Denkwürdigkeiten eines Fechtmeisters. Александр Дюма
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Ich war alles müde und im Begriff, das Reisen zu versuchen, als ich Sie sah; das, was ich anfangs für Sie empfand, war, ich muß es gestehen, eben nichts anderes, als eine Laune; ich schrieb Ihnen, indem ich glaubte, daß ich nur Ihnen zu schreiben nöthig hätte, damit Sie nachgeben würden. Gegen meine Erwartung antworteten Sie mir nicht; ich beharrte, denn Ihr Widerstand reizte mich: ich hatte für Sie nur eine vorübergehende Laune zu haben geglaubt, und ich bemerkte, daß diese Laune eine wahre und tiefe Liebe geworden war. Ich versuchte nicht, sie zu bekämpfen, denn jeder Kampf mit mir selber ermüdete mich, und machte mich muthlos. Ich schrieb Ihnen, daß ich abreise, und ich reisete ab.
In Moskau angekommen fand ich frühere Freunde wieder; sie sahen mich finster, unruhig, gelangweilt, und sie erwiesen meinem Herzen mehr Ehre, als es verdiente. Sie glaubten mich des auf uns lastenden Joches überdrüssig; sie nahmen meine langen Träumereien für philantropische Betrachtungen, sie erforschten lange Zeit meine Worte und mein Schweigen; dann, als sie zu bemerken glaubten, daß etwas in dem Grunde meiner Traurigkeit verborgen blieb, nahmen sie dieses Etwas für Liebe zur Freiheit, und boten mir an, an einer Verschwörung gegen den Kaiser Theil zu nehmen.
– Großer Gott! rief ich entsetzt aus, und Sie haben es hoffentlich ausgeschlagen?
– Ich schrieb Ihnen; mein Entschluß war dieser letzten Probe unterworfen; wenn Sie mich liebten, war mein Leben nicht mehr mein, sondern Ihnen, und ich hatte kein Recht, darüber zu verfügen. Wenn Sie mir nicht antworteten, was so viel sagen wollte, als daß Sie mich nicht liebten, dann lag mir wenig daran, was aus mir werden würde. Ein Komplott war eine Zerstreuung. Es war wohl das Schaffot dabei, wenn wir entdeckt wurden; aber da mehr als einmal der Gedanke des Selbstmordes in mir aufgestiegen war, so dachte ich, daß das wohl etwas sey, um nicht die Mühe zu haben, mich selbst zu tödten.
– O! mein Gott! mein Gott ist es möglich, daß Sie das dachten, was Sie mir da sagen?
– Ich sage Ihnen die Wahrheit, Louise, und hier der Beweiß. Nehmen Sie, fügte er hinzu, indem er aufstand, und aus einem kleinen Tische ein versiegeltes Packet zog, ich konnte nicht errathen, daß ich Ihnen heute begegnen würde. Ich hoffte selbst nicht mehr, Sie zu sehen. Lesen Sie dieses Papier.
– Ihr Testament!
– Gemacht in Moskau, an dem Tage nach meinem Eintritt in die Verschwörung.
– Großer Gott! Sie vermachten mir dreißig Tausend Rubel. Renten?
– Wenn Sie mich nicht während meines Lebens geliebt hatten, so wünschte ich, daß Sie wenigstens einige freundliche Erinnerungen für mich nach meinem Tode hätten.
– Aber diese Pläne von Verschwörung, dieser Tod, dieser Selbstmord, Sie haben auf alles das verzichtet?
– Louise, Sie sind frei fortzugehen; die fünf Minuten sind verflossen; aber eben so, wie Sie meine letzte Hoffnung sind, das einzige Gut, das mich an"s Leben fesselt, eben so einmal von hier hinausgegangen, werden Sie niemals dahin zurückkehren, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, so wahr ich Graf bin, daß sich die Thüre nach der Straße noch nicht hinter Ihnen geschlossen haben wird, bevor ich mir nicht den Kopf gesprengt haben werde.
– Ach! Sie sind wahnsinnig!
– Nein, ich bin gelangweilt.
– Sie werden so etwas nicht thun.
– Versuchen Sie es.
– Herr Graf, im Namen des Himmels!
– Hören Sie, Louise, ich habe bis zum Ende gekämpft. Gestern war ich entschlossen, der Sache ein Ende zu machen heute, als ich Sie wiedergesehen, habe ich in der Hoffnung, die Parthie zu gewinnen, ein letztes Spiel wagen wollen. Ich spielte um mein Leben gegen das Glück; ich habe verloren, ich werde bezahlen.
Wenn mir Alexis alles dieses im Fieber-Wahnsinne gesagt hätte, so würde ich es nicht geglaubt haben; aber er sprach mit seiner gewöhnlichen Stimme, mit einer ihm eigenthümlichen Ruhe zu mir, sein Ton war eher heiter, als traurig; kurz, man fühlte in alle dem, was er mir gesagt hatte, einen solchen Charakter von Wahrheit, daß ich es nun war, die nicht fortgehen konnte; ich betrachtete diesen schönen jungen Mann voller Leben, den mit Glück zu erfüllen nur von mir abhing. Ich erinnerte mich seiner-Mutter, die ihn so sehr zu lieben schien, seiner beiden Schwestern mit lächelnden Zügen; ich sah ihn blutig und entstellt, sie mit verstörten Haaren und weinend, und ich fragte mich, mit welchem Rechte ich, die ich nichts war, alle diese reich geschmückten Leben, alle diese hohen Hoffnungen zerstören wollte; dann begann, ich muß es Ihnen sagen, eine so ausdauernde Treue ihre Früchte zu tragen. Auch ich hatte in der Stille meiner Nächte und in der Einsamkeit meines Herzens zuweilen an diesen Mann gedacht, der immer an mich dachte. In dem Momente mich für immer von ihm zu trennen, las ich heller in meiner Seele. Es wurde mir klar, daß ich ihn liebte . . . . und ich blieb.
Alexis hatte mir die Wahrheit gesagt. Was seinem Leben fehlte, war die Liebe. Seit zwei Jahren, daß er mich liebt, ist er glücklich, oder hat das Ansehen es zu seyn. Er hat auf diese thörichte Verschwörung, in die er aus Lebens-Ueberdruß eingetreten war, verzichtet. Mißmuthig über die Schwierigkeiten, welche meine Stellung bei Madame Ravier unseren Zusammenkünften auferlegte, hat er, ohne mir davon etwas zu sagen, diesen Laden für mich gemiethet. Seit achtzehn Monaten lebe ich ein anderes Leben in Mitte aller der Studien, die meiner Jugend gefehlt haben, und denen er, so ausgezeichnet, das Bedürfniß haben würde bei einer Frau zu begegnen, die er liebt, wenn ach! er sie nicht mehr lieben sollte. Von daher rührt die Veränderung, welche Sie an mir gefunden haben, als Sie meine Stellung mit meiner Person verglichen. Sie sehen demnach, daß ich gut gethan habe, Sie aufzuhalten, daß eine Gefallsüchtige allein anders gehandelt haben würde, und daß ich Sie nicht lieben kann, weil ich ihn liebe.
– Ja, und ich begreife jetzt auch, durch welche Protection sie hofften, zu dem Gelingen meines Gesuches beizutragen.
– Ich habe bereits mit ihm darüber gesprochen.
– Sehr schön, aber ich schlage es aus.
– Sie sind töricht.
– Es ist möglich, aber ich bin so.
– Wollen Sie, daß wir uns mit einander entzweien, und daß wir uns niemals wiedersehen?
– O! das würde für mich, der ich Niemanden, als Sie hier kenne, grausam sein.
– Nun denn, betrachten Sie mich wie eine Schwester, und lassen Sie mich machen.
– Sie wünschen es?
– Ich fordere es. In diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre des Salons, und der Graf Alexis Waninkoff erschien auf der Schwelle. Der Graf Alexis Waninkoff war ein schöner junger Mann von fünf und zwanzig bis sechs und zwanzig Jahren, blond und hoch gewachsen, halb Tartar, halb Türke, welcher, wie wir bemerkt haben, den Grad als Lieutenant in der Rittergarde bekleidete. Dieses bevorzugte Korps war lange Zeit unter dem directen Kommando des Czarewitsch Konstantin, des Bruders des Kaisers Alexander, und zu dieser Zeit Vice-Königs von Polen, geblieben. Nach der Gewohnheit der Russen, welche niemals ihr militairisches Kleid ablegen, war Alexis in seiner Uniform, trug auf seiner Brust das Kreuz des St. Wladimir und des Alexander-Newski, und am Halse den Sanislaus-Augustus-Orden dritter Klasse, als sie ihn erblickte, stand Louise lächelnd auf, und sagte zu ihm:
– Sein