Original Gangstas. Ben Westhoff

Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу Original Gangstas - Ben Westhoff страница 19

Original Gangstas - Ben Westhoff

Скачать книгу

Shanté und der Gruppe UTFO, von der der Song „Roxanne Roxanne“ stammte. Obwohl J.J. Fad keine der involvierten Parteien kannten und auch sonst keinen Grund hatten, auf diese Leute sauer zu sein, ließen sie ihre besten Beleidigungen vom Stapel: Roxanne Shanté ain’t got no hair in her back/ She’s bald.

      „Wer damals keinen Diss-Track am Start hatte, hatte nichts zu melden“, erklärt MC J.B. Die Nummer ließ ihre Hörer kalt, doch die B-Seite, auf der das ansteckende „Supersonic“ zu hören war, fing an, Wellen zu schlagen. So sah Eazy-E einen Auftritt der Gruppe im Club The Casa und war durchaus beeindruckt. Inzwischen umwarb Eazy Arabian Prince für eine „Supergroup“, die er plante und außer ihm noch Cube von C.I.A. sowie Dre und DJ Yella von der World Class Wreckin’ Cru umfasste. Obwohl er eine brandheiße Single am Markt hatte, war Eazy in Bezug auf seine Rap-Skills immer noch unsicher, weshalb er vermutlich dachte, dass es das beste wäre, sich mit einer Gruppe zu umgeben. Das Timing war gut. Dre und Cube waren ihren alten Acts entwachsen und so traf sich die Gruppe – erweitert um Eazys alten Kumpel aus dem Viertel, Lorenzo „MC Ren“ Patterson – im Haus der Mutter von Arabian Prince in der Van Ness Avenue in Inglewood, um dort gemeinsam einen Namen auszuknobeln. Trotz Eazys und Dres Neigungen war es noch keine ausgemachte Sache, dass sie in eine neue Hardcore-Richtung gehen würden. Immerhin waren gleich drei der Gründungsmitglieder – DJ Yella, Ice Cube (alias Purple Ice) und Arabian Prince – große Bewunderer von Prince. Auf eine Sache einigten sie sich jedoch rasch: Sie wollten ihre jeweiligen Herkunftsorte repräsentieren, so wie das auch die New Yorker Rapper taten. Arabian Prince schlug im Scherz ein Plattencover vor, auf dem die Jungs Waffen tragen sollten. Seine Idee für den Titel: From Compton With Love. Die Begeisterung hierfür hielt sich in Grenzen. Als er und Dre sich irgendwann beschwerten, dass sie für ihre Produzenten-Beiträge nicht bezahlt würden, sagte einer von ihnen, er würde sich fühlen wie ein „nigga with an attitude“. Kurze Zeit darauf schlug Eazy-E genau das als Name für die Gruppe vor: N.W.A – „Niggaz With Attitudes“. Es war ein Name, der genug Schock-Potenzial hatte, um aufhorchen zu lassen – gewürzt mit einer Prise selbstgerechter Empörung. Cube war einverstanden mit der Idee, dass „Schwarze dieses Wort verwenden, anstatt sich damit beschimpfen zu lassen“.

      In seiner provokanten Art war der Name genial. Manche waren begeistert, andere wiederum erschauderten. „In frühen Interviews machte MC Ren sich die unterschiedlichen Voraussetzungen zunutze und verleitete Reporter, so auch mich, dazu, ein Wort auszusprechen, das manche nicht einmal stammeln konnten“, schrieb Jonathan Gold. „Wenn du den Köder geschluckt hast, warst du ein Rassist. Und wenn nicht, so wie ich, ein Weichei. Es gab nichts dazwischen.“ Eazy hielt die Zügel in der Hand. Inzwischen hatte er sich völlig vom Drogengeschäft verabschiedet und teilte seine Zeit zwischen seinen Solo-Projekten und N.W.A auf. Die erste EP der Gruppe mit dem Titel Panic Zone erschien 1987 und enthielt zwei Songs, die Geschichte schreiben sollten, sowie einen weiteren, der das nicht tat. „8 Ball“ war eine Ode an Olde English 800, eine Starkbiermarke. I don’t drink Brass Monkey legt Eazy los, eine direkte Antwort auf den Lobgesang der Beastie Boys auf ihr bevorzugtes Elixier (tatsächlich bediente sich der Song sogar eines Samples von „Fight For Your Right“ der weißen New Yorker). Interessanterweise tranken damals weder Eazy noch der Autor des Songs, Ice Cube. Sir Jinx verriet, dass seine Flasche mit Apfelsaft gefüllt war, wenn Eazy auf Konzerten dem Publikum zuprostete.

      Auch „Dope Man“ stammte aus Ice Cubes Feder und nahm den zukünftigen Sound sowie das Image der Gruppe vorweg. Hier brachte Dr. Dre zum ersten Mal den „funky worm“ zum Einsatz, jenen unwiderstehlichen, hohen Moog-Synthie-Sound, dessen Name die Siebzigerjahre-Funk-Band Ohio Players geprägt hatte. „Dope Man“ glorifizierte und verdammte abwechselnd den Drogendealer und seinen Lifestyle und endete mit einer Warnung aus dem Mund des mexikanisch-amerikanischen Rappers Krazy Dee: You sold crack to my sister and now she’s sick/ But if she happens to die because of your drug/ I’m putting in your culo a .38 slug!

      Die erste Single von N.W.A war aber der Electro-Track „Panic Zone“, ein apokalyptischer Bericht aus den raueren Vierteln von Los Angeles:

      Ice Cube is from L.A., he’s in the panic zone Eazy-E is from Compton, he’s in the panic zoneArabian Prince from Inglewood, he’s in the Panic Zone.

      Obwohl er ein lokaler Hit war, ist er heute fast in Vergessenheit geraten. Die Roboter-Stimmen hatten schon ausgedient und wurden von, nun ja, Gangsta-Songs wie „The Boyz-N-The-Hood“ abgelöst. Um Kapital aus der wachsenden Popularität von N.W.A zu schlagen, stellte Macola ein Album mit dem Titel N.W.A and the Posse zusammen. Das geschah aber ohne die Zustimmung der Gruppe, womit es zur bizarren Situation kam, dass die Band sich über ihre eigene Platte das Maul zerriss. „Diese Platte war echt schlechter Shit“, fand MC Ren.

      Egal, Posse funktionierte als gelungene Compilation der frühen Arbeiten der Gruppe. Neben den Songs von Panic Zone tummelten sich hier unter anderem noch „Boyz“ sowie „Fat Girl“, bei dem Eazy und Ron-De-Vu die mollige Titelfigur hochleben ließen, oder auch die humoristisch-misogyne Nummer „A Bitch Iz A Bitch“, die Cubes Einstellung zu Mädchen zum Ausdruck brachte, die nicht nach seiner Pfeife tanzten.

      Garantierter Reichtum

      Heute kennt man N.W.A and the Posse vermutlich vor allem wegen des Plattencovers, einer Achtzigerjahre-Momentaufnahme, die ein knappes Dutzend Leute aus dem engeren Umfeld der Band ins rechte Licht rückte, wie sie vor einer mit Graffiti und Müll übersäten Kulisse in der Nähe der Macola-Fabrik in Hollywood den wilden Mann markierten.

      Das Album rückte außerdem ein weiteres außergewöhnliches Talent in den Vordergrund – Tracy Curry, einen Rapper aus Dallas, der auf Posse mit einer Gruppe namens Fila Fresh Crew zu hören war. Ihr Beitrag umfasste die Alk-Ode „Drink It Up“ (eine beduselte Parodie auf „Twist and Shout“) sowie den Track „Dunk the Funk“, bei dem Curry seine beachtlichen Rap-Skills besonders behände unter Beweis stellen durfte. Seine textliche Akrobatik glich nichts, was man bis dahin an der Westküste gehört hatte. Außerdem stellte sich heraus, dass Curry auch ein meisterhafter Songwriter war. Curry wurde N.W.A von Dr. Rock vorgestellt, einem DJ aus L.A. und ehemaligen Mitglied der World Class Wreckin’ Cru. (Dre hatte Rocks Position in der Gruppe geerbt, als dieser zum Studieren nach Austin umzog. Später machte er sich als Radiopersönlichkeit beim Sender K-104 in Dallas einen Namen.) Rock hatte Currys Performance auf einer Party in Dallas gesehen. „Ich war hin und weg“, erzählt Rock. „Ich wollte den Jungen auf Platte pressen.“ Curry nannte sich ursprünglich Doc, da die Schwester eines Rap-Kollaborators als Labortechnikerin arbeitete, und er fand, dass er gut in ihrem Kittel aussah. Später begann er, sich selbst D.O.C. zu nennen. Die Punkte ergänzte er, um eine Assoziation zu N.W.A zu wecken. Fürs Erste schloss er sich aber Dr. Rock und einem gewissen Fresh K an, um gemeinsam als Fila Fresh Crew in Aktion zu treten. Dre, der Tracks mit ihnen aufnahm, von denen welche auf N.W.A and the Posse landeten, war hingerissen. „Er sagte: ‚Nigga, du bist echt der Shit‘“, berichtete D.O.C. „‚Wenn du an die Westcoast kommst, dann garantiere ich, dass du reich wirst.‘“ D.O.C. zog schon bald nach Compton um und wohnte fortan in einem Haus hinter der Centennial High School, das einem Bekannten aus Dallas gehörte. Bald darauf kratzte Dre genug Geld zusammen, um aus Sir Jinxs Haus auszuziehen, und bezog ein Apartment mit zwei Schlafzimmern in Paramount, östlich von Compton. DJ Yella zog ebenso ein. Die beiden ließen von nun an D.O.C. auf dem Fußboden ihres leerstehenden Wohnzimmers schlafen. Trotz der spartanischen Umstände – D.O.C. hatte gerade einmal einen Schlafsack – freundeten sich die Jungs immer besser an. „Dass wir beide gerne tranken, war meine erste echte Gemeinsamkeit mit Dre“, verriet D.O.C. Am Morgen überwanden sie den Kater und fuhren in einem arg mitgenommenen Toyota Corolla, in dem Public Enemy in voller Lautstärke dröhnte, ins Studio. Audio Achievements in Torrance teilte sich ein Gebäude mit einem mexikanischen Restaurant und gehörte einem freundlichen, langhaarigen Studiotechniker namens Donovan „The Dirt Biker“ Smith.

      Im Studio ging D.O.C. im Handumdrehen in der Ruthless-Crew auf und wurde ein inoffizielles Mitglied von N.W.A Seine erste Aufgabe bestand darin, Texte zu Eazys Solo-Song „We Want Eazy“ zu verfassen. Es war tatsächlich

Скачать книгу