Flammen des Sommers. Madeleine Puljic

Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу Flammen des Sommers - Madeleine Puljic страница 4

Flammen des Sommers - Madeleine Puljic Flammen des Sommers

Скачать книгу

der uns abfackelt …«, schimpfte Daena, packte ihr Überkleid und war aus der Stube gestürmt, noch ehe sie es übergeworfen hatte.

      Ihre wütenden Schritte polterten die schmale Treppe hinunter. Erst dann wagte es Berekh – der wahrscheinlich mächtigste wieder lebende Magier, der von vielen nur der Schlächter genannt wurde – den Atem entweichen zu lassen, den er unbewusst angehalten hatte.

      ***

      Warum hatte er ihr nicht die Wahrheit gesagt? All die Zeit hatte er nach einer passenden Gelegenheit gesucht. Also warum griff er nach der erstbesten Ausrede, die ihm einfiel, sobald es dazu kam?

      Die Antwort gestand Berekh sich nur ungern ein: Krajas Parfum.

      Für dessen Vorhandensein gab es nur zwei denkbare Erklärungen. Erstens: Er hatte sich den Geruch nur eingebildet, was bedeutete, dass er halluzinierte und allmählich den Verstand verlor. Oder zweitens: Kraja hatte ihn absichtlich dort platziert. Und das hätte nur dann einen Zweck besessen, wenn sie nicht bloß damit rechnete, dass jemand ihr und ihren Schwarzmagiern nachspürte, sondern auch ganz genau wusste, wer ihr da folgte. Berekh war sich nicht sicher, welche der beiden Möglichkeiten ihm mehr missfiel.

      Eine einzelne, braun getupfte Feder durchbrach seinen Gedankengang. Der Wind trieb sie an ihm vorbei und über den Hof. Ihr Kiel war angesengt.

      »Woher hätte ich denn wissen sollen, dass dein Weibchen so an diesen komischen Vögeln hängt?«, kommentierte Lrartsnjok mit niedergeschlagener Stimme seinen Blick. »Ich dachte, das wäre mein Frühstück.«

      Wie sollte er dem jungen Drachen erklären, warum Daena beim Anblick dessen, was von ihren Hühnern übrig geblieben war, mit dem Besen auf ihn losgegangen war? Berekh hatte im Moment ganz andere Sorgen. Kindererziehung hatte er eigentlich nicht dazuzählen wollen, und die eines vorlauten Drachenjungen schon gar nicht.

      »Du solltest einem Weibchen niemals Futter wegnehmen«, brummte er. »Schon gar nicht, ohne vorher zu fragen.« Und besonders dann nicht, wenn es sich dabei um mein Weibchen handelt.

      Alle vier Hennen mitsamt ihrem stolzen Gockel waren in Flammen aufgegangen, und Lrartsnjok hatte seine vor Wut brodelnde Gastgeberin auch noch nach einem Nachschlag gefragt.

      »Oh. Sie wollte die Vögel selbst zum Frühstück?« Der Jungdrache sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.

      Berekh ersparte sich genauere Erklärungen. »Hat man dir denn nicht beigebracht, dir dein Futter selbst zu jagen?«, fragte er stattdessen.

      »Oh … Doch!« Neues Selbstvertrauen durchströmte den Drachen. »Ich werde deinem Weibchen Frühstück bringen!«, rief er entschlossen.

      »Ja, mach das.« Das würde Berekh Zeit geben, um über die vergangene Nacht nachzudenken.

      Lrartsnjok galoppierte los, um Schwung zu holen. Seine Flügel waren noch nicht kräftig genug, um ihn aus dem Stand hochsteigen zu lassen, aber sein Eifer war entfacht. Einer plötzlichen Eingebung folgend, schrie Berekh gegen das Trampeln an: »Nichts, was einen Zaun rundherum hat, verstanden?«

      »Was ist ein Zaun?«, brüllte Lrartsnjok über seine Schulter zurück, ohne innezuhalten. Ein splitterndes Krachen war die Folge.

      »Das, was du gerade umgerannt hast!«

      »Ist gut!«

      Kopfschüttelnd machte Berekh sich auf den Weg in den Schuppen, um Werkzeug für den demolierten Zaun zu holen. Weitere Katastrophen würden die Laune seines Weibchens nicht gerade verbessern, und Daena schien seit der Ankunft ihres Gastes ohnehin angeschlagen. Außerdem würde ihm die körperliche Arbeit dabei helfen, den Kopf freizubekommen, also sollte er die Reparatur besser gleich vornehmen – bevor Daena den Schaden zu Gesicht bekam.

      Sobald er jedoch die Scheunentür öffnete, wurde er angegriffen. Unter hysterischem Gackern und heftigen Flügelschlägen zwängte sich ein Huhn zwischen seinen Beinen hindurch und stürmte auf das Haus zu.

      Kein Wunder, dass Lrartsnjok Nachschlag wollte, dachte Berekh. Er hat ja auch eines übersehen.

      Der leicht angekokelte Kadaver, den der Drache eine halbe Stunde später in vollem Flug vor ihrer Haustür abwarf, war unmöglich zu identifizieren. Wenn man von der Größe ausging, musste es sich dabei um ein Schaf oder eine Ziege handeln … Doch dann sah Berekh den Lichtfleck, der von etwas im Nacken des Tieres reflektiert wurde. Etwas aus Metall, das verdächtig nach einem Halsband aussah.

      Er musste würgen. Dass von dem Ding ein nicht unangenehmer Bratengeruch ausging, der sich kaum von jedem anderen Fleisch unterschied, war dabei nicht gerade hilfreich.

      Lrartsnjok landete etwas ungeschickt, dafür mit umso mehr Enthusiasmus. »Kein Zaun, wie versprochen!«, erklärte er stolz.

      Wir sind erledigt, dachte Berekh. Fieberhaft überlegte er, wie viel Zeit ihnen noch blieb, bis Daena merkte, was hier draußen los war. Womit hatte er diese wandelnde geschuppte Katastrophe nur verdient?

      Er belegte den Drachen und seine gesamte Rasse in Gedanken noch mit allen unheiligen Namen, da öffnete sich bereits die Tür seiner Hütte.

      ***

      Weibchen, schimpfte Daena stumm in sich hinein. Auch das noch.

      Sie ließ das breite Messer erneut auf die Rübe vor sich auf dem Tisch herniedersausen und achtete nicht auf die Gemüsestücke, die sie dadurch auf den Boden beförderte. Dem werde ich schon noch beibringen, wer hier nur das Weibchen ist.

      Es war noch nicht allzu lange her, da war sie die Hauptperson in ihrem eigenen Leben gewesen und Berekh das Anhängsel. Er hatte sogar in ihre Tasche gepasst. Aber seit dem Zeitpunkt, als er wieder Fleisch auf die Knochen bekommen hatte, fühlte Daena sich immer weiter an den Rand gedrängt.

      Berekh traf die Entscheidungen. Er behielt Geheimnisse für sich, er kannte die Leute, den Weg. Sie war nur noch mitgezogen worden, gebannt von seiner Zielstrebigkeit und seiner Energie. Und sie hatte es genossen, das gab sie durchaus zu. Mit den Entscheidungen auch die Verantwortung abzugeben war ihr mehr als willkommen gewesen. Daena hatte nie über das Schicksal von irgendjemand anderem entscheiden wollen.

      Aber unsichtbar war sie verdammt noch einmal auch nicht!

      Und auch wenn sie sich des Kämpfens überdrüssig gefühlt hatte, so war das doch zumindest ein Leben gewesen, das ihr einen gewissen Status gegeben hatte. Eine Kämpferin wurde ernst genommen, selbst eine kleine, unscheinbare wie sie. Sogar an Berekhs Seite war sie an der Front geblieben. Die Kriegerin des Zauberers – immer noch eine Person, der man Respekt zollte.

      Aber seit sie das Schwert gegen das Küchenmesser getauscht hatte und nur noch Gemüse massakrierte, hatte sich das gründlich geändert. Zugegeben, sie hatte sich in ihre neue Rolle voller Eifer und Freude gestürzt, froh, ihr altes Leben hinter sich zurücklassen zu können. Ein Neubeginn, ein ruhiges Dasein auf eigenem Grund und Boden … Das war es schließlich gewesen, wovon sie geträumt hatte. Aber einmal wahr geworden, zeigte der Traum jetzt seine Schattenseiten.

      Vielleicht hätte sie alles einfacher ertragen können, wäre sie nicht die Frau des Wunderheilers gewesen. Daena bezweifelte, dass auch nur ein Einziger im Dorf ihren Namen kannte. Sie war Berekhs Frau. Und eine Zeit lang war das alles gewesen, was sie sein wollte, es hatte ihr vollauf genügt.

      Allmählich jedoch verlor sie sich selbst. Sie hätte nie gedacht,

Скачать книгу