Die Nacht von Lissabon / Ночь в Лиссабоне. Книга для чтения на немецком языке. Эрих Мария Ремарк
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![Die Nacht von Lissabon / Ночь в Лиссабоне. Книга для чтения на немецком языке - Эрих Мария Ремарк Die Nacht von Lissabon / Ночь в Лиссабоне. Книга для чтения на немецком языке - Эрих Мария Ремарк Moderne Prosa](/cover_pre320726.jpg)
1) Warum beneideten Schwarz und der Ich-Erzähler die russischen Emigranten?
2) Welchen Eindruck machte auf Schwarz seine Heimat (die Landschaft und die Menschen)?
3) Erzählen Sie über den Vorfall auf dem Bahnhof (mit den Zigaretten).
4) Was fühlte Schwarz, als er im Telefonbuch die veränderte Adresse sah? Warum kam ihm der ganze Irrsinn seines Unternehmens zum Bewusstsein?
5) Was meinen Sie, warum rief Schwarz nicht seine Frau, sondern seinen Freund Martens an?
Texterläuterungen
Nansenpass, auf Anregung von Fridtjof Nansen (norweg. Polarforscher, Zoologe, Ozeanograph und Diplomat) vom Völkerbund geschaffener Ausweis als Passersatz für Staatenlose, zunächst für russische, später auch für andere Flüchtlinge
Retourbillett das, Rückfahrkarte
SS, Abkürzung für Schutzstaffel, nationalsozialistische Gliederung, 1925 aus der SA abgesondert, seit 1929 unter H. Himmler zu einem innenpolitischen und militärischen Kampfverband entwickelt
Mata Hari, eigentlich Margaretha Zelle, niederländische Tänzerin, *1876, †1917; in Paris als deutsche Spionin erschossen
May, Karl, deutscher Erzähler *1842, †1912; schrieb spannende Erzählungen, die meist unter den Indianerstämmen Nordamerikas oder im Vorderen Orient spielen
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„Das Wartezimmer war leer. Pflanzen mit langen, ledrigen Blättern standen auf einer Etagere am Fenster. Auf dem Tisch lagen Magazine, deren Titelblätter Bonzen des Regimes, Soldaten und eine Abteilung Hitlerjugend beim Marsch zeigten. Dann hörte ich rasche Schritte. Martens stand in der Tür. Er starrte mich an, nahm die Brille ab und blinzelte. Das Licht im Wartezimmer war schwach. Er erkannte mich nicht sofort, wahrscheinlich wegen des Schnurrbartes.
„Ich bin es, Rudolf, sagte ich. „Josef.“
Er hob die Hand, ich solle schweigen. „Wo kommst du her?“ flüsterte er.
Ich hob die Schultern. Wozu war das wichtig? „Ich bin hier“, sagte ich. „Du musst mir helfen.“
Er blickte mich an. Seine kurzsichtigen Augen in dem schwachen Licht wirkten wie die eines Fisches hinter einem dicken Aquariumglas. „Hast du Erlaubnis, hier zu sein?“
„Nur von mir selbst.“
„Wie bist du über die Grenze gekommen?“
„Das ist doch gleichgültig. Ich bin hierhergekommen, um Helen zu sehen.“
Et starrte mich an. „Dazu bist du gekommen?“ „Ja“, sagte ich.
Ich fühlte mich plötzlich ruhig. Ich war es nicht gewesen, solange ich allein war. Jetzt war auf einmal alle Erregung geschwunden, weil ich überlegte, wie ich den überraschten Menschen vor mir beruhigen konnte.
„Dazu?“ fragte er noch einmal.
„Ja, dazu. Und du musst mir helfen.“
„Mein Gott!“ sagte er.
„Ist sie tot?“ fragte ich. „Nein, sie ist nicht tot.“
„Ist sie hier?“
„Ja. Sie war hier. Wenigstens noch vor einer Woche.“
„Können wir hier sprechen?“ fragte ich.
Martens nickte. „Ich habe die Empfangsschwester weggeschickt. Wenn Patienten kommen, kann ich sie auch wegschicken. Ich kann dich nicht in meine Wohnung nehmen. Ich habe geheiratet. Vor zwei Jahren. Du verstehst…“
Ich verstand. Man konnte seit langem im Tausendjährigen Reich* auch seinen Verwandten nicht mehr trauen. Denunziationen* wurden täglich von den Rettern Deutschlands als nationale Tugend herausgeschrien. Ich kannte das selbst. Der Bruder meiner Frau hatte mich denunziert.
„Meine Frau gehört nicht zur Partei,“ sagte Martens hastig. „Aber wir haben nie über einen Fall“ – er bückte mich verwirrt an – „gesprochen wie diesen jetzt hier. Ich weiß nicht genau, wie sie darüber denken würde. Komm hier herein.“
Er öffnete die Tür zu seinem Sprechzimmer und verschloss sie hinter uns. „Lass sie offen“, sagte ich. „Ein verschlossenes Sprechzimmer ist verdächtiger, als wenn man uns sehen würde.“
Er drehte den Schlüssel zurück und sah mich an. „Josef, um Gottes willen, was machst du hier? Bist du heimlich gekommen?“
„Ja. Und du brauchst mich nicht zu verbergen. Ich wohne in einem Hotel außerhalb der Stadt. Ich bin nur zu dir gekommen, weil ich niemand andern wusste, um Helen zu benachrichtigen, dass ich hier bin. Ich habe seit fünf Jahren nichts von ihr gehört. Ich weiß nicht, was mit ihr geschehen ist. Ich weiß nicht, ob sie wieder verheiratet ist. Wenn sie wieder verheiratet ist…“
„Und deshalb kommst du hierher?“
„Ja“, erwiderte ich erstaunt. „Warum sonst?“
„Wir müssen dich verstecken“, sagte er. „Du kannst die Nacht über hier im Sprechzimmer auf dem Sofa schlafen. Ich werde dich vor sieben wecken. Um sieben kommt das Mädchen, um sauberzumachen. Nach acht kannst du wieder herein. Vor elf kommen keine Patienten.“
„Ist sie verheiratet?“ fragte ich.
„Helen?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht einmal, dass sie von dir geschieden ist.“
„Wo wohnt sie? In der alten Wohnung?“
„Ich glaube, schon.“
„Wohnt jemand bei ihr?“
„Wer?“
„Ihre Mutter. Ihre Schwester. Ihr Bruder. Oder irgendein anderer Verwandter.“
„Das weiß ich nicht genau.“
„Du musst es herausfinden“, sagte ich. „Und du musst ihr sagen, dass ich da bin.“
„Warum sagst du es nicht selbst?“ fragte Martens. „Da ist das Telefon.“
„Und wenn jemand bei ihr ist? Dieser Bruder, der mich schon einmal angezeigt hat?“
„Du hast recht. Sie würde wahrscheinlich ebenso fassungslos sein wie ich. Das könnte sie verraten.“
„Ich weiß nicht einmal, wie sie zu mir steht, Rudolf. Es ist fünf Jahre her, und vorher waren wir nur vier Jahre verheiratet. Fünf Jahre sind mehr als vier – und Abwesenheit ist zehnmal länger als Zusammensein.’“ Er nickte. „Ich begreife dich nicht“, sagte er. „Das mag sein. Ich mich auch nicht. Wir führen verschiedene Leben.“
„Warum hast du ihr nicht geschrieben?“ „Das kann ich dir jetzt nicht erklären, Rudolf. Geh zu Helen. Sprich mit ihr. Finde heraus, was sie denkt. Wenn du es für richtig hältst, sag ihr, ich sei hier, und frage sie, wie ich