Märchen aus Frankreich, Band 1. Группа авторов

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Märchen aus Frankreich, Band 1 - Группа авторов

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einem geschützten Orte absteigen lassen. Ich bedarf zunächst der Ruhe, ehe ich vor Eure Eltern trete, denn ich zittere vor Angst und Kälte." Der Jüngling trug sie in einen Garten von Pinien und Lorbeerbäumen, der sich außerhalb der Mauern ausdehnte, und setzte sie unter einem Olivenbaume ab. Die Jungfrau streckte sich ermattet auf den grünen Rasen, und nachdem sie ein wenig geruht hatte, begehrte sie zu essen. "Wenn es Euch nicht mißfällt, Liebste," sprach Cleomades, "so möchte ich jetzt meine Eltern und meine Schwester aufsuchen und sie bitten, Euch hier abzuholen." "Holt sie, Herr, und laßt mich indes hier ruhen. Die Glieder schmerzen mich und ich kann mich so nicht vor dem Volke zeigen." "So erholt Euch, bis ich wiederkomme und lauscht dem Sang der Vögel, die in den Zweigen zwitschern!" Cleomades eilte in sein väterliches Schloß und ließ die Jungfrau mit dem Pferd im Garten, die sich mit Singen die Zeit vertrieb. Crompart, der Falsche, hatte sich an diesem Morgen früh erhoben und erging sich in dem nämlichen Garten, um Heilkräuter zu sammeln. Er hörte das Lied der Jungfrau und wandte sich der Gegend zu, aus der die Töne kamen. Clarmondine erschrak, als sie das Scheusal erblickte; sie verstummte augenblicklich und rief mit lauter Stimme nach ihrem Geliebten. Crompart freute sich in seinem treulosen Herzen, denn er glaubte, eine Gelegenheit zur Rache gefunden zu haben. Überdies gefiel ihm die Jungfrau, und er dachte, wenn er Marina nicht bekommen könne, so wolle er wenigstens diese zu seiner Liebsten machen. Als er sie nach Cleomades rufen hörte, erriet er den Zusammenhang. "Erschreckt nicht," sagte er, "ich will Euch kein Leid tun!" "Herr, mir graut vor Euch! Bitte, geht, denn gleich wird Cleomades zurückkehren, dem ich angehöre." "Eben dieser ist es, der mich sendet," entgegnete der Zwerg listig, "er befiehlt Euch, daß Ihr zu ihm kommt; ich werde Euch auf dem Roß zu ihm tragen, denn er lehrte mich, es zu behandeln, und daran mögt ihr erkennen, daß ich sein Vertrauter bin." Die Jungfrau glaubte den Worten des Schurken und erhob sich. Der Bucklige setzte sie auf das Zauberpferd und band sie fest, dann hing er Fleisch und Wein an die Seite des Tieres und stieg selber auf. Hurtig drehte er den Zapfen, und in rasender Fahrt erhob sich das Flugzeug in die Wolken.

      Hier müssen wir unser Liebespaar seinem Schicksal überlassen und geben es dem Leser anheim, sich selber auszumalen, welche Gefahren und Abenteuer die Liebenden noch zu bestehen hatten, bis sie endlich wieder miteinander vereinigt wurden.

      Der Tänzer Unserer lieben Frau

      Es war einmal ein Gaukler, der tanzend und springend von Ort zu Ort zog, bis er der ewigen Wanderfahrt und aller Weltlust müde ward. Da gab er all seine Habe hin und trat in das Kloster zu Clairvaux ein. Der neue Laienbruder war zwar schön und stattlich von Gestalt, doch die Bräuche und Sitten des Klosters kannte er nicht. Er hatte ja seine ganze Zeit mit Springen, Tanzen und Räderschlagen verbracht und nie hatte ein Mensch den Gedanken gehabt, ihm das Vaterunser, das Ave oder gar das Kredo zu lehren. Voll Demut staunte er alles im Kloster an, er sah, wie die Brüder nie ihr frommes Schweigen brachen, und so ging auch er wie ein Stummer umher, bis er von den Brüdern verlacht und mit Zwang zum Reden gebracht wurde. Er sah, wie jeder auf seine Weise dem Herrn diente, wie die Priester am Altar ihr heiliges Amt vollzogen, wie die Diakonen die Evangelien lasen, wie die Klosterschüler im Chor den Psalter sangen, und wie selbst der kleinste von ihnen ohne Zaudern das Vaterunser aufsagen konnte. Da stand er beschämt: ach er allein, er konnte nichts! Oft stand er lauschend vor den Zellen und hörte Klagen und Weherufe von drinnen hervortönen, und wie er den Grund des Weinens reiflich überlegte, fand er, daß die da drinnen Gott für ihre Schuld um Gnade anflehten. "Ach," sprach er, "was tue ich hier? Ich kann nichts als müßig stehen und gaffen! Ich bin das Brot nicht wert, das man mir gibt. Ach, wenn man es merkt, so werden sie mich mit Schande verjagen, weil ich zu gar nichts nütze bin!" In seinem Gram flüchtete er aus des Tages Licht in eine unterirdische Kapelle, wo zwischen Kerzen das Bild der Gottesmutter stand. Dort verkroch er sich sorgenvoll in einen Winkel. Plötzlich klang tief und voll die Münsterglocke, welche die Brüder zur Messe lud. Er hob das Haupt und sprang auf: "Soll ich hier liegen, während alle andern wetteifern, Unsere Frau zu loben? Was säum' ich noch? Bin ich nicht auch in mancherlei Künsten erfahren? Nach Kräften dient ihr ein jeder, so will auch ich tun, was ich kann!" Rasch warf er die lange Kutte beiseite und gürtete sich sein dünnes Jäckchen um die Lenden. Dann trat er demutsvoll vor das Bild der Gottesmutter und sprach: "Dir, Königin ob allen Königinnen befehle ich Seele und Leib! Zu dir komme ich voll Vertrauen, oh nimm mit meinem Eifer vorlieb! Die schönsten Spiele, die ich kann, wähle ich dir zur Lust, so wie ein Böcklein auf der Heide vor seiner Mutter hüpft und springt. Du verschmähst nie, was dir ein Herz aus Liebe bietet, sieh, was ich habe, bring ich dir!" Und während droben die Hymnen erschollen, beginnt er mit vollen Kräften zu tanzen, bald vor- und bald rückwärts, auf und nieder, er geht auf den Händen durch die Kapelle und überschlägt sich in der Luft, alle Arten von Tänzen springt er mit kunstgerechtem Schwung, und nach jedem Tanz verneigt er sich vor dem Bilde: "Das tu' ich nur für dich, daß sich dein Auge daran erfreue, erfreust du doch die ganze Welt!" Und wiederum hebt er an, die Hand auf die Stirn gelegt, mit kleinen Schritten zierlich in der Runde zu gehen, dabei weint er und betet: "O Frau, dir singe ich Ehre und Preis mit Herz und Leib, mit Hand und Fuß. Da droben singen sie Lobeshymnen: laß mich dein treuer Tänzer sein und gib mir in deinem himmlischen Palast eine kleine Wohnung, denn dein bin ich ganz und gar." Solange der Sang von oben klingt, tanzt er ruhelos, bis ihm der Atem vergeht und die Glieder den Dienst versagen: da sinkt er in Ohnmacht taumelnd zu den Füßen der Himmelskönigin nieder. Und siehe: die Strahlende neigt sich mit gütigem Lächeln hernieder und fächelt ihn mit ihrem Tüchlein, und mit ihrer süßen Gnadenhand kühlt sie das Feuer seiner Schläfen.

      Ein Mönch hatte von draußen diese Vorgänge mit angesehen und heimlich den Abt geholt. Dieser ließ am anderen Tage den Laienbruder vor sich laden. Der Arme erschrak zu Tode, denn er glaubte, er solle wegen seines Müßiggangs vertrieben werden. Er fiel also voll Zagen vor dem Abt auf die Knie und sprach: "O Herr, ich weiß, ich kann hier nicht bleiben, doch ich will tun, was ihr befehlt. Ich will hinaus ins Elend gehen!" Doch der Abt neigte sich voll Ehrfurcht, küßte ihn und bat ihn, zu Gott für ihn und die Brüder zu beten, damit sie einst von seinen Gnaden erben möchten. Da ward der Arme vor Freude krank und kam zu sterben. Als aber sein letztes Stündlein gekommen war, da trugen der Engel Scharen den Tänzer Unserer lieben Frau zum allerhöchsten Sternenzelt.

      Der Judenknabe

      Die Juden, die überall in der Welt verstreut sind, hatten sich wie in jeder anderen guten Stadt, so auch in Bourges niedergelassen und lebten dort nach ihrem Gesetz. Nun geschah es, daß die schöne Osterzeit nahte, und alle Welt feierte mit Glockentönen und Gesängen die Auferstehung des Herrn. Männer, Frauen und Kinder eilten in freudiger Hast zum Münster und siehe, ein kleiner Judenknabe folgte den Gespielen in das Gotteshaus, wie er ihnen sonst zum Spiele nachlief. Er trat in den hohen Dom, da glänzten die Bilder, gleißend von Gold, da funkelten die Gefäße, da glühten die Kerzen, und Freude ergriff das Büblein, das zuvor nie solches sah. Er tat den anderen Kindern alles nach: bald schlug er sich an die Brust, bald bekreuzte er sich und dann warf er sich nieder in den Staub. Zwischendurch betrachtete er die Bilder und besonders gefiel ihm eines: das war eine hoheitsvolle Frau, die einen lächelnden Knaben an ihrer Brust hielt. Als der Gottesdienst zu Ende war, ging alt und jung zum heiligen Abendmahl, und jeder schlug sich demütig vor dem Sakrament für seine Missetaten an die Brust und flehte aus Herzensgrund um Erbarmen. Das Kind trat mit den andern Christen vor und empfing den Leib des Herrn, ohne zu wissen, was es tat. Dabei kam es ihm vor, als ob das Bild der glorreichen Jungfrau und Mutter aus seinem Rahmen heraustrete und hinter dem Priester hergehend die Speise austeilen helfe.

      Indessen machten sich Vater und Mutter auf die Suche nach dem Knaben, überall auf den Straßen fragten sie nach ihm und jammerten, denn sie glaubten, er sei ihnen genommen worden. Während noch der Schmerz ihr Herz zerriß, traten die Christen, das Herz voll Festesfreude, aus dem Gotteshaus. Das Judenbüblein eilte heim und lief seinen Eltern entgegen. Da fragte der Vater mit bösem Blick, wo es gewesen sei, und das Knäblein antwortete furchtsam, es sei mit den andern Kindern im Dom des Herrn gewesen und habe vor dem goldenen Altar mit den andern

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