Fiona - Sterben. Zsolt Majsai
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
Thomas scheint nicht besonders gesprächig zu sein. Das ist schon mal gut. Die Hexe redet ja genug für beide.
Ich verabschiede mich von Ben. Ich sehe ihm an, dass er in Wirklichkeit sehr gern mitkäme und das auch könnte, aber schlau genug ist, sich aus der Schusslinie zu halten. Wenn eine Hexe und ein Vampir, die angeblich von Dargk geschickt wurden, mit Fiona reden wollen, dann haben Polizisten nichts dabei verloren.
Während wir mit dem Aufzug nach unten fahren, mustere ich die beiden unverhohlen. Sie tragen beide Jeans, feste Schuhe, T-Shirts und sind unbewaffnet. Ben hat ihnen ihre wenigen Sachen zurückgegeben: etwas Geld, eine Landkarte.
„Wo genau kommt ihr eigentlich her?“, erkundige ich mich, inzwischen auf dem Weg zum Auto.
„Aus Untes. Meine Eltern waren dort mal die Herrscher, bis wir sie getötet haben, weil sie böse waren. Andere Erde, andere Zeit.“
„Andere Erde? Wie meinst du das?“
Sarah starrt mich an. „Hast du echt gedacht, es gibt nur eine Erde? Thomas, das klappt niemals! Die weiß ja gar nichts!“
Ich verharre kurz, dann öffne ich den Wagen, steige ein, warte, bis die beiden auch drin sind, Thomas vorne neben mir, Sarah hinter ihm, und fahre dann ziemlich emotional los. Die Räder drehen kurz durch, bevor der Computer eingreift.
Dadurch etwas abgekühlt, bemerke ich: „Ihr könnt mich ja aufklären.“
„Müssen wir wohl“, sagt Thomas. Er hat eine angenehme, dennoch männliche Stimme.
Wir biegen auf die North Avenue ab. Es herrscht ziemlich dichter Verkehr, ich muss mich darauf konzentrieren. Aber ein Teil meines Bewusstseins bleibt bei den beiden.
„Dann erzählt mal. Wieso schickt Dargk überhaupt gerade euch?“
Thomas lehnt den Kopf zurück und seufzt. „Sarah, Reden ist dein Part.“
„Du Arsch!“ Sie schlägt nach ihm, er weicht grinsend aus. Sie scheinen tatsächlich Geschwister zu sein. „Also gut, da du eine Kriegerin bist, muss dir wenigstens bekannt sein, dass es einen Statthalter gibt.“
„Drol Wayne. Ich kenne ihn.“
„Das ist ja schon mal etwas. Weißt du auch von den Göttern?“
„Alles ist Illusion.“
„Super. Ich bekomme neue Hoffnung.“
„Wir sind ja auch in Newope“, erwidere ich lächelnd.
„Stimmt, da war was. Dass es aber mehrere Welten gibt, das hat man wohl vergessen, dir zu erzählen.“
„Nein, das weiß ich. Verborgene Welt und Gefrorene Welt.“
„Ja, die gibt es auch. Ich meinte aber Parallelwelten. Mehrere Erden und so.“
Ich werfe einen hastigen Blick nach hinten auf Sarah, dann schaue ich wieder auf die Straße. Der Verkehr wird dichter, alle vier Spuren in unserer Richtung sind voll mit Autos.
„Willst du mich verarschen?“
„Nein. Hör zu, wir waren auch schon in einer Parallelwelt, da fliegen die schon mit Raumschiffen durch die Gegend. Bei Gelegenheit zeigen wir dir auch den Übergang. Wichtig ist jetzt nur eines: Wir müssen verhindern, dass Garoan den Spiegel bekommt.“
Ich mache eine Vollbremsung. Das liegt in erster Linie an dem Stau, der sich plötzlich vor uns befindet. Aber Sarahs Worte hätten diese Reaktion genauso gut auslösen können.
„Garoan? Spiegel? Meinst du den Spiegel der Liliths?“
„Genau. Hey, du bist ja doch nicht völlig unwissend! Woher weißt du von Garoan?“
„Ich hatte schon das Vergnügen mit ihm.“
„Und du lebst noch?“, fragt Sarah, in ihrer Stimme klingt echte Verblüffung und auch Bewunderung.
Die spitze Antwort, die sich daraufhin förmlich auf meine Zunge drängt, werde ich nicht mehr los, denn plötzlich wird unser Auto von zwielichtigen Gestalten umringt. Sie reißen die Türen auf und greifen nach uns.
Ich schlage mit der Faust ins nächstbeste Gesicht, während ich gleichzeitig den Sicherheitsgurt löse. Den nächsten Kerl befördere ich mit dem linken Fuß wieder zurück, sodass er gegen das Auto neben uns prallt. Dann springe ich raus und habe gleich zwei von denen am Hals. Den ersten schicke ich mit einem Roundhouse-Kick zu Boden, den zweiten mit dem Ellbogen.
Jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, mir einen Überblick zu verschaffen. Offensichtlich stammen die Kerle alle aus einem Van, der direkt hinter uns steht. Drei von ihnen zerren eine halb bewusstlose Sarah mit sich, was Thomas zu verhindern sucht, daran allerdings von weiteren Männern gehindert wird.
Irgendwie kommen sie mir bekannt vor. Vor allem ihre ausdruckslosen Gesichter. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Das sind Garoans Halbvampire, die wir auch auf der Insel gesehen haben!
Verfluchte Scheiße!
Ich setze mich in Bewegung, um Sarah zu helfen, die aus einer Platzwunde auf der Stirn blutet. Allerdings stellen sich mir dabei einige der Halbvampire in den Weg. Bis ich diese überredet habe, mich in Ruhe zu lassen, ist Sarah im Van verschwunden. Thomas kämpft mit drei anderen. Er macht das sogar gut, aber gegen die Übermacht kommt er nicht an. Nach kurzem Nachdenken eile ich ihm zur Hilfe und schaffe ihm die Angreifer vom Hals.
„Danke“, keucht er. Ein Vampir, der keucht? Noch ein Mysterium. „Wo ist Sarah?“
„Sie haben sie geschnappt.“
„Wir müssen sie befreien!“
Er setzt sich in Bewegung, ich mit. Und der Van auch, nämlich rückwärts. Er rammt dabei seitlich ein Auto und schiebt es zur Seite, dann schleudert er herum und beschleunigt erneut, diesmal vorwärts.
Ich denke kurz darüber nach, einfach hinterher zu fliegen, aber bei dem Publikum, das ich dabei hätte, ist das eine schlechte Idee.
Ich packe Thomas am Arm. „Los, ins Auto!“
Er gehorcht fluchend. Ich lege den Rückwärtsgang rein und gebe Vollgas. Der Wagen schießt zurück, haarscharf an einigen Autos vorbei, bis zur nächsten Kreuzung. Hebel auf D und wieder Gas geben. Der Achtzylinder brüllt förmlich auf und lässt den Wagen nach vorne schießen. Nötig ist es, der Van hat einen Riesenvorsprung.
„Was wollen die von Sarah?“, erkundige ich mich.
„Ich weiß nicht einmal, wer die sind.“
„Leute von Garoan. Genauer gesagt, von Zanda, dem hiesigen Vampirfürsten.“
„Scheiße. Woher wissen die, dass wir hier sind?“
Ich werfe ihm einen Blick zu. Sein ausdrucksloses Gesicht steht im krassen Gegensatz zu dem, was er sagt. Noch so ein Kerl, der nicht in der Lage ist, seine Gefühle zu zeigen.
„Allmählich macht ihr mich neugierig“, bemerke ich.