dem scheinbar langsam die Kräfte ausgehen, denn er hört es bald schon dicht vor sich angestrengt Schnauben.

      Mittlerweile ist es wieder so dunkel, dass er kaum seine Hände vor Augen sieht. Er tastet sich mehr voran, als dass er schnell dem Tier folgen kann. Als seine ganzen Sinne nur noch aufs Vorwärtskommen ausgerichtet sind, stolpert er plötzlich und hört ein klagendes Jaulen unter sich.

      Gerrit versucht sich noch abzufangen, aber er kann nicht verhindern, dass er lang hinschlägt.

      Wieder spürt er den schrecklichen Geruch in der Nase und wieder gleitet etwas Nasses durch sein Gesicht.

      „Bäh, geh weg!“, ruft er aufgebracht und setzt sich schnell auf. Sein rechtes Knie schmerzt höllisch und Gerrit reibt es einige Zeit mit den Händen. Diesmal versucht er nicht, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. „Du blödes Vieh!“, schluchzt er auf und fühlt sich von einer tiefen Niedergeschlagenheit übermannt. Die Dunkelheit hat ihn wieder fest im Griff und er kommt sich dumm vor, wegen dem Rucksack diesem Tier gefolgt zu sein. Hat das denn alles noch einen Sinn? Hier unten wird ihn ja doch niemand finden. Die anderen Kinder sind auch nie wieder aufgetaucht.

      Gerrit wird erneut bewusst, dass vielleicht seine Schwester Nina genau wie er hier durch die Gänge gestolpert war, nach Hilfe rufend, allein, frierend und verängstigt. Doch niemand von den Suchtrupps hatte ihre Rufe gehört … und er? Er hat in seinem Zimmer gesessen und nicht geahnt, welche Qualen sie durchmachte. Nun ist er auch hier gefangen. Er ist durch seine eigene Dummheit selbst in die Falle getappt, und dass nur wegen dieser elenden Katze.

      „Die Katze!“, schießt es ihm. Er hat sie auch hier unten gesehen. Sie hat ihn doch hierhergelockt. Wo ist sie wohl abgeblieben?

      Gerrit wischt sich mit dem Ärmel seiner Jacke die nassen Wangen trocken.

      „Warum lockt das Vieh Kinder hier herunter? Das muss doch einen Grund dafür geben! Vielleicht gehört sie ja sogar jemandem. Dieses angekettete Ungeheuer muss ja auch jemandem gehören“, raunt er leise vor sich hin, was das zottige Tier vor ihm dazu veranlasst, sich vor seine Füße zu setzen.

      Gerrit sieht in die grünen Augen. „Ich weiß nicht, was du von mir willst“, flüstert er der in der Dunkelheit kaum auszumachenden Gestalt vor sich zu.

      „Wuff!“, macht er, und Gerrit blinzelt überrascht.

      „Du kannst ja sogar bellen wie ein Hund. Das ist ja seltsam. Denn eines weiß ich. Du bist keiner! Oder zumindest habe ich in meinem Leben noch keinen wie dich gesehen.“

      Gerrit hätte gerne die Hand ausgestreckt und den kleinen Kerl vor sich gestreichelt. Doch er wagt es nicht. Das böse Knurren beim letzten Mal sitzt ihm noch in den Knochen und wer weiß? Vielleicht verschwindet das seltsame Tier dann doch noch. So scheint es bei ihm bleiben zu wollen. Dafür ist Gerrit sehr dankbar. Er will hier auf gar keinen Fall allein sein und weiß nicht, was sonst noch alles in diesen dunklen Gängen haust. Aber irgendjemand muss doch diese Höhlen kennen, sonst gäbe es nicht diesen angebundenen Drachenverschnitt. Und der seltsame Hund scheint ihm auch irgendwie zu zutraulich, als dass ihm Menschen ganz fremd sein können. Vielleicht gehört er dem gleichen Wesen, dem auch die Katze und das Ungeheuer gehören?

      Das ist wiederum ein Gedanke, der Gerrit nicht gerade erfreut. Aber ihm ist mittlerweile alles recht, wenn er nur auf einen Menschen stößt. Danach wird man schon weitersehen.

      Seinen Rucksack zu sich heranziehend, entnimmt er ihm die restliche Milch und das letzte Stückchen Wurst. Er schiebt sie sich in den Mund und trinkt die Milch aus. Das beruhigt seinen Magen, der aber unaufhörlich mehr fordert. Die Milchpackung stellt Gerrit mitten in den Gang für den Fall, dass er auf seiner Suche nach einem Ausgang, oder anderen Menschen, hier wieder vorbeikommt. Dann wird er sich wenigstens etwas orientieren können.

      „Wuff!“, gibt der seltsame Hund aus der Dunkelheit laut.

      Gerrit kann eine Bewegung ausmachen und ahnt, dass das Wesen vor ihm aufgestanden ist und einige Schritte weiter in die Dunkelheit geht.

      Wieder hört er ein: „Wuff!“ und ist sich nicht sicher, was das soll.

      Ihm fällt die Katze ein, die ihn hierhergelockt hatte. Vielleicht ist dieser seltsame Hund ihre Ablösung und soll ihn nun weiterbringen.

      Gerrit überlegt einige Augenblicke. Soll er ihm folgen? Wird er ihn genauso ins Verderben locken wie die Katze?

      Er steht stöhnend auf. Was hat er für eine Wahl? Immerhin lockte dieser seltsame Hund ihn in eine andere Richtung, als die Katze lief. Als er ihr folgte, wäre er beinahe als Drachenfutter geendet. Ist das vielleicht sogar die Aufgabe der Katze? Soll sie junges, frisches Drachenfutter heranschaffen?

      Gerrit erschaudert. Doch sein Verstand sagt ihm, dass dieses angekettete Tier kein Drachen gewesen sein kann. Drachen gibt es nicht. Das sind Fabelwesen. Geschöpfe, die sich irgendwann irgendjemand ausgedacht hatte, um seine Kinder zu erschrecken.

      Aber er hat es gesehen, und es sah aus wie ein Drachen mit Riesenschnauze oder wie ein Krokodil mit längeren Beinen. Wer weiß schon, was das wirklich für eine Kreuzung war. Und wer hält es hier unten in Ketten? Und wozu?

      Er hat noch nie von jemanden gehört, der statt einer Garage hinter dem Haus einen Höhleneingang sein Eigen nennt, in dem er seine Autos parkt und seine „Haustiere“ hält. Aber wer weiß! Vielleicht wird er hier unten tatsächlich auf Menschen stoßen, die ihm den Ausgang zeigen können.

      „Wuff … Wuff, Wuff!“, hört Gerrit vor sich und glaubt, es klingt drängender.

      Er nimmt seinen Rucksack und versucht aufzutreten. Sein Knie schmerzt, aber er kann einigermaßen darauf stehen.

      „Wuff!“, hört er wieder aus der Dunkelheit und Gerrit macht einen Schritt darauf zu. „Was ist denn, Hund, ich komme ja schon. Aber wehe dir, wenn du mich auch in eine Falle lockst.“

      „Wuff, Wuff!“

      Gerrit humpelt in die Dunkelheit, den Geräuschen hinter her, die die Krallen an den weichen Pfoten vor ihm machen. Manchmal erklingt das „Wuff“ wie ein geflüsterter Ruf aus der Dunkelheit, wenn er nicht schnell genug folgt.

      So tastet Gerrit sich voran, stolpert über Steine, stößt sich den Kopf an, tritt in Wasserlachen und spürt Wassertropfen, die von der Decke auf seinen Kopf fallen und ihm in den Nacken laufen. So schleicht er lange Zeit voran und er fühlt sich erschöpft und unendlich müde. Er hat keinerlei Orientierung mehr und weiß noch nicht einmal, ob er sich in einem Gang befindet oder in einer Höhle. Manchmal klingen seine Schritte dumpf und manchmal hallen sie wider, als stünde er in einem riesigen Saal. Sehen kann er nichts und das ist etwas, was ihn immer mehr zermürbt. Wenn er doch nur ausmachen könnte, was um ihn herum ist. So durch die Dunkelheit zu irren, macht ihn schier verrückt.

      „Ich

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