Potsdam MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag. Michael Bussmann

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Potsdam MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag - Michael Bussmann MM-City

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2023 soll das Projekt abgeschlossen sein.

      Wir umrunden den Marstall mit seinen zwei prächtigen Portalen samt wie­hern­den Pferden entlang der Breiten Stra­ße. Auf der Rückseite des Mar­stalls, bei der Sta­tue von General Steu­ben, biegen wir nach links in den Neu­en Markt ein. Apro­pos Steuben. Fried­rich Wilhelm von Steu­ben (1730-1794) war ein preu­ßi­scher Offizier. Als seine Homo­sexualität be­kannt wurde, flüch­te­te er nach Ame­ri­ka und machte im Ame­rikanischen Un­ab­hängigkeitskrieg Karriere. Er sprach bestes Denglisch, angeblich mit „oll korrekt“ statt mit „all correct“ zeichnete er seine Papiere ab - Kurzform: „o.k.“.

      Gebäude in Potsdam-Gelb, Prin­zes­sin­nen­rosa und Mintgrün. Historische Stra­ßenlaternen, die das Kopf­stein­pflas­ter bescheinen. Der Neue Markt ist eine der charmantesten Ecken der Stadt. Gleich rechter Hand steht dort das Kabinetthaus (Hausnr. 1). Hier tag­te einst das königlich-preußische Kabi­nett, daher der Name. Zuvor schon, genau genommen 1770, wurde darin der spätere König Friedrich Wil­helm III. geboren.

      Barockplatz at its best: Neuer Markt

      Die Häuser am Platz sind größtenteils Ori­ginale. Die Bomben des Zweiten Welt­kriegs verschonten den Neuen Markt, der bereits seit 1722 so heißt. Heu­te sind hier Wissenschaft und For­schung zu Hause: Am Neuen Markt sit­zen u. a. das Leibniz-Zentrum für Zeit­his­torische Forschung Potsdam , das Mo­ses Mendelssohn Zentrum, das Einstein Forum und das Deutsche Kulturforum östliches Europa.

      In der Mitte des Platzes steht die ehe­ma­lige städtische Ratswaage, die noch zu DDR-Zeiten in Betrieb war. Heute be­findet sich darin ein italienisches Res­taurant namens Waage. In der his­to­rischen Gaststätte zur Ratswaage in der Nachbarschaft hingegen serviert heu­te das Kochzimmer sternegekrönte Kü­che - also nicht den falschen Tisch im falschen Lokal buchen (mehr dazu → Essen & Trinken).

      Ein Durchgang - über dem Portal eine Qua­driga mit Kutschern und Stall­bur­schen - führt vom Neuen Markt in den Hof des Kutschstall-Ensembles mit dem → Haus der Brandenburgisch-Preu­ßischen Geschichte. Verlässt man den Hof auf der gegenüberliegenden Sei­te, steht man vor einer Brache - oder viel­leicht schon vor einer Baustelle? Hier soll ein neues Kreativquartier na­mens Kreativ Quartier³ entstehen. In­te­griert wird darin auch ein „neuer“ Lan­ger Stall. Der „alte“ Lange Stall, ur­sprüng­lich 170 m lang, diente der Gar­ni­son für Winterübungen. Er wurde 1871 erbaut und im Zweiten Weltkrieg zer­stört. Einzig die Portalfassade mit Säu­len und Giebelschmuck blieb er­hal­ten - von hinten sieht sie aus wie eine frei stehende Brandwand.

      Der Turm, der hinter der Portalfassade des Langen Stalls in den Himmel ragt, ist der wieder aufgebaute Turm der → Gar­nisonkirche. Mitte 2022 sollen die Ar­beiten an dem Turm fertig sein. Dann wird obenauf auch die ori­gi­nal­ge­treu rekonstruierte Wetterfahne aus ver­goldetem Kupferblech wehen. Bis da­hin wartet sie in einem van­da­len­si­che­ren Käfig vor dem benachbarten Re­chen­zentrum auf ihren Einsatz. Der Ad­ler steht dabei für die christliche See­le, die Sonne für Gott, hinzu kom­men die Initialen Friedrich Wilhelms I. Das → Rechenzentrum aus DDR-Zei­ten, heute ein Kunst- und Kreativhaus, er­streckt sich in Teilen auf dem Areal der früheren Garnisonkirche und wird im Falle eines kompletten Wie­der­auf­baus der Kirche abgerissen.

      Weiter geht es auf der Breiten Straße, die ihrem Namen alle Ehre macht und lei­der nicht zu den schönsten Straßen un­ter der Potsdamer Sonne gehört. Ba­rock trifft Platte trifft Zweckbauten der Nach­wendezeit. Wir überqueren die Dor­tustraße. Benannt wurde sie nach dem Potsdamer Revoluzzer Max Dortu, ei­nem der führenden Aktivisten der 1848er-Revolution, die bürgerliche Rech­te einforderte. Am 31. Juli 1849 wur­de er im Alter von 22 Jahren wegen Hoch­verrats hingerichtet, Friedrich Wil­helm IV., der die Meinung vertrat: „Ge­gen Demokraten helfen nur Sol­da­ten“, hatte ein Gnadengesuch ab­ge­lehnt.

      100 m weiter folgt rechter Hand das → Na­turkundemuseum im ehemaligen „Haus der Landstände der Havel­län­dischen und Zauchischen Kreise“ aus dem 18. Jh.

      Das passt ja: Zuckertortenhäuser in der Bäckerstraße

      Straßen in Pastell

      Direkt hinter dem Naturkundemuseum bie­gen wir in die Lindenstraße ab, eine Stra­ße wie aus dem Bilderbuch - hier könnte man Historienfilme drehen. Gleich rechter Hand befindet sich der Ein­gang zum → ehemaligen Militär­wai­sen­haus, einem mächtigen Karree mit gro­ßem Innenhof. Kopf in den Nacken: Vom Monopteros des Barocktempels grüßt eine golden glänzende Caritas - ein Wahrzeichen Potsdams.

      In der Lindenstraße verdienen zwei wei­tere Gebäude unsere Beachtung: zum ei­nen das frühere Lazarett der Leib­garde aus dem Jahr 1772, das sich einst in dem statt­lichen rosafarbenen Ge­bäude mit der heutigen Hausnr. 25 be­fand, zum an­de­ren schräg gegenüber die Alte Wache (1797 erbaut). In dem klas­sizistischen Ar­kadengebäude, das fast wie ein Fremd­körper in der ba­ro­cken Linden­straße wirkt, hat es sich heu­te die Commerzbank gemütlich ge­macht.

      Vor der Wache geht es rechts in die pas­tellfarbene Bäckerstraße. An deren En­de halten wir uns rechts, dann links - und schon steht man in der Yorckstraße vor dem meist trockenen Stadt­kanal. Ja, der Kanal ... Wieder so eine Potsdamer Sache, die irgendwann ver­schwand und wieder „auferstehen“ soll (→ Kasten).

      Von der Yorckstraße sollte man un­be­dingt einmal in die Wilhelm-Staab-Straße spitzen. Diese bildhübsche Kopf­steinpflasterstraße wurde nach dem Krieg als „Barockstraße der DDR“ fast komplett wieder aufgebaut. Hinter den historischen Fassaden verbirgt sich der Zeitgeist der 1950er-Jahre. In der Stra­ße befindet sich mit dem Nikolai­saal auch eine architektonisch span­nen­de Konzert- und Veran­stal­tungs­stätte (→ Kultur).

      Projekt Stadtkanal: Klein-Amsterdam an der Havel

      Alles in Reih und Glied: am historischen Stadtkanal

      Es war einmal ein Potsdam, das hatte eine Gracht. Der ca. 2 km lange Kanal ver­lief vom damaligen Alten Wassertor ge­genüber den Planitzinseln bis zum Kel­lertor. Heute zeichnen die Dor­tu­stra­ße, die Yorckstraße und die Straße

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