Zweitsommer. Isolde Kakoschky

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Zweitsommer - Isolde Kakoschky

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einschlafen!«, ermahnte sie ihr Mann. Doch das war nicht nötig. Sie tranken ihre Gläser aus und gingen gemeinsam die Treppe hinauf zum Schlafzimmer.

      In dieser Nacht schlief Berit tief und traumlos und eng an Daniel geschmiegt, so wie ganz früher, zu Beginn ihrer Ehe.

      Wieder war das Haus in Stille gehüllt, als Berit die Augen aufschlug. Sie überlegte kurz, was heute noch alles zu erledigen sein würde. Schließlich hatte sie heute noch frei. In der nächsten Woche rief die Arbeit wieder.

      Sie stellte sich kurz unter die Dusche und begann, noch im Bademantel, zu frühstücken. Der Alltag setzte sich wieder durch und mit ihm die ureigensten Bedürfnisse. Der Kühlschrank hatte ihr nicht mehr viel geboten, sie musste also dringend Lebensmittel einkaufen. Aber auch ein paar Kleidungsstücke waren nötig. Noch einmal streifte sie die Bluse und das Kostüm über, aber es waren einfach nicht die Sachen, mit denen sie länger rumlaufen wollte, Todesfall hin oder her.

      Heute entschied sich Berit wieder dafür, das Auto zu nehmen. Es musste nicht sein, dass sie mit schweren Beuteln beladen den Berg hoch stieg.

      Und der Familien-Audi bot schon einiges an Stauraum. Den Berg runter hätte sie allerdings glatt den Motor sparen können, da rollte das Gefährt ganz von selbst.

      Berit parkte in der Nähe des Marktplatzes und wollte als erstes nach Bekleidung suchen. Sie erinnerte sich noch, als ihre Großeltern gestorben waren. Da gab es das große Kaufhaus der Handelsorganisation noch. Und im Obergeschoss, ganz hinten in der letzten Ecke, da fand sich ein Schild:

      »Trauerbekleidung«. Das hatte weder mit hübsch noch mit modisch was zu tun, es war einfach nur schwarz und hässlich gewesen. Jetzt befand sich in dem Gebäude die Niederlassung einer Jeans-Kette und genau dorthin führte sie ihr Weg. Schon der erste Ständer war voll mit schwarzen T-Shirts in vielen Varianten, mit Strass-Applikationen, mit dezenten Logos oder mit kleinen Raffungen und Puffärmeln. Berit griff sich ein paar Bügel und verschwand in der Umkleidekabine.

      Bei der letzten Anprobe rief sie leise, um nicht aufzufallen, nach einer Verkäuferin. »Ich würde das gerne anlassen, geht das?«

      Die junge Verkäuferin, vielleicht im Alter von Markus und Tanja musterte sie von Kopf bis Fuß und erkannte Berits Problem.

      »Natürlich geht das, ich werde gleich den Diebstahlschutz entwerten, dann können Sie es anzie-

      hen. Aber ich glaube, Sie können noch mehr brauchen. Wir haben auch noch sehr schöne dunkle Jeans oder auch Jeans-Röcke und ein Sweatshirt würde ich Ihnen auch noch empfehlen. Dazu noch diese Blousonjacke und Sie sind für die nächsten Wochen gut angezogen.«

      Dankbar blickte Berit die junge Frau an. Wenig später hatte sie die größte Einkaufstüte voll mit Klamotten gepackt, die sie je getragen hatte. Na, wenigstens musste sie nicht noch Schuhe kaufen, die waren, wie bei Frauen üblich, in allen Farben vorhanden, auch in schwarz.

      Berit wuchtete die Riesentüte ins Auto und widmete sich den Lebensmitteln. Als sie alles eingekauft hatte, sah der Kofferraum gut gefüllt aus. Das Wochenende würde nicht in eine Schlankheitskur ausarten müssen, wie noch vorhin zu befürchten war. Berit sah auf die Uhr und beschloss, noch einen kurzen Abstecher zu ihrer Mutter zu machen. Die hatte sich zwar nicht gemeldet, aber Berit dachte sich, sicher ist sicher.

      Einen Moment überlegte sie, ob sie ihren Schlüssel benutzen sollte um gleich in die Wohnung zu gehen. Doch sie entschied sich, zu klingeln. Es dauerte auch gar nicht lange, bis die Mutter an die Tür kam.

      »Ach, das ist aber lieb, dass du mal reinschaust«, begrüßte sie ihre Tochter. Sie gingen in die Küche, wo die Mutter gerade mit dem Abwasch beschäftigt war. Seit Jahren versuchte die Familie sie von der Nützlichkeit eines Geschirrspülers zu überzeugen. Doch das war für die alte Dame viel zu viel Schnickschnack. Und das bisschen Geschirr kriegte sie immer noch mit der Hand sauber. Schließlich kam ja schon das warme Wasser aus dem Hahn. Welcher Fortschritt zu früher, als jeder Liter auf dem Herd heiß gemacht werden musste.

      »Was hat denn die Frau Doktor gestern gesagt?« Berit wollte wenigstens erfahren, wie sie den Gesundheitszustand ihrer Mutter einschätzen konnte. Es war gut, dass die Hausärztin gleich um die Ecke wohnte. Schon der Vater der jetzigen Frau Doktor, der alte Sanitätsrat war der Hausarzt der Familie gewesen, nun aber schon lange tot.

      »Ach, was soll sie sagen? Ich bin eine alte Frau, da muss man die Wehwehchen hinnehmen. Aber der Blutdruck ist wieder ganz gut und der Puls auch. Ich soll mich nicht aufregen, hat sie gesagt. Aber ich habe mir ja die Aufregung nicht ausgesucht.« Berit sah ihre Mutter liebevoll an. »Ach Mama, wie kann ich dir nur helfen? Möchtest du mit zu uns kommen und ein paar Tage oben bleiben?«

      »Nein, lass nur Kind, hier habe ich doch alles was ich brauche. Und wenn ich aus der Haustür trete, habe ich Bekannte um mich. Bei euch oben wäre ich ab nächster Woche doch den ganzen Tag alleine.«

      Berits Blick war voller Zweifel. »Aber du rufst gleich an, wenn was nicht in Ordnung ist!«

      »Das mache ich, versprochen. Aber nun fahr heim und kümmere dich um deinen Mann und deine Tochter.«

      Berit nickte. Sie verabschiedete sich von ihrer Mutter und stieg ins Auto. Ein kurzes Hupen, dann war sie um die Ecke verschwunden.

      Zuhause angekommen, räumte Berit die Lebensmittel in die Schränke und füllte den leeren Kühlschrank auf. Dann breitete sie ihre neu erworbenen Sachen auf dem Bett aus. Obwohl sie schwarz waren, war es keine typische Trauerbekleidung und damit mochte sie sich durchaus identifizieren, jedenfalls eine Zeit lang.

      Und so konnte sie auch zur Arbeit gehen. In der nächsten Woche musste sie ihren gewohnten Rhythmus wieder aufnehmen. Die Kollegen und die Kinder vertrauten darauf, dass sie dann wieder einsatzfähig war. Und Berit war sich sicher, dass ihr die Arbeit mit den Kindern gut tun würde. So nahm sie das Telefon und rief endlich bei ihrer Kollegin zurück. Mehr als eine kurze Rückmeldung war auch nicht nötig, alles Weitere würden sie am Dienstag besprechen können.

      Jetzt wollte sie sich erst einmal eine kleine Ruhepause gönnen. Sie hatte gerade die Kaffeemaschine angestellt, als Daniel vom Geschäft herüber kam.

      »Das passt ja wunderbar, einen Kaffee könnte ich jetzt auch gebrauchen!« Er ließ sich in der Diele nieder.

      »Kannst du denn einfach weg, sind keine Kunden da?«, sah Berit ihren Mann verwundert an.

      »Marion ist gestern wieder aus dem Urlaub gekommen«, berichtete er. »Eigentlich würde sie ja erst am Dienstag nach Pfingsten wieder anfangen, aber sie möchte uns gerne unterstützen und ist heute schon vorbei gekommen. Und als ich gesehen habe, dass du auch wieder da bist, bin ich gleich rüber gekommen.«

      Berit lächelte ihrem Mann zu. Auch sie war der Schwägerin dankbar. So eine gemeinsame Kaffeestunde in aller Ruhe, das tat beiden gut.

      Ausführlich berichtete Berit ihrem Mann von ihren großen Einkauf, vor allem der Bekleidung. Daniel konnte sich kaum das Lachen verkneifen angesichts des Kaufrausches seiner Frau. Aber da sie sich jetzt wenigstens wieder in ihrer Haut wohlzufühlen schien, war es ihm auch recht. Und schließlich ließen sich schwarze Sachen ja auch mit anderem kombinieren. Es musste also nicht gleich wieder jemand sterben, um die Kleidung zu nutzen.

      Fast nahtlos gingen die Eheleute vom Kaffee trinken zum Abendessen über. Wie in der letzten Zeit so oft, zog es Julia vor, gemeinsam mit ihrem Freund irgendwo ein Schnellgericht zu sich zu nehmen. Aber das war wohl ihrer Jugend geschuldet und natürlich dem Wunsch, so viel wie möglich mit Sebastian zusammen zu

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