Herzensöffnung (2): Versöhnung. Hero Leander
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Читать онлайн книгу Herzensöffnung (2): Versöhnung - Hero Leander страница 3
„Aber von den Familien waren gestern gar nicht alle bei der Feier“, gab Olaf zu bedenken.
„Dann hatten sie vielleicht ein ähnliches Problem wie ihr. Umso mehr werden sie sich freuen.“ Zu Eva gewandt sagte Wolfram: „Eva, du bist doch schon groß. Sage bitte, dass es von gestern übrig ist und wir uns sehr freuen würden, wenn sie dieses Geschenk annehmen würden. Und ihr, Laura und Gerda, helft ihr bitte dabei. Wir müssen die leckeren Sachen sonst wegwerfen. Sagt ihnen das.“
Er nahm die Kinder mit zum Auto, gab den großen vier Pakete und nahm noch einmal vier Pakete mit ins Haus. Die Kinder liefen los – zumindest die drei großen wussten ja, wo jeder wohnt.
Im Haus gab er Ivonne noch ein Paket und sagte: „Es sind einfach zu viele. Da müsst ihr uns noch eins abnehmen. Für Marias Eltern liegen auch noch zwei im Auto.“
Die anderen drei Pakete legte er in der Küche ab. Hier fragte Ivonne: „Stimmt es, dass … wie soll ich das sagen? Gerda sagte mir, dass Sie gar nichts anhatten, als sie mit Ihren Mädchen zu Ihnen ins Schlafzimmer gekommen sind. Das hätte ich von Ihnen und vor allem von Maria nicht gedacht.“
„Ivonne, wir klären das besser mit Olaf und Maria. Ich möchte nicht, dass hier ein völlig falsches Bild entsteht.“ Sie nickte und ging mit Wolfram ins Wohnzimmer. Hier erzählte Wolfram, was sich am Morgen im Schlafzimmer abgespielt hatte. „Ihr dürft das nicht falsch verstehen. Wir machen solche Späße öfters zu Hause in Deutschland. Bitte glaubt jetzt nicht, dass es bei uns irgendwie anstößig zugeht. Ich weiß, wie man hier denkt, und das heute Früh war auch so nicht geplant. Wir hatten im Spiel einfach nicht daran gedacht, dass eure Kinder das nicht gewöhnt sind. Wir leben etwas offener als ihr hier. Das heißt aber nicht, dass es deshalb anstößiger ist. Seht mal, bei uns gibt es Badestrände, wo die Menschen sich völlig ausziehen. Das ist legal und immer noch seriös. Auch wird dort niemals eine Frau belästigt oder gar bedrängt. Selbst wenn sie allein am Strand ist. Das mag für euch jetzt unverständlich erscheinen, aber glauben Sie mir, es geht an diesen Stränden genauso anständig zu wie an allen anderen Stränden. Vielleicht etwas reservierter. Auch hier in Norwegen soll es solche Strände geben.“
Ivonne schüttelte den Kopf. „Das soll anständig sein?“
Wolfram gab zu bedenken: „Denkt mal an Adam und Eva im Paradies. War das etwa unanständig?“
„Aber das war doch etwas ganz anderes“, verteidigte Olaf seine Frau.
Nun mischte sich auch Maria ein: „Wirklich? Sie haben sich vor Gott und auch vor sich selbst nicht schämen müssen. Warum tun wir es dann? Vor allem vor unseren Kindern?“
Dass Maria diese Sache verteidigte, hatten Olaf und Ivonne nicht erwartet.
„Diese Ausnahme gibt es nur beim Baden oder zu Hause in der Familie“, fügte Wolfram hinzu, um das Thema abzuschließen, bevor die Kinder wiederkamen. „Und auch nicht alle Deutschen denken so. Aber ungefähr ein Drittel der Deutschen lebt so. Das hat sich im Laufe der letzten hundert Jahre entwickelt. Waren es damals noch viel weniger Leute, werden es heute immer mehr. Ich finde es für die Kinder gut, wenn sie in diesem Punkt etwas freier groß werden. Bitte versucht das zu verstehen. Niemand verlangt von euch, dass ihr genauso denkt. Vielleicht werdet ihr uns mal in Deutschland besuchen. Dann könnt ihr sehen, dass alles so ist, wie wir es beschrieben haben.“
„Wie sollen wir jemals nach Deutschland kommen?“, fragte Olaf. „Das scheitert schon am Geld für die Überfahrt.“
Wolfram schüttelte mit dem Kopf. „Olaf, Sie haben etwas Wichtiges vergessen. Sie arbeiten seit heute für die gleiche Firma wie ich, Maria und auch Andrea. Sie können nicht wissen, ob die Firma Sie mal einlädt, um ihre neuen Mitarbeiter kennenzulernen. Und wenn nicht, dann werden wir das vielleicht tun. Wir müssen unser Gespräch nun aber unterbrechen. Ich sehe gerade, dass die Kinder wiederkommen.“
Die Kinder stürmten ins Haus und erzählten so durcheinander, dass keiner etwas verstehen konnte. Als sie sich etwas beruhigt hatten, fragte Maria: „Hat es Probleme gegeben, Eva?“
„Nur bei Göteborgs. Alle anderen haben sich gewundert, haben das Paket aber genommen.“
„Und was war bei Göteborgs?“, fragte Maria ihre große Tochter.
„Sie wollten erst gar nicht, weil sie doch gestern auch nicht mit zur Feier waren. Da hat Laura gesagt, dass wir das Essen jetzt wegwerfen müssen, weil wir noch so viel haben, dass wir das nicht alles selber essen können. Dann haben es Göteborgs auch genommen und haben uns aufgetragen, dass wir ausrichten sollen, dass sie sich sehr dafür bedanken.“
Daraufhin meinte Wolfram zu Laura: „Das hast du ganz toll gemacht. Ich bin stolz auf dich.“
Man konnte richtig zusehen, wie Laura dabei mindestens um einen Zentimeter wuchs.
„Nun fehlen noch die restlichen drei Pakete. Schafft ihr das noch?“, fragte Wolfram.
„Ja, draußen ist doch schönes Wetter.“ Und raus waren alle fünf, um die letzten Pakete zu verteilen.
„Den Göteborgs geht es noch schlechter als uns. Es ist erstaunlich, dass sie das Paket dann doch genommen haben. Trotz ihrer Bescheidenheit sind sie sehr stolz“, sagte Ivonne.
Da meinte Wolfram zu Olaf: „Können Sie die Göteborgs überzeugen, dass sie heute Nachmittag zur Info-Veranstaltung kommen? Gerade für sie wäre es dann interessant.“
„Ich kann es nur versuchen“, erklärte er. „Aber ich weiß ja selbst nicht, worum es geht.“
„Olaf“, begann Wolfram. „Ich möchte den Tourismus nach Håp Land bringen. Nur in dieser Branche habt ihr hier eine Chance. Industrie wird sich hier nie ansiedeln. Dafür ist die Gegend zu abgelegen. Aber genau das könnte Touristen interessieren. Ein zweites Hotel wäre aber das Dümmste, was euch hier passieren kann. Es bringt nur wenig Arbeitsplätze, aber verschandelt die Gegend. Das eine Hotel stört schon in der Landschaft. Ich möchte euch helfen, dass jeder von euch an den Touristen verdienen kann, ohne dabei zu investieren. Eure Investition wäre nur Geduld, sonst nichts. Glaubt mir, es ist ein faires Angebot. Wer aber nicht will, den wird niemand drängen. Mehr möchte ich jetzt dazu nicht sagen. Heute Nachmittag erfahren Sie es ganz konkret.“
„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das funktionieren soll“, sagte Olaf ganz ehrlich.
„Das glaube ich“, antwortete Wolfram. „Aber ich möchte nicht den ganzen Vortrag zweimal halten. Bitte haben Sie dafür Verständnis.“ Olaf nickte.
Jetzt kamen auch die Kinder von ihrer Verteilertour zurück. „Diesmal haben es alle genommen“, sagte Gerda zu ihrem Vater.
Nun fing Maria an zu drängeln. „Wolfram, wir wollen zum Mittagessen drüben bei den Eltern sein.“
Sie standen auf und Ivonne gab Maria das Kleid und die Kette zurück. Dazu sagte sie: „Es ist ein wunderschönes Kleid und es trägt sich auch herrlich. So ein Kleid wünsche ich mir auch. Und sag bitte deiner Schwester noch einmal Danke für die Kette.“
Da antwortete Maria: „Das Kleid ist ein Geburtstagsgeschenk von Wolfram gewesen. Ich hatte es auf dem Standesamt an.“
„Und trotzdem hast du es mir geliehen?“, fragte Ivonne verwundert. Sie umarmte Maria wie eine Schwester und bedankte sich noch dreimal.
Als