Potsdam MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag. Michael Bussmann
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Dortustr. 46, Veranstaltungen auf www.rz-potsdam.de. Bus 606 bis Naturkundemuseum.
Realsozialistisch: Glasmosaik von Fritz Eisel am Rechenzentrum
Bei Nancy & Co
Naturkundemuseum
Der Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt dieses Museums, dem ein Facelifting zu wünschen wäre, liegt auf der Tierwelt Brandenburgs. Wer ein Herz für ausgestopfte und aufgespießte Tiere sowie Dermoplastiken hat, ist hier genau richtig. Im Erdgeschoss begegnet man u. a. Maulwurf, Wiesel und Schleiereule, außerdem der Eisbärin Nancy. Die Ziehtante des legendären Knut verstarb 24-jährig im Jahr 2014 im Berliner Zoo. Das 1. OG bevölkern heimische Fell- und Federtiere wie Wildschwein und Eisvogel. Hier erfährt man auch, dass es 2017 sage und schreibe 16 Elch-Sichtungen in Brandenburg gab. Das 2. OG ist Tieren aus aller Welt vorbehalten. Im Keller schließlich wird’s nass - dort schwimmt u. a. die große Welsdame Weline in einem kleinen Aquarium.
Tägl. (außer Mo) 9-17 Uhr. 4 €, erm. die Hälfte. Breite Str. 13, www.naturkundemuseum-potsdam.de. Bus 606 bis Naturkundemuseum.
Großes Haus für kleine Menschen
Ehemaliges Militärwaisenhaus
Der spätbarocke, von vier Straßen umgebene Gebäudekomplex entstand zwischen 1771 und 1777 für Waisen und ungewollte Kinder von Militärangehörigen. Architekt war Carl von Gontard, der auch für das Neue Palais und die Domtürme auf dem Berliner Gendarmenmarkt verantwortlich zeichnet. Die Initiative dazu ging von einer Stiftung aus, die der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. bereits 1724 hatte gründen lassen. Abgesehen von einer langen Pause zwischen 1952 und 1992 existiert die Stiftung bis heute und fördert als „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ noch immer Kinder- und Jugendhilfeprojekte. Neben der Stiftung sitzen heute u. a. mehrere Ministerien in dem Gebäudekomplex.
In preußischer Zeit lebten in dem Gebäude bis zu 2000 Jungen und Mädchen in teils überaus beengten Verhältnissen. Zwar bekamen die Kinder Schulunterricht, mussten aber auch auf den Maulbeerplantagen oder in der Textilindustrie schuften - und das bis zu zehn Stunden täglich. Die Nazis unterhielten im Komplex eine nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola), eine brutale Kaderschmiede. Dann fielen die Bomben. Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde der Haupttrakt samt seinem 46 m hohen Torturm (Monopteros) und der auf sechs Säulen schwebenden Kuppel. Die güldene Caritas obenauf fiel ab und ward nie mehr gesehen, erst 2004 wurde sie durch eine Kopie ersetzt. Erhalten blieb das ungemein elegante Treppenhaus darunter - eine architektonische Meisterleistung mit schmiedeeisernem Rokokogitter. Werktags ist ein Blick ins Treppenhaus möglich. Das Waisenhaus-Museum im Innenhof ist nur nach vorheriger Anmeldung zugänglich.
Treppenhaus: Mo-Fr 8-17 Uhr. Waisenhaus-Museum: Nur nach Anmeldung Mo-Fr 10-17 Uhr. 3 €. Breite Str. 9A (Eingang zum Treppenhaus jedoch von der Lindenstr. 34A), www.stiftungwaisenhaus.de. Bus 606 bis Naturkundemuseum.
Goldig: Caritas krönt den Monopteros des ehemaligen Militärwaisenhauses
Sehenswertes abseits des Spaziergangs
Grün-bunte Oase im Zentrum
Freundschaftsinsel
Auf der 7 ha großen Freundschaftsinsel zwischen Altem Markt und Hauptbahnhof riecht Potsdam im Sommer ein wenig nach Berlin. Studenten sitzen auf der Wiese zusammen, trinken Bierchen, kiffen. Verliebte säuseln sich auf schneeweißen Bänken süße Worte ins Ohr. Angler hoffen am Havelarm Alte Fahrt auf den großen Fang. Aber es ist doch nicht Berlin. Was fehlt: der Siff der großen Nachbarstadt.
Ihren heutigen Namen erhielt die Insel Mitte des 19. Jh. Damals gab es hier das Ausflugslokal Insel der Freundschaft, das für seine rauschenden Rosenfeste bekannt war. Zwischen 1938 und 1940 legte der Staudenzüchter Karl Foerster (1874-1970) einen Schau- und Lehrgarten mit zigtausenden von Blütenstauden, Seerosenbecken, Rosenbüschen und hohen Gräsern an - bis heute das Highlight der Insel. Zahlreiche Skulpturen, Überbleibsel der Ausstellungen „Plastik im Freien“ aus den Jahren 1963-1969, kamen als zusätzlicher Schmuck hinzu.
Staudenfans aufgepasst: Karl Foerster wohnte im Vorort Bornim. Dort sorgte er mit mehreren 100 Sorten Neuzüchtungen (darunter viele winterharte Blütenstauden) dafür, dass die Welt auch in der kalten Jahreszeit bunter wird. Der Foerster-Garten kann tägl. von 9 Uhr bis Sonnenuntergang besichtigt werden. Eintritt frei. Am Raubfang 6, www.foerster-stauden.de. Bus 614, 692, 698 bis Amundsenstraße/Potsdamer Straße.
Kunst bietet auch der gläserne Pavillon des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam, der zeitgenössische Künstler aus der Region und den Dialog zwischen Kunst und Naturwissenschaften fördern will. 100 m weiter liegt, ebenfalls zur Alten Fahrt hin, das nette Inselcafé samt Terrasse.
Übrigens: Von der Liegewiese auf der Freundschaftsinsel blickt man auf einen Turm, der wie ein Sendemast aussieht. Er gehört zur Seniorenresidenz Heilig Geist Park. An gleicher Stelle stand früher die barocke Heilig-Geist-Kirche, deren Kriegsruine 1974 gesprengt wurde. Die stählerne Spitze des heutigen Turms ahmt die Konturen der verschwundenen Kirchturmspitze nach.
Park: Mai-Aug. tägl. 8-22 Uhr, März/April und Sept./Okt. 8-20 Uhr, Nov.-Feb. 8-17 Uhr. Radfahren ist nur auf gekennzeichneten Wegen erlaubt. Pavillon des Kunstvereins: Mi-So 13-17 Uhr. Eintritt frei. www.freundschaftsinsel-potsdam.de und www.bkv-potsdam.de. Tram 91, 92, 93, 94, 96, 98, 99 bis Lange Brücke.
Nach Minsk und zum Kreml
Brauhausberg
Das Eck südlich des Potsdamer Hauptbahnhofs wird Teltower Vorstadt genannt. Ein für Potsdamer Verhältnisse fast schon mächtiges Gebirge tut sich dort auf, bestehend aus dem Brauhausberg (88 m) und dem Telegrafenberg.
Zum Brauhausberg gelangt man, wenn man gegenüber dem Hauptbahnhof am Schwimmbad Blu vorbei der Brauhausbergstraße (= B 2) bergauf folgt. Dabei passiert man 100 m oberhalb des Schwimmbads das ehemalige Terrassenrestaurant Minsk, einen Flachdachbau aus den 1970er-Jahren, an dessen Errichtung Handwerker aus Minsk beteiligt waren. In Minsk entstand als Gegenleistung das Restaurant Potsdam. Das Minsk war ein sog. Nationalitätenrestaurant, das die Küche des sozialistischen Bruderlandes Weißrussland servierte. Mit Jeans kam man hier nicht rein. Anfangs wurde gar von weißrussischen Tellern gegessen, später verwendete man