Das Evangelium nach Lukas. Ambrosius von Mailand

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Das Evangelium nach Lukas - Ambrosius von Mailand Die Schriften der Kirchenväter

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die Frucht der Erlösung.

       42.

      [Forts. ] Doch niemand spanne die ganze Gestalt der Gottheit in den engen Rahmen des Leiblichen! Anders ist die Natur des Fleisches, anders der Gottheit Herrlichkeit. Deinetwegen ist er Schwachheit, in sich Kraft; deinetwegen Dürftigkeit, in sich Reichtum. Urteile nicht nach dem Augenschein, erkenne vielmehr deine Erlösung! Daß er in Windeln liegt, siehst du, daß er im Himmel ist, nicht; des Kindes Wimmern hörst du, des Rindes Brüllen nicht, das den Herrn erkennt; denn „es erkennt das Rind seinen Eigentümer und der Esel die Krippe (praesepe) seines Herrn"327, oder vielmehr ‚praesepium', wie ich nach der Lesart des Übersetzers328 hätte sagen sollen; mir liegt nämlich an einer unterschiedlichen Ausdrucksweise nichts, solange sie keine Sinnverschiedenheit einschließt. Denn wenn schon einer von jenen Rednern, die dem äußeren Redeprunk nachhängen, betonte, die Geschicke Griechenlands hingen nicht davon ab, ob man sich dieser oder jener Redeweise bediene, es sei vielmehr auf die Sache zu sehen329; wenn selbst Philosophen in Zirkeln, die ganze Tage in Streitreden vergeuden, weniger die im Lateinischen gebräuchlichen Wendungen gebrauchten, um sich lieber der eigenen zu bedienen, wieviel mehr sollten wir vom Wortlaut absehen und das Augenmerk auf die Geheimnisse lenken, für deren Wiedergabe die Zweckdienlichkeit des Ausdruckes entscheidend ist, weil die göttlichen Wunderwerke keineswegs im Glanze schöner Worte, sondern im Lichte ihrer Wahrheit aufstrahlten! So gab auch jener Eselin im übertragenen Sinn die heilige Krippe nicht Scheingenuß, sondern den Reingenuß natürlicher Speise zu kosten.

       43.

      Das ist der Herr, das die Krippe, durch welche uns das göttliche Geheimnis kund getan ward, daß die Heiden, die nach Brauch unvernünftiger Tiere an Krippen lebten, mit der Fülle heiliger Nahrung gesättigt werden sollten. Es erkannte die Eselin, das Bild und der Typus der Heiden, die Krippe ihres Herrn. Und darum ruft sie aus: „Der Herr ist mein Hirt, und nichts wird mir mangeln"330. Oder sind es etwa schwache Anzeichen, die ihn als Gott erweisen? Engel dienen331, Weise beten an332, Märtyrer bekennen333. Aus dem Mutterschoße kommt er hervor, doch aus dem Himmel strahlt er; in irdischer Herberge liegt er, doch in himmlischem Lichte glänzt er; eine Vermählte hat ihn geboren, doch eine Jungfrau empfangen; eine Vermählte ihn empfangen, doch eine Jungfrau ihn geboren. Der heilige Matthäus nämlich belehrte uns über dieses nicht geringe Geheimnis, das der heilige Lukas, weil bereits erschöpfend dargelegt, stillschweigend übergehen zu dürfen glaubte; er hielt sich für reich genug bedacht, wenn er von allen Dingen die Krippe des Herrn sein eigen nennen dürfe.

       44.

      Jenem Kindlein nun, das du in deinem Unglauben für ein gewöhnliches hältst, gingen die Weisen aus dem Morgenlande eine so weite Wegstrecke nach, „fielen nieder und beteten an", nannten es König und bezeugten, indem sie von ihren Schätzen Gold, Weihrauch und Myrrhe darbrachten, seine künftige Auferstehung334. Welches sind nun diese Gaben des wahren Glaubens? Das Gold gilt dem König, der Weihrauch dem Gotte, die Myrrhe dem Toten. Etwas anderes nämlich ist das Abzeichen des Königs, etwas anderes das Opfer der göttlichen Macht, etwas anderes ein ehrendes Begräbnis, das den Leib des Toten nicht der Verwesung anheimgeben, sondern davor bewahren soll. Auch wir, Brüder, wollen, da wir dies hören und lesen, von unseren Schätzen solche Gaben hervorlangen! Denn „wir haben einen Schatz in irdenen Gefäßen"335. Wenn du nun schon an dir, was du bist, nicht nach dir, sondern nach Christus beurteilen mußt, wieviel mehr mußt du an Christus nicht was dein, sondern was Christi ist, beurteilen!

       45.

      [Forts. ] Die Weisen bringen von ihren Schätzen Gaben dar. Wollt ihr wissen, einer wie schönen Auszeichnung sie gewürdigt wurden? Der Stern ist nur für sie sichtbar, wo Herodes haust, unsichtbar; wo Christus weilt, wird er wiederum sichtbar und weist den Weg. So ist dieser Stern also Weg, der Weg Christus336, weil Christus im Geheimnisse der Menschwerdung der Stern ist; denn „ein Stern wird aufgehen aus Jakob, und ein Mann aufstehen aus Israel"337. So ist denn, wo Christus ist, auch der Stern; denn er ist „der helleuchtende Morgenstern"338. Mit dem eigenen Lichte weist er sonach auf sich.

       46.

      [Forts. ] Vernimm eine weitere Lehre! Auf einem anderen Wege kamen die Weisen, auf einem anderen kehren sie zurück. Nachdem sie nämlich Christus geschaut, Christus erkannt hatten, traten sie besser fürwahr, als sie gekommen waren, den Rückweg an. Zwei Wege gibt es ja, einen, der zum Verderben führt, einen, der zum Reiche führt339. Jener ist der Sündenweg, der zu Herodes führt, dieser Weg ist Christus, auf dem man ins Vaterhaus zurückgelangt; denn hier ist nur ein vorübergehendes Verweilen, wie geschrieben steht: „Gar lange schon war meine Seele (in der Fremde) weilend"340. So laßt uns denn dem Herodes, dem vorübergehenden Träger weltlicher Macht, aus dem Wege gehen, um zur ewigen Wohnstätte des himmlischen Vaterlandes zu gelangen!

       47.

      Nicht Auserlesenen allein sind diese Belohnungen vorgesetzt, sondern allen, weil „alles und in allen Christus ist"341. Du siehst nämlich, wie nicht umsonst unter den Chaldäern, die in der Zahlenlehre für besonders bewandert gelten, Abraham „Gott glaubte", oder wie die Magier, ob sie auch mit magischen Künsten die Gottheit sich zu versöhnen strebten, an die Geburt des Herrn auf Erden glaubten. Nicht umsonst, sage ich: es sollte vielmehr von den Feindesvölkern ein Zeugnis für die heilige Religion, ein Beispiel der Gottesfurcht gewonnen werden.

       48.

      [Forts. ] Doch wer anders sind diese Weisen als, einer geschichtlichen Überlieferung342 zufolge, Abkömmlinge Balaams, von dem geweissagt ward: „Ein Stern wird aufgehen aus Jakob". Sie sind demnach nicht weniger Erben seines Glaubens als seines Blutes. Er schaute den Stern im Geiste, sie schauten ihn mit den Augen und glaubten. Sie hatten einen neuen Stern geschaut, wie er seit der Erschaffung der Welt nicht geschaut war, hatten ein neues Schöpfungswerk geschaut und suchten nicht allein auf Erden, sondern auch im Himmel nach der Gnade des neuen Menschen der Weissagung des Moses gemäß: „Ein Stern wird aufgehen aus Jakob, und ein Mann aufstehen aus Israel". Und sie erkannten, daß dies ein Stern sei, der einen Menschen und Gott zugleich bezeichnet. Sie beteten das Kindlein an. Sie würden es gewiß nicht angebetet haben, hätten sie ein bloßes Kindlein vermutet. Der Magier sieht das Ende seiner Künste nahen, du nun wolltest das Erscheinen der Gnadengaben für dich nicht einsehen? Jener bekennt Unbekanntes, du wolltest Verheißenes nicht erkennen? Jener glaubt zu seinem Nachteil343, du wolltest nicht zu deinem Besten dich für den Glauben entscheiden?

       49.

      Die Geburt eines Königs kündigen die Weisen an. Herodes erschrickt. Er versammelt die Schriftgelehrten und die Hohenpriester und fragt, wo Christus erscheinen werde. Die Weisen kündigen nun einen König an, Herodes fragt nach Christus. Er legt sonach über den König, nach welchem er fragt, ein Bekenntnis ab. Das Forschen nach dem Orte seiner Geburt beweist ferner seine Vorherverkündigung; denn man würde unmöglich nach ihm geforscht haben, wäre er nicht angekündigt worden. O verblendete Juden! Ihr glaubt nicht an die Ankunft dessen, den ihr mit Augen seht; ihr glaubt nicht an die Ankunft dessen, von dem ihr sagt, er werde kommen. „Verkündet es mir, damit auch ich komme und es anbete!"344 Herodes stellt ihm zwar nach, aber seine Gottheit leugnet er nicht; er hebt ja seine Anbetungswürdigkeit hervor. Ferner befiehlt er die Tötung der Kinder: wem anders aber als Gott gebührte ein solches Schlachtopfer? Noch fehlt dem Kindesalter das Verständnis, und dennoch bekennt es Gott, für den es hingeschlachtet wird. Diese kurzen Angaben aus Matthäus wollten wir deshalb streifen, damit klar ersichtlich werde, daß es den Kindheitstagen (Jesu) durchaus nicht

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