Arztroman Sammelband: Drei Romane: Ihre Verzweiflung war groß und andere Romane. A. F. Morland
Чтение книги онлайн.
Читать онлайн книгу Arztroman Sammelband: Drei Romane: Ihre Verzweiflung war groß und andere Romane - A. F. Morland страница 15

Sonja sah ihn mit entwaffnender Offenheit an.„Aber natürlich! “
„Und Iris?“, fragte Patrick.
„Sie wird bei den Kaspareks wohnen. Sie freuen sich schon sehr auf sie.“
„Du schiebst sie mal wieder ab“, knurrte Patrick.
Sonja sah ihm kriegerisch in die Augen. Sie hatte keine Angst vor Patrick. „Ich hoffe, du legst es nicht wieder darauf an, mit mir zu streiten.“
„Iris ist dir im Weg, nicht wahr?“
„Überhaupt nicht – solange ich auf meine Freiheit nicht zu verzichten brauche“, erwiderte Sonja kühl.
„Du bist eine Rabenmutter, weißt du das?“
„Wenn ich eine Rabenmutter bin, bist du ein Rabenvater. Oder kümmerst du dich etwa mehr um Iris als ich?“, fauchte Sonja.
„Ich habe immerhin noch einen kleinen Nebenjob. Du hingegen brauchst bloß Mutter zu sein.“
Sie hob trotzig ihr Kinn. „Ich habe gesellschaftliche Verpflichtungen.“
Er winkte gereizt ab. „Ach, zum Teufel damit. Das Wichtigste in deinem Leben sollte dein Kind sein. Du solltest Iris nicht fortwährend abschieben und vernachlässigen. Ich komme heim und treffe Iris in diesem großen Haus mutterseelenallein an.“
„Was ist so schlimm daran?“, gab Sonja spitz zurück. „Sie hat ein sehr schönes Zuhause.“
„Und warum bist du dann so selten daheim?“, fragte Patrick scharf.
„Weil ich etwas erleben möchte. Weil ich nur einmal lebe, und weil ich aus meinem Leben herausholen möchte, was möglich ist. Daran wird mich niemand hindern. Auch du nicht. Also versuch es erst gar nicht.“
Patrick schüttelte ernst den Kopf. „Was ist bloß aus uns geworden, Sonja?“
„Ich kann nichts dafür, dass sich die Dinge so entwickelt haben.“
„Wenn eine Ehe so stark ins Trudeln gerät wie die unsere, haben immer beide Partner ... Schuld“, behauptete Patrick laut.
„Warum schreist du? Soll Iris hören, dass wir uns mal wieder in die Wolle geraten sind?“
Er leerte sein Glas mit einem schnellen Ruck. Es fiel ihm von Streit zu Streit schwerer, seine Frau nicht zu hassen. Gott, war er froh, dass er morgen nach Hongkong flog!
Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Du hast mir noch immer nicht gesagt, mit wem du den heutigen Abend verbracht hast.“
„Mit Thomas.“
Patrick riss die Augen auf. Er hoffte, sich verhört zu haben. „Mit wem?“
„Mit deinem Bruder. Er ist nach München zurückgekehrt.“
Patrick wurde blass. „Du hast vielleicht Nerven, das muss ich schon sagen.“
„Wieso denn?“, fragte Sonja naiv.
„Na, hör mal“, brauste Patrick Winter auf, „du triffst dich hinter meinem Rücken mit diesem – diesem Verbrecher ...“
„Warum nicht? Er ist mein Schwager. Und ich mag ihn.“
Wut funkelte in Patricks Augen. „Er hat mich belogen, betrogen und bestohlen.“
Sonja zuckte gleichgültig die Schultern. „Der Grund, weshalb ihr euch entzweit habt, interessiert mich nicht. Ich habe nichts gegen Thomas.“
„Aber ich, und ich verbiete dir, diesen Halunken noch einmal zu sehen! Hörst du? Ich verbiete es dir!“
|
|
11
„Ein Krankenwagen ist bereits unterwegs“, stieß der aufgeregte Hotelangestellte hervor.
Dr. Sven Kayser holte die Bereitschaftstasche aus seinem Wagen und hastete ins Hotel. Thomas Winter lag röchelnd auf dem Bett.
Er war kurz ohnmächtig gewesen, doch nun war er wieder bei Bewusstsein. Leichenblass war sein schweißglänzendes Gesicht. Er krallte die Finger in seine Brust.
„Dr. Kayser ...“, gurgelte er. „Mein Herz ... Es ist das Herz ...“
Sven versuchte dem Mann mit einer Spritze zu helfen, und Thomas erholte sich tatsächlich ein wenig, aber sein Zustand blieb kritisch.
„Der Krankenwagen wird gleich eintreffen“, machte Dr. Kayser dem Patienten Mut. „Man wird Sie in die Seeberg-Klinik bringen. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Winter. Es wird alles wieder gut. Es kommt alles wieder in Ordnung.“
„Mein Herz ...“, röchelte der Mann. „Angina pectoris ...“
„Wenn Sie sich schonen und die entsprechenden Medikamente nehmen, können Sie damit noch lange leben.“ Das Vernichtungsgefühl ebbte langsam ab.
„Zuviel Alkohol ...“, kam es über Thomas Winters bebende Lippen.
„Ja, davon müssen Sie in Zukunft die Finger lassen“, sagte Dr. Kayser. „Das war nicht Ihr erster Anfall, nicht wahr?“
„Nein – aber so schlimm war’s noch nie ...“
Sven entdeckte das Röhrchen mit den Nitrokapseln. „Sie waren beim Arzt.“
Thomas Winter nickte. „Bei drei Ärzten“, gestand er.
„Man hat Ihnen sicher gesagt, dass Alkohol für Sie besonders schädlich ist.“
„Ich werde eine Entziehungskur machen“, röchelte der Patient.
Sven sah den Mann besorgt an. „Sind Sie Alkoholiker?“
„Ja“, gab Thomas Winter zu.
„Ich werde Ihnen helfen, sobald Sie aus der Seeberg-Klinik rauskommen.“
„Glauben Sie denn, dass ich noch mal rauskomme, Dr. Kayser?“
„Ja, Herr Winter, ich denke, dass Sie eine echte Chance haben“, antwortete Sven, und dann trafen die Sanitäter ein.
Als