Dr. Norden Staffel 8 – Arztroman. Patricia Vandenberg
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»Als interventionell bezeichnet man …, bezeichnet man …, aaaaahhhh, ich werd noch verrückt«, schimpfte sie und beugte sich wieder über das Buch. »Diagnose- und Therapieverfahren, bei denen am erkrankten Gewebe gezielte Interventionen vorgenommen werden, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.« Drei Mal musste Janine den Satz wiederholen, bis er endlich saß. Dabei fiel ihr Blick auf Wendy, die sie schmunzelnd beobachtete. »Was ist? Es ist halt nicht mehr so leicht, in meinem Alter was zu lernen.«
»Meine Bewunderung ist grenzenlos«, versicherte die Kollegin. »Bemerkenswert, zu welchen Höchstleistungen dich Liebeskummer antreiben kann.«
Janine schnitt eine Grimasse.
»Dabei weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, welcher Teufel mich geritten hat.«
»Ein Teufel mit Namen Peter«, entfuhr es Wendy.
Janine schnitt eine Grimasse.
»Wenn ich geahnt hätte, dass mich dieses ›ambulante Operieren in Arztpraxen‹ derart verrückt macht, hätte ich es gelassen. Du kannst dir nicht vorstellen, welche Angst ich vor der Prüfung habe.«
»Das kann ich wirklich nicht.« Wendy konnte sich nur wundern. »Du bist gelernte Krankenschwester. Wenn du das nicht drauf hast, wer dann?«
»Ja, stimmt schon. Aber meine Ausbildung ist so lange her. Und die Methoden haben sich teilweise gravierend geändert. Schau dir nur mal das Kapitel ›Beherrschbarkeit der maximal vorstellbaren Komplikationen‹ an.« Janine sprang vom Stuhl auf und lief hinüber in die Küche.
Eine Weile hörte Wendy es rumoren. Dann tauchte ihre Freundin mit sichtlich verstörter Miene wieder auf.
»So ein Mist! Ausgerechnet dieses Skript hab ich daheim liegen gelassen.« Sie war den Tränen nahe. »Bei den Indikationen hab ich die größten Lücken.«
Wendy unterbrach ihre Arbeit. Ihr genervter Blick ruhte auf Janine. Seit Tagen machte sie ihr mit ihrer stetig wachsenden Nervosität das Leben schwer. Anfangs hatte Wendy noch Verständnis gehabt. Doch langsam wurde ihr Nervenkostüm dünner.
»Wenn du so sehr im Lernstress bist, warum hast du dann nicht ein paar Tage frei genommen?«, fragte sie forsch.
»Soll das ein Witz sein?« Mit lautem Getöse ließ sich Janine auf ihren Schreibtischstuhl fallen, um zehn Sekunden später wieder aufzuspringen und rastlos hinterm Tresen auf und ab zu laufen. »Du weißt doch genau, wie es hier immer zugeht.«
»Ach ja!« Wendys Lächeln war süffisant, als sie hinüber zum Wartezimmer deutete. »Besonders heute können wir uns vor diesem Ansturm kaum retten.« Ihr Blick kehrte zu Janine zurück. »Aber jetzt mal im Ernst. Es ehrt dich ja, dass du mich nicht im Stich lassen willst. Aber im Augenblick komme ich ganz gut ohne dich klar. Also fahr schon nach Hause und hol dein Buch.« Sie schickte Janine ein versöhnliches Lächeln. »Oder noch besser: Bleib einfach gleich daheim. Heute Nachmittag brauche ich dich nicht.«
Zweifelnd zog Janine eine Augenbraue hoch.
»Bist du sicher? Sollen wir nicht vorsichtshalber den Senior fragen?«
Wendy schüttelte den Kopf.
»Geht nicht. Er ist noch in einer Besprechung mit Frau Pfeiffer von der Firma Meditec und will keinesfalls gestört werden. Aber das macht nichts«, beschloss sie nach kurzer Überlegung. »Der Tresen ist unser Reich. Hier entscheiden wir. Und wenn ich sage, dass ich gut ohne dich klar komme, dann ist das auch so.« Sie nickte Janine aufmunternd zu. »Außerdem wohnst du ja nicht weit weg. Wenn wirklich Not am Mann ist, ruf ich dich einfach an.«
Endlich schwiegen auch Janine Mercks Zweifel still.
»Überredet.« Sie stürzte auf Wendy zu und schloss sie in die Arme.
»Danke!«
»Nicht so fest. Sonst erdrückst du mich am Ende noch. Dann musst du doch hierbleiben«, ächzte Wendy.
Sofort lockerte Janine den Druck ihrer Arme.
»Du bist halt doch die Beste!«, raunte sie ihrer Freundin ins Ohr. »Übermorgen ist die Prüfung vorbei. Dann werde ich alles wieder gut machen«, versprach sie, als sie hinüber zur Garderobe hetzte und dabei um ein Haar über den Schirmständer gestolpert wäre.
»Dein Wort in Gottes Ohr«, seufzte Wendy und schlug drei Kreuze, als Janine die Praxis verlassen hatte.
*
»… empfehlen wir die Fortführung der oben genannten Medikation und bitten um Wiedervorstellung der Patientin in ca. einer Woche beim zuständigen Hausarzt. Wir danken für das Vertrauen und verbleiben mit kollegialem Gruß …« Obwohl sie die Tür nicht im Blick hatte, spürte Dr. Felicitas Norden, dass sie beobachtet wurde. Sie drückte auf den Knopf des Diktiergeräts und drehte sich um.
»Ja bitte, was kann ich …« Mitten im Satz hielt sie inne. Es dauerte einen Moment, bis sich ihr Verstand einschaltete. »Ich glaub’s nicht… Frida! Was machst du denn hier?« Das Diktiergerät landete auf dem Schreibtisch und wenige Sekunden später lagen sich die beiden Frauen in den Armen.
»Oh, Fee, ich freu mich ja so!«
»Und ich mich erst.« Felicitas schob die Freundin von sich und betrachtete sie eingehend. »Wie lange ist es her, dass wir dich in Italien besucht haben?«
»Ach, das ist schon gar nicht mehr wahr.« Frida winkte ab. »Seitdem ist so viel passiert. Nach der Trennung von meinem Mann hatte ich ein Verhältnis mit einem Gigolo, habe in seinem Restaurant am Meer gearbeitet und schließlich auf einem wunderschönen Fleckchen Erde meine eigene Pension eröffnet. Und jetzt bin ich hier, um mit dir die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen und das Leben zu feiern«, fasste sie die letzten zwanzig Jahre in einem Satz zusammen. »Hast du ein bisschen Zeit für mich?«
»Warum hast du nicht vorher Bescheid gesagt, dass du kommst? Ich hätte mir Urlaub genommen …«, erwiderte Fee und sah auf die Uhr.
»Man merkt, dass Danny und du verwandt seid.« Ein klitzekleines Bisschen Wehmut lag in Fridas Augen und verriet, dass ihr das Leben doch den einen oder anderen Wunsch nicht erfüllt hatte. »Er hat dasselbe gesagt.« Sie erzählte von dem Treffen in den »Schönen Aussichten«.
»So ein Zufall, dass du ausgerechnet im Café seiner Freundin warst.« Felicitas konnte es nicht glauben. Sie war so aufgeregt angesichts dieses unvermuteten Wiedersehens, dass sie sogar vergaß, Frida einen Platz anzubieten.
»Nicht direkt«, gab die nach kurzem Zögern zu. »Ich hab ein bisschen im Internet recherchiert und bin auf einen Artikel über Tatjana Bohdes Bäckerei gestoßen. Darin wurde auch Danny erwähnt. Ich wusste sofort: Das konnte nur dein ältester Sohn sein.«
»Raffiniert!« Fee lachte. »Mit solchen Tricks arbeitest du also. Übrigens hast du Glück. In einer halben Stunde ist meine Schicht zu En …« Mitten im Satz hielt sie inne. Diesmal sah sie, dass jemand den Raum betrat. Sie setzte ein Lächeln auf und drehte sich um. »Frida, darf ich dir meinen Kollegen und Stellvertreter Dr. Volker Lammers vorstellen? Meine Freundin Frida Kraus«, stellte sie die beiden einander vor und hoffte, dass Lammers wenigstens dieses eine Mal Zurückhaltung walten ließ. Vergeblich.
»Tut mir unendlich leid, Sie