Frontschweine. Léon Lancee

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Frontschweine - Léon Lancee

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haben, dass ich ihm ein Bajonett in den Rücken stechen musste. Aber es gab nun mal keine Zeit, ihn zuerst ordentlich zu bitten, sich umzudrehen. Natürlich hatte ich auch keine Wahl, denn du bist der einzige Offizier, der erlaubt, dass seine Mannschaft Getränke klaut. Also müssen wir ein wenig auf dich aufpassen, wenn du unbedingt wieder mal den Helden spielen willst.“

      „Jesus, was für ein Schleimscheißer“, seufzte Rainer. „Aber ohne Flausen. Wenn dies hier jeden Tag so weitergehen soll, dann können wir darauf warten, dass auch bei uns Opfer fallen werden. Die Jungs der Kompanie haben achtzehn Tote und eine stattliche Menge Verletzte als Folge dieses Angriffs. Wir als Gruppe dürfen uns diesmal nicht beklagen, aber blickt mal um euch herum. Max ist der einzige von uns, der ungeschoren davongekommen ist, und dies ist erst unser zweiter Tag hier. Kein Wunder, dass die Infanteristen, die wir abgelöst haben, so viele Verluste erlitten haben. Dieser Unfug gleicht eher dem Stellungskrieg von Verdun im vorigen Weltkrieg. Unsere Division hat heute fast genauso viele Verluste erlitten wie in der ganzen vergangenen Zeit, die wir in Russland waren.“

      „Max hat nicht unrecht mit dem, was er da sagt“, mischte Kurt sich ins Gespräch. „Wenn dies so weitergeht, verbluten wir hier, ohne einen Schritt weiter zu kommen. Auf diese Weise gelangen wir niemals vor dem Winter nach Moskau. Dies hier ist nicht mehr gerade ein Blitzkrieg.“

      Er stand auf, unterdessen seinen verletzten Arm unterstützend. „Ich gehe mal zum Feldlazarett, um meinen Arm vernähen zu lassen, denn das Scheißding fängt so langsam an ordentlich weh zu tun. Gibt es noch mehr Leute, die etwas reparieren oder nachsehen lassen möchten? Deine Kopfverletzung etwa?“, fragte er Michael.

      Dieser nickte: „Ich komme mit. Der Sanitäter meinte, es sei besser, den Schnitt zuzunähen, weil er dann schneller verheilt. Kurt, du übernimmst das Kommando und lässt die Stellung wiederinstandsetzen, soweit das möglich ist. Wenn der Hauptsturmführer nach mir fragt, sagst du ihm, dass ich auf dem Rückweg bei ihm vorbeikommen werde.“ Ich gehe davon aus, dass der Iwan heute eine solche Tracht Prügel bekommen hat, dass er sich für den Rest des Tages ruhig verhalten wird.“

      Kurt und Michael mussten ein gute halbe Stunde gehen, um das Notlazarett am Stadtrand von Jelnja zu erreichen.

      Das Lazarett war in einem großen Backsteinbau untergebracht, der vorher als Versammlungsgebäude verwendet worden war.

      Das Ganze bot einen deprimierenden Anblick. Sogar die Flure waren mit Verletzten auf Feldbetten überfüllt.

      Einige Krankenpfleger gingen bei den Verletzten mit Morphinspritzen vorbei, während Krankenschwestern die Leichtverletzten bandagierten.

      Einige Ärzte beaufsichtigten das Ganze und gaben Anweisungen. Die schweren Fälle wurden vom Personal auf Tragen in die Operationsräume gebracht.

      Die Atmosphäre im Gebäude war wegen des penetranten Äthergeruchs und des faden süßlichen Blutgeruchs erstickend, was durch die sommerliche Hitze noch verstärkt wurde.

      Verletzte stöhnten und jammerten, während ab und zu ein grässliches Kreischen aus den Operationsräumen ertönte.

      Manche der Verletzten sahen schrecklich aus, obgleich ihre Verletzungen mit Verband bedeckt waren. Da ließ sich erahnen, was unter dem blutdurchtränkten Verband versteckt war.

      „Mein Gott“, stöhnte Kurt, „Wir sollen hier so schnell wie möglich wegkommen, Michael. Der Schützengraben ist ja noch besser als dieser Schlachthof. Ich habe das hier gesehen, und mein Arm ist eigentlich halb so schlimm, wenn man all dieses Elend sieht.“

      „Kommt nicht in Frage“, knurrte dieser. „Wir sind nun mal hier, und wir gehen nicht weg, bevor wir einen Arzt gesehen haben!“

      Es dauerte noch fast eine Stunde, bis sie einen Arzt gefunden hatten, der Zeit für sie hatte.

      Er sah sich die Verletzungen an und entschied, dass beide genäht werden mussten.

      Nachdem er die Verletzungen mit beißendem Alkohol gereinigt hatte, nähte er zuerst Kurts Arm.

      Kurt sah mit unverhohlener Bewunderung auf die hübsche kleine Krankenschwester, die dem Arzt assistierte.

      Das Mädchen hatte langes rötliches Haar und große klargrüne Augen. Auch ihre Figur erregte seine Aufmerksamkeit.

      Unterdessen musste er kräftig auf seine Zähne beißen, denn eine Betäubung gab es nicht. Das war laut dem Arzt für solche Kratzer, wie er das nannte, nicht nötig.

      Der Arzt arbeitete schnell und schweigend.

      Bei Michael geschah das Gleiche, wonach eine Krankenschwester die Verletzungen mit einem Verband abdeckte.

      „Der Arzt ist nicht gerade kleinlich“, sagte er zur Krankenschwester, als der Arzt gegangen war.

      Das Mädchen fing an zu lachen. „Das ist gar kein Arzt, sondern ein Sanitäter, der einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hat. Die Ärzte hier sind viel zu sehr mit den Schwerverletzten beschäftigt und überlassen solche einfachen Sachen den Krankenpflegern.“

      Michael und Kurt sahen sich erstaunt an. „Nicht zu glauben“, sagte Kurt. „Deshalb hat das Dreckstück uns keine Spritze gegeben. Das ist einfach ein fieser Sadist, der sich hinter der Front auf Kosten der Frontsoldaten, die die schmutzige Arbeit machen müssen, ein bisschen austobt. Den Kopf vergesse ich nicht mehr und wenn ich ihm im Feld jemals begegne, werde ich an seine Betäubung zurückdenken.“

      Die Krankenschwester runzelte die Stirn. „Der Junge ist ein Talent auf dem Gebiet der Medizin. Er macht hier an der Front sogar bereits einfache Operationen. Und dass ihr keine Betäubung bekommen habt, geschah im Auftrag des Chefarztes, weil das Morphin für die schwereren Fälle aufgehoben werden muss. Aus dem einfachen Grund, dass wir hier einen enormen Mangel an Morphin und anderen Sachen haben. Die Ärzte kommen mit der Arbeit hier nicht mehr nach, weil es wegen der andauernden Angriffe der Russen so viele Verletzte gibt.“

      Kurt reagierte schlagfertig auf die Worte der Krankenschwester. „Dann werde ich ihm die Folterung eines Frontsoldaten verzeihen und ihn am Leben lassen, wenn ich ihm jemals im Feld begegne. Von Treffen gesprochen, meinst du, dass ich dich demnächst noch mal treffen kann?“

      Lachend sah er das Mädchen an, das wegen seiner direkten Frage errötete.

      „Es ist eine Überraschung, dass ich hier gerade hinter der Front so einem netten Mädchen begegne. Wer hätte je erwartet, dass die Wehrmacht deutsche Mädchen an die Front schicken würde.“

      „Wieso deutsche?“ reagierte das Mädchen bissig, während das Lachen wie von Zauberhand von ihrem Gesicht verschwand. „Ich bin Russin, und ich wurde hier zur Arbeit verpflichtet.“

      „Aber du sprichst flüssig Deutsch“, reagierte Kurt erstaunt über ihre heftige Reaktion.

      „Ja, weil ich eine Ausbildung als Deutschlehrerin gemacht habe. Ich bin nicht mal Krankenschwester und habe das auch nicht gelernt. Aber ihr seid fertig und könnt also mit dem Erschießen meiner Landsleute fortfahren.“

      Ohne weiter noch etwas zu sagen, verließ das Mädchen den Raum und schlug die Tür hinter sich zu.

      Michael und Kurt sahen sich verblüfft an. Eine solch heftige Reaktion hatten sie nicht erwartet.

      „Das ist wohl die Höhe“, sagte Kurt erstaunt.

      „Verhalte ich mich mal sympathisch zu einem netten

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