Hörig. Alina Schumann
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„Das ist sie,“ sagt er. Und als ich fragend schaue, fügt er hinzu:
„Die Freundin. Mein Schatz. Vielleicht auch meine Rettung! Wie Sie wollen!“
Er lotst mich in die Küche, dem anscheinend einzigen wirklich bewohnten Raum. Ich merke, wie die Fremdheit zwischen uns belastend wird. Ich sehe ihm an, wie er sich zu fragen scheint, weshalb er mir geschrieben hat, und spüre sein Zögern beinahe körperlich.
Ich versuche seine Unsicherheit abzufangen, in dem ich ihm von den anderen Interviews erzähle. Von den Schwierigkeiten meiner bisherigen Gesprächspartner. Von deren Beweggründen mir auf meine Anzeige zu antworten und schließlich sich mir, der völlig Fremden zu öffnen.
„Und warum,“ frage ich Peter A. dann, „haben Sie mir geschrieben? Waren Sie nur neugierig, wer sich hinter dieser Annonce versteckt?“
Er schüttelt den Kopf.
„Ich wollte endlich reden. Ich brauche dringend jemanden, von dem ich annehmen kann, dass er mich nicht verurteilt. Ganz gleich, wie schlimm meine Geschichte auch sein mag. Ich ersticke fast daran. Ich weiß nicht mehr, wie ich mit ihr weiterleben kann!“
„Und mit einem Therapeuten können Sie nicht...“
„Nein!“ Peter A. wird heftig. „Mit einem Mann kann ich schon überhaupt nicht reden. Und wie so mit einem Therapeuten? Bin ich denn Ihrer Meinung nach krank?“
Was soll ich ihm sagen?
Ist es krank, als 33jähriger attraktiver Mann an einer inzwischen 65jährigen Domina zu hängen? Ist es krank, sich zu wünschen beherrscht zu werden und sexuelle Befriedigung nur in Erniedrigung zu verspüren?
Vielleicht ist es die Konsequenz dieser Leidenschaft, die ihn so fertig macht – diese Angst vor der Entdeckung, dieses ewige Versteckspiel, diese Lebenslüge.
Als Peter A. spürt, dass es mehr geben muss „als dieses eintönige Familienleben,“ ist er 27 Jahre alt.
„Ich bekam neben den normalen Pornoheften ein Spezialheft in die Finger. So was mit Sado, Maso und dem Kram.“
Und er lernt ganz andersartige Erregungen kennen. Allein das Betrachten der Fotos macht ihn scharf.
„Sie waren für mich die Bestätigung, dass es viel geilere Sachen gab, als alles was ich mir bisher vorstellen konnte!“
Die Angst vor Entdeckung
Diese neuen sexuellen Fantasien beschäftigten Peter unausgesetzt. Sie hinderten ihn daran, das gewohnte Sexleben mit seiner Frau weiterhin zu führen. Sie vergifteten ihm auch den Spaß an seinen zahllosen, aber konventionellen Seitensprüngen. Alles wird für ihn fad und flach. Er hat nur noch einen Wunsch: etwas ganz und gar verrücktes zu erleben.
Der Tag, an dem Sophie B. in sein Immobilienbüro kommt, soll sein zukünftiges Leben verändern.
„Sie hatte eine Selbstverständlichkeit, eine Ausstrahlung von Macht und Wissen, die mir fast den Atem nahm. Dabei sah sie überhaupt nicht atemberaubend aus. Klein, dunkelhaarig – aber sie trat so verdammt sicher auf!“
Am Abend nach diesem Treffen beginnen die Fantasien von Peter.
„Ich war elektrisiert. Ich stellte mir diese Frau nackt vor. Selbst der Sex mit meiner Frau wurde wieder besser!“
Ein paar Tage danach ruft ihn Sophie B. an. Sie bestellt ihn zu sich nach Hause.
„Weil ich noch einige Fragen zu der von Ihnen vorgeschlagenen Immobilie habe,“ sagt sie kühl.
Peter fährt zu ihr. Völlig aufgewühlt. Mit klopfendem Herzen.
„Wie betäubt stand ich vor ihrem Haus.
Das Gespräch ist zunächst rein sachlich. Die Dame des Hauses bietet Kaffee an. Scheinbar ungeschickt gießt sie diesen über die Hose ihres Gastes.
„Und als sie sich dann über mich beugte, ohne Ziererei, einfach so an mir herum rieb, glaubte ich, ohnmächtig zu werden. So direkt hatte mich noch keine Frau angefasst.“
Sophie weiß was sie will. Sie will ihn nackt.
„Ich saß vor ihr. Ohne Slip. Mein Schwanz war erigiert. Ich war rot im Gesicht und wartete.“
Doch Sophie tut als interessiere sie das nicht. Sie spricht nur über Belangloses. Wie in Gedanken streicht sie hin und wieder über sein Geschlecht. Ganz nebenbei bemerkt sie:
„Es regt mich auf, dich so sitzen zu sehen!“
Peter A. kommt es nicht in den Sinn aufzustehen, sich die doch so auffordernde Gastgeberin zu schnappen und seinen sexuellen Wünschen nachzugeben.
„Ich blieb wie gelähmt sitzen geblieben, wartete darauf, dass sie mich berührte und war unglaublich geil!“
Sophie B. schickte ihren Gast weg.
Ohne Erklärung, nur mit der kurzen Ansage:
„Am Mittwoch um 14 Uhr, bei mir!“
Kein freundliches Lebwohl, nichts.
„Diesen Mittwoch konnte ich kaum erwarten!“ sagt Peter A. „Ich reagierte wie ein Hund auf eine läufige Hündin: brünstig und dumpf!“
Die Treffen wiederholten sich Woche für Woche.
„Ich lebte nur für diese Verabredungen. Ich war wie im Fieberrausch.“
Sophie verhält sich ihm gegenüber immer abweisend. Kühl befiehlt sie, wie er sich zu verhalten hat. Kühl reicht sie ihm ihre Hand zum Kuss, kühl lässt sie ihn vor sich knien.
„Meine Fantasien überschlugen sich. Ich war stets nackt und sie bekleidet. Äußerlich immer Dame. Immer untadelig.“
Dann nach vier Monaten verbindet sie dem nackten Sklaven die Augen. Sie befiehlt ihm sich zu ihr zu legen. Sie ist jetzt ebenfalls nackt – aber er darf sie weder sehen noch berühren. Sie nimmt seinen Kopf und öffnet ihre Schenkel. Er darf sie mit der Zunge verwöhnen. Drei Stunden lang müht sich der Sklave Peter ab. Drei Stunden in denen er ihr einen Orgasmus nach dem anderen beschert. Er selbst allerdings findet keine Befriedigung. Völlig außer sich vor Lust und Gier nach
ihr, befiehlt sie ihm:
„Zieh dich an und geh!“
Peter tut was Sophie will. Ihre Grausamkeit kann er nicht begreifen. Zu Hause legt er Hand an sich.
„Ich hasse Selbstbefriedigung. Es war eine weitere Demütigung von ihr!“
Und trotzdem geht er wieder hin. Ohne auf seine beruflichen Verpflichtungen Rücksicht zu nehmen. Ohne zu merken, dass seine Ehe langsam kaputt geht. Ohne zu sehen, dass es für ihn kaum mehr ein Maß gibt. Nur sie zählt noch. Sie lässt ihn betteln, knien, flehen. Lässt ihn ihren Urin schlürfen, ihre Fesseln lustvoll spüren, ihre Absätze als Liebkosung empfinden.