Al Qanater. Hannes Führinger

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Al Qanater - Hannes Führinger

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mehr, wo wir das Personal hernehmen sollten. Die Aufträge flogen uns zu. Die Ausrüstungen kauften wir jeweils von den Anzahlungen, die wir von den Reedereien erhielten.

      Mein Plan bestand nun darin, meine engsten Mitarbeiter so weit auszubilden, dass sie Einsätze leiten konnten. Doch bis es so weit war, musste ich noch als Koordinator mitkommen. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn in meiner Abwesenheit etwas schiefgegangen wäre.

      »Nur ein Wort von dir und wir fahren wieder heim«, sagte Lisa, als sie mich dieses Mal zum Flughafen brachte. Sie hatte den Wagen eben geparkt und wir saßen schon eine Weile schweigend da. Obwohl wir wegen meines Reisepasses noch einmal umkehren mussten, hatte ich noch genug Zeit.

      Ich starrte aus dem Fenster zum Terminal und beobachtete das geschäftige Treiben und die Reflektion der Sonne auf den Glaswänden. Es fiel mir schwer, Lisa zurückzulassen. »Es ist das letzte Mal«, sagte ich, als sie meine Hand nahm. »Ehrenwort. Das ist der letzte Auftrag, bei dem ich selbst mitfliege.«

      Sie zog ihre Hand zurück. »Das hast du bei den letzten beiden Malen auch gesagt.«

      Sie hatte recht. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte, also schwieg ich. Doch diesmal stimmte es. Dieser Auftrag würde mein letzter sein. In wenigen Tagen würde ich zurück sein, und dann würde alles noch besser werden.

      3

      Der Auftrag, der mich jetzt zum Port Suez führte, hatte eine Vorgeschichte. Im Oktober 2011 hatte mich eine italienische Reederei kontaktiert. Ihre Betreiber waren verzweifelt gewesen. Piraten hatten eines ihrer Schiffe, die MV Montecristo, gekapert und entführt. Die MV Montecristo war ein Kombitanker, der normalerweise Öl und Gas transportierte. Zum Zeitpunkt der Entführung hatte das Schiff Alteisen geladen. Doch auch in diesem Fall ging es den Piraten nicht um die Fracht, sondern um das Lösegeld. Sie verlangten zehn Millionen Dollar.

      Wegen des auf Schiffen geltenden Hoheitsrechtes des Landes, unter dessen Flagge sie unterwegs sind, sowie aus versicherungstechnischen Gründen ist ein Einsatz militärischer Schiffe in solchen Fällen problematisch. Deshalb beauftragte die Reederei uns mit der Befreiung der MV Montecristo.

      Edward und ich lasen die Baupläne und alle verfügbaren Informationen über die Crew, die Ladung und den Kurs. Der Massengutfrachter war größer als zum Beispiel die Warnow Star. Er maß fast 290 Meter und konnte 180.000 Tonnen laden.

      Als wir unser Team beisammen hatten, legten wir ein Datum für den Einsatz fest. Doch wenige Tage vor unserer Abreise konnte die Crew die Steuerung der MV Montecristo deaktivieren. Der Tanker lief geradewegs einem NATO-Schiff in die Quere. Da Italien NATO-Mitglied ist, bekam das Schiff grünes Licht für den Einsatz und befreite den Frachter. In den Zeitungen war dann von einer Anti Piracy Operation der NATO die Rede.

      Unsere Befreiungsaktion war damit hinfällig, doch die Italiener mochten die Art, wie wir an die Sache herangegangen waren. Sie wollten uns für weitere Aufträge buchen. Der erste Einsatz stand nun an.

      Das Schiff hieß Four Smile. Die noch traumatisierte Crew der MV Montecristo sollte die Four Smile von Port Suez in Ägypten nach Sri Lanka bringen. Für zusätzlichen Schutz und zur besseren Überwindung der Sprachbarriere sollten auf Wunsch der Reederei auch italienische Sicherheitsleute an Bord sein. Der Einsatz musste professionell und reibungslos verlaufen, schon damit sich die Crew sicher fühlte.

      Meine Aufgabe bestand darin, der Crew unser Sicherheitskonzept möglichst überzeugend darzulegen. Ich sollte ihr Vertrauen gewinnen. Das war der Hauptgrund, warum ich nach Ägypten mitflog. Bei der Gelegenheit konnte ich gleich einen neuen Teamleader einschulen. Er hieß Karl und hatte sich über eines der Netzwerke privater Sicherheitsfirmen bei uns gemeldet. Seine Erfahrungen im maritimen Bereich kamen uns gelegen. Als ich am Flughafen Wien Schwechat ein letztes Mal an Lisas Haaren gerochen hatte, machte ich mich auf die Suche nach ihm.

      Wir hatten 11 Uhr vereinbart, doch es war erst 10.50 Uhr. Ich ließ mich auf eine Bank sinken. Ich hatte in den vergangenen drei Tagen kaum geschlafen. Drei unserer Teams waren gerade auf hoher See und brauchten Betreuung. Ein Team war angegriffen worden und benötigte Munition, ein anderes durchquerte gerade den indischen Ozean, der im gesamten Bereich zwischen Indien und Afrika als rote Zone markiert ist. Ich musste dabei ständig mit der indischen Botschaft in Wien Kontakt halten. Denn bis zwölf Meilen vor der Küste reicht das Hoheitsgebiet des jeweiligen Landes, und wenn dort Privatpersonen mit Waffen unterwegs sind, kann es immer zu Komplikationen kommen. Außerdem musste ich die nötigen Papiere für Karl besorgen. Er würde bei dem Einsatz auf der Four Smile der Waffenoffizier sein.

      Im Kopf ging ich noch einmal alles durch. Wir waren gut vorbereitet. Als Bewaffnung für das Team hatte ich wie meist in solchen Fällen vier Mosin-Nagant-Gewehre aus russischer Produktion gewählt. Die Waffen waren Baujahr 1938 und hatten ein Magazin mit fünf Schuss.

      Bei Auftraggebern und auch bei den Teams selbst stieß meine Waffenwahl regelmäßig auf Verwunderung. Dabei hatte sie pragmatische Gründe. Wir brauchten schweres Kaliber, um die Motorblöcke der Piratenboote zerstören zu können. Da auf hoher See meist Wind wehte, war auch die Treffsicherheit mit schweren Geschossen höher. Zudem mussten die Waffen leicht zu warten sein. Ersatzteile, die wir eventuell benötigten, mussten wir auf einem Schiff selbst herstellen können. Während moderne Gewehre bei jedem Defekt nutzlos werden, kann für die Ersatzteile der alten Mosin-Nagant-Gewehre jeder Schlosser oder Schiffsmechaniker sorgen.

      Diese alten russischen Gewehre hatten noch einen anderen Vorteil. Sie waren Repetiergewehre. Wer sie benutzte, musste nach jedem Schuss eine neue Patrone aus dem Magazin laden. Das zwang meine Teams dazu, im Ernstfall eine gewisse Feuerdisziplin einzuhalten. Repetieren, anlegen, zielen, schießen. Diese Vorgehensweise reduzierte den Munitionsverschleiß. Was insofern von Bedeutung war, als Fluglinien die Mitnahme von höchstens fünf Kilo Munition genehmigten.

      Unsere Mosin-Nagant-Gewehre waren nicht mehr im Originalzustand. Ich hatte jedes davon modifiziert. Ich hatte die Läufe gekürzt und gekront, das heißt, ich hatte einen neuen Laufabschluss angebracht, damit der Umbau die Ballistik nicht beeinträchtigte. Außerdem hatte ich eine Schiene für ein Zielfernrohr montiert und eine Spiegelreflex-Optik aufgesetzt. So hatte ich aus ein paar alten russischen Karabinern leicht zu handhabende, effiziente und robuste Jagdgewehre gemacht.

      In den Koffern, die ich mit nach Ägypten nahm, befanden sich außerdem je eine kugelsichere Weste für jedes Team-Mitglied, Nachtsichtgeräte, GPS-Ortungsgeräte und eine Kommunikationsausrüstung mit Satellitentelefonen. Wie immer hatte ich die ägyptische Botschaft in Wien über unsere Reise nach Kairo informiert. Waffentransporte sind immer heikel und ich wollte Missverständnissen vorbeugen.

      Die Kommunikation mit der Botschaft hatte sich als kompliziert genug erwiesen. Zuerst war meine zuständige Kontaktperson nicht da gewesen, dann hatte ein anderer Mitarbeiter den notwendigen Bescheid für den Waffentransport unterschrieben. Ich hatte, wie es üblich war, der Waffen wegen um einen Transport vom Flughafen Kairo zum Port Suez gebeten, doch bis zuletzt keine Antwort erhalten. Ich war gezwungen gewesen, Lisas Ex-Freund Ralf um Hilfe zu bitten. Ralf, ein Salzburger, hatte aufgrund von Import- und Export-Geschäften gute Kontakte in Kairo. Er hatte sich bereit erklärt, beim ägyptischen Innenministerium zu intervenieren.

      Nun sollte alles in Ordnung sein. Doch als ich auf der Bank am Flughafen saß und die Organisation des Einsatzes Revue passieren ließ, bekam ich ein mulmiges Gefühl. Ich hatte auf Ralfs Vermittlung via Skype mit einem ägyptischen Polizisten gesprochen, der mir gegen eine Gebühr von 2.500 Euro den sicheren Transport von uns und unseren Waffen zum Port Suez zugesagt hatte. Er trug eine weiße Uniform mit drei goldenen Sternen, also eine Offiziersuniform, und stellte sich als Mohamed Diab vor. Eine Gebühr in dieser Höhe war durchaus üblich und deshalb Teil meiner Kalkulation. Ich hatte bei anderen Einsätzen ähnliche Summen für den Transit

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