Potsdam MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag. Michael Bussmann

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Potsdam MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag - Michael Bussmann MM-City

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Das große Problem jedoch: Auf­grund mangelnden Wasser­aus­tauschs stank es abschnittsweise fürch­terlich kloakig, weswegen Teile des Kanals bereits 1889 wieder zu­ge­schüt­tet wurden. Vom Kellertor aber konn­ten die Fischer noch bis ins 20. Jh. zum Wilhelmplatz (heute Platz der Ein­heit) rudern, um dort ihren Fang zu ver­kaufen.

      Der Aufbau eines sozialistischen Zen­trums in den 1960er-Jahren machte dem Kanal schließlich den Garaus. Nach der Wende hörte man die ersten Ru­fe nach einer Rekonstruktion. Sie führ­ten zur Bildung eines Förder­ver­eins - alles andere wür­de wundern in der Stadt der Bürgervereine. 2001 konnte ein erstes 130 m langes Teilstück des Kanals an der Yorck­stra­ße wiederhergestellt werden, das aller­dings bis heute nur zu besonderen Ver­an­staltungen geflutet wird. Bis zur Fertig­stellung des gesamten Kanals wird mindestens noch ein Vier­tel­jahr­hun­dert ins Land ziehen.

      Tipp: An der ebenfalls rekonstruierten Keller­tor­wache am Havelzulauf stehen Infotafeln mit his­torischen Fotografien, die einen heute-damals-Vergleich ermöglichen.

      Sehenswertes

      Ein Tempel Gottes

      Nie­dergang und Wiederaufbau ist die ewi­ge Konstante Potsdams, so auch im Hin­blick auf die Nikolaikirche. Nach­dem der barocke Vorgänger 1795 ab­ge­brannt war, wurde das Gotteshaus zwi­schen 1830 und 1850 in zwei Phasen wie­der aufgebaut. Beteiligt waren die größ­ten Baumeister ihrer Zeit: Die Ent­wür­fe kamen von Schinkel, die Aus­füh­rung übernahm dessen Schüler Per­sius, und die Fertigstellung erfolgte, nach­dem Persius an Typhus verstorben war, durch Stüler. Das Ergebnis: ein neo­klassizistischer Portikus mit Gie­bel­drei­eck, der einem antiken Tempel gleicht. Der Kirchenbau selbst besteht aus einem kubischen Unterbau mit vier von Engeln bewachten Ecktürmchen. Da­rauf sitzt eine mächtige Kuppel wie die der St. Paul’s Cathedral in London.

      Den Krieg überstand das Gebäude schwer beschädigt. Die Wie­der­her­stel­lung dauerte Jahrzehnte - erst 1981 wur­de die Kirche wieder geweiht. Das In­nere kommt heute recht nüchtern da­her, u. a. wurde beispielsweise auf eine er­neute Ausmalung der Kuppel ver­zich­tet. Das soll aber niemanden von ei­nem Besuch abhalten - gerade diese An­dersartigkeit macht die Kirche auch sehr spannend.

      Zu Füßen der Kuppel, auf dem Säu­len­rund des Tambours, gibt es eine Aus­sichts­plattform auf 42 m Höhe. Über ei­nen Lift und enge Wendeltreppen mit Am­pelschaltung gelangt man hinauf. Wir haben 216 Stufen gezählt - über­prü­fen Sie es!

      Di-Sa 11-19 Uhr, So ab 11.30 Uhr, Mo geschl. Turmbesteigung 5 € (Tickets am Automaten auf der Seitenempore). Am Alten Markt, www.nikolai-potsdam.de. Tram 91, 92, 93, 96, 98 bis Alter Markt/Landtag.

      Alter Markt: Die Grandezza ist zurück

      Geschichte einer Stadt

      Das Museumsgebäude besteht aus drei Tei­len: dem Alten Rathaus, das zwi­schen 1753 und 1755 in Anlehnung an ita­lienische Palazzi samt Säulen und Kup­pel entstand (Architekten: Jan Bou­man und Christian Ludwig Hil­de­brandt), dem kieselgrauen sog. Kno­bels­dorff-Haus, das in den 1960er-Jah­ren originalgetreu wieder aufgebaut wur­de, und einem Glasdurchgang, der an der Stelle eines völlig zerstörten Hau­ses errichtet wurde und beide Ge­bäu­de verbindet. Als Kulturhaus Hans March­witza war der Gebäudekomplex zu DDR-Zeiten einer der Dreh- und An­gel­punkte des Potsdamer Kultur- und Party­lebens. Zuvor war die Stimmung an diesem Ort nicht immer so dolle: Bis 1875 diente der Tambour, auf dem At­lan­ten die Weltkugel stemmen, als städtisches Gefängnis.

      Heute zeigt hier das Potsdam Museum wech­selnde Ausstellungen zur Stadt­his­torie und zudem die Dauer­aus­stel­lung „Potsdam. Eine Stadt macht Ge­schich­te“. Der Parcoursritt durch die 1000-jährige Stadtgeschichte ist sehr text­lastig, birgt aber einige spannende his­torische Fotografien.

      Di/Mi und Fr 10-17 Uhr, Do 10-19 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr. Zuletzt freier Eintritt, was sich aber wie­der ändern kann. Am Alten Markt 9, www.potsdam-museum.de. Tram 91, 92, 93, 96, 98 bis Alter Markt/Landtag.

      Skulpturen über Skulpturen: vorne Obelisk, hinten Potsdam Museum

      Hassos Schatzkästchen

      Die Geschichte des Gebäudes ist schnell erzählt: In den 1770er-Jahren wur­de es auf Geheiß Friedrichs II. nach dem Vorbild des gleichnamigen rö­mi­schen Palazzo errichtet, 1945 zerstört, 1948 gesprengt und zwischen 2013 und 2016 rekonstruiert. Seitdem teilt darin der SAP-Mitgründer, Wahl-Potsdamer und Mäzen Hasso Plattner seine be­ein­dru­ckende Kunstsammlung mit der Öf­fent­lichkeit. Und diese liebt das Haus: Kein Schloss, kein anderes Museum Pots­dams zieht mehr Besucher an. Bei den hochkarätigen Ausstellungen steht man zuweilen bis zur Nikolaikirche Schlange.

      Im Gegensatz zum historisierenden Ex­te­rieur präsentiert sich der Palast im In­neren klar und minimalistisch. Schwer­punkte der wechselnden Aus­stel­lungen: Impressionismus und Kunst der DDR-Zeit. Angeschlossen sind ein netter Museumsshop und ein sty­lishes Café. Nach Süden öffnet sich der dreiflügelige Bau zur Alten Fahrt hin. Den dortigen Innenhof beherrscht die Bronzeskulptur Jahrhundertschritt des Künstlers Wolfgang Mattheuer (1927-2004) aus dem Jahr 1984. Eine Hand der kopflosen Figur ist zum Hit­ler­gruß erhoben, die andere zur kom­mu­nistischen Faust geballt - ein Mensch, zerrissen zwischen den tota­li­tä­ren Systemen des 20. Jh.

      Tägl. (außer Di) 10-19 Uhr. 14 €, erm. 10 €, wer War­tezeiten vermeiden möchte, sollte online bu­chen. Humboldtstr. 5-6, www.museum-barberini.com. Tram 91, 92, 93, 96, 98 bis Alter Markt/Landtag.

      Phönix aus der Asche zum Ersten

      Nach langem Hin und Her und viel Ge­zan­ke wurde das Potsdamer Stadt­schloss zwischen 2010 und 2014 wie­der­aufgebaut. Der Bürgerwille, der wie­der eine historische Mitte haben wollte, hatte sich durchgesetzt. Zu den pro­mi­nen­testen Befürwortern in Sachen Schloss­neubau gehörten Günther Jauch und Hasso Plattner. Hasso Plattner, des­sen Stiftung auch für den Wie­der­auf­bau des Palais Barberini ver­ant­wort­lich zeichnet, spendete gar 20 Mio. Euro für die Wiederherstellung der historischen Fassade. Das hört sich nach viel an. Ist es auch. Aber für je­man­den, dessen Vermögen auf über 14 Milliarden Euro geschätzt wird, ist das in etwa so viel wie für jemanden, der 14.000 € auf dem Konto hat und 20 € spendet. Wie dem auch sei - er hat ge­spendet. Und fördert anderswo. Das zeich­net ihn als einen großen Mäzen aus.

      Traute Eintracht: Stadtschloss und Nikolakirche

      Äußerlich erinnert das Schloss an die Zeit, wie es nach dem Knobelsdorff-Um­bau Mitte des 18. Jh. aussah. Da­mals regierte Friedrich II. Das erste Schloss an jener Stelle hatte der Große Kur­fürst erbauen lassen, nachdem er Pots­dam zu seiner zweiten Residenz er­ho­ben hatte. 1945 - es residierten der Ober­bürgermeister und die Kreisleitung der NSDAP im Schloss - wurde es zer­bombt. 1960 abgerissen.

      Beim Wiederaufbau ließ

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