Roman Paket 9 Glenn Stirling Liebesromane für den Strand. Glenn Stirling
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Als der alte Herr gegangen war, summte schon das Arztzeichen, und überall in den Gängen brannte die rote Arztlampe. Unfalleinlieferung, diensttuende Chirurgen zum OP-Saal! bedeutete das.
Der harte und oft grimmige Kampf um das Leben der Eingelieferten begann wieder wie alle Tage.
*
GEGEN ELF UHR TAUCHTE Schwester Gerda im OP-Saal auf. Sie flüsterte Dr. Wolf ins Ohr:
„Das Frollein Braut wartet auf Ihnen, Doktorchen.“
Dr. Wolf runzelte die Stirn.
„Wer? Fräulein Peschke?“,
„Nu ja doch, oder meinen Se, ich halt Ihnen für ’n Wüstling, dass se ’n Dutzend Bräute hab’n?“
Sie schüttelte über Dr. Wolfs Frage den Kopf.
„Auch schon ’n bisschen überarbeitet wie Dr. Helm, wie?“, meinte sie und rauschte hocherhobenen Kopfes hinaus.
Als er Zeit hatte, ging Dr. Wolf nach draußen. Inge wartete diesmal nicht in seinem Büro. Im Treppenhaus neben dem Fahrstuhl stand eine Bank, dort saß sie.
Dr. Wolf trat zu ihr und grüßte kühl.
Sie hatte rotumränderte Augen; offenbar war sie die letzte Nacht nicht zum Schlafen gekommen.
„Gert ... ich, ach, Gert, hast du nichts Netteres zu sagen?“, fragte sie bestürzt über seine Kühle.
„Natürlich, falls du bei der Polizei warst.“
Sie machte ein trotziges Gesicht.
„Konnte ich mir gleich denken. Paps sagte schon, dass du mich nicht verstehen würdest. Ich will einmal in der Zeit, da wir uns kennen, deine Hilfe, will, dass du mich schützt, da versagst du schon.“
Sie erhob sich und nahm ihre Handtasche auf. Mit abweisender Gelassenheit strich sie sich ihren beigefarbenen Staubmantel gerade.
„Wenn ich sage, du sollst zur Polizei gehen, Inge, dann ist das mehr für dich als all das, was dir dein Vater geraten hat. Denn nun wird es sicher bitter.“
Sie sah ihn mit flammendem Blick an.
„Ja, und was macht das schon aus? Ob ich jetzt gehe oder ob du mich anschwärzt. Die Strafe ist sicher dieselbe.“
Er wandte sich ab, ohne noch ein Wort zu ihr zu sagen. Dass sie ihm zutraute, sie zu denunzieren, hätte er nicht erwartet.
Er hörte ihre Absätze auf der Treppe hacken, doch er sah sich nicht mehr um. Aus. Vorbei. Selbst wenn die Polizei nie dahinterkommen würde, eine Frau, die so handelte, konnte nicht seine Frau sein. Nie und nimmer. Er würde es nie verzeihen. Niemals!
Die Arbeit ging weiter. Er kam auch dazu, Frau Hartwig mehrmals zu sehen an diesem Vormittage. Es ging ihr besser, doch sie stand noch immer unter dem Einfluss des Schocks. Als er ihr erzählte, was Herr Ritter ihm aufgetragen hatte, konnte sie ihm kaum folgen. Sie lächelte dann aber und schlief wieder ein.
Indessen fiel der junge Ehemann der Stationsschwester auf die Nerven. Immer wieder wollte er seine Frau sehen, doch Schwester Gerda blieb hart. Nur einmal durfte er zwei Minuten lang zu ihr, mehr nicht.
Endlich war Mittag. Dr. Wolf aß im kleinen Speisesaal der Ärzte und OP-Schwestern, aber es gab Rouladen, die er nicht mochte, jedenfalls nicht in der Form, wie sie in diesem Hause zubereitet wurden. Appetitlos schob er den noch halb gefüllten Teller zur Seite und zündete sich eine Zigarette an. Da kam gerade Dr. Holmann, der Oberarzt der Chirurgie, herein.
Er ging geradewegs auf Dr. Wolf zu, nickte freundlich.
„Mahlzeit, Wolf. Mensch, das war wieder so ’n Vormittag, was?“
Er fuhr sich mit der flachen Hand über die spiegelnde Glatze und äugte durch seine randlose Brille zu Dr. Wolfs Teller.
„Was? Rouladen? Und die lassen Sie stehen, Wolf? Menschenskind, und ein Gesicht machen Sie, als hätten Sie die Kündigung in der Tasche.“
Er wandte sich der Bedienung zu.
„Auch Rouladen!“, rief er, sah wieder Dr. Wolf an und meinte:
„Ist ja kein Wunder, wenn wir durchdrehen. Heute Morgen bei mir allein zwei Oberschenkelhalsbrüche, fünfmal Appendix, eine Galle, bei der wir bald verrückt geworden wären, weil noch ’n Kollaps dabei auftauchte, dann noch zwei Schlüsselbeine, wie gesagt, es war ein reizender Vormittag.“
„Ich habe mich die ganze Zeit ausgestreckt und geschlafen“, meinte Dr. Wolf trocken und musterte den fünfzigjährigen Kollegen spöttisch.
„Sie Witzbold“, konterte Dr. Holmann, „aber am Nachmittag habe ich für Sie noch eine Überraschung: Der Alte kommt.“
„Professor Oberweg?“
„Er hat sich schon angemeldet. Frisch und braungebrannt wäre er, hat er gesagt. Bad Wörrishofen sei zwar eine harte Strafe für alle Sünden, doch sei es ihm prächtig bekommen. Er hat sich das Rauchen abgewöhnt.“
„Mal sehen, wie lange es diesmal vorhält“, meinte Dr. Wolf skeptisch.
Das Mädchen brachte Dr. Holmanns Essen. Er rieb sich die Hände und strahlte:
„Na, das ist endlich mal ’n Gedicht von Mittagessen. Übrigens, Wolf, haben Sie den Kommissar gesprochen?“
„Welchen Kommissar?“, erkundigte sich Dr. Wolf verwundert.
„Hmm“, entgegnete Dr. Holmann kauend, „Polizei. Wegen der Geschichte gestern. Die Frau mit dem Dörfflerschnitt.“
„Ach so, Frau Hartwig. Und was wollte er?“
„Sie. Aber ich glaube, Sie steckten gerade im OP II. Er will wiederkommen. Aber die Fahrerin und den Mercedes haben sie immer noch nicht. Heute ist es sogar durchs Radio gekommen. Die Burschen von der Abendanzeiger-Redaktion haben wieder mal Wirbel gemacht. Belohnung und so. Ist ja auch eine Schweinerei, einfach abzuhauen. – Die Rouladen sind ganz vorzüglich.“
Mit einem Blick auf Dr. Wolfs Teller meinte er:
„Verstehe Sie nicht, Wolf.“
„Ich muss jetzt gehen. Wiedersehen, Holmann, und weiter guten Appetit“, sagte Dr. Wolf und ging.
„Trinken Sie keinen Kaffee?“, rief ihm Dr. Holmann nach.
„Nein, hier bestimmt nicht. Braunes Wasser kann ich mir auch selbst färben.“
Als er auf den langen Gang trat, kam ihm Schwester Gerda entgegen.
„Na endlich, da sind Se ja! Der Herr Kommissar von die hohe Polizei sucht Ihnen schon seit ’ne halbe Stunde verjeblich!“, meinte sie vorwurfsvoll.