Der Weg der Liebe. Orison Swett Marden

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Der Weg der Liebe - Orison Swett Marden

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andern gegenüber zu handeln, wie er wünscht, daß man ihm gegenüber handle, so würde dieser Traum bald zur Wahrheit werden.

      6. Wie man oft das verscherzt,

       wonach einen am meisten verlangt.

      Ein weiser Mann ließ einst seinem verstorbenen Kinde folgende Worte auf den Grabstein setzen: „Ich möchte lieber sterben und lieben im Reich des Todes, als ewig leben, wo keine Liebe ist. Unser Leben ist unnütz, sofern wir die nicht kennen und lieben, die uns hier lieben.“

      Der kostbarste Besitz auf dieser Welt, nach dem jedes Menschenkind am meisten verlangt, ist die Liebe. Ein Leben ohne sie ist undenkbar, denn leben heißt lieben. Wo keine Liebe ist, da ist kein Leben. Oder nur der Schein eines solchen.

      Die traurigste Lebenslage, die auch den Mutigen zum Feigling zu machen droht, kommt von dem Gefühl, daß niemand sich um uns und unser Los kümmert, daß es jedermann gleichgültig läßt, ob wir im großen Spiel des Lebens gewinnen oder verlieren.

      Anders ist uns zumut, wenn noch jemand da ist, der sich um uns sorgt. So verzweifelt und hoffnungslos die Zukunft vor uns liegen mag, das Bewußtsein, daß irgend jemand nach uns fragt und uns, wenn wir nicht mehr wären, vermissen würde, jemand, der an uns glaubt und sein Vertrauen in uns setzt — ein Weib, eine Mutter, ein Kind, ein Freund oder auch nur ein stummes Tier — befähigt uns, den Kampf ums Leben fortzusetzen. Aber die Empfindung, daß wir schlechthin allein dastehen, ohne Freunde, ohne jemand, der ein Interesse daran hat, ob es im Leben mit uns auf- oder abwärts geht, ob wir gewinnen oder verlieren, leben oder sterben, diese Empfindung ist niederdrückend. Unter solchen Umständen braucht man eine Natur von Stahl und Eisen, um durchzuhalten und seine Lebensaufgabe zu erfüllen.

      Wenn es möglich ist, daß ein Mensch in den Zustand solcher Verlassenheit gerät, so muß er selbst die Liebe aus seinem Herzen ausgeschlossen haben. Er muß den Versuch, zu lieben und geliebt zu werden, aufgegeben haben. Er muß den vom Schöpfer in jedes Lebewesen gepflanzten Trieb der Zärtlichkeit, des Wohlwollens, der Teilnahme erstickt haben. Irgend etwas hat seine Natur verdreht. Er ist nicht normal; denn Gott schuf uns für die Liebe — damit wir lieben und wieder geliebt werden.

      Kürzlich schrieb mir ein Bekannter, die Liebe sei ein für ihn toter Begriff, er wolle das Wort nie wieder hören noch lesen. Er lege jedes Buch beiseite, das von diesem Gegenstand handle. Stoße er zufällig darauf, so überschläge er das Kapitel. Er schwur, in seinem ganzen Leben wolle er mit der Liebe nichts mehr zu tun haben.

      Dabei verschwieg er, was diesen Umschwung in ihm verursacht hatte. Möglich, daß eine herzlose Kokette ihr Spiel mit ihm getrieben, oder daß ein Freund, dem er sein ganzes Vertrauen geschenkt, ihn getäuscht und verraten hatte. Mag dem sein, wie ihm wolle, ich kann nicht anders, ich muß den Mann von ganzem Herzen bedauern. Er versucht, das Gut, welches den Menschen am nächsten zu Gott emporhebt, das ihn selbst zu einem göttlichen Wesen macht, das einzige, was das Leben lebenswert gestaltet, aus seinem Herzen auszurotten.

      Viele Menschen sind schmerzlich enttäuscht, weil sie in ihrem Leben so wenig Liebe finden. Eine Frau sagte einst zu mir, sie glaube nicht an die Möglichkeit und das Vorhandensein einer wirklich selbstlosen Liebe. Sie habe herausgefunden, daß, was sie bei ihren sogenannten Freunden für Liebe gehalten habe, nichts als Eigennutz gewesen sei; denn, als das Unglück über sie hereingebrochen sei und sie ihren Verbindlichkeiten gegen sie nicht mehr habe nachkommen können, hätten sie ihr den Rücken gekehrt. Mit andern Worten: diese Frau glaubt, daß die Menschen einander nur lieben in dem Maß, als sie glauben, aus dem andern Nutzen ziehen zu können. Sie weiß offenbar nicht, daß ihre eigene Gemüts- und Herzensverfassung, ihr kaltes Mißtrauen gegen andere ihr die Liebe und Teilnahme ihrer Nebenmenschen rauben. Im Allgemeinen läßt sich sagen, daß wir von andern das Maß der Liebe empfangen, das wir ihnen geben. Die Empfindungen, die wir in andern wecken, die Gefühle, Erregungen und Leidenschaften, die wir entfachen, sind ein ziemlich getreuer Maßstab für unser eigenes Inneres und unsern Charakter. Wenn wir Argwohn, Mißtrauen, Neid und Eifersucht entfachen, so müssen solche Triebe bis zu einem gewissen Grad auch bei uns selbst vorhanden sein. Gleich und gleich gesellt sich gern. Wir rufen bei andern hervor, was mit unsrer innern Stellung ihnen gegenüber, mit der Behandlung, die ihnen von uns widerfährt, übereinstimmt.

      Viele, die nach Liebe schmachten, denen es den herbsten Verdruß bereitet, daß ihr Liebestrieb keine Befriedigung findet, verwehren selbst der Liebe den Eintritt in ihr Herz und blockieren es mit Dingen, die sich mit der Liebe nicht vertragen. Ein Herz voll Bitterkeit, Neid und Eifersucht, voll von Eigennutz, Habgier und übersprudelndem Ehrgeiz, von Verlangen nach Stellung, Ruhm und Macht, ist keine Wohnstätte für die Liebe. Eine solche Luft kann sie nicht atmen. Darin würde sie ersticken.

      Jedes normale Wesen verlangt nach Liebe, und doch, wie viele vertreiben sie von ihrer Türe durch ihr eigenes liebloses Gebaren! Oft geht es ja so im Leben, daß man durch seine verkehrte innere Haltung das verschmerzt, was einem der kostbarste Besitz zu sein dünkt.

      Eine Mutter z. B., die ihr ganzes Leben lang nach Liebe lechzt, entfremdet sich ihre eigenen Kinder durch die leidenschaftlichen Ausbrüche und Forderungen ihres heißen Temperaments. Sie verbannt jede Gemütlichkeit aus der Wohnstube durch ihr aufgeregtes Wesen, ihren Mangel an Selbstbeherrschung und ihre Nörgelsucht. So fühlen sich ihre Kinder nie wohl in ihrer Nähe. Es erleichtert ihnen das Herz, und sie sind froh, wenn sie sich von ihr trennen können. Nichts, was sie tun, findet ihre Billigung. Beständig tadelt sie ihr Benehmen, ihren Anzug, ihre Gewohnheiten. Nie fließt ein Wort des Lobes aus ihrem Munde, wenn sie auch noch so sehr sich darum bemühen. So treibt sie, was die Kinder an Liebe für sie haben, aus ihrem Herzen aus.

      Wahre Liebe fordert nicht, noch findet sie bloß Fehler an ihren Nebenmenschen. Sie ist nie unfreundlich, noch streitsüchtig. Willst du Liebe von andern, so mußt du es dir abgewöhnen, immer bloß die schlechten Eigenschaften der andern anzubellen, du mußt das Gute in ihnen ausfindig machen. Und suchst du treu, so findest du.

      „Im Herzen Afrikas, zwischen den großen Seen,“ erzählt Drummond, „stieß ich auf schwarze Männer und Weiber, die sich des einzigen Weißen, den sie je zuvor gesehen, noch wohl erinnerten — David Livingstone's; wenn man seinen Spuren in dem dunkeln Erdteil nachgeht und von dem freundlichen Doktor redet, der vor vielen Jahren zu ihnen kam, so leuchten die Gesichter der Schwarzen auf. Sie verstanden seine Sprache nicht, aber sie spürten die Liebe, die für sie in seinem Herzen schlug.“

      Über Lord Shaftesburys Gruft in der Westminster Abtei sind die zwei Wörter eingemeißelt: „Liebe, Dienst.“ Nicht sein Reichtum, noch sein Rang, noch seine Weisheit und seine staatsmännischen Talente sind es, die diesem Staatsmann einen Platz in dem Herzen seiner Landsleute sichern; nein, was ihn allen Ständen so wert und teuer macht, ist jene selbstlose Liebe, die ihn bewog, sein Leben dem Dienst seiner Mitbürger zu weihen.

      Ein Grabstein ähnlichen Gedenkens findet sich auf dem Friedhof des Dorfes Birr im Kanton Aargau. Dort liegt der große Erzieher und Menschenfreund Johann Heinrich Pestalozzi begraben, der „Heros und König der Liebe“, von dem die segensreichste Umwälzung auf dem Gebiet des Unterrichts- und Erziehungswesens ausgegangen ist, und der mit vollem Recht sich rühmen durfte, das Leben eines Bettlers auf sich genommen zu haben, „um den Bettlern zu zeigen, wie sie als Menschen leben sollen.“ Sein Denkmal zieren die Worte: „Alles für andere, für sich nichts.“ Alle seine Schöpfungen, auch die von ihm ins Leben gerufenen Erziehungsanstalten, sind, da es ihm selbst an praktischem Geschick und an der nötigen Menschenkenntnis mangelte, schon bei seinen Lebzeiten untergegangen. Aber in unzähligen Waisenhäusern und Rettungsanstalten, zu denen sein Werk die Anregung gegeben hat, lebt Pestalozzis Geist, der Geist der erbarmenden Menschenliebe, heute noch fort, und sein Name ist einer der glänzendsten, welche die Geschichte des Schweizer Volkes aufweist.

      Die Liebe ist der goldene

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