Perry Rhodan Neo 238: Die neun Türme. Rainer Schorm

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Perry Rhodan Neo 238: Die neun Türme - Rainer Schorm Perry Rhodan Neo

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oder schon eine genügend große Selbstdistanzierung überfordern sie. Ist ihre Wut nicht beeindruckend?«

      Das war sie. Die Shafakk erinnerten Kavvam jad Chi an schwarze, aufgeregte Nagetiere. Die Sperrfelder glühten beängstigend, obwohl sie ihre Leistungsgrenze noch längst nicht erreicht hatten. Die Luft im Innern kochte. Drei Shafakk, die keine kompletten Schutzanzüge trugen, lagen bereits am Boden. Die Hitze hatte ihre Lungen zerstört, das Fell qualmte und veraschte.

      Sie nehmen nicht mal Rücksicht auf die eigenen Leute, dachte der Salutor verstört. Obwohl sie wissen müssen, dass diese Opfer umsonst sind. Sie weigern sich einfach, die Niederlage zur Kenntnis zu nehmen.

      Auch die Omniten selbst nahmen zuweilen durchaus Opfer in Kauf – und muteten sie anderen zu, wenn das unumgänglich war. Allerdings nie ohne guten Grund.

      »Schalten Sie den Clouvis ein!«, hatte Kavvam jad Chi laut befohlen.

      Surron jad Sichanti hatte bestätigt, keine Sekunde später schloss sich ein Energiekäfig um die Minixaphake. Glühend rote, vibrierende Linien, Wurzeln oder Schlingpflanzen gleich, legten sich um das Raumschiff: dünne Fäden aus Lava.

      Kavvam jad Chi zoomte Atrrago heran. Der Shafakk-Aahn fletschte seine Kasshs. Der Salutor wusste, dass diese Zahnhülsen aufwendig hergestellt waren, kunstvoll verziert, aber sie widerten ihn an. Kunst zur Verherrlichung von Gewalt empfand er als Verbrechen.

      Ihre Kunst ist so barbarisch wie sie selbst, sinnierte er. Wir sind gezwungen, das zu tun, was notwendig ist. Sie jedoch genießen die Gewalt um ihrer selbst willen. Wahrscheinlich ist das ein Konstruktionsfehler.

      Die Shafakk waren eine Züchtung, genetisch aus einer Urform auf die Notwendigkeiten hin konstruiert. Sie waren ein Werkzeug, weiter nichts.

      Nach einer unglaublich langen Zeit erst stellten die verbliebenen Shafakk das Feuer ein. Kavvam jad Chi sah blutunterlaufende Augen und speicheltriefende Zähne.

      Der Salutor beendete die Aufzeichnung und wechselte mental in die Gegenwart zurück. Die Vergangenheit verblasste.

      Er hatte angeordnet, die Shafakk von Borrt Atrrago zu trennen. Verloren sie ihren Anführer, waren sie besser unter Kontrolle zu halten.

      Atrrago war allein. Kavvam jad Chi ließ sich den Arrestbereich zeigen, speziell Atrragos Zelle.

      Glas! Spiegel! Überall!

      Atrrago sah vielfache Spiegelungen von sich selbst, verzerrt, verkleinert, verformt. Der Shafakk-Aahn zischte wütend.

      Er hat sich seit seiner Festsetzung kein bisschen beruhigt, dachte Kavvam jad Chi ernüchtert. Wie konnte ich hoffen, dass er das tun würde? Er kultiviert seine Wut wie eine eigene Kunstform.

      Kavvam jad Chi musterte den Gefangenen, wie er es schon viele Male getan hatte. Ihm war die Behandlung des inhaftierten Shafakk-Aahn anvertraut, aber das brachte Schwierigkeiten mit sich, die ihn verunsicherten. Er verstand den Shafakk nicht. Seine Beobachtung des Gefangenen hatte daran kaum etwas geändert. Atrrago konnte den Salutor nicht sehen. Wenn Kavvam jad Chi den Shafakk besuchte, tarnte sich der Salutor in einer Quantentasche, die ihn verbarg. Der Shafakk-Aahn sah ihn nur, wenn Kavvam jad Chi das wollte.

      Atrrago fühlte sich von seiner Spiegelumgebung und durch die unsichtbaren Beobachter zur Schau gestellt, daran ließ er keinen Zweifel. »Wie ein seltenes, wenn auch gefährliches Tier in einer Absurditätenausstellung«, so hatte er seine Situation bei einem der Analysegespräche beschrieben. Auf dem Basar von Sukar Masir konnte man Darbietungen dieser Art besuchen. Kavvam jad Chi waren solche Schauspiele nie besonders spannend vorgekommen.

      Es machte Atrrago wütend, angestarrt zu werden. Er war wie ein Museumsstück zu besichtigen, aber niemand tat es. Letzteres reizte ihn sogar umso stärker. Dieser Widersinn irritierte Kavvam jad Chi am meisten. Atrrago war gefährlich, daraus leitete er tatsächlich eine gewisse Anspruchshaltung ab. Das Angestarrtwerden wäre für ihn der Beweis gewesen, dass man ihn als gefährlich anerkannte. Die Verweigerung dieser Aufmerksamkeit beleidigte ihn, und er reagierte, wie das für seine Art typisch war: mit noch mehr Aggression.

      Kavvam jad Chi empfand es als Versagen, dass er mit dem Shafakk-Aahn nicht weiterkam. Er war der Duktor seiner Gade, der Chi, aber die Bedeutung seiner Familie hatte abgenommen. Auf gewisse Weise war dies eine weitere Demütigung des Gefangenen, denn als oberster Diplomat kannte Atrrago die Verhältnisse zwischen den Gaden und ihre Rangordnung sehr genau. Dass nicht der Fokussor Mem Kauperon, sondern ein niedriger gestellter Omnit der einzige Gesprächspartner während der Gefangenschaft des Shafakk-Aahn war, beleidigte ihn zutiefst. Mem Kauperon hatte sich kein einziges Mal blicken lassen, obwohl Atrrago das immer wieder verlangt hatte.

      Eine dringliche Anfrage lenkte Kavvam jad Chi ab. Erneut war das Konziliat das Thema. Die Sicherheit auf Drem-Doreus zu gewährleisten, war eine durchaus ehrenvolle Aufgabe. Aber bis zum Amt des Fokussors, dem Leiter des Konziliats, war es ein lichtjahreweiter Weg. Mem Kauperon versäumte keine Gelegenheit, ihn das spüren zu lassen – unterschwellig, aber deutlich genug. Die Routinevorbereitungen und ständigen Unterbrechungen seiner Analyse von Atrrago waren nervtötend, aber bei einem Konziliat durfte Kavvam jad Chi diese Arbeiten auf keinen Fall delegieren.

      Er hörte den Shafakk-Aahn mit den Zähnen knirschen. Es war eine hilflose Geste der Auflehnung. Dazwischen waren Worte zu erahnen, die der Shafakk förmlich zerbiss. Kavvam jad Chi erhöhte die Aufnahmeempfindlichkeit der Akustikfelder.

      »Würdelos!«, stieß der Shafakk zischend hervor.

      Was meint er wohl mit Würde?, dachte Kavvam jad Chi. Wir haben sie geschaffen und verstehen unser eigenes Werk nicht. Das ist deprimierend.

      Hierarchie war ein möglicher Schlüssel. Dieses Konzept war logisch. Der Shafakk-Aahn war der höchste Würdenträger seines Volkes. Man nannte ihn den »Hohen Meister«. In der relativ flachen Hierarchie der Shafakk stand er über allen anderen. Er hatte sich seinen Weg nach oben erkämpft. Für Kavvam jad Chi war diese aggressive Kultur barbarisch. Rein intellektuell konnte er die zivilisatorischen Strukturen der Shafakk begreifen, empathisch lehnte er sie jedoch komplett ab.

      Der Shafakk-Aahn kauerte auf dem Boden einer Kammer, die scheinbar aus Glas bestand. Sie war geformt wie ein flaches Rotationsellipsoid. Links von ihm konnte Kavvam jad Chi, wenn er die Augen anstrengte, die haarfeinen Umrisslinien der Versorgungsschleusen erkennen. Sie waren viel zu klein, als dass sie für eine Flucht infrage gekommen wären.

      »Der Kampf ist alles. Nur der findet das Leben, der den Tod sucht!«

      Eine Shiire. Kavvam jad Chi wusste von den Sinnsprüchen der Shafakk, obwohl er kaum ein Dutzend zitieren konnte. Sein Interesse an dieser Pseudophilosophie war minimal. Im Prinzip war es immer dasselbe: Umschreibungen von »Dem Sieger gehört alles«.

      Atrragos Stimme war ihm unangenehm. Laut, zischend, scharf wie eine ihrer geschliffenen Waffen. Der schwarze Pelz des Shafakk glänzte. Körperlich ging es ihm gut, er bekam alles, was er brauchte. Dennoch hatte er sich nicht beruhigt, wie Kavvam jad Chi das gehofft hatte.

      Der Salutor wusste, dass der Shafakk-Aahn litt. Alles, was Atrrago zur Verfügung stand, waren die Worte eines Diplomaten. Und er durfte nicht mal Beleidigungen verwenden, um den Schwächeren ihren Platz deutlich zu machen. Das wäre zumindest akzeptabel gewesen, vermutete Kavvam jad Chi. Höfliche Diplomatie indes war eine kaum erträgliche Zumutung für einen Shafakk.

      Bevor sich Kavvam jad Chi anderen und wichtigeren Dingen zuwandte, beobachtete er, wie Borrt Atrrago einen Kassh von den Fangzähnen zog.

      Angewidert

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