Robert Koch. Barbara Rusch
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ROBERT KOCH
Im darauffolgenden Jahr überraschte Robert seinen Vater, der zu seinem eigenen Missvergnügen zugenommen hatte, mit dem Ratschlag, weniger Kartoffeln zu essen. Dieser Tipp scheint bei den Kochs eher auf verblüfften Unglauben gestoßen zu sein, denn Robert Koch nahm später darauf Bezug – in einem Brief, in dem er zudem gute Neuigkeiten berichten konnte: »Obgleich du bei unserem letzten Zusammensein keine allzu hohe Meinung zu haben schienst, von meinem medicinischen Wissen im allgemeinen und von der merkwürdigen Eigenschaft der Kartoffeln, magere Leute fett zu machen, insbesonders, so ereignet es sich doch bisweilen, daß auch eine blinde Taube ein Korn findet, wie es mir jetzt z.B. ergangen ist. Nämlich bei der diesmaligen Preisvertheilung ist mir für meine Arbeit der Preis zuerkannt.«
Besagter Preis war 1864 von der Georg-August-Universität ausgeschrieben worden und beinhaltete folgende Aufgabenstellung: durch »eine genügende Reihe von Untersuchungen festzustellen, ob und in welcher Verbreitung die Nerven des Uterus Ganglien enthalten«. Robert Koch hatte sich zur Teilnahme entschlossen, und vielleicht schürte dabei auch eine persönliche Konkurrenz seinen Ehrgeiz: Adolf Polle, mit dem er zusammen in Clausthal sein Abitur abgelegt hatte, nahm die gestellte Aufgabe ebenfalls ziemlich zielstrebig in Angriff. Während Polle seine Wettbewerbsarbeit vor allem am Institut des Anatomen Wilhelm Krause ausführte, war Koch wahrscheinlich hauptsächlich im Institut von Jakob Henle tätig.
Im Juni 1865 erwarteten beide bei der jährlichen Universitätsfeier mit gespannter Erwartung die Verkündigung der Preisträger – und beide konnten nach einer quälend langen und fantastisch langweiligen Preisrede jubeln: Sowohl Adolf Polle als auch Robert Koch hatten den ersten Preis gewonnen, und die Arbeiten der beiden Studenten wurden von der Universität als Preisschriften veröffentlicht. Kochs Abhandlung, »Über das Vorkommen von Ganglienzellen an den Nerven des Uterus« trug das Motto »Numquam otiosus«, »Niemals müßig«, und die Widmung: »Dem geliebten Vater widmet als Ausdruck seiner Zuneigung und Dankbarkeit diese erste Frucht seiner Studien der Verfasser.« Roberts Eltern waren sehr stolz auf den Erfolg ihres Sohnes. »Robert hat uns wieder eine große Freude gemacht«, schrieb Hermann Koch in einem Brief an seinen ältesten Sohn Adolf. »In unserer Freude haben Mama und ich Robert in Göttingen besucht und einen recht vergnügten Tag mit ihm verlebt.«
»Auf meinen Wanderungen durch das medizinische Gebiet stieß ich auf Strecken, wo das Gold noch auf dem Wege lag.«
ROBERT KOCH
Die Begeisterung war umso größer, da es offensichtlich seit Jahresbeginn wieder Auseinandersetzungen um die berufliche Karriere Roberts gegeben hatte. Bereits Anfang 1865 hatte er am Pathologischen Institut eine Assistentenstelle übertragen bekommen – eine Auszeichnung für einen Studenten, der erst im sechsten Semester studierte –, aber wie immer warf die Finanzierung Fragen und Sorgen auf. Hermann Koch freute sich über Roberts wissenschaftlichen Erfolg, schrieb jedoch im Februar 1865 an seinen Sohn Adolf, der damals schon nach Amerika ausgewandert war: »Es ist dieses ein Beweis dafür, daß Robert sich besonders ausgezeichnet hat … Diese Ehre wird freilich viel Geld kosten, da er sich hat verpflichten müssen, noch 3 Jahre in Göttingen zu bleiben, und nur 40 Thaler Jahresgehalt bekömmt. Er wird aber in dieser Stelle viel lernen, kann die akademische Karriere machen oder erhält, wenn er in die Praxis geht, gleich eine gute Stelle.« Offenbar gingen einige besorgte Briefe hin und her, in einem schrieb Robert Koch noch im Februar an seinen Vater: »Zugleich kann ich Dir die erfreuliche Mittheilung melden, daß ich die Stelle vor 8 Tagen schon definitiv … angetreten habe. Bis Ostern habe ich nur das Sektions-Protokoll zu führen, was mich an meinen Studien durchaus nicht behindert. Im nächsten Semester werde ich dann freilich mehr Beschäftigung davon haben, aber doch auch solche, die mir für meine praktische Ausbildung nützlich ist, wie ich denn überhaupt meine ganze Richtung stets darauf richten werde, später als praktischer Arzt zu fungiren.«
Die Unsicherheit über Roberts Berufsweg war trotz aller Erfolge und des gewonnenen Preises nicht kleiner geworden. »Er sowohl wie Papa sind nur noch nicht entschlossen, ob Robert praktischer Arzt werden oder sich der akademischen Laufbahn widmen soll. Der Geldpunkt ist noch schwer zu überlegen …«, schrieb Mathilde Koch im Sommer 1865 über die Auseinandersetzungen in der Familie. Zugleich freute sie sich, dass Robert nun langsam erwachsen wurde, ihr zu Hause in den Sommerferien »Trost, Stütze und lieber Gesellschafter« und »zum ratgebenden Freunde herangewachsen« war.
In seinem Studium hielt Robert Koch weiter mehrere Optionen offen: Er belegte Seminare, die ihn in der ärztlichen Praxis unterrichteten, behielt aber auch ein Standbein in der Forschung. Noch 1865 wechselte er als Assistent zu Georg Meissner, wo er im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Seele Wissenschaft betrieb. Um herauszufinden, wie Bernsteinsäure im menschlichen Körper entsteht, nahm er im klassischen Selbstversuch aufgelösten apfelsauren Kalk, Asparagin (in Form von Unmengen von Spargel) und »fünf Tage lang Nachmittags ein halbes Pfund Butter mit etwas Brot« zu sich. Nach dieser Fettorgie wurde ihm verständlicherweise entsetzlich übel, und er musste den Versuch »wegen sich einstellender Verdauungsstörungen« aufgeben. Bernsteinsäure ist ein Zwischenprodukt des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels. Durch seine Versuche konnte Robert Koch beweisen, dass sie zum einen unter solchen Ernährungsbedingungen in großen Mengen im Urin auftritt und dass sie im Magen-Darm-Kanal entsteht. Seine Forschungsarbeit wurde noch 1865 in der »Zeitschrift für rationelle Medizin« veröffentlicht und bei seinem Abschluss als Doktorarbeit anerkannt.
Mit einem besseren finanziellen Hintergrund hätte Robert Koch schon damals eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen können. Da daran jedoch nicht zu denken war, genoss er erst einmal den Sommer. Er fuhr im September zur Tagung der »Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte« nach Hannover und unternahm mit seinem Vater eine Erholungsreise nach Hamburg, Lübeck und Helgoland. In dieser Zeit führte er viele Gespräche mit seinem Vater und seinem Onkel Eduard Biewend über seinen weiteren Berufsweg. Bei dieser schwierigen Entscheidung gab letztendlich wieder einmal das finanziell Machbare den Ausschlag – und vielleicht auch die Liebe, von der seine Familie zu jener Zeit noch nichts wusste.
Ab dem Wintersemester 1865 bereitete sich Robert Koch an der Universität auf den Abschluss als praktischer Arzt vor. Er schlug sogar ein Angebot seines Onkels aus, der ihn bei einer Forschungsarbeit über Trichinen finanziell unterstützt hätte. Da der Entschluss jetzt gefasst war, ging alles sehr schnell: Fast Hals über Kopf meldete er sich am 3. Januar 1866 zur Promotion an, am 13. Januar bestand er die mündliche Prüfung, am 16. Januar hielt er seinen obligatorischen lateinischen Vortrag und schwor die Eidesformel der Ärzte. Noch am selben Tag konnte er mit dem Doktordiplom in der Hand die Universität Göttingen verlassen. Die erste große Hürde auf seinem Berufsweg war geschafft.
WEGBEREITER DER MEDIZIN – ROBERT KOCHS LEHRER IN GÖTTINGEN
Robert Koch erhielt an der Georg-August-Universität eine für die damalige Zeit sehr moderne Ausbildung, die ihn für die Medizin und die wissenschaftliche Forschung begeistern konnte. Aus seinen Studienbüchern geht hervor, dass er in einigen Fächern bei den Größen der jeweiligen Disziplinen hörte.
So belegte er Kurse bei Friedrich Wöhler. Der Chemiker hatte 1824 durch die Synthese von Oxalsäure und 1828 von Harnstoff experimentell bewiesen, dass organische Stoffe aus anorganischen künstlich erzeugt werden konnten. Mit dieser Entdeckung widerlegte er die Vorstellungen des Vitalismus, die Anfang des 19. Jahrhunderts noch vorherrschten. Dem Vitalismus zufolge war die Bildung von Materie in Lebewesen – also von organischen Stoffen – nur unter Einwirkung einer transzendenten Lebenskraft möglich, die vis vitalis genannt wurde. Wöhlers Arbeiten waren wegweisend in der anorganischen Chemie und trugen dazu bei, die Medizin auf eine naturwissenschaftliche Basis zu stellen.
Psychologie hörte Robert Koch bei Hermann Lotze, der seit 1844 als Professor für Medizin und Philosophie in Göttingen lehrte. Lotze stellte